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"Autor"

Abschied

Nutzer: MadleenDeSall
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geschrieben am: 15.01.2007    um 19:31 Uhr   
1. Teil

Ich bin jetzt 56 Jahre alt.
Ich habe nicht viel gesehen, aber um so mehr erlebt in dieser Stadt.
Schon als kleiner Junge, als ich mich unter die Stände gehockt habe um darauf zu warten, dass niemand hinsah und ich mir was zu essen klauen konnte, war ich anders als die meisten anderen Kinder.
Dabei hatten wir nie Hunger zu leiden, ich, meine zwei großen Schwestern, meine Eltern und mein kleiner Bruder.
Wir hatten eine schöne Wohnung. Sie war nicht die Größte und wir mussten uns die Kinderzimmer teilen aber wir haben uns geliebt.
Heute habe ich meinen kleinen Bruder noch nicht gesehen aber er muss hier auch irgendwo sein.
Ich weiß es.
Wir haben zusammen viele Dummheiten gemacht. Schon als ich zehn und er acht Jahre alt gewesen waren. Unsere Mutter hat uns sehr oft verflucht. Jetzt ist sie tot. Gut das sie das hier nicht mit ansehen muss.
Ich bin nie aus der Stadt herausgekommen.
Aber warum auch?
Hier hatte ich alles was ich brauchte und suchte. Mein erstes Mädchen habe ich im Park geküsst, unter einer alten Linde, die grade Grün trug.
Im Sommer sind wir im See baden gegangen. Wasser ohne irgendwelche chemischen Zusatzmittel, Fische am Bein.
Es waren schöne Zeiten.
Wir waren unbeschwert und glücklich.
Natürlich hatten wir damals schon zerschmissene Fenster, aber das war nur sehr selten.
In letzter Zeit hatte es zugenommen.
Aber ich hatte nie Angst in der Stadt. Ich konnte mich immer frei bewegen. Hatte meine Freiheit, wenn ich am Flussufer saß und im Park spazieren ging. Ich habe immer alles in mich aufgenommen. Die Bäume, Häuser, Gärten, Blumen, die lachenden Kinder, Papier auf dem Fußweg – nichts war hässlich.
Es war meine Stadt, mein Zuhause.
Manchmal habe ich mich nachts auch im Park versteckt und dann zwischen den Büschen geschlafen. Oder einfach nur in die Sterne zu blicken und von der Zukunft zu träumen.
Sie war schön.
Mit 20 Jahren habe ich geheiratet. Es war das schönste Fest mit der schönsten Frau der ganzen Stadt. Sie starb 12 Jahre später. Ein Unfall hat die Polizei gesagt. Ich war mir dessen nie sicher.
Ich habe das Geschäft meines Vaters übernommen und er war stolz auf mich.
Ich habe gesehen, wie sich die Stadt verändert hat und ich habe sie dennoch geliebt.
Manche Häuser sind im laufe der Zeit verfallen, andere neu gebaut. Sie kamen und gingen wie Freunde. Oft habe ich geweint und mich zugleich so wohl gefühlt.
Wie eine Geliebte hat sie mich umfangen.
Ihren Duft eingeatmet.
Und sie wurde mit mir alt und auch jung.
So viele Kinder. Ich liebe Kinder und habe selbst zwei und mittlerweile auch Enkel.
Ich weiß nicht wo sie sind.
Ich hoffe nicht hier.
Die Stadt war meine Heimat.
Oft habe ich am alten Bahnhof gestanden und Freunde verabschiedet.
Heute bin ich wieder hier. Aber ich stehe nicht am Gleis.
Heute sitze ich im Zug. Es ist eng hier drin.
Mir fehlt die Freiheit der Stadt.
Meiner Stadt.

Alles, selbst die Lüge, dient der Wahrheit; Schatten löschen die Sonne nicht aus.

