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geschrieben am: 22.04.2006 um 01:26 Uhr
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Die Welt vor meiner Tür
Ich sitze hier und wage ihn,
den scheuen Blick, hinaus zum Fenster.
Doch was ich sehe, gefällt mir nicht,
keine Menschen, sondern Gespenster.
Sie laufen umher, begrüßen sich nicht.
Sie eilen und rennen, darauf erpicht,
der erste von allen in allem zu sein,
kein Lächeln zu sehen, kein Sonnenschein.
Hier mal ein fauchen, ein kurzweiliges Stehen,
eine Rast von der Flucht? Wie soll ich das sehen?
An anderer Stelle, ich mag es nicht glauben,
zwei kleine Kinder Backwaren rauben.
Ein Stückchen weiter, das ist echt der Hohn,
bringt ein Chef den Lakaien um seinen Lohn.
Ich sitze hier und lass meinen Blick schweifen,
sehe fremde Gestalten ohne Gesicht.
Ein lahmendes Wesen auf dem Zebrastreifen,
droht zu zerbersten, bei all dem Gewicht.
Auf den dünnen Schultern dieses Lahmen,
brechen über ihn herein,
gut zu sehen, all die Samen,
gedüngt von Problemen und auch Pein.
So schaue ich weiter hinaus zum Fenster,
erblicke dunklere Gespenster,
die hinten an der zweiten Ecke,
hinter einer Buchsbaumhecke,
schreiend, fluchend Fäuste schwingen,
und sich selbst zu Boden ringen.
Ein Stück weiter hoch die Straße hinauf,
nimmt eine Tragik ihren Lauf,
denn gerade eben, erst vor Sekunden,
ist einem Gespenst die Seele entschwunden.
Ein Roter Faden zieht sich entlang,
tränkt die Straße und das Pflaster,
mit 25 Jahren tot,
zermalmt von einem unachtsamen Laster.
Direkt unten vor der Tür,
bettelt ein Mann um Groschen für Bier.
Und nur eine Hausnummer weiter,
sieht man einen Hilfsarbeiter,
steht er vor verschlossenem Tore,
zittert er aus jeder Pore.
Seine Frau, direkt unterm Dach,
schimpft herunter, macht mächtig Krach.
Das noble Gespenst von der anderen Seite,
ist seit gestern endgültig pleite.
Ein anderes, erst seit kurzem hier,
verbirgt nun sein Gesicht vor mir.
Es will nicht erkannt sein, wie mir scheint,
es schlägt seine Freundin, bis diese weint.
Ich blicke weiter, reib mir die Augen,
die so sehr brennen, bei all der Qual,
die Kälte der Stadt beginnt an mir zu saugen,
ich knüpfe mich zu und hole nen Schal.
Kaum bin ich zurück an meinem Platz direkt am Fenster,
tummeln sich unten schon wieder Gespenster.
Diese sind fahl, nahe zu kreidebleich,
denken die Pillen machen sie reich.
Im Gefolge, ich kann` s genau sehen,
ein schleimiger Kerl mit neuen Ideen.
Von dem Hotel schräg gegenüber,
weht eine Brise Hollywood herüber.
Am roten Teppich, völlig umzingelt,
ein Star sich um ein Lächeln abtingelt.
Das Blitzlichtgewitter erschreckt diesen sehr,
das Lächeln verrutscht und fällt doch so schwer.
Ausgezeichnet für eine Rolle,
behält er im Wirrwarr auch hier die Kontrolle.
Doch wenn erst einmal der Vorhang fällt,
fühlt er sich doch so sehr geprellt.
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