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Schreibkur

Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 05:17 Uhr   
Tja, warum gerate ich immer in die selbe Situation? Das ist wohl eher eine rhetorische Frage, da ich die Antwort kenne und sie mir nicht passt!

In meiner Klasse lernte ich ein Mädel kennen. Nachdem ich mich dann im Laufe des Halbjahres zum Notenpapst herauskristallisiert habe, war sie gleich sehr angetan und mir ständig auf den Fersen.

(Sie kann weder lesen noch schreiben in dem Sinne)

*megagrins*

Meine Gedanken waren:
====================================================
Da sie ohnehin mit den anderen Mädels in der Klasse polarisiert, braucht sie dich nur als starken Partner und Beschützer.

Ihre Schulnoten sind sowas von besch....., so das sie einen kostenlosen und vor allem selbstlosen Nachhilfelehrer braucht, der ihre Klausuren während der Klassenarbeiten korrigiert und ihr beim Spicken hilft.

Sie sucht nur Bestätigung und liebt dich gar nicht.
====================================================

Dabei mache ich das alles gern, da ich von ihr gebraucht werde und meine besch...... Existenz durch sie etwas aufgeheitert wird.

Ich schöpfte neuen Mut und sah meinem künftigen Säufertod gelassener entgegen. Dann lud sie mich auf ihre komische Party ein und irgendeiner ihrer Freund sagte folgendes zu mir:

Hey Junge, was hältst du eigentlich von ihr? Beachte sie mehr, sie hat das alles nur für DICH gemacht - sie redet den ganzen Tag nur von DIR. Sie liebt DICH!

Ich bin dann zu ihr hin und gestand ihr meine Liebe. Ob es nur der Drang nach Sex war?!? Keine Ahnung, jedenfalls glaube ich nicht zu wissen, was Liebe ist. Dabei dachte ich eigentlich, dass ich sie wirklich liebe.

Nach meinem Liebesgeständnis verlor ich jedenfalls wohl derart an Attraktivität, dass sie mich fallen ließ wie eine heiße Kartoffel.

Es ist immer das selbe Problem, ein Mädel umwirbt mich und macht mich heiß. Dann oute ich mich derjenigen gegenüber und bin dann auf einmal langweilig.

Dabei ist das alles sowas von verlogen. Ich bin nämlich ein heimlicher Säufer und führe ein Doppelleben. Mit ihr darüber reden? Niemals!

Ich darf keine Probleme haben, muss ihr ein Vorbild sein und meine Gefühle flachhalten. Wenn ich Probleme und/oder Schwäche zeige, glaube ich meinen 'Nimbus' ihr gegenüber zu verlieren und noch langweiliger zu sein. Ich muss der starke Mann sein, auf den sie bauen kann, dem sie vertrauen kann, der sie verehrt - bli bla blubb

Am liebsten würde ich zu ihr hingehen, mich ausheulen - Oh, ich armes Tuck-Tuck habe früher Missbrauch erlebt und Probleme mit Nähe. Aber damit habe ich zuvor auch nur schlechte Erfahrungen gemacht, da mich die Mädels in solchen Situationen auch immer zurückgewiesen haben.

In meiner Freizeit trinke ich dann bis zu einem halben Liter Wodka täglich und bade anschließend im Selbstmitleid.

Tja, es ist schon ein Dilemma...

So, das bin ich nun losgeworden.

*Anonym*









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Nutzer: Kasira
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geschrieben am: 19.01.2004    um 05:58 Uhr   
Als ich diesen Beitrag zuende gelesen habe, stellte sich mir die Frage: Was erwartest du auf diesen Thread hin?
Willst du es dir nur von der Seele reden? Willst du mit anderen darüber reden? Willst du es so stehen lassen?
Wenn du darüber reden willst, eher als Schwerpunkt die Geschichte mit dem Mädchen, oder deine Alkoholsucht oder der Missbrauch? Oder alles drei?

