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think thrice

Nutzer: Sunny_001
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geschrieben am: 04.09.2001    um 19:06 Uhr   
hi ihrs!
wollt hier nur ma ne geschichte los werden, die ik irgendwo letztens gefunden hab. wenn ihr se schonma anfangt zu lesen, dann bidde och zu ende...achja und die is nich von mir..
bye viel spass

Think Thrice

Strassenbahnfahren am Abend. Lena, erschöpft von der Arbeit im Karatezentrum, hat einen Fensterplatz ergattert. Am liebsten würde sie niemanden hören, niemanden sehen. Um diese Zeit hasst sie Menschen. Als sie gerade ihr Gesicht in der Armbeuge vergraben will, setzen sich eine blonde Mutter und ihr etwa fünfjähriger Sohn neben sie.
Der Sohn klettert auf den Platz gegenüber, die Mutter setzt sich neben Lena und verschwindet sofort hinter ihrer Bild-Zeitung.
Armer Reporter. Hirn schon tot.
Was für eine Schlagzeile! Der Beweis, dass Hirn zwar tot, aber macht nix, weil Reporter schreibt und schreibt und...
Lena verkneift sich ein Grinsen. Der Kleine stößt inzwischen böswillig mit seinen Füßen gegen Mutters Knie. Nach etlichen Minuten- wahrscheinlich als sie den Absatz zu Ende gelesen hat- reißt sich die Mutter die Zeitung vom Gesicht und schrillt: "Schluss jetzt, Kevin!" Kevin haut zurück. Die Mutter verschwindet wieder. Aha. So geht Eltererziehung. Als die beiden endlich aussteigen, hat Lena so starke Kopfschmerzen, dass sie sich fast wünscht, auch ihr Hirn wäre tot.
Doch schon sitzt der nächste potentielle Nervtöter da. Dunkles Haar, gebogene Nase, die Wangen voller Narbensplitter. Drei pralle Aldi-Tüten. Gleich kommt der Knoblauchgeruch rüber. Lena zieht vorsichtig die Luft ein. Nein doch nicht. Die Langeweile ist genauso unerträglich wie ihr Kopfweh. Sie schiebt sich einen Lolli in den Mund und streicht mit einem Seufzer ihr schneefeuchtes kastanienbraunes Haar aus der Stirn. Draußen gähnt die Nacht. Nicht mal die Autos können sie wach hupen. Unaufhaltsam bohrt sich sein Blick in ihre linke Schläfe. Einfach ignorieren. Demonstrativ zum Fenster raussehen. Gelangweilt Lolli rein, Lolli raus. Plötzlich wird ihr bewußt, was er sich wahrscheinlich denkt, während er ihr dabei zusieht. Sie hat doch keine Lust mehr auf den Lolli. Gleich weg damit. Lauter als nötig knallt sie den Behälter zu.
Lena ist hübsch. Dunkles Haar und meerblaue Augen. Sie wird oft angestarrt. Natürlich bemerkt sie das- aus den Augenwinkeln. Die Männer kennen das nicht: aus den Augenwinkeln. Die glotzen immer frontal, unauffälliges Beobachten beherrschen nur Geheimagenten, und auch das nur in Filmen. Wenn es sie nicht gerade nervt, fühlt sie sich geschmeichelt. Besonders dann, wenn sie gerade einsam ist, so wie jetzt. Der hier mit der Adlernase kramt in einer seiner Aldi-Tüten, und sie ergreift die Gelegenheit, unverbindlich einen Blick auf ihn zu werfen. Lange schwarze Wimpern, Wash-andGo-Haar, sehnige Hände ohne Affenbehaarung. "Ganz ok.", beschließt sie, "kann man ruhig noch ein bisschen starren." Als er sich dann unvermittelt aufrichtet, prallen ihr Blicke aufeinander. Überraschende Reibungswärme. Sie fühlt, wie sie rot wird. Was für Augen!
Er lächelt. Sie wirft ihren Blick verwirrt aus dem Fenster. Der stumpfe Asphalt verschluckt ihn. Die Stadt entschwindet. Eine Weile spielen sie Blicke-Pingpong und schweigen.
Da durchbricht plötzlich von gegenüber ein Krächzen ihre Stille: "Jetzt sprecht euch doch endlich an, das sehe ich ja sogar von hier, dass ihr das beide im Kopf habt!" Ein Rentner mit Spazierstock und Gamsbart starrt sensationslüstern zu ihnen herüber. "Alter Spanner!" denkt Lena wütend. Sie fühlt wie ihr Gesicht rot anläuft...aber was, wenn der Alte Recht hat?
Der dunkle Typ ist gar nicht so übel... geheimnisvoll... aus weiter Ferne... vielleicht ist er unglücklich, einsam wie sie? Sie studiert seine groben schwarzen Schuhe. Seine Hände. Es sind sensible, schöne Hände. Keine Brutalohände. Als er ihren Blick bemerkt, verzieht sich sein Mund. Ein Herzhüpf-Lächeln, für das sie sich nichts kaufen kann. Warum sagt er nicht endlich etwas? Ein bisschen genervt kehrt sie ihm den Rücken zu und gleitet mit ihrem Blick die Nacht entlang. Noch drei Haltestellen. Der Gamsbart-Opa steigt aus. Wie lange wird er noch da sein?
Plötzlich raschelt es in seinen Tüten. Am Rande des Gesichtsfeldes bemerkt Lena: Er fummelt an seinem Gesicht herum. Neugierig dreht sie den Kopf, in dem Moment sieht er sie voll an. Die Überraschung erwischt sie mitten in der Bewegung. Sie lacht laut los: Wo vorhin seine Adlernase war, sitzt nun ein verwarztes Plastikimitat mit Bürstelbärtchen unten dran. Sein Mund: ein Ohr-zu-Ohr-Briefschlitz. Lena lachte übermütig. "Wo haben sie die denn her?"
Nuscheln unter dem Schnauzbart: "Vom Schönheitschirurgen. Operieren hat keinen Sinn bei mir." Eine unglaublich samtige Stimme. Kein Akzent. Weil er lacht, lacht sie auch.





