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Über das paradoxe Wesen der Gerechtigkeit

Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 30.07.2003    um 12:00 Uhr   
Seit einiger Zeit wird hier im Forum über soziale Themen gestritten, was manchmal in gegenseitiges Unverständnis und Ablehnung ausartet. Ein Grund dafür könnte die Verzerrung der persönlichen Sichtweise sozialer und ethischer Probleme durch die Berichterstattung der Medien sein.

Immer wenn etwas GRUNDSÄTZLICH festgelegt oder verändert werden soll, um ein regulatorisches System zu etablieren, wird von Seiten der Medien nach einem Schwachpunkt in der Argumentation gesucht. Meist läßt sich dieser in der emotionalen Betrachtung von Einzelschicksalen wiederfinden.

Wenn beispielsweise ein Medikament von der Positivliste der Krankenkassen gestrichen werden soll (respektive auf die Negativliste gesetzt, denn eine Positivliste gibt es noch nicht), dieses also künftig selbst bezahlt werden muß, dann hat das im Großen den einfachen und nachvollziehbaren Grund, daß es zu teuer ist oder zuwenig Beweise für seine Wirksamkeit gibt.

Anstatt dies zu begrüßen, weil dadurch alle Beitragszahler entlastet würden, und von einem Medikament befreit werden, das sie gar nicht selber haben wollten, wird von Seiten der Medien aber lieber „Angst vor Krankheit“ geschürt.
Medien haben ein starkes Eigeninteresse am Verkauf ihrer Produkte. Eine Zeitung, die ständig nur Schlagzeilen bringt, wie „Medikament xy vom Markt – Patienten werden entlastet“, wird rasch an Auflage verlieren, denn Zustimmung ist langweilig und verkaufshemmend.

Daher findet oder konstruiert sie meist Einzelschicksale, bei denen das grundsätzlich richtige Vorgehen AUSNAHMSWEISE falsch ist. Und die gibt es immer; das liegt in der Natur der Sache. Wenn man einen Kuchen neu aufteilt, dann bekommt IMMER irgendwer ein kleineres Stück, wenn ein anderer ein größeres bekommt. Das ist UNVERMEIDLICH!

Dann wird emotionalisiert, um Mitleid mit dem Einzelnen, Ablehnung gegenüber dem Vorhaben und Angst vor der eigenen Zukunft zu säen. Ein krebskrankes Kind mit Teddybär auf dem Arm wird gezeigt, und die Nachricht verkündet „Soll dieses Kind nun sterben?“

Wer würde diese Frage schon bejahen???

Dieselbe Mitleidsmasche finden wir überall, an denen die Gerechtigkeit auch mal Härte zeigen soll. Jede strenge und grundsätzliche Maßnahme läßt sich auch als „unmenschlich“ und „grausam“ darstellen. Wer „nein“ sagt, hat es immer schwerer, als derjenige, der „alles für alle“ fordert, bei der Umsetzung und Finanzierung aber kleinlaut wird.

Auch das „Abschieben“ von ablehnten Asylanwärtern oder die Einführung einer Sozialarbeit für Sozialhilfeempfänger (zum Beispiel als Hilfspolizist oder im Altenheim) ließe sich ganz leicht als „faschistisch“ und „menschenverachtend“ titulieren, wenn man unsachlich und emotional argumentiert. Beispiele gibt es zuhauf.

Das eigentliche Problem liegt im Wesen der Gerechtigkeit begründet. Wenn man einem quengelnden Kind KEIN Eis kauft, dann MUSS man grausam sein, um ein noch größeres Übel (nämlich verzogene Kinder) zu vermeiden.
Der Trick liegt im richtigen Maß begründet. Wer seinem Kind NIE ein Eis kauft, macht es falsch; wer ihm IMMER eines kauft, der macht es auch falsch.
Man muß also, wenn man es richtig machen möchte, das Mittelmaß finden. Dazu gehören sowohl Milde, als auch Strenge, und zwar nach zuvor festgelegten Regeln, damit es nicht in Willkür ausartet. Man könnte beispielsweise sagen „ein Eis pro Woche“, dann muß man aber beim Zweiten auch „Nein“ sagen, sonst wird die Regelung zur farce.

