| "Autor" |
Selbstmord |
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geschrieben am: 12.11.2003 um 15:52 Uhr
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| Vor zwei Tagen hat sich ein Schüler meiner Schule, den ich kannte, erhängt. Er war einer unserer Schülersprecher und fast jeder kannte ihn - die ganze Schule trauert. Er war immer gut drauf und hat immer einen witzigen Spruch auf den Lippen gehabt, keiner weiß wieso er das getan hat. Morgen ist seine Beerdigung. Wie gesagt, ich kannte ihn, war jedoch nicht eng mit ihm befreundet. Trotzdem weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll, es geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es hört sich vielleicht komisch an, aber da ich außer meiner Mutter niemanden aus meiner Familie kenne (z.B. Oma, Opa) habe ich noch nie Erfahrungen mit Trauer gemacht. Vielleicht könnt ihr mir Tipps geben, wie ich mich ablenken kann,oder wie ich es besser verarbeiten kann. (Bitte ernst nehmen, ich weiß es wirklich nicht) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 12.11.2003 um 16:35 Uhr
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Hallo Afro,
in meiner Schulzeit beging ein Internatsschüler Selbstmord. Stephan war sein Name, aber das mag vielleicht keine Rolle spielen wie er hiess. Ich kannte ihn sehr gut und nachdem es in unserer Klasse bekannt wurde, waren wir alle erstmal fassungslos. Später dann redete und redete ich mit Freunden und wir redeten und wir redeten darüber.
Doch was wir in dem analytischen Reden nicht taten, wir trauerten nicht richtig. Der Tod des Stephan trat erst viel später in mein Bewusstsein. Seltsamerweise konnte ich erst nach einiger Zeit richtig trauern. Alles andere davor war aufgesetzt und folgte den menschlichen Ritualen und Konventionen. Selbst die Tränen davor waren nicht wirklich echt, sie gehörten zu menschlichen Konvention.
Ich weiss nicht, wie du empfindest, doch ich hoffe, du hast auch jemand zum reden, es lenkt wenigstens ab. Trauern kannst du später immer noch.
Ich wünsch dir alles Gute.
sweety
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| "Autor" |
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geschrieben am: 12.11.2003 um 17:33 Uhr
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Jetzt bitte nicht falsch verstehen...
Aber bist du dir sicher, dass du trauerst?! Oder ist es eher eine Art von kellektiven Gefühlen, die in der gesamten Schule umgehen? Wenn man in einer Gruppe ist, die gewisse Gefühle haben, nimmt man sich diese ziemlich schnell an.
Ich erinner mich da bei mir an den Tod von Prinzessin Diana. Ich war damals noch etwas jünger und sicher noch nicht so wie jetzt drauf, aber diese weltweite Trauer und die Berichte und das Lied von Elton John, das hat mich damals auch ziemlich getroffen und ich habe glaube auch geweint. Aber ich kannte diese Frau ja eigentlich überhaupt nicht, ich war einfach Mitglied dieser weltweiten Trauer, die man durch andere Menschen und die Medien vermittelt bekam.
Ich würde es deshalb nicht Trauer nennen, sondern Anteilnahme und diese muss man nicht verarbeiten, denn es ist eine gute Sache, wenn man diese hat. Viele Menschen haben diese nicht mehr, weil sie solche Gefühle einfach nicht mehr zulassen (wollen)...
~G~ |
| Dummheit frisst, Intelligenz säuft, das Genie macht beides. |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 12.11.2003 um 18:12 Uhr
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| Ja ich bin sicher, dass ich traurig bin. Ich kannte ihn ja schließlich auch - und das seit über 7 Jahren, da kann man glaube ich nicht nur von Anteilnahme sprechen. |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 13.11.2003 um 09:38 Uhr
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Aber die Dauer, jemanden zu kennen sagt darüber noch lange nichts aus. Ich weiß das auch aus eigener Erfahrung.
Als mein Opa gestorben war, den ich zu dem Zeitpunkt über 12 oder 13 Jahre kannte, da hab ich auch nur geweint, weil alle um mich herum es taten, ich hab nicht richtig getrauert. Ich hab damals nur gedacht: Das ist ja dein Opa, du musst jetzt traurig sein.
Aber ich kannte diesen Mann nicht richtig. Von daher konnte ich wahrscheinlich auch nicht wirklich um ihn trauern. Anders war es bei meinem anderen Opa. Den habe ich wirklich geliebt und auf der Beerdigung bin ich fast zusammengebrochen.
Wie ich damit umgegangen bin? Nun, reden mit anderen Leuten, schöne Erinnerungen wach halten und lachen. Wir hatten hinterher bei der Trauerfeier einen alten Nachbar und Freund der Familie sitzen. Der hat sich uns Kinder angenommen und uns Witze erzählt und hat gesagt, wir sollen nicht so traurig schauen, weil Opa bestimmt nicht wollte, das wir weinen, sondern das wir glücklich sind.
Behalte ihn einfach in guter Erinnerung.
Gruß
Kasira |
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