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geschrieben am: 11.03.2003 um 20:17 Uhr
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Burkhard Spinnen: RTL Superstar Zeitlupe v. 9.3.2003
Ich weiß, besonders originell ist das nicht, wenn auch ich jetzt über das
TV-Event "Deutschland sucht den Superstar" spreche. Aber keine Bange, ich
werde hier weder mit den begeisterten Teenies heulen noch mit den Wölfen,
die sich über die Gesangsleistungen der Finalisten mokieren. Ich möchte
vielmehr in aller Form darauf aufmerksam machen, dass in dieser
verhunzikerten RTL-Rummelkiste aus groben Bohlen nicht weniger als die
gesamte Popkultur zu Grabe getragen wird.
Warum so große Worte? Nun: Popmusik, das war in ihren jeweiligen Anfängen
immer Musik als die Selbstbehauptung von Minderheiten oder als lautstarke
Artikulation einer Anti-Haltung. Jazz, Blues, Rock und Beat entstanden im
gesellschaftlichen Abseits, auf den Baumwoll-Feldern, in Vorstadt-Garagen
und billigen Lokalen. Später dann wurden ihre Rhythmen und Melodien
mehrheitsfähig, das nahm ihrer kritischen Aussage die Spitze, ließ aber die
Musiker verdienen. Und außerdem wartete ja immer schon die nächste
Sezession, die nächste Revolte, um dem Musikestablishment in die Suppe zu
spucken. Auf Swing folgte Rock, auf Rock Beat, auf Beat Punk und so weiter.
Aber der Naturschatz der populären Musik ist in den letzten Jahrzehnten so
hemmungslos ausgebeutet worden, dass die Ressourcen vollkommen aufgebraucht
scheinen. Und wenn jetzt RTL den "Superstar" der gegenwärtigen Popmusik
sucht, dann geht es ja ganz offenkundig nicht mehr um ein noch irgendwie
originäres Talent, sondern nur noch darum, eine möglichst stromlinienförmige
und verkaufsfähige Hohlform mit menschlichem Inhalt zu füllen. Wer Ohren hat
zu hören und Augen zu sehen, der hört und sieht es. Verglichen mit den
mühsamst herausgefilterten Finalisten Alexander und Juliette sind selbst
Nena, Rex Gildo und Roy Black erratische Originale, wahre Giganten der
Unverwechselbarkeit.
Alexander und Juliette haben nicht den Hauch einer Chance, ein Superstar zu
werden. Indem man sie vor aller Augen ausgeguckt hat, wurde der tragenden
Idee von der Popmusik und ihren Protagonisten auch noch der allerletzte Rest
ihrer einstmaligen Aura ausgetrieben. Diese Aura umgab den Mythos von der
unbekannten weißen Gitarrenband und der einsamen schwarzen Sängerin, die es
aus eigener Kraft schafften, das Lebensgefühl einer Generation oder einer
ethnischen Gemeinschaft auszudrücken. Diese Aura aber wird bei RTL
öffentlich zerstört, indem man ein paar Junge Leute ihre Karaoke-Fähigkeiten
präsentieren und dann per TED diffuse Sympathie-Werte ermitteln lässt. "Du
musst nichts, aber auch gar nichts sein oder wollen", lautet die Botschaft,
um ein Star zu werden - die Stars macht das Fernsehen, also die Branche
selbst. "TV makes it", radebrecht dazu "Modern Talking" und macht so seinem
Namen zum ersten Mal alle Ehre. Nun sagen Sie vielleicht: Was regt er sich
auf? Das geht doch vorbei. - Natürlich geht das vorbei, und die zweite
Staffel dieser Exekution von Originalität wird selbst schon wieder unter
Originalitätsverlust leiden. Aber ich bin als Autor von Berufs wegen Seher.
Und wenn ich wie hier die letzten Mythen der Popkultur aus schieren
Gewinnerwägungen geschliffen sehe, dann ahne, dann fürchte ich, dass das ein
Zeichen für das Ende all dessen ist, was wir (allem Kommerz und Kitsch zum
Trotze) an der Popmusik geliebt haben. In den Verwaltungsetagen der großen
Labels scheint man schon zu wissen, dass die Quellen versiegt und die
Vorräte ausgebeutet sind. Man "sucht" jetzt gar nicht mehr den Superstar,
schon der Titel ist eine Lüge, der Superstar ist längst verloren gegangen.
Man "macht" vielmehr, man klont hilflose Duplikate. Und die RTL-Show ist
keine Geburtsfeier, sondern eine Beerdigung dritter Klasse.
Dieses wundervolle Zitat wurde mir zugeschickt,vielleicht kennen es einige von euch schon.
Könnt ihr mit der Meinung über einstimmen?
Sind nun wirklich die Zeiten angebrochen in denen alles gemacht wird, aber nichts mehr erreicht?
Einige meinten dies wären die ersten Zeichen wie sich unsere Gesellschaft in Kopien verliert.
~menschenfischer erstickt im eigenen netz~
Johnny
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