Wer Verbrechen verhindern will (als Staat), der muß sie auch sanktionieren, sonst wäre es witzlos. Wer im Forum verbale Fehltritte verhindern will (als Webmaster), der muß auch gelegentlich sperren und diese Sperre aufrechterhalten und durchsetzen. Anders läßt sich Gerechtigkeit nicht praktizieren.

Mir ist bei dieser Diskussion eines ganz wichtig: bitte überlegt erst, und schreibt dann!!! Es geht hier nicht um die einzelnen Themen (Soziales, Asyl, Sperrung etc.), sondern um DAS PARADOXE WESEN DER GERECHTIGKEIT. Wer einzelne Themen erörtern will, der sollte dazu einen eigenen thread aufmachen.

Meine Frage an Euch lautet also: muß Gerechtigkeit auch konsequent, also zuweilen hart und durchgreifend sein, oder gäbe es eine funktionierende Alternative?

;-) Paccy
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Nutzer: sowasvonschlau
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geschrieben am: 31.07.2003    um 11:11 Uhr   
klaro, "zuckerbrot und peitsche" (immerwieder zitiert der klassiker *fg*), 100% deiner Meinung.
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Nutzer: Noxiel
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geschrieben am: 31.07.2003    um 11:17 Uhr   
(zitat)[...]
Meine Frage an Euch lautet also: muß Gerechtigkeit auch konsequent, also zuweilen hart und durchgreifend sein, oder gäbe es eine funktionierende Alternative?
;-) Paccy(/zitat)

Ja, für mich ist das in gewissen Fällen so, einem Vergewaltiger von jungen Kindern, Menschenhändler oder Schandtaten die gegen das moralische und ethische Empfinden sprechen. (Sicher das liegt von Fall zu Fall verschieden)
Aber für solche Leute, denen gehört eine Kugel durch den Kopf gejagt und die Kosten für die Patrone an die Eltern geschickt. Es klingt radikal, es ist radikal und ich würde falls man es von mir verlangen würde, auch derjenige sein, der dem Mistkerl die Mündung an den Hinterkopf legt und abdrückt!

Geändert am 31.07.2003 um 11:18 Uhr von Noxiel
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Nutzer: Nucleus1
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geschrieben am: 31.07.2003    um 12:42 Uhr   
(zitat)
der dem Mistkerl die Mündung an den Hinterkopf legt und abdrückt!
(/zitat)

Und wer beauftragt Dich ?
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Nutzer: Noxiel
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geschrieben am: 31.07.2003    um 12:49 Uhr   
(zitat)(zitat)
der dem Mistkerl die Mündung an den Hinterkopf legt und abdrückt!
(/zitat)

Und wer beauftragt Dich ?(/zitat)

Wir reden doch hier, von einem fiktiven Fall! Die Todesstrafe ist in Dtl. abgeschafft und so erübrigt sich die Frage wer mich beauftragen würde.

Lass es mich so sagen, wäre alles ganz anders und die Todesstrafr wäre nicht aus dem GG entfernt worden, ich wäre zufällig noch Beamter im Dienste der JVA (oder jede andere Institution die dafür dann verantwortlich wäre), so käme der Befehl zur Exekution wäre ich der letzte der bei sowas Nein sagt. (Bei den obengenannten Fällen)

