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geschrieben am: 03.07.2003 um 12:56 Uhr
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Der Sinn des Krieges
Es war ein nebliger, verregneter Augustmorgen und Captain Harry S. Gruber hatte seine liebe Mühe damit, das Murren seiner acht Ranger zu ignorieren, die ihm durch die matschig- feuchten Wiesen Nordfrankreichs hinterher stapften.
„Harry, warum müssen wir denn dauernd durch die Pampa. Wir könnten doch auch auf der Straße...“
Innerlich hatte Gruber es längst bereut, dass er seinen Männern gestattet hatte, ihn mit Harry anzureden. Nach der Landung in Omaha Beach hatte er gedacht, ein bisschen Persönlichkeit in dieser Hölle könne nicht schaden. Aber langsam ging ihm das ewige >Harry< gehörig auf die Nerven.
„Wenn du von den Krauts erschossen werden willst, bitte. Geh’ nur, Oscar. Ich jedenfalls sammle dich nicht auf.“
„Okay, Sir.“ Gab Oscar kleinlaut zurück.
Gruber hasste diese Mission. Sie war ihm zu riskant. Gruber und sein kleiner Trupp aus sechzehn Army- Rangers waren hier ganz allein zur Sicherung einer wichtigen Landstrasse abkommandiert worden, ganze dreißig Kilometer vor der Front, wo es von versprengten Wehrmachtssoldaten nur so wimmelte.
Harry wollte sich gar nicht ausmalen, was hier alles passieren konnte.
Sie stapften an einem kleinen Weiher entlang, als sie plötzlich ein Knacken im Gesträuch hörten.
Sämtliche Gewehrläufe fuhren herum.
„Waffe weg! Hände hoch! Rauskommen! Los, los, los!“ Brüllten die Männer durcheinander.
„Frost, hunderterste!“ Kam es kläglich zurück.
Die Männer ließen ihre Gewehre sinken.
„Welche Truppengattung?“ Rief Harry misstrauisch zurück.
„Fallschirmjäger.“ Kam die Antwort.
„Wer ist ihr Kommandeur?“ Fragte Harry weiter.
„Captain O’ Ryan. Er ist gefallen.“
„Gut, kommen sie raus.“ Neugierig drängten sich Grubers Männer zusammen, um den Fallschirmjäger zu sehen.
Es dauerte einige Sekunden, bis sich ein bärtiger, magerer junger Mann in der ramponierten Uniform eines Airborne- Lieutenants aus der Böschung gekämpft hatte. Er wirkte erleichtert, als er auf sie zuwankte.
„Oh, Mann, bin ich froh, euch zu sehen.“ Japste er.
Grubers Männer waren erschüttert ob des armseligen Zustandes ihres Neuzugangs.
„Habt ihr vielleicht einen Schluck Wasser für mich?“ Wie entschuldigend zeigte er auf den Tümpel hinter sich. „Da haben die Krauts leider zwei tote Pferde reingeworfen.“
„Gib dem Mann was zu trinken, Bear.“ Befahl Stamper.
Ein hünenhafter Afroamerikaner trat vor und reichte dem Fallschirmjäger seine Feldflasche. Der Mann trank gierig.
„Wie kommen sie hier her, Lieutenant?“ Fragte Gruber.
„Nun, Sir, unser Bomber wurde beschossen und ist vom Kurs abgewichen, deshalb haben meine und ich Einheit den Absprungpunkt verfehlt und sind mitten in ein Nest von Deutschen gesegelt. Das war vor neun Tagen. Zehn von den Jungs sind gleich bei dem ersten Gefecht gefallen, der Rest, Captain O’ Ryan, Lieutenant Briggs, zwei Privates und ich haben dann versucht, uns zu den Marines durchzuschlagen, die wir im Osten vermuteten. In einem Hinterhalt wurden sie alle erwischt. Ich hab’ mich tot gestellt, bis zur Dämmerung gewartet und bin dann allein weiter. Immer nach Osten, die letzten vier Tage bin ich nur nachts weitergekrochen, immer durch die Gräben. Ich hab’ seit fast fünf Tagen nichts mehr gegessen, mir is’ schon ganz schwummerig. Ich hab gedacht, jetzt hab’ ich’s geschafft. Aber, bei allem Respekt, Sir, wie die Marines sehen sie nicht gerade aus. Wo bin ich denn?“
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