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geschrieben am: 28.09.2002 um 17:43 Uhr
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hi polli
also, ich bin au pair in den staaten. ich hab ein 10 jaehriges kind mit ADHD, was so viel ist wie ADS in deutschland. ich hab mich vor meinem abflug ueber ads informiert und relativ viele negative meinungen ueber ritalin gehoert. dieses 10jaehrige maedchen nimmt auch medikamente. ich hab sie mal ohne erlebt und gedacht, ich dreh durch. deswegen kann ich dich verstehen. hyperaktivitaet ist seeeeehr anstrengend und hat extreme auswirkungen auf die familie, find ich. ich weiss nicht, ob du noch mehr kinder hast. sie schluckt taeglich 30 mg adderall (20gm morgens und 10 mg nachmittags) und als zusatz eine fisch-oel-tablette. ich hab gelesen, dass man angeblich auch durch nahrungsumstellung etwas bewirken kann. dieses maedchen hat zusaetzlich noch lernschwierigkeiten und ich glaub nicht, dass ne nahrungsumstellung ihr gross helfen wuerde, ganz abgesehen davon, dass das alles ja in den staaten ist und hier mit ernaehrung eh nicht viel am hut ist. die haben hier einfach nicht so viel naehrstoffe in den nahrungsmitteln.
hmmm, was mir viel hilft, ist wenn man versucht das kind zu verstehen. es ist so, dass sie oefter mal abends sehr muede ist nach der schule. wenn sie da was schlechtes macht, kann man sie nicht "bestrafen" wie ein normales kind. diese kinder machen in unseren augen eigentlich dauernd irgendetwas falsch, weil sie eben sehr dominant sind und immer ihren willen durchbringen wollen. deswegen koennte man ihnen eigentlich dauernd sagen, dass das und das falsch ist. meine gastmutter vermeidet das nun und versucht sie fuer alle kleinigkeiten, die sie gut macht, zu loben. auch sind hyperaktive kinder sehr sensibel, deswegen nehmen sie positive erziehungmethoden besser auf als normale kinder. ich hab mir auch schon oefter ueberlegt, ob ihr manchmal etwas wirklich uebertriebenes negatives verhalten an disziplin-mangel liegen koennte. amerikaner erziehen ihre kinder so, dass sie schon in jungen jahren ihren freien willen entfalten koennen, waehrend in europa man oft eben noch richtlinien gibt und sagt was man so macht oder nicht.
was schule anbelangt und was du wohl fuer sehr wichtig haelst, wie ich rauslesen kann: meiner meinung nach ist das nicht unbedingt das hauptproblem. ich weiss nicht wie es mit deinem jungen ist, aber sie hat extreme probleme freunde zu finden und sie zu behalten. ich finde, dass ihr sozial-leben viel wichtiger ist. sie ist meistens sehr allein und spielt dann eben mit mir oder mit kleineren kindern, weil die noch keinen so ausgepraegten willen haben, dass es sie stoeren koennte, dass sie ihren willen durchsetzen muss. sie ist in den pausen allein. sie hat im sommer an einem arts-camp teilgenommen und war dort in den pausen auch allein. auch hat sie mal an einem IQ test teilgenommen und man hat einen sehr hohen IQ festgestellt. ich glaub, dass kinder in dem alter eher wert auf freunde legen, waehrend eltern eben an die zukunft denken. was auch bei normalen kindern ok ist. aber diese kinder haben kein gesellschaftliches leben, d.h. selten freunde und sind sehr einsam und traurig. ich finde es wichtig, dass man versucht ihnen zu erleichtern freunde zu finden und versucht zu erklaeren, wie man diese dann auch behaelt. ansonsten wuerde ich bei hausaufgaben einfach ganz viel loben, wenn sie mal nen guten tag haben und etwas schnell erledigen. ach ja, was ich eher erschreckend fand ist, dass dieses 10jaehrige maedchen nicht sehr gut lesen kann und auch beim schreiben probleme hat, waehrend mathe eher leicht ist.
im grunde koennte ich noch eeeeewig schreiben. hab auch schon einige buecher gelesen. ich kann verstehen, wenn du verzweifelst. trotzdem versuch nach jedem streit oder ausbruch mit ihm zu reden, wenn er wieder etwas ruhiger ist. sag, dass mami das nicht mag, wenn er so reagiert oder dass er dir wehgetan hat. aber sag ihm auch, dass du ihn liebst, denn diese kinder haben nicht viele menschen auf der welt die ihnen das gefuehl geben geliebt und gebraucht zu werden.
ich hoffe es hat dir nen bissel geholfen
bye
vicky
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