Vor allem die letzten beiden Punkte sind in meinen Augen mehr als schwerwiegende Probleme. Ich habe Missbrauch von Kindern zwar nicht am eigenen Leib erlebt - glücklicherweise - aber meiner Mutter ist das passiert, und ich selbst bin aus einem solchen entstanden.
Der Griff zum Alkohol ist der falsche Weg. Ich weiß, das sagt sich jetzt so leicht daher, und wird sich in der Realität nicht so leicht umsetzen lassen, aber es ist wie bei allem, das Erfolg haben soll: Es fängt im Kopf an. Du musst diese Situation wirklich ändern WOLLEN.
Die Tatsache, das du deine Lage öffentlich machst, anderen die Möglichkeit gibst, darauf einzugehen, zeigt zumindest schonmal, das du Hilfe suchst.
Ein weiteres Problem, das ich in diesem Falle sehe ist, das andere Chatter dir vielleicht ein Stück weit Mut geben können, Hilfe, Zuspruch, aber wirklich helfen wird dir vermutlich nur ein richtiger Psychologe können. Und die Arbeit an dir selbst.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das die Arbeit an sich selbst die härteste ist, die es gibt, aber wenn du wirklich etwas ändern willst, wirst du da auch durchkommen.
An dem Spruch "Glaube versetzt Berge" ist durchaus ein wahrer Kern.

Ich hätte zum Abschluss noch eine Frage, und hoffe, ich bekomme sie beantwortet.
Wie alt bist du?

V.
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Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 06:23 Uhr   
Hallo Kasira!

Danke für deine Antwort. Nur ICH kann es ändern, aber ich mache es nicht und das kotzt mich an. War schon bei etlichen Psychologen, vor allem während der Entwöhnung vom Heroin - das so nebenbei.

Das Trinken erscheint mir als das kleinere Übel, immerhin besser, als nochmal wie ein abgefu...er Streetjunkie ohne Dach über dem Kopf auf der Strasse zu betteln und dann in irgendwelchen EC-Automaten Vorräumen zu nächtigen.

Super Logik oder?

shit

Was ich damit aussagen will?

Vermutlich will ich das Mitleid dieser Welt, obwohl mich das auch nicht weiterbringt.

Mein innigster Wunsch ist einfach nur, normal zu sein. Aber ich bin es einfach nicht, egal wie sehr ich es will.

Achja, mein Alter: Ich bin 27

M....



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Nutzer: Kasira
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geschrieben am: 19.01.2004    um 06:56 Uhr   
(zitat)
Vermutlich will ich das Mitleid dieser Welt, obwohl mich das auch nicht weiterbringt.


(/zitat)

Mitleid wirst du von mir nicht bekommen, denn wie du bereits sagtest, es hilft dir nicht weiter.
Aber kann ich aus deinen Worten schließen, das du es geschafft hast, vom Heroin weg zu kommen?
Wenn dem der Fall sein sollte, dann ist es auch schon wieder ein Fehler, den Alkohol als "das kleinere Übel" zu betrachten. Klar, im Vergleich ist es wirklich das kleinere Übel, aber es ist deswegen nicht weniger schädlich für dich und dein Leben.
Und ich denke, gerade das solltest du dir immer vor Augen halten.
Und auch schon gleich die nächste Frage: Wie definierst du "normal sein"?
Wenn man es genau betrachtet ist "normal sein" doch langweilig. Jeder hat seine kleineren und größeren Macken. Das sind gerade die Dinge, die uns voneinander unterscheiden. Wenn diese Macken jedoch darin hinab gleiten, das man in eine Abhängigkeit, wie zum Beispiel Alkohol, oder auch härteres gerät, dann ist in meinen Augen der Punkt gekommen, wo man die Notbremse ziehen muss.
So, wie du das schreibst, scheinst du das erlebte recht locker wegzustecken, oder zumindest willst du den Anschein erwecken. Die Tatsachen sprechen eher dafür, das du noch gar nichts von deiner Vergangenheit wirklich verarbeitet hast.
Meine Mutter ist mehrere Jahre lang zu einer Therapeutin gegangen und hat auch an diversen Hilfsgruppen teilgenommen. Sie ist mittlerweile 35 und erst vor etwa 5 Jahren war sie so weit, das sie wirklich von sich behaupten konnte, ihre eigene Kindheit verarbeitet zu haben. Sie hat mittlerweile vier Kinder, von denen die jüngsten beiden behindert sind, ist geschieden und das zweite Mal verheiratet.
Und da ich mir ja sagen lassen habe, ich wäre ein unerschöpflicher Quell dummer Sprüche, setze ich gleich noch einen drauf: Was dich nicht umbringt, härtet dich ab.
Jeder Mensch macht andere Erfahrungen, die einen haben Glück und erleben in 100 Jahren nichts schlimmes, die anderen haben weniger Glück und nehmen in einem fünftel der Zeit das 10fache an schlimmen Erfahrungen mit. Aber genau das lehrt uns und prägt uns. Und ich bin der festen Überzeugung, das nichts ohne Grund geschieht. Und auch deine Erfahrungen haben einen Grund.
Ich kann dir natürlich nicht sagen welchen, denn hellsehen kann ich noch nicht blinzel, aber trotzdem ändert das nichts an jener Überzeugung.