Geändert am 04.09.2001 um 19:09 Uhr von sunny_001

Geändert am 04.09.2001 um 19:13 Uhr von sunny_001
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Nutzer: Sunny_001
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geschrieben am: 04.09.2001    um 19:07 Uhr   
Neugier hupft in ihrem Mund. "Wie heißen Sie?"
"Laurin. Und sie?"
"Lena." Laurin und Lena. Tanzt auf ihren Lippen. Wie ein Film. Oder eine Oper. Je länger sie seine Augen betrachtet, desto mehr leuchten sie. Die Farbe: "Frische-Kastanien-im-Sonnenschein". Vielleicht ist das Schicksal. Er und Sie. Vielleicht ist es doch gut, dass sie kein Auto hat... Ihr Kopfweh ist vergessen. Sie bemerkt, wie im Rückfenster ihre Haltestelle schrumpft. Was jetzt?
Sie überlegt fieberhaft, er knetet mit seinen Händen nervös dir deutsche Maßnase. Nächster Halt: Peterswalde. Endstation. Bitte alle aussteigen. Ein erleichtertes Lachen gegen die Verlegenheit.
"So weit draußen wohnen sie also?"
Lena schüttelt den Kopf: "Nein. Und sie?"
"Ich auch nicht", erwidert er mit halb geschlossenen Augen und einem feinem Lächeln.
Als sie ausstiegen, sind sie die einzigen Menschen weit und breit. Stehen eine Weile ratlos unterm schneeumstöberten Haltestellenschild. Die Kälte und der stechende Schnee fahren ihnen brutal ins Gesicht. Lena zieht den Schal enger um ihren Hals.
Da sagt er es: "Soll ich dich nach Hause begleiten?"
Das "dich"... fast schüchtern, beschützend...
Sie nickt, und ihre Wangen glühen. "Wenn du dich nicht fürchtest im Wald?", fügt sie neckend hinzu, "da müssen wir nämlich durch."
Sie wundert sich über ihr Vertrauen zu Laurin, den sie erst seit zwanzig Minuten kennt. Seine Schultern sind breit, die Arme muskulös. Seine Augen sprühen, wenn er lacht, selbst in der Dunkelheit. So wie jetzt, als er scherzhaft knurrt: "Keine Angst, ich bin böser, als der böse Wolf!" Dazu rollte er seine Augen und fletschte die Zähne. Wie leicht er sie zum Lachen bringen kann. Ein Mann mit Sinn für Humor! Lena findet ihn immer sympathischer.
Sie sieht sich um: der Schnee, die knisternde Stille ? in ihr wächst die Gewissheit, dass alles möglich ist an diesem magischen Abend. Die Straße ist leer. Ruhig. Friedlich. Sachte berührt Lenas Hand die seine. "Wie gut er sich anfühlt...", denkt Lena. Und hofft, dass auch ihre Hand sich schön anfühlt, weich und zart. Trotz des vielen Trainings.
Knisternde Stille liegt über den beiden. Um sie zu durchbrechen, sagt sie, was ihr gerade in den Sinn kommt: "Weißt du eigentlich noch, wie das Märchen von Rotkäppchen endet?"
"Nein. Ich mag keine Märchen", entgegnet Laurin entschuldigend. "Typisch Mann!", denkt Lena, "....aber dieser hier ist wenigstens ehrlich."
Zufrieden lächelnd betritt sie an seiner Seite den verschneiten Wald.
Laurin, der in Wirklichkeit Hans heißt, sieht dieses verträumte Lächeln nicht mehr. Es ist schon zu dunkel, ausserdem interessiert es ihn so oder so herzlich wenig. Was es doch für angenehme Zufälle gibt! Kaum macht sein Fluchtauto schlapp, begegnet er diesem hübschen, wehrlosen Mädchen, das seine kleine Hand gleich vertrauensvoll in die seine legt... und seine Hand ist stark. Sehr stark...

Monika von Aufschnaiter

Geändert am 04.09.2001 um 19:16 Uhr von sunny_001
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Nutzer: Sunny_001
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geschrieben am: 17.03.2002    um 21:22 Uhr   
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Nutzer: Fabs
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geschrieben am: 17.03.2002    um 22:29 Uhr   
schon schlimm, wie so etwas enden kann!
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Nutzer: OrioN
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geschrieben am: 17.03.2002    um 23:26 Uhr   
hmmmm na holla....interessant zu lesen...


derOri
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