P.S.:Aber mal was anderes, ich seh gerade das ich mit meinem Beitrag in diesem Thread garnichts zu suchen habe. Sorry Paccy
Geändert am 31.07.2003 um 12:52 Uhr von Noxiel
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Nutzer: infotain
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geschrieben am: 31.07.2003    um 13:25 Uhr   
@noxiel
und wenn du dann jemanden erschossen hast, dessen unschuld sich nachher herausstellt: darfst dann du erschossen werden, weil du doch nachweisbar und vor zeugen jemanden ermordet hast?
und ansonsten zum thema:
sicher sollte gerechtigkeit konsequent sein, jedoch nicht blind.
es sollte keine sein, die "hirnlos" oder auch computergeneriert recht spricht, ohne umstände zu berücksichtigen. das beispiel mit dem "einmal eis pro woche" ist nur deshalb so einleuchtend, weil es keinerlei umstände darum herum gibt, die zu berücksichtigen wären. nur einfach strukturierte menschen werden in solcher "gerechtigkeit" ihr heil suchen.
jeder andere weiß doch, dass es -in der realität- immer komplizierter ist.
Geändert am 31.07.2003 um 13:33 Uhr von infotain
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Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 31.07.2003    um 13:29 Uhr   
Bitte zurück zum Thema!!!

;-) Paccy
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Nutzer: Nucleus1
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geschrieben am: 31.07.2003    um 13:53 Uhr   
Wirkliche Gerechtigkeit ist ein Sud, der sich aus der Essenz aller Auffassungen von Gerechtigkeit zusammensetzt.

Wem die Suppe dann immer noch nicht schmeckt, der muss dann halt weiter nach Gerechtigkeit hungern.

Eine einseitig formulierte und für gültig befundene und praktizierte Gerechtigkeit ist aber nichts anderes als Diktatur.

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Nutzer: Brass
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geschrieben am: 31.07.2003    um 16:56 Uhr   
Interessante Fragestellung.

Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er immer mehr haben will als der andere. Das trifft selbst bei der Gerechtigkeit zu. Wer die Macht hat, sich seine eigene Gerechtigkeit zu schaffen, wie bei den Medien der Fall, wird immer auch dafür Sorge tragen, dass er den größten Teil davon abbekommt. Sobald die Gerechtigkeit von einem dritten entschieden wird,wird sie zu einem Kompromiss. Sie läßt sich nicht mit mathematischer Perfektion verteilen, sie ist nichts technisches sondern sie ist etwas menschliches.
Wer nicht verlernt hat mit Menschlichkeit umzugehen, wird immer auch einen Weg finden, Gerechtigkeit soweit wie möglich herzustellen.
Grundsätzlich gilt aber wohl die Regel: Je größer und schlimmer der Regelverstoß ist, der begangen wurde, um so härter wird die geforderte Strafe sein, um die Gerechtigkeit wieder herzustellen. In Deutschland gibt es allerdings dahingehend Grenzen, dass einem Menschen nicht das Leben genommen werden darf, egal welcher Tat er sich schuldig gemacht hat. Das dürfte für Manchen geschädigten eine grobe Verbiegung der Gerechtigkeit zu Gunsten der Täter darstellen. Man lernt also: Werte stehen in unserer Gesellschaft über der Gerechtigkeit .. das ist gut so.
Brass
I hate how people compare Freddie Mercury to God, I mean, He's cool and good and everything.....But he's no Freddie Mercury.
(found at youtube)
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Nutzer: Johness_LaVey
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geschrieben am: 31.07.2003    um 18:18 Uhr   
Ich schließe mich Noxiel an.
Mord für Mord ist irgendwo hirnrissig aber die Steuersparenste Alternative und ich seh nicht ein dass die Steuerzahler Mörder finanzieren. [Das sollte ja nur mit dem richtigen Verfahren,Geständnis etc. sein].

Paccy hat schon recht, auf Einzelschicksale kann schlecht rücksicht genommen werden weil es der Masse zu Gute kommt. Wenn alle n Euro mehr für Organisationen spenden die den Leuten hilft die unter den Kürzungen zuleiden haben, dann ist es doch ok.