Gruß
V.
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Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 07:48 Uhr   
Ja klar,

es gibt Abermillionen von Menschen mit Problemen, die z.B.

Im Rollstuhl sitzen
Totkrank sind
Denen ganze Gliedmaßen fehlen
Blinde
Schwere Schicksale

etc.

Die Probleme, von denen Du berichtest, sind ja auch ziemlich heftig.

Und es gibt unzählige Menschen, deren Probleme ich als viel schlimmer als mein eigenes Problem bewerte, und die sich trotzdem nicht jeden Tag besaufen. Darüber kann gar kein Zweifel bestehen.

Naja, locker weggesteckt würde ich nicht sagen, aber ich hasse die Opferrolle. Die Opferrolle ist meiner Meinung nach das schlimmste, was es gibt. Von daher habe ich mir eher die Charaktereigenschaften angeeignet,

a) Optimismus auszustrahlen und
b) Motivation zu zeigen.

Und das, obwohl mein Denken nicht dem tatsächlichen Handeln entspricht. Und dieser Selbstbetrug stinkt mir mehr und mehr.

Also, vom Heroin bin ich ja wech, aber der Heroinkonsum war bloß die Rückwirkung auf mein innerliches Defizit (Loch im Bauch). Das Heroin ist weg, das Loch hingegen nicht.

Was ich als normal definiere? Also, da wären:

1. Auf eine Party zu gehen, ohne mich für meinen "Nichtalkoholkonsum" vor anderen rechtfertigen zu müssen.
2. Andere kennenzulernen, anstatt mich lediglich kennenlernen zu lassen und dadurch überwiegend fremdbestimmt zu sein.
3. Mit einer Frau Sex machen, ohne gleich Sex und Nähe mit etwas "Bösen" zu assoziieren. (Meine Schwester wurde mit 6 vergewaltigt und ich musste mit 4 Jahren zuschauen)
4. Annäherungsversuche beiderseits nicht mehr zu sabotieren.
5. Nicht ständig das Bedürfnis zu haben, eine Zauberformel - sprich Alk oder Drugs - für die Lösung meiner Probleme zu suchen.
6. Usw. usf.

Ich weiß, wie oft habe ich das gehört, wir sind ja alle so stolz auf dich, dass du davon weggekommen bist. "Willst du mit mir tauschen?", antworte ich denen, die mich um meine Biografie beneiden.

Da bin ich doch lieber ein stinklangweiliger Normalo!

Und vor allem:

Nicht ES muss SICH ändern, ICH muss, nein ICH WERDE MICH ändern muss aus mir heraus kommen.

Naja, jetzt geht es mir schon etwas besser.

Gruß M.



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Nutzer: Annabell35
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geschrieben am: 19.01.2004    um 08:34 Uhr   
Hallo M.

Hast Du schon mal was von unbewussten Glaubenssätzen gehört?

Anna
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Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 08:51 Uhr   
Hallo Anna,

nein, von unbewussten Glaubenssätzen habe ich bislang noch nichts gehört. Könntest Du da bitte genauer drauf eingehen?

Gruß M.
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Nutzer: Annabell35
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geschrieben am: 19.01.2004    um 09:50 Uhr   
Hab dir was in die Postbox geschrieben. Lies es Dir mal durch, vielleicht ist ja was hilfreiches dabei.


Anna
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Nutzer: Meditation_AA
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geschrieben am: 19.01.2004    um 11:37 Uhr   
hallo, Rude

wenn Du wirklich was verändern willst, musst Du zunächst ganz und gar ohne Droge auskommen

- keine Pille - keine Pulle -

ansonsten drehst Du Dich nur im Kreis

beser als Teufelskreis bekannt

Alles Gute :)

"Anonym"
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Nutzer: Annabell35
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geschrieben am: 19.01.2004    um 12:18 Uhr   
Noch etwas zum drüber Nachdenken, hoffe es ist nicht OT :o)

Gefunden im großen weiten Net.



