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geschrieben am: 29.05.2003 um 21:39 Uhr
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Hm, das ist eigentlich mal eine sehr interessante Frage.
Und wenn ich ehrlich bin, hab ich sie mir eigentlich noch nie selbst gestellt.
Warum bin ich hier?
Hm, weiss nicht, mir hats hier einfach irgendwie gefallen, als ich im Juli/August letzten Jahres hier mal reingeschnuppert habe. Fragt mich nicht wieso, aber es war einfach so, es hat mir einfach gefallen.
Und warum bin ich geblieben und hab mich immer mehr in diesen Chat vertieft?
Tja, dazu muss ich sagen, ich bin im realen Leben sehr schüchtern, zurückhaltend introvertiert. Wer etwas über meinen Lebenswandel weiss sagt im ersten Augenblick entweder Lügner oder aber drückt mir den Stempel Langweiler auf [ob berechtigt oder nicht lassen wir hier einfach mal aussen vor].
Zumindest ist klar, das dies an einem irgendwie auch Spuren hinterlässt, man merkt ja, wie die Einschätzung der anderen gegenüber einem is.
Gegenüber dieser Realität, wo man gleich nach Aussehen, Auftreten, etc. gemustert, bewertet und in ein Schubladensystem gesteckt wurde bot sich hier eine gewisse Anonymität. Es war nicht mehr Aussehen oder ähnliches für den ersten Eindruck verwantwortlich. Es war nun der Chrackter, die Persönlichkeit, Wortgewandheit und ähnliches gefragt, um ein erstes Bild von sich zu malen [okay, mal abgesehen von der Teen-Standardsprache "Hi! Wie gehts? m o w? Woher? Wie alt? Wie siehst du aus? Maße? CS/TS/RS?"]
Und da ich im realen Leben bis dahin eher ein Einzelgänger war, hat mich diese neue Art der Kommunikation natürlich mehr oder weniger in ihren Bann gezogen.
Also kann ich auf den ersten Teil deiner Frage sagen, das es die Suche nach Zuspruch, Kommunikation und ähnlichem war, weil man in der realen Welt recht einsam dastand, mit einigen wirklich sehr, sehr rar gesähten Ausnahmen.
Bleibt noch der zweite teil deiner Frage, ob sich diese "Einsamkeit" mit der Zeit hier verschlimmert hat.
Und dazu muss ich, mehr oder weniger widerwillig, Ja sagen.
Mit der Zeit wurde es immer "schlimmer". Die Freunde im Chat wurden mehrzahlig und wichtiger als die im realen Leben [was nicht heisst, das ich ihre Freundschaft nicht sehr geschätzt habe und noch heute schätze].
Aber es erfolgte eine regelrechte Abgrenzung gegenüber der realen Welt, die eigentlich nur noch aus der Schule bestand.
man kann sagen, es hat sich mehr oder weniger zur echten Sucht gesteigert [wer bei meinen heutigen Onlinezeiten sagt, das is immernoch so, mag vielleicht recht haben, aber es war schon wesentlich schlimmer].
Und "Rettung" kam erst durch ein großes schmerzliches Ereignis, begleitet von weiteren mehr oder weniger schlimmen/traurigen Sachen, welche mich erst einmal zurück in die reale Welt katapultierten.
Erst dadurch lernte ich, einen klaren Strich zwischen beiden Welten zu ziehen und festzustellen, welche von beiden eindeutig wichtiger ist.
Ich denke, wenn man nicht aufpasst, dann kann aus dem "online - allein?" im Thread-Titel sehr schnell ein "online = allein!" werden, schneller und schlimmer als einem bewusst wird, wenn man nicht wie ich herausgerissen wird oder von anderen drauf aufmerksam gemacht wird.
Soviel erst mal von meiner Seite, hoffe es ist in etwa das, was du hören wolltest. Wenn nicht, sorry, das ich etwas am Thema vorbei bin, ich hatte es jetzt einfach mal so aufgefasst.
Cu
Crime |
| "If builders built buildings the way programmers wrote programs, then the first woodpecker that came along would destroy civilization." - Weinberg's Second Law |
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