(zitat)
Dann wird emotionalisiert, um Mitleid mit dem Einzelnen, Ablehnung gegenüber dem Vorhaben und Angst vor der eigenen Zukunft zu säen. Ein krebskrankes Kind mit Teddybär auf dem Arm wird gezeigt, und die Nachricht verkündet „Soll dieses Kind nun sterben?“

Wer würde diese Frage schon bejahen???(/zitat)

Ich. Das Probelm ist, dass die Leute auf den Mitleidsschund reinfallen. Ihnen ist es egal wenn ein Obdachloser auf der Straße verreckt, denn sie wurden dazu erzogen dass zu fühlen was man ihnen sagt ["Nun entschuldige dich dafür dass du blabla" das kränkste in meiner ganzn erziehung, denn wenn mans nicht bereut..]
Und da der Moderator und die Reporter von "Taff" nun gesagt haben wie arm das Kindchen dran ist sagne alle "oh wie schlimm", am Abend später am Stammtisch regen sie sich über die Krankenkassen auf.

Es liegt in der Natur des Menschen die Blümchen zu wollen und das Blut zusehen.

~Menschenfischer erstickt im eigenen Netz.
Löwenbändiger an eigener Peitsche erhängt~
Johnny
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"Autor"  
Nutzer: Celeste_
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geschrieben am: 31.07.2003    um 18:38 Uhr   
(zitat)Meine Frage an Euch lautet also: muß Gerechtigkeit auch konsequent, also zuweilen hart und durchgreifend sein, oder gäbe es eine funktionierende Alternative?
(/zitat)

Ich halte diese Frage für nicht zu beantworten. Denn sie würde einen Gerechtigkeitsbegriff voraussetzen, der objektiv und an festgelegten Parametern meßbar wäre.

Dies ist aber genauso unmöglich, wie "Schönheit", "Weisheit" oder "Reichtum" allgemeingültig zu bestimmen.

Celestine
Geändert am 31.07.2003 um 18:38 Uhr von Celeste_
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"Autor"  
Nutzer: Mindiyana
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geschrieben am: 10.08.2003    um 03:58 Uhr   
(zitat) Das eigentliche Problem liegt im Wesen der Gerechtigkeit begründet. Wenn man einem quengelnden Kind KEIN Eis kauft, dann MUSS man grausam sein, um ein noch größeres Übel (nämlich verzogene Kinder) zu vermeiden.
Der Trick liegt im richtigen Maß begründet. Wer seinem Kind NIE ein Eis kauft, macht es falsch; wer ihm IMMER eines kauft, der macht es auch falsch.
Man muß also, wenn man es richtig machen möchte, das Mittelmaß finden. Dazu gehören sowohl Milde, als auch Strenge, und zwar nach zuvor festgelegten Regeln, damit es nicht in Willkür ausartet. Man könnte beispielsweise sagen „ein Eis pro Woche“, dann muß man aber beim Zweiten auch „Nein“ sagen, sonst wird die Regelung zur farce.
(/zitat)
Ja, Gerechtigkeit muss auf jeden Fall konsequent sein! Allerdings – eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, genauso wenig wie etwas nur gut oder nur böse ist. Es gibt immer – wie im Fall des krebskranken Kindes – Ausnahmen. Für dieses Kind ist es nicht gerecht, wenn es nun sterben muss. Du hast zwar Recht, dass das Wohl der Allgemeinheit wichtiger ist als die Berücksichtigung von Einzelschicksalen, aber ich würde das dann nicht mit dem Begriff „Gerechtigkeit“ belegen, sondern eher vom „größtmöglichen Nutzen“ für die Allgemeinheit sprechen in so einem Zusammenhang.

Zur größtmöglichen Gerechtigkeit gehören zwar schon zuvor festgelegte Regeln, aber es ist sinnlos, sich an denen festklammern zu wollen. Wie hier schon gesagt wurde, sind auch immer die Begleitumstände zu berücksichtigen. Bei dem Beispiel mit dem Eis könnte es ja auch so sein, dass das Kind gerade eine Mandeloperation hinter sich hat. Dann ihm ein tägliches Eis zu verweigern wegen der vorher festgelegten Regeln wäre unsinnig und auch ungerecht, weil ihm das Eis jetzt eben wirklich gut täte.

