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geschrieben am: 11.09.2002 um 07:15 Uhr
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du redest von der sozialisation....und der erziehung... das sind aber zwei unterschiedliche begriffe...die leider oft gleich definiert werden
die einflüsse auf einen menschen kommen in den ersten lebensjahren aus dem nächsten umfeld (meistens eltern,geschwister,großeltern,nachbarn etc.), dann wird der einflussbereich zunehmend größer.... - kindergarten - freunde - schule - hochschule - arbeitgeber u.a.
und je älter das kind/der mensch wird, desto größer wird die entscheidungsmöglichkeiten über zumachende erfahrungen und die eigenverantwortung dieser.
sogar mein sohn (5-jähriges kindergartenkind) erzählt mir manchmal,daß er mit einem bestimmten anderen kind nicht spielen möchte, weil das andere kind sich nicht so verhält (es boxt oder ist frech o.a.), daß er "lust" darauf hat mit diesem zu spielen und erfahrung mit und/oder durch diesen jungen/dieses mädchen machen möchte... in diesem alter geschieht es noch recht "unbewusst", aber feine antennen haben auch schon so kleine kinder dafür, was ihnen gut tut und was nicht & welche erfahrungen sie machen möchten.
und je älter ein kind/mensch wird, desto größer ist die eigenverantwortung für erfahrungen, die diese person macht oder auch nicht.
oder würdest du einer frau sagen, daß es außerhalb ihrer eigenverantwortung liegt, daß sie über jahre hinweg die erfahrung macht, daß ihr ehemann sie schlägt, obwohl sie (auch gerade hier in deutschland) die möglichkeit hat, sich von ihrem mann zu trennen?
daß der mann sie schlägt, will ich auf keinen fall befürworten...aber frauen in solchen situationen haben die möglichkeit sich hilfe und unterstützung von außen zu holen, um den weiteren erfahrungen aus dem weg zu gehen.
ein anderes beispiel: ein 14-jähriges kind stielt in einem kaufhaus eine tafel schokolade... und wird dabei erwischt... dieses kind wusste vor der straftat, daß stiebstahl strafrechtlich verfolgt wird (das setze ich bei einem 14-jährigen kind voraus)...also ist das kind bewusst das risiko eingegangen, daß es erwischt wird & von der polizei verhört wird etc. ...wenn es diese straftat trotz dieses wissens begeht, liegt es in der eigenverantwortlichkeit, daß es die peinliche/demütigende/etc. erfahrung macht
willst du da sagen, daß die eltern das kind über diebstahl nicht genug aufgeklärt haben? ...und auch wenn... auch in der schule, im kindergarten etc. lernen kinder zwischen "Deines" und "Meines" zu unterscheiden und kinder können sich durchaus mit den verschiedensten mitteln (bücher, pc, freunde u.a.) informieren....
wir sind schon lange davon entfernt, die eltern als "alleinschuldige und alleinverantwortliche anprangern" zu können!
wenn man sich den tagesablauf eines 8-jährigen kindes mit berufstätigen eltern ansieht, merkt man schnell, daß man da unmögliches verlangt:
6-8 uhr aufstehn, waschen, frühstücken, evtl noch anderes, schulweg
8-13 uhr schule (meistens noch 1 nachmittag/woche bis 15 uhr)
13-17 uhr weg zum hort, im hort mittagessen, hausaufgabenbetreuung, spielzeit
17-18 uhr heimweg, abendessen mit/ohne eltern
18-20/21 uhr freie zeit (mit eltern und/oder freunden)
hinzu kommen sport, freundschaften, hobbies, unternehmungen u.a.
da sieht man schnell, daß eltern mittlerweile gar nicht mehr so viel zeit mit ihren kindern verbringen (können).d.h. sie können auch nicht unbedingt alles auffangen.
und der nun sehr häufig kommende spruch: "warum haben denn auch solche leute kinder?" oder "es müssen ja nicht beide elternteile arbeiten" o.ä. muss nun wirklich nicht mehr erwähnt werden,der ist meiner meinung nach längst überholt.
mittlerweile ist mir schon klar, daß sich in den köpfen etwas ändern muss (nämlich, daß eltern nicht an allem schuld sind, sondern kinder auch sehr von der allgemeinen gesellschaft geprägt werden) und daß es veränderte und/oder neue formen geben muss, um den kindern gerecht werden zu können (z.b. veränderungen innerhalb der schule).
andererseits heisst das nicht, daß sich eltern aus der verantwortung ziehen können.
...auch du formst dein gegenüber...
chari
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