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Ein Augenblick: Liebe |
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geschrieben am: 05.12.2005 um 22:26 Uhr
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Ein Augenblick: Liebe
Ich habe mich oft gefragt, ob ich Liebe wirklich empfinden kann. Gibt es die Liebe überhaupt?
Ich meine, ich rede nicht über die Liebe, die man Freunden oder der Familie entgegen bringt.
Nein. Ich spreche von den Schmetterlingen im Bauch die einen ganz verrückt machen, von Gänsehaut und Hitzewellen.
Wie ist es wenn man von einem Schmetterling berührt wird? Ist es weich und lieblich? Lässt man sich blind hinab fallen, in der Hoffnung, von sanften Armen aufgefangen zu werden?
Ich weiß es nicht.
Ich habe so etwas noch nie empfunden.
Aber ich hatte mich bereits damit angefunden, ein Leben ohne diese wirkliche Liebe zu führen.
Das soll aber nicht heißen, dass ich keinen Freund habe. Es ist wirklich ein ganz netter Junge. Ich mag ihn sehr, aber es ist keine Liebe, die mich an ihn bindet.
Dabei habe ich ihm schon so oft diese drei kleinen Worte ins Ohr geflüstert. Ich habe gesagt, dass ich ihn liebe.
Eine Lüge. Traurig aber wahr und doch habe ich kein schlechtes Gewissen. Aber ich werde diese Lüge nicht gestehen, zumindest nicht ihm gegenüber.
Warum auch? Es läuft doch alles ganz wunderbar.
Alle sind glücklich. Ich glaube, dass ich es auch bin, aber… Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen.
Ich empfinde einfach nicht diese Leidenschaft. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und ich habe mich schon sehr lange damit abgefunden.
Fast zu lange, um die Veränderung zu bemerken.
Ich saß mit zwei Freundinnen in einer Bar. In fünf Minuten würde sie schließen. Wir hatten bereits bezahlt und ich hatte mich damit abgefunden, dass wieder ein langweiliger Tag in meinem Leben vorbei war.
Ich zog meinen Mantel an. Draußen war es kalt und der Schnee lag bis zu zehn Zentimeter hoch. Bald würde Weihnachten sein.
Die Tür wurde aufgestoßen. Kalter Wind und Schnee kamen uns entgegen.
Ich verzog das Gesicht. Ich hasste diese Kälte und wünschte mir den schönen warmen Sommer zurück.
Grade als ich das meinen Freundinnen erzählen wollte, trat ein Mann ein und schloss hinter sich die Tür.
Es war nicht so, wie ich es aus Büchern oder kitschigen Liebesfilmen kannte. Nirgendwo schwirrten kleine Herzchen herum und ich spürte auch keine Schmetterlinge in meinem Bauch, die Tango tanzen.
Mir war einfach nur schwindlig und schloss kurz die Augen, aber sein Gesicht verfolgte mich in die konturenlose Dunkelheit.
Blut rauschte hinter meinen Schläfen. Mein Herz schlug schneller. Es kam mir so vor, als ob es ganz laut schlagen würde. Ich war mir sicher, dass es jeder hören konnte.
Mir kam es so vor, als ob ich stundenlang mit geschlossenen Augen da stand, aber in Wahrheit waren es nur ein paar wenige Augenblicke.
Als ich die Augen wieder aufschlug, hatte sich der fremde Mann kaum weiterbewegt.
Mein Herz raste noch immer.
Er sah hinreißend aus. Jeder andere hätte sicher das Gegenteil behauptet oder gesagt, dass er wie jeder Mann auf der Straße aussah. Eben nichts Besonderes.
Nur für mich.
Und dann lächelte er. Er lächelte mich an und ich konnte seine ebenmäßigen weißen Zähne sehen.
Ich war wie erstart. Ich konnte nicht zurück lächeln.
Für einen Moment, glaubte ich, dass mein Herz aussetzen würde. Einfach einen Schlag überspringend. Mir wurde wieder schwindlig, aber diesmal kämpfte ich dagegen an. Erfolgreich.
mfg
Madleen |
Alles, selbst die Lüge, dient der Wahrheit; Schatten löschen die Sonne nicht aus.
Franz Kafka |
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geschrieben am: 05.12.2005 um 22:27 Uhr
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Dann drehte er seinen Kopf zur Seite und sah sich um. Sein Lächeln wurde breiter.
Meine Augen folgten seinem Blick.
Und dann zerbrach mein Herz. Ich hörte es richtig knacken. Kein leises, sondern ein richtig lautes Krachen, so als ob ein Gebirge auseinander brechen würde.
Sein lächeln hatte niemals mir gegolten. Nein, nur der Frau, die jetzt auf ihn zukam.
Ich hasste sie.
Aber ich spürte auch Enttäuschung und Schmerz.
Ich wollte ihn haben. Ich wollte für ihn kämpfen.
Er sollte meiner sein!
Dann wurde ich plötzlich von meiner Freundin am Arm gepackt. Mein Kopf wirbelte herum und der Blickkontakt riss ab.
Leere erfüllte mich. Stumm kämpfte ich gegen die Tränen an, die meine Augen zu überschwemmen drohten.
In diesem Moment war ich mir sicher, dass ich ihn verloren hatte.
Meine Freundin zog an mir. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen. Meine Beine fühlten sich wie Pudding an und ich hatte Angst, dass sie mich nicht tragen konnten.
Aber sie taten ihre Aufgabe und gaben nicht unter mir nach.
Gott sei dank.
Kalte Luft schlug mir ins Gesicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich aus der Bar hinaus gekommen bin. Aber das spielte jetzt auch keine Rolle. Mir war schon wieder schwindlig.
Und dann kam mir die Erkenntnis, dass ich ihn nie wieder sehen würde.
Am liebsten hätte ich vor Kummer geschrieen.
Nun, dieser Schmerz hat mich sehr lange begleitet. Aber auch die Leidenschaft und die heiß glühende Liebe, die ich in mir gespürt hatte. Auch wenn es nur wenige Sekunden gewesen sind.
Ich werde das alles nie vergessen.
Ich werde diesen Augenblick in der Bar nie vergessen. Diesen Augenblick der Erregung und des Unglücks.
Für immer werde ich diese Eindrücke in meinem Herz behalten!
Mfg
Madleen |
Alles, selbst die Lüge, dient der Wahrheit; Schatten löschen die Sonne nicht aus.
Franz Kafka |
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geschrieben am: 07.12.2005 um 13:53 Uhr
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| Verliebtsein und Leidenschaft wird immer noch viel zu oft mit Liebe verwechselt, obwohl diese ja aus den beiden erstgenannten erwächst und nicht von Anbeginn als "Liebe" bezeichnet werden kann. |
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geschrieben am: 08.12.2005 um 14:57 Uhr
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| Ich halte nicht viel von der Liebe auf den ersten Blick. Sie ist zu trügerisch. Etwas, wonach man kurzfristig Verlangen verspürt, muss nicht langfristig gut für einen sein. |
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