Um eine Situation gerecht (soweit es eben möglich ist) zu beurteilen, genügen keine feste Regeln. Es gehört gesunder Menschenverstand dazu (um die Umstände richtig einschätzen und bewerten zu können), Einfühlungsvermögen und ALLE verfügbaren Informationen zum betreffenden Vorfall (Thema).

Um dieses von dir oben erwähnte Mittelmaß zu finden, muss man also sowohl sachlich, logisch, konsequent als auch einfühlsam und „menschlich“ sein können. Diese Qualitäten sind nun nicht bei jedem Menschen gleichermaßen vorhanden, so dass Entscheidungen, Gesetze, Rechtsprechung eben immer von den an der Entscheidung beteiligten Menschen abhängig sind und individuell verschieden ausfallen. Und für irgend jemanden wird es immer ungerecht sein! Genau so wenig wie es perfekte Menschen gibt, gibt es perfekte, absolute Gerechtigkeit! Zum einen kann man niemals allen Faktoren gleichermaßen Rechnung tragen, zum anderen sieht man, dass Gerechtigkeit letztlich doch sehr subjektiv ist!

Ich habe jetzt sehr rumgegrübelt an dem Text, denn eigentlich bin ich ein richtiger Gerechtigkeitsfanatiker! Und irgendwie finde ich es nun frustrierend zu erkennen, dass es „wahre“ Gerechtigkeit (unter Menschen) gar nicht gibt! Eine Sache kann immer nur „so gerecht wie möglich“ sein (wobei sie das meistens NICHT ist, denn das wäre das Optimum) – und das Ganze ist dann auch noch ständigem Wandel unterworfen ...

Zusammenfassend: Gerechtigkeit muss konsequent, also zuweilen hart und durchgreifend sein, die Regeln müssen aber Sonderfälle und Ausnahmen zulassen, und man muss sich darüber bewusst sein, dass es eine hundertprozentige Gerechtigkeit nicht gibt, da sie von zu vielen Unwägbarkeiten und unterschiedlichen Voraussetzungen abhängt, die ihrerseits schon nicht hundertprozentig sind! Für die Gesellschaft, wie sie momentan ist, sehe ich keine funktionierende Alternative. Die Alternative wäre höchstens, dass der Mensch seine positiven Anlagen und Fähigkeiten ausbaut, so dass in dem Maße, wie er „besser“ wird, auch die Gerechtigkeit „besser“ wird. Dann wäre auch die Einsicht beim Einzelnen größer und die Toleranz gegenüber nicht perfekten Lösungen und Entscheidungen.

Mindi

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Nutzer: cyberpit
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geschrieben am: 11.08.2003    um 09:23 Uhr   
ich glaube an die unschuld der huren und an die gerechtigkeit der deutschen justiz
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Nutzer: Mindiyana
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geschrieben am: 20.08.2003    um 03:16 Uhr   

Aus aktuellem Anlass möchte ich euch hier eine Frage stellen:

Angenommen, ihr müsst einen (Intelligenz-) Test absolvieren, der aus - sagen wir - 5 Aufgaben besteht. Für jede richtig gelöste Aufgabe erhaltet ihr einen Punkt. Allerdings soll euch für jedes falsche Ergebnis wieder 1 Punkt abgezogen werden. Ihr müsst euch also wirklich sicher sein bei der Lösung, andernfalls ist es besser, lieber nichts zu schreiben als was Falsches.

Person A gibt sich Mühe, löst alle 5 Aufgaben, 3 davon richtig, 2 sind aber falsch. Das ergibt 3 Punkte minus 2 Punkte Abzug = 1 Punkt

Person B löst nur eine Aufgabe richtig und ist für die anderen zu faul = 1 Punkt

Ist dieses Bewertungssystem gerecht?