Manchmal begegnen Dir Menschen und Du spürst sofort, dass sie aus einem bestimmten Grund in Dein Leben getreten sind, sie einen Zweck erfüllen, Dich eine Lektion des Lebens lehren oder Dir dabei helfen, herauszufinden, wer Du bist und wer Du sein willst.

Und manchmal geschehen Dir Sachen die Dir zwar zuerst schrecklich, schmerzhaft und unfair vorkommen aber wenn Du darüber nachdenkst, erkennst Du, dass Du ohne die Bewältigung dieser Hindernisse niemals Dein Potential, Deine Stärke, Willenskraft und Liebe verwirklicht hättest.

Alles was geschieht hat einen Grund. Nichts passiert zufällig oder durch glückliche Umstände, Krankheit, Verletzung, Liebe. Verpasste Momente wahrer Größe und reine Dummheit geschehen Dir, um die Grenzen Deiner Seele auf die Probe zu stellen.
Ohne diese kleinen und großen Tests, was auch immer sie sein mögen, wäre das Leben eine gut gepflasterte, gerade, flache Strasse ins Nirgendwo. Es wäre sicher und bequem, aber dumm und absolut sinnlos. Die Menschen, die Du triffst, die Dein Leben beeinflussen, der Erfolg und die Niederlage die Du erlebst, helfen Dir bei der Erschaffung von dem was Du bist und was Du sein wirst.

Sogar aus schlechten Erfahrungen kann man etwas lernen. Tatsächlich sind dies die STÄRKSTEN und WICHTIGSTEN Lektionen im Leben.

Wenn Dich jemand verletzt, Dich betrügt oder Dir Dein Herz bricht - vergib ihm, denn er hat Dir dabei geholfen eine Lektion über Vertrauen zu lernen, und Dir gezeigt, wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein wenn Du Dein Herz öffnest. Wenn Dich Menschen lieben gib ihnen bedingungslos Deine Liebe zurück, nicht nur weil sie Dich lieben sondern auch weil sie Dich lehren, zu lieben und Dein Herz und Deine Augen der Welt zu öffnen.

Nutze jeden Tag. Sei in jedem Augenblick so bewusst wie möglich und nimm ihn an. Denn dieser Moment wird nie wieder kommen.

Halte den Kopf oben, denn Du hast jedes Recht dazu. Sage Dir selbst dass Du ein großartiger Mensch bist und glaube daran, denn wenn Du selbst nicht daran glaubst, ist es für andere schwer an Dich zu glauben. Du kannst aus Deinem Leben all das machen was Du Dir wünscht. Erschaffe Dein Leben und dann gehe ohne Reue Schritt für Schritt.

Das Wichtigste zum Schluss:

Wenn Du jemanden liebst, sage es ihm, denn Du weißt nie was der morgige Tag für Dich bereit hält. Und solange Du lebst, lerne jeden Tag eine Lektion Deines Lebens.
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"Autor"  
Nutzer: Kasira
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geschrieben am: 19.01.2004    um 13:08 Uhr   
Ich habe mir gerade alles nochmal genau durchgelesen.
Anna, was deinen letzten Beitrag angeht, wollte ich im Grunde genau das aussagen ;) Aber mich würde auch mal interesssieren, was du mit unbewussten Glaubenssätzen meinst, obwohl ich mir in etwa ein Bild davon machen kann, denke ich. Also es wäre nett von dir, es hier offen reinzuschreiben, oder mir auch ein Posting zu schicken.

