|
|
|
geschrieben am: 17.09.2004 um 23:26 Uhr
|
|
(zitat)Zitat:
»Ich mach’s fast nur ohne, weil mir das mit dem Gummi zu stressig ist. Soll ich bei Žner Sexparty erst fragen oder große Erklärungen abgeben? Das ist doch Quatsch.«
In einer anderen Broschüre heißt es:
Zitat:
»Besteht das Gegenüber auf einem Kondom – gut. Wenn nicht – umso besser. Ich signalisiere eindeutig, wenn ich komme; schluckt das Gegenüber – seine Entscheidung.«
Und schließlich:
Zitat:
»Es ist hilfreich, bald nach dem Test mit jemandem ins Bett zu gehen, der Angst vor Sex mit Positiven hat. Man kann dann üben, zu sich und seinem Virus zu stehen - und hinterher aufstehen und den anderen mit seinen Ängsten allein lassen.«
O-Ton, Prof. Schlomo Staszewski, Uniklinik Frankfurt/Main:
»Ein solches Verhalten ist menschenverachtend, und ich finde das einfach nicht richtig, und das sollte auch eingestellt werden, solche Verhaltensweisen zu propagieren oder unkommentiert zu publizieren.«
Rainer Schilling aber hält es für wichtig, auch solche Meinungen abzudrucken, um in der Szene glaubwürdig zu bleiben.
O-Ton, Rainer Schilling, Deutsche AIDS-Hilfe:
»Der ungeschützte Sex ist der natürliche. Und das müssen wir aufnehmen. Und das, was das Risiko ist, dass du eventuell auch den Virus kriegst und anderes, das wäre die Begründung, es eben unnatürlicher zu machen. Aber erst mal ist der Wunsch da. Und dieser Stimme geben wir hier erst mal Raum.«
Zwar kommen in den Blättern auch andere Stimmen zu Wort. Es gibt Hinweise auf Infektionsrisiken. Kritische Kommentare zu den Zitaten aber fehlen. Fazit der Broschüre:
Zitat:
»Tausende schwuler Männer mit HIV in aller Welt zeigen, dass du auch als Positiver guten und geilen Sex haben kannst - viel Spaß dabei!«
Aus Sicht von Frank Jaspermöller unverantwortlich. Er glaubt, dass die Deutsche AIDS-Hilfe mit solchen Broschüren für steigende Infektionszahlen mitverantwortlich ist. Er selbst ist HIV-positiv. Als Chefredakteur eines großen Schwulenmagazins hat er sich immer wieder für mehr Moral in der Szene stark gemacht. Doch dafür gab es auch aus den Reihen der AIDS-Hilfe massive Kritik.
O-Ton, Frank Jaspermöller, ehem. Chefredakteur „Männer aktuell“:
»Die AIDS-Hilfe ist eine Interessenvertretung von HIV-Positiven und kümmert sich um HIV-Positive. Es geht mir persönlich dabei viel zu wenig um den Schutz von anderen, sondern nur darum, dass HIV-Positive sich wohl fühlen. Ist schön, das sollen sie auch. Ich will mich auch wohl fühlen, aber trotzdem darf ich die Verantwortung, die ich für andere habe und für meine Mitmenschen habe oder auch für denjenigen habe, mit dem ich schlafe, doch nicht ganz außer Acht lassen.«
Präventionsarbeit geht auch anders. Beispiel Österreich. Die Wiener AIDS-Hilfe fährt einen klaren Kurs, propagiert Sex mit Kondom. Immer. Ihre Mitarbeiter verteilen in der Szene jede Woche Kondome, klären über Risiken von Barebacking auf.
O-Ton, Claudia Kuderna, Geschäftsführerin AIDS-Hilfe Wien:
»Unsere Botschaft ist: Spiel nicht russisches Roulette, spiel nicht mit deinem Leben, übernehme Verantwortung für dich selbst und für deine Partner, verwende beim Sex ein Kondom!«
Und das zieht die Wiener AIDS-Hilfe auch in ihren Broschüren konsequent durch.
O-Ton, Claudia Kuderna, Geschäftsführerin AIDS-Hilfe Wien:
» Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unkommentiert Zitate, die den Grundsätzen unserer Prävention widersprechen, in den Broschüren abdrucken würden.«
Für Laszlo kommt heute nur noch geschützter Sex in Frage. Sein Arzt hat ihm letztes Jahr einen vernichtenden Befund ausgestellt: Er habe sich beim Barebacking mit so vielen verschiedenen Viren infiziert, dass kein Medikament mehr anschlage. Seither kämpft Laszlo in der Szene für Sex mit Kondom.
O-Ton, Laszlo:
»Ich habe schwere Probleme mit den Medikamenten, also Nebenwirkungen, die wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Und die werde ich mein Leben lang nehmen müssen. Und wenn’s irgendwie klappen sollte, dass der eine oder andere sich überlegt, es sein zu lassen bzw. ein bisschen mehr auf sich aufzupassen, weil es ist ja eigentlich nichts Tragisches, sich ein Gummi drüber zu machen, dann ist da schon viel gewonnen.«
Abmoderation Fritz Frey:
Kontrolliert wird die Deutsche AIDS-Hilfe im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Zu unseren Recherchen teilte man uns lediglich schriftlich mit, dass die eine oder andere Broschüre nicht mehr verteilt werden soll.
Das wird ja wohl hoffentlich nicht alles an Reaktion sein. Es geht schließlich um Menschenleben.
Moderation: Fritz Frey
Bericht: Daniel Hechler
Kamera: Andreas Deinert, Stefan Reisinger, Thomas Schäfer
Schnitt: Melanie Fliessbach
(/zitat)
Quelle: Link
|
|
|
|
|