Mindi ;-)

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Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 20.08.2003    um 04:13 Uhr   
Ja, es ist gerecht, und zwar aus folgendem Grund:
Wer Antworten errät, der hat bei Multiple Choice fragen mehr Chancen, als jemand, der sich zurückhält, weil er unsicher ist. WISSEN und RATEN sollte man differenzieren.
Bei freien Aufgaben ist die Anzahl der Lösungen meist groß. Hier ist es eventuell ausreichend, das Ergebnis als solches zu werten. Und das ohne "Strafe".
Aber warum sollte man denn NICHT Punkte für Fehler abziehen. Erstens miotiviert das dazu, daß man sich (mal WIRKLICH) Mühe gibt, zweitend schreckt es alle ratenden Glücksritter ab, und drittens ist das Ergebnis dasselbe für alle, die RICHTIG antworten.
Wer Fehler machen möchte, der muß sich eben Tests heraussuchen, die "das Mitmachen belohnen". In der Musikschule hab ich beispielsweise früher Stempel in mein Notenheft bekommen; auch wenn ich echt nur Scheiß gemacht hab.
Bei den Bundesjugendspielen hat JEDER eine Urkunde bekommen. Das ist das Leistungssystem der DDR. Ich finde das frustrierend.
Bei Intelligenztests würde ich das Abzugssystem aber NICHT verwenden, weil es die Validierung enorm erschweren würde. Bei jeden normalen Quiz ist es perfekt.

Paccy, der ein déjà-Vu zu haben glaubt...
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Nutzer: Mindiyana
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geschrieben am: 20.08.2003    um 04:48 Uhr   

1. Wer bei Multiple-Choice-Fragen NICHT rät, sondern sich lieber zurückhält, ist dumm, und Dummheit gehört in DEM Falle bestraft!

2. Richtig. Bei allen anderen Aufgaben ist es unmöglich, ein Ergebnis zu „raten“. Wenn denn schon nicht der Fleiß belohnt wird, so sollte er doch wenigstens nicht „bestraft“ werden, wenn man nun eben doch nicht ganz sicher ist. Ist das Ergebnis falsch, kriegt man ja keinen Punkt, das reicht als Strafe für die vergebliche Liebesmüh’.

3. Du hast eine eigenartige Vorstellung von Motivation! MICH DEmotiviert ungerechtfertigter Punkteabzug, ich fang dann lieber erst gar nicht mit den Aufgaben an. Jemanden, der es VERSUCHT, als „Glücksritter“ zu titulieren, finde ich echt herb.

Sicher ist es Quatsch, wenn JEDER eine Urkunde bekommt. Das passt als Beispiel auch gar nicht hierhier.

Mindi,
die eine völlig andere Vorstelllung von Perfektionismus hat

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Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 20.08.2003    um 09:58 Uhr   
Damit sind wir auf demselben Stand wie in CL. Ich werde vorerst weder hier noch dort antworten; nicht etwa, weil Du so "toll" argumentierst, oder weil ich Dir stillschweigend zustimme, sondern damit das hier nicht entgleist und Dir später leid tut.

Eine Bemerkung vielleicht: manche Regeln muß man einfach akzeptieren, egal ob man sie versteht, nachvollziehen kann oder gutheißt.

;-) Paccy
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Nutzer: infotain
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geschrieben am: 20.08.2003    um 10:55 Uhr   
multiple choice tests können extrem schwer werden, wenn denn nicht nur 2 oder 3, sondern 6, 7 oder 8 antworten gegeben sind, die zum teil nur durch "verrutschte" kommata oder andere leichte nuancen im text sich unterscheiden. da kann es sein, dass es mehr auf das sehr genaue lesen als auf das vorhandene wissen ankommt.
und wie leicht man beim lesen fehler begehen kann, zeigt paccy mit seiner antwort auf mindiyana: diese sprach nur von intelligenztest, mit keinem wort aber von multiple-choice antworten. auch für intelligenztests gibt es aber verschiedene formen.
und zur eigentlichen frage: für mich käme es auf die art der fehlerhaften antwort an. auch in solchen antworten kann noch eine nachvollziehbare logik stecken. somit ist die frage für mich nur bei genauerer kenntnis des tests und der antworten zu beantworten.
*entschuldigt sich für die insofern unbefriedigende antwort*
Geändert am 20.08.2003 um 12:53 Uhr von infotain
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Nutzer: Mindiyana
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geschrieben am: 20.08.2003    um 15:33 Uhr   
@ infotain: Das ist schon ok. - Aber was würdest du nun sagen, wenn der "Quizmaster" plötzlich die Regel erlässt, dass jeder, der etwas gegen die neu eingeführte Regelung des Punktabzugs einwendet, einen weiteren Punkt abgezogen bekommt - wegen ungebührlichen Verhaltens??