Rude, zu dir. Ich habe mir das allererste Posting nochmal angesehen und mir ist dabei folgendes durch den Kopf gegangen:
1. Wenn er in der Schule so gute Noten hatte, ist er definitiv alles andere als dumm. Auch deine Ausdrucksweise zeugt von einem gewissen Niveau.
2. Du sagst, du hast schlechte Erfahrungen gemacht, wenn du dich jemandem anvertraut hast. Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen, und vor allem die Gründe. Die Ereignisse, die du erlebt hast, der Missbrauch, die Heroinsucht, das sind definitiv (und Gott sei Dank) keine alltäglichen Dinge. Sie passen nicht in die Heile Welt, die die meisten Menschen sich vorgaukeln und stören das Bild. Und die meisten Menschen wissen einfach nicht, wie sie mit einer solchen Konfrontation umgehen sollen. Sehr schnell nehmen dann Vorurteile und Rückzug die Oberhand, was nicht zwingend heißen muss, das diese Person dich nicht mehr mag. Sie ist einfach überfordert.
3. Du meinst, du darfst keine Fehler und Schwächen haben. Das allein ist schon wieder nicht ganz richtig, denn du bist du. Du darfst auch schwach sein, du darfst auch weinen, du darfst Fehler haben, du darfst straucheln, du darfst auch mal hinfallen. Aber wichtig ist, das du dir immer wieder sagst, du kannst auch weiter machen, wenn du einen Rückschlag erlitten hast. Es gibt etwas, für das es sich lohnt, wieder aufzustehen.
Wir stecken uns gerne mal in Rollenmuster, in die wir - je nachdem wo wir uns befinden - in verschiedenen Stärken verfallen, und das ist manchmal auch okay. Aber wenn es zu extrem wird, und man mit sich selbst in einen Rollenkonflikt gerät, dann ist es an der Zeit, du selbst zu sein.
Dieses "bli bla blubb" dahinter lässt darauf schließen, das dir die Rolle des großen, starken "Alleskönner" tierisch auf den Senkel geht. Dann ändere es.

Diese Charaktereigenschaften des Optimismus ausstrahlen und Motivation zeigen sind auf jeden Fall schonmal gute Eigenschaften. Aber wieder wirkt es auf mich, als seien diese beiden Sachen nur Teil einer Rolle, eines Menschen, den du anderen vorspielst und gar nicht wirklich bist. Diese Eigenschaften wirklich, aus Überzeugung anzunehmen, wäre schonmal ein Schritt, der dich auch unterstützen könnte.
Noch eine Frage: Was ist falsch daran, wenn andere Stolz auf dich sind, das du vom Heroin weggekommen bist? Stört es dich, das immer wieder auf die Nase gebunden zu bekommen? Oder weil sie nicht nachvollziehen können, wie dieses Gefühl ist?

Deine Formulierung am Ende (Ich werde es ändern) ist schonmal ein posiviter Ansatz. Ich weiß selbst, wie schwer es ist, an sich zu arbeiten. Wie schnell man versucht ist, dem inneren Schweinehund nachzugeben und die Flinte wieder ins Korn zu werfen. Aber wie gesagt, was dich nicht umbringt, härtet dich ab.

In Zusammenhang mit Annas letztem Text habe ich hier auch noch etwas, das mir vor ein paar Tagen von einem alten Bekannten zugeschickt wurde, von dem ich seit Monaten nichts gehören oder gesehen habe.

Um die Ecke hab ich einen Freund,
in dieser großen Stadt die kein Ende hat.

Die Tage vergehen und die Wochen rasen,
und bevor es mir bewusst wurde,
ist schon ein Jahr vergangen.

Ich seh nie meine alten Freunde,
weil das Leben ein schnelles
und schreckliches Rennen ist.

Er weiß dass ich ihn mag,
wie an den Tagen als ich an seine Tür klopfte.

Und er klopfte an meine Tür,
wir waren noch jünger,
und jetzt sind wir beschäftigte
und erschöpfte Menschen.

Erschöpft dieses verrückte Spiel zu spielen,

Erschöpft zu versuchen Karriere zu machen.

"Morgen" sag ich "Ich werd Jim morgen anrufen.
"Nur um zu zeigen wie sehr ich an ihn denke.

Aber morgen kommt und morgen geht,
und die Distanz zwischen uns wächst
Um die Ecke! - und trotzdem meilenweit weg
von mir,

"Hier ist das Telegramm, mein Herr."

"Jim ist heute gestorben."

Und das ist was wir bekommen
und verdienen am Ende unserer Rechnung

Um die Ecke, ein verschwundener Freund.

Vergiss nie immer das zu sagen was du fühlst.
Wenn du jemanden liebst, sag es.
Hab keine Angst deine Gefühle auszudrücken.
Sag jemanden was er dir bedeutet,
weil wenn du denkst es ist jetzt der
richtige Zeitpunkt, kann es schon zu spät sein.

