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geschrieben am: 10.08.2003 um 03:58 Uhr
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(zitat) Das eigentliche Problem liegt im Wesen der Gerechtigkeit begründet. Wenn man einem quengelnden Kind KEIN Eis kauft, dann MUSS man grausam sein, um ein noch größeres Übel (nämlich verzogene Kinder) zu vermeiden.
Der Trick liegt im richtigen Maß begründet. Wer seinem Kind NIE ein Eis kauft, macht es falsch; wer ihm IMMER eines kauft, der macht es auch falsch.
Man muß also, wenn man es richtig machen möchte, das Mittelmaß finden. Dazu gehören sowohl Milde, als auch Strenge, und zwar nach zuvor festgelegten Regeln, damit es nicht in Willkür ausartet. Man könnte beispielsweise sagen „ein Eis pro Woche“, dann muß man aber beim Zweiten auch „Nein“ sagen, sonst wird die Regelung zur farce.
(/zitat)
Ja, Gerechtigkeit muss auf jeden Fall konsequent sein! Allerdings – eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, genauso wenig wie etwas nur gut oder nur böse ist. Es gibt immer – wie im Fall des krebskranken Kindes – Ausnahmen. Für dieses Kind ist es nicht gerecht, wenn es nun sterben muss. Du hast zwar Recht, dass das Wohl der Allgemeinheit wichtiger ist als die Berücksichtigung von Einzelschicksalen, aber ich würde das dann nicht mit dem Begriff „Gerechtigkeit“ belegen, sondern eher vom „größtmöglichen Nutzen“ für die Allgemeinheit sprechen in so einem Zusammenhang.
Zur größtmöglichen Gerechtigkeit gehören zwar schon zuvor festgelegte Regeln, aber es ist sinnlos, sich an denen festklammern zu wollen. Wie hier schon gesagt wurde, sind auch immer die Begleitumstände zu berücksichtigen. Bei dem Beispiel mit dem Eis könnte es ja auch so sein, dass das Kind gerade eine Mandeloperation hinter sich hat. Dann ihm ein tägliches Eis zu verweigern wegen der vorher festgelegten Regeln wäre unsinnig und auch ungerecht, weil ihm das Eis jetzt eben wirklich gut täte.
Um eine Situation gerecht (soweit es eben möglich ist) zu beurteilen, genügen keine feste Regeln. Es gehört gesunder Menschenverstand dazu (um die Umstände richtig einschätzen und bewerten zu können), Einfühlungsvermögen und ALLE verfügbaren Informationen zum betreffenden Vorfall (Thema).
Um dieses von dir oben erwähnte Mittelmaß zu finden, muss man also sowohl sachlich, logisch, konsequent als auch einfühlsam und „menschlich“ sein können. Diese Qualitäten sind nun nicht bei jedem Menschen gleichermaßen vorhanden, so dass Entscheidungen, Gesetze, Rechtsprechung eben immer von den an der Entscheidung beteiligten Menschen abhängig sind und individuell verschieden ausfallen. Und für irgend jemanden wird es immer ungerecht sein! Genau so wenig wie es perfekte Menschen gibt, gibt es perfekte, absolute Gerechtigkeit! Zum einen kann man niemals allen Faktoren gleichermaßen Rechnung tragen, zum anderen sieht man, dass Gerechtigkeit letztlich doch sehr subjektiv ist!
Ich habe jetzt sehr rumgegrübelt an dem Text, denn eigentlich bin ich ein richtiger Gerechtigkeitsfanatiker! Und irgendwie finde ich es nun frustrierend zu erkennen, dass es „wahre“ Gerechtigkeit (unter Menschen) gar nicht gibt! Eine Sache kann immer nur „so gerecht wie möglich“ sein (wobei sie das meistens NICHT ist, denn das wäre das Optimum) – und das Ganze ist dann auch noch ständigem Wandel unterworfen ...
Zusammenfassend: Gerechtigkeit muss konsequent, also zuweilen hart und durchgreifend sein, die Regeln müssen aber Sonderfälle und Ausnahmen zulassen, und man muss sich darüber bewusst sein, dass es eine hundertprozentige Gerechtigkeit nicht gibt, da sie von zu vielen Unwägbarkeiten und unterschiedlichen Voraussetzungen abhängt, die ihrerseits schon nicht hundertprozentig sind! Für die Gesellschaft, wie sie momentan ist, sehe ich keine funktionierende Alternative. Die Alternative wäre höchstens, dass der Mensch seine positiven Anlagen und Fähigkeiten ausbaut, so dass in dem Maße, wie er „besser“ wird, auch die Gerechtigkeit „besser“ wird. Dann wäre auch die Einsicht beim Einzelnen größer und die Toleranz gegenüber nicht perfekten Lösungen und Entscheidungen.
Mindi
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