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geschrieben am: 02.11.2002 um 12:51 Uhr
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Weißt du, ich war im letzten Jahr für meinen Geschmack zu oft in der Situation, jemandem weh tun zu müssen. (hm, eigentlich ist 1 Mal schon zu viel, aber du weißt, dass es öfter war.)
Ich habe mühsam lernen müssen, dass es das beste ist, SOFORT die Wahrheit zu sagen, und habe es doch auch beim letzten Mal nicht wirklich geschafft.
Fair zu bleiben ist schwer. Ich habe es immer versucht. Immer! Und trotzdem immer das Gefühl gehabt, es nicht geschafft zu haben...
Du musst nochmal mit ihm reden, das sehe ich wirklich so. Und ich weiß nicht, ich glaube, ich habe das schonmal erzählt, aber egal.
Als Alex mit mir Schluss gemacht hat, habe ich das auch vorher geahnt. Es war ja schon lange nicht mehr so, dass ich damit wirklich glücklich war. Aber du kennst mein großes Vertrauen, und ich habe ihm immer geglaubt, wenn er sagte, er hätte keine Zeit, mir zu schreiben. Geahnt, dass er vielleicht gar nicht mehr schreiben wollte, habe ich, aber ich habe es verdrängt.
Ich habe ihn dann angerufen, 2 Tage nach Weihnachten, um ihm ein frohes Fest zu wünschen. Er sagte, er hätte Besuch, und er würde mich morgen oder übermorgen nochmal anrufen.
Er hat es nicht getan. Ich bin dann einen Tag später zu Chris gefahren, weil ich da mit ihr und Thea Silvester feiern wollte. Vorher schrieb ich ihm eine SMS: "Wir müssen unbedingt mal reden. Deine (wirklich Deine?) Sonja"
Als ich wieder zu Hause war, am Abend vom 2.1., habe ich ihn angerufen.
"Ist dir aufgefallen, dass wir in letzter Zeit kaum noch Mails geschrieben oder telefoniert haben?" - "Ja..."
Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit seine Erklärung denn enthielt. Zu große Distanz, zu wenig Zeit. "Ich habe da schon lange drüber nachgedacht..."
Wie lange hat er gewusst, dass das passieren würde, und nichts gesagt?!? Wie lange war es in Wirklichkeit schon vorbei? Warum musste ich bei ihm anrufen, warum konnte er nicht von selbst sagen, dass es nicht mehr so ist, wie ich es mir wünschte?
Ich denke, er hat gehofft, dass einfach aufhöre, ihm zu schreiben. Dass ich von selber aufhöre, ihn zu lieben. Dass es einfach aufhört, ohne, dass er ein Wort sagen muss.
Wie gut passen da die Worte meines Vaters:
"Ich hatte gar nicht gedacht, dass man bei einer eMail-Liebe Schluss machen muss. Ich dachte, das läuft einfach so aus..."
Vielleicht sind Kerle so. Vielleicht glauben sie, wenn sie aufhören, einen zu lieben, hört man auch automatisch auf, etwas für sie zu empfinden. Keine Ahnung, manchmal scheint es mir so.
"Wenn es 500m und nicht 500km wären, wäre alles ok."
Ach ja? Klar, ich habe es auch nie geschafft, zu sagen "Ich liebe dich nicht" - und du kennst ja diesen Satz "Schau mir in die Augen und sag mir, dass du mich nicht mehr liebst."
Du kannst es einfach nicht sagen, wenn du einmal viel für einen Menschen empfunden hast, und wenn du weißt, dass er dich liebt. Dann kannst du das nicht so kalt sagen.
Alex ist geflohen. Er wollte vor dem Gespräch fliehen. Er ist während des Gesprächs geflohen. Er hat nicht auf die Mail geantwortet, in der ich schrieb "Sag es mir, wenn du dich nie wieder bei mir meldest. Dann werde ich versuchen, dich ganz zu vergessen." Er hat nicht geantwortet, und ich habe gehofft.
Er ist geflohen, ich bin ihm hinterher gelaufen.
Es ist nicht fair, dass man sich nicht stellt. Man tut dem anderen weh, und das will man nicht. Schon klar. Aber tut man ihm nicht noch viel mehr weh, wenn man wegläuft und ihn einfach alleine stehen lässt?
Florian sagte doch zu mir "Wenn du ihn nicht liebst, dann sag es ihm so schnell wie möglich. Wenn du es erst in einem halben Jahr oder so tust, tust du ihm noch mehr weh."
Aber alles in einem wehrt sich dagegen, die Wahrheit zu sagen, ehrlich zu sein, und dem anderen damit weh zu tun. Alles wehrt sich, weil man hofft, man könnte es irgendwie umgehen, dem anderen weh zu tun. Aber man kann es nicht.
Ich weiß nicht, ob das alles noch zum Thema gehört, und ob dir das irgendwie hilft. Aber ich wollte es dir mal schreiben...
Deine FF Sonja |
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