Nutze den Tag. Bereue niemals.

Es ist das Wichtigste,
sei deinen Freunden und deiner Familie immer
nah, denn sie waren es die dazu beigetragen haben,
die Person aus dir zu machen die du heute bist.


So, und nu geh ich eine rauchen (ja, auch ich bin ein Süchtel blinzel) und meinen Kaffee trinken.

Gruß
V.
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Nutzer: Annabell35
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geschrieben am: 19.01.2004    um 13:26 Uhr   
Hallo Kasira,

unbewusste Glaubenssätze schleppt fast jeder Mensch mit sich rum. Das sind die Sachen, die unser Unterbewusstsein aufnimmt wenn er es von anderen hört. Schlimm sind die negativ Botschaften die gespeichert bleiben ;o)

"Ach, Du willst aufhören zu Rauchen? haste das nich schonmal versucht?" *grins* Kennste das? Und schon ist im Unterbewusstsein: "Na klar, aber ich könntŽs ja trotzdem nochmal versuchen, mal sehen ob es klappt." Oft klappts nicht.

Das ist nur ein kleines Beispiel.

Viele Frauen die geschlagen/ misshandelt werden, denken ja auch, dass sie das verdient haben. Auch eine Form von unbewussten Glaubenssätzen. "Du hast mich soweit getrieben..."

Es gibt so vieles über dieses Thema, gib doch mal bei Google den Begriff ein, da ist massenhaft was zu finden :o)

Kann Dir aber gerne bei Bedarf die Links die ich habe zukommen lassen.


Anna
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"Autor"  
Nutzer: Kasira
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geschrieben am: 19.01.2004    um 13:43 Uhr   
Ja, okay, das sagt mir was. frinsel Das mit dem Rauchen kenne ich, ich hab ja noch nichtmal wirklich versucht aufzuhören, weil ich auch keinen Grund dazu habe. Zu bequem, könnte man es auch nennen.
Danke für die Erklärung. Sowas in der Richtung dachte ich mir bereits.
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Nutzer: Mindriel
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geschrieben am: 19.01.2004    um 14:16 Uhr   
Nur ein kleiner Denkanstoß vielleicht..

Was ist normal?

1. Auf eine Party zu gehen, ohne mich für meinen "Nichtalkoholkonsum" vor anderen rechtfertigen zu müssen.

Ich kenne das 'Problem', es ist einfach eine Sache von Selbstbewusstsein. Warum nicht antworten: Weil ich nichts trinken WILL. Oder, der Weg dahin erfordert allerdings mehr Mut, und wohl auch Zeit: Ich bin/war Alkoholiker, und trinke jetzt nichts mehr. Oder etwas ähnliches..
Mag sein, dass man dich schief ansieht, aber es wird akzeptiert. Und auch mit Respekt behandelt, jedenfalls von den meisten.

2. Andere kennenzulernen, anstatt mich lediglich kennenlernen zu lassen und dadurch überwiegend fremdbestimmt zu sein.

Das kannst du. Ich denke, du weißt selbst, dass du dazu nur selbst ein wenig offener sein musst. DAmit will ich nicht sagen, du kannst das nicht, du bist dumm, änder was. Sondern du hast selbst erkannt, dass du etwas anders machen willst. Finde den Weg und den Mut dafür. /:-)/

3. Mit einer Frau Sex machen, ohne gleich Sex und Nähe mit etwas "Bösen" zu assoziieren. (Meine Schwester wurde mit 6 vergewaltigt und ich musste mit 4 Jahren zuschauen)

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass du dafür eine offene, vertrauensvolle Beziehung brauchst. Eine Freundin, die zu dir hält, dich zu verstehen versucht, dich nicht drängt. Auch wenn das in dieser Richtung für manche seltsam wirken mag.. *lächel*

4. Annäherungsversuche beiderseits nicht mehr zu sabotieren.

Sache des Vertrauens, und der Zeit.. Es ist verflucht schwer, nach Enttäuschungen, je mehr und größer desto schlimmer, irgendwann wieder zu irgendwem Vertrauen zu fassen.. Wünsch dir alles Gute dafür.

