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Schreibwettbewerb - ( Gewinnspiel )

Nutzer: Huschelchen
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geschrieben am: 21.11.2011    um 12:40 Uhr   
- Wir schreiben eine Geschichte ... und gewinnen einen Preis von "CHATWORLD" ...

INFO :
Ich verlängere den Schreibwettbewerb um weitere 2 Wochen bis 15.01.2012
...


-

Einen "Fotowettbewerb" in CW mit Preisvergabe hatten wir schon - der zweite läuft gerade ...
nun gibt es auch einen "Schreibwettbewerb" für die "