Franz Kafka
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Nutzer: MadleenDeSall
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geschrieben am: 15.01.2007    um 19:33 Uhr   
2. Teil

Ich glaube, ich muss jetzt Aufwidersehen sagen zu meiner Geliebten, meiner Freundin, denn draußen schreit jemand „Los!“.
Aber ich weiß, dass ich das alles hier nie wieder sehen werde.
Ich versuche einen letzten Blick zu erhaschen, aber die Fenster sind dunkel.
Es ist heiß hier drin und neben mir weint jemand.
Ich sehe hinab und ein kleiner Junge steht neben mir. Ich lächle ihm zu und stellte mir vor wie er auf dem Feld oder im Park einen Drachen steigen lässt. Es wäre heute genau das richtige Wetter dazu.
Ja, der Herbst, wenn der Himmel voll mit Drache ist und sie die Freiheit verkünden.
Ich spüre wie mir eine Träne über die Wange läuft und schnell wende ich mich ab. Der Kleine soll das nicht sehen. Er hat ohnehin schon genug Angst.
Aber wenn ich daran denke, nie wieder das alles hier zu sehen. Die Häuser, die Gärten, die Bäume und Blumen, die Menschen, die Sonne, die sich auf dem See spiegelt.
Aber ich bin nur ein alter, törichter Mann.
Der Zug rollt los.
Auf Wiedersehen altes Mädchen, bis bald meine Geliebte, meine Freundin.
Ich werde dich nicht wiedersehen.
Denn ich stehe hier im Zug mit tausend anderen.
Unser Ziel ist das KZ.
Denn wir sind nur Juden, die in der falschen Zeit leben.
Auf Wiedersehen Berlin.


Madleen
J.P.
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Nutzer: MadleenDeSall
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geschrieben am: 18.01.2007    um 17:05 Uhr   
ich will das einfach noch mal heben, weil ich gern eure meinung dazu hätte... seid so nett und geb mir mal eine... danke

mfg
J.P.
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Nutzer: Gast_roterose
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geschrieben am: 18.01.2007    um 17:38 Uhr   
gut gemacht :-)
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Nutzer: XiaoShuo
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geschrieben am: 19.01.2007    um 11:07 Uhr   
Hallo Madleen,

deine Geschichte setzt sich hier angenehm von den überwiegenden Herz-Schmerz-Gedichten ab. Das finde ich sehr positiv. Allein der erste Satz hat mich zum weiterlesen animiert. Allerdings wurde dann das Lesen zwischenzeitlich sehr anstrengend und nur die Pointe hat die Geschichte wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Ich würde den Text an deiner Stelle noch einmal überarbeiten. Er liest sich teilweise sehr abgehackt und es sind auch so einige Formfehler versteckt.

Ich gebe dir mal zwei Beispiele:

Manchmal habe ich mich nachts auch im Park versteckt und dann zwischen den Büschen geschlafen. Oder einfach nur in die Sterne zu blicken und von der Zukunft zu träumen.

Verständlich besser wäre:
Manchmal habe ich mich nachts im Park versteckt und dann zwischen den Büschen geschlafen oder einfach nur in die Sterne geblickt und von der Zukunft geträumt.

Auf Wiedersehen altes Mädchen, bis bald meine Geliebte, meine Freundin.
Ich werde dich nicht wiedersehen.


Im ersten Satz "Auf Wiedersehen und bis bald"
Im nächsten Satz "Ich werde dich nicht wiedersehen".

Das ist unlogisch!


Desweiteren habe ich mich gefragt, woher der Mann weiß, daß er die Stadt nie wiedersehen wird. War das den KZ-Opfern wirklich von Anfang an klar? Man hätte da vielleicht besser von einer Ahnung schreiben können.

Dies war jetzt nur die Meinung eines Lesers von vielen. Vielleicht melden sich dazu auch noch andere zu Wort.

Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Schreiben.

LG
Xiao
  TopZuletzt geändert am: 19.01.2007 um 11:47 Uhr von XiaoShuo
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Nutzer: MadleenDeSall
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geschrieben am: 19.01.2007    um 14:07 Uhr   
danke euch beide, wegen den ehrlichen worten... für konstruktive kritik bin ich immer offen... aber jetzt geh ich schlafen, da ich eine 20 stunden zugfahrt hinter mir habe und ich als "orkanopfer" 13 stunden auf dem bahnhof in fulda (!!) festgehangen habe und grade erst nach hause gekommen bin...

mfg
J.P.
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