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Muttertag oder: einmal im Jahr Aufmerksamkeit reicht nicht

Nutzer: muuda
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geschrieben am: 09.05.2006    um 12:16 Uhr   
Man nehme ein robustes Mütterlein...

Man nehme ein zärtliches Mütterlein und lasse sich von ihm zur Welt bringen. In der Folgezeit schreie man vorwiegend nachts, spucke Spinat, verschlucke kleine Gegenstände und falle aus dem Wagen. Hat man gelernt, Geh- und Greifwerkzeuge zu gebrauchen, so benutze man diese zur Zerstörung der Umwelt. Mütterleins Wünsche und Vorschläge befolge man stets in umgekehrter Richtung. Im Schlaf lächle man wie ein Engel; das ist Mütterleins Lohn.

Man nehme ein überfordertes Mütterlein, bringe ihm Dreck, tote Mäuse und lebende Kröten ins Haus, knalle mit Pistolen, klebe Kaugummi auf Möbel, wasche sich selten beklage sich über den häuslichen Mangel an Konsumgütern. Man verlange antiautoritäres Elternverhalten, räume niemals sein Zimmer auf und lasse Heulmusik erdröhnen. Hausaufgaben erledige man so lässig wie möglich. Im Werkunterricht bemale man jedoch ein Karte zum Muttertag für das sofort gerührte Mütterlein.

Man nehme ein hartgesottenes Mütterlein, ängstige es durch nächtliches Ausbleiben und verwegene Motorradfahrten, schlage seine Ratschläge in den Wind und schockiere es behutsam durch politisch radikales Verhalten. Sodann erkläre man, dass man die ganze Scheibe satt habe und in die Kommune ziehe. Zum Muttertag stelle man unauffällig einen Blumenstrauß auf den Tisch; Mütterlein strahlt wieder.

Man nehme ein noch rüstiges Mütterlein, überlasse ihm an Wochentagen Enkelkinder und Hausarbeit und erzeuge so in ihm das beglückende Gefühl, noch gebraucht zu werden. Abends gebe man ihm taktvoll zu verstehen, dass die junge Familie nun lieber unter sich bliebe, und für Sonn- und Feiertage empfehle man ihm den Aufenthalt auf sonnigen und schattigen Parkbänken. Falle seine Rente für Kaffee und Kuchen nicht ausreicht, spendiere man ihm dies nebst einem Blumenstrauß zum Muttertag; Mütterlein wird dankbar sein.

Man nehme ein ausgedientes Mütterlein und gönne ihm eine sorgenfreien Lebensabend im Altenheim. Man gebe der diensthabenden Schwester ein Trinkgeld, damit sie freundlich zum Mütterlein sei. Dann überlasse man es getrost seinen schönen und reichen Erinnerungen. Zum Muttertag besuche man es mit einem Blumenstrauß, vor dem Essen zwischen elf und zwölf. Mütterlein wird lächeln, solang man es sieht.
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"Autor"  
Nutzer: olla
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geschrieben am: 09.05.2006    um 12:33 Uhr   
was kann man dazu nur sagen?
- selber schuld, wenn man sich sowas groß zieht?
- ausgleichende GErechtigkeit - auch die Kinder werden mal Eltern sein?

aber Angst kann einem werden beim lesen...jo!
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