5. Nicht ständig das Bedürfnis zu haben, eine Zauberformel - sprich Alk oder Drugs - für die Lösung meiner Probleme zu suchen.

*nickt* Du weißt ja selbst, dass es keine Zauberformel ist, noch nicht einmal eine Lösung. 'Wer seinen Ärger in Alkohol ersäuft, macht etwas falsch. Alkohol konserviert..'

6. Usw. usf.

usw. usf. /:-)/

[quote] Ich weiß, wie oft habe ich das gehört, wir sind ja alle so stolz auf dich, dass du davon weggekommen bist. "Willst du mit mir tauschen?", antworte ich denen, die mich um meine Biografie beneiden. [/quote]

Ich würde nicht tauschen. Nicht wegen dem, was du ertragen musstest, nicht weil ich es so gut gehabt hätte.
Einfach, weil ich mein Leben nicht hergeben würde. Egal wie es war, oder werden wird, es ist mein Leben, mit meinen Erfahrungen, meiner Entwicklung.
Und trotzdem kann ich auch sagen, gratuliere. Es ist ein schwerer Schritt, von Drogen wieder wegzukommen, ein bewundernswerter Schritt. Ich hoffe, du kannst das als Erfolg für dich sehen!

Angenehme Träume,
Mindriel
~Seek the Truth in Dreams, if you can't find it there, it doesn't matter.~
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Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 21:10 Uhr   
Ja, ihr habt schon so verdammt Recht mit euren Aussagen. Es ist zwar unheimlich schwer, von diesen Verhaltensmustern loszulassen - aber es erscheint mir momentan als der einzige Weg.

Werde mich einer Selbsthilfegruppe anschliessen, deren Konzept ich nicht als 'Flucht in die Esoterik' ansehe.

Vielen Dank nochmal für die wirklich umfassenden Antworten.

P.S.

Heute bin ich ihr wieder begegnet und habe sie gleich mit Komplimenten überschüttet. Das ist auch wohl bei ihr angekommen. Naja, jedenfalls hat sie mich morgen Nachmittag zum Essen eingeladen. *grins*

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Danke nochmal

M.

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"Autor"  
Nutzer: Kasira
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geschrieben am: 19.01.2004    um 21:54 Uhr   
Lachen muss
Na ich wünsche dir auf deinem steinigen Weg auf jeden Fall alles erdenkliche gute, und auch mit deinem Mädel blinzel

Aber schon wieder eine Frage: *gg* was verstehst du unter "Flucht in die Esoterik"?

Gruß
V.
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"Autor"  
Nutzer: Rude_Awakening
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geschrieben am: 19.01.2004    um 22:10 Uhr   
Na damit meine ich den Anschluss an ein Genesung predigendes Programm.

In päpstlicher Mission zum 'Guten' bekehrt werden. Aber es gibt ja auch noch genügend andere Selbsthilfegruppen, deren Konzepte ich nicht anzweifel. Kann mich da sonst nicht drauf einlassen. (Nicht mein Ding)


In diesem Sinne

M.
Geändert am 19.01.2004 um 22:15 Uhr von Rude_awakening
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Nutzer: Enzifer
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geschrieben am: 19.01.2004    um 22:20 Uhr   
Ich war jetzt gerade zu faul, alle Antworten zu lesen - vieleicht mache ich das morgen - aber ich denke sagen zu können: Ich verstehe dich, irgendwie, und kenne dein Problem. Allerdings in einer anderen Form. Kann dich schon verstehen und bin froh mal jemanden zu sehen, der scheinbar zummindest das gleiche Problem hat wie ich.

Heitert auf eine bizarre Art und Weise auf...


Enzifer
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geschrieben am: 20.01.2004    um 09:26 Uhr   
(zitat)Ich war jetzt gerade zu faul, alle Antworten zu lesen - vieleicht mache ich das morgen - aber ich denke sagen zu können: Ich verstehe dich, irgendwie, und kenne dein Problem. Allerdings in einer anderen Form. Kann dich schon verstehen und bin froh mal jemanden zu sehen, der scheinbar zummindest das gleiche Problem hat wie ich.

Heitert auf eine bizarre Art und Weise auf...


Enzifer(/zitat)
genau DAS macht den Erfolg einer Selbsthilfegruppe aus - die Erkenntnis, mit seinen Problemen nicht allein dazustehen. ;-)
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