Mindi
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Nutzer: Gast_Paccy
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geschrieben am: 20.08.2003    um 16:36 Uhr   
@Mindi: Sie haben Post!
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Nutzer: infotain
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geschrieben am: 20.08.2003    um 17:08 Uhr   
ich würde 1. nach einer versteckten kamera suchen. sollte ich nicht fündig werden würde ich mich
2. mit dem geisteszustand des quizmasters befassen und bei negativem ergebnis
3. mir andere spielpartner suchen.
und das könnte alles recht schnell gehen.
und sollte es bei dir tatsächlich um intelligenztests gehen, denke ich: es ist sinnvoller, sie (und sich) im alltag zu beweisen als in solchen (albernen) tests. ich hoffe, du warst nicht wirklich gezwungen, daran teilzunehmen.
Was dem einen der fuchsschwanz an der autoantenne, ist dem anderen sein mehr oder minder erfolgreich bestandener iq-test :-)).
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"Autor"  
Nutzer: Mindiyana
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geschrieben am: 20.08.2003    um 17:49 Uhr   
Danke, infotain! Mehr wollte ich gar nicht wissen.
Bin absolut deiner Meinung!

Gruß,
Mindi
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"Autor"  
Nutzer: shalee
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geschrieben am: 26.08.2003    um 21:16 Uhr   
Gerechtigkeit bzw. gesellschaftliche Normen und Werte müssen immer auf einem gesamtgesellschaftlichen Konsens basieren, nur so ist gewährleistet, dass das Rechtssystem auch funktioniert.

Wenn ich aber lese, was "Die Medien" wieder alles angestellt haben sollen... das kann man so nicht sagen. Es sind ja nicht die Journalisten, die sich diesen Kram ausdenken (den ich übrigens auch teils lästig und in der Wirkung schädlich finde). Vielmehr ist das ganze ein Lobby-Problem. Das gesamte Volk ist zu groß und zu zersplittert, um auf politische Prozesse Einfluss nehmen zu können. Aus diesem Grunde ist der Einfluss von Lobbies, Verbänden und Interessengruppen so stark. Hinter diesen stehen ahnbare Wählerkontingente, d.h. sie werden in Berlin auch gehört.

Weil es für alles und jedes eine Lobby gibt, gibt es auch immer eine Lobby, die aufschreit: Die Medien greifen das Funktionärsgezeter lediglich auf.

Irgendeiner fühlt sich immer auf den Fuß getreten, das Zauberwort ist Allgemeinwohl, was aber nicht mit der Summe der Einzelinteressen gleichzusetzen ist -> es ist nicht einfach zu entscheiden, was dem Allgemeinwohl dient und was nicht. In jedem Fall muss das durch eine irgendwie geartete Güterabwägung erfolgen.

Btw. die Fragestellung find ich nett.

Das erwähnte Paradoxe an der Gerechtigkeit entsteht glaube ich aus dem Kontrast von allgemeiner Norm und Einzelfall. Erst im einzelnen Schicksal kann eine sonst 'richtige' Norm unmenschlich werden. Vom Einzelfall induktiv auf die Norm zu schließen, halte ich aber grundsätzlich für falsch. Wie viele schlimme Einzelfälle machen eine Regel ungerecht? Ich weiß es auch nicht, aber eine gewisse Regelmäßigkeit in der Betroffenheit müsste da sein, außerdem vielleicht eine nicht mehr zumutbare Benachteilung einer bestimmten sozialen Gruppe.... hm, irgendwie sowas vielleicht.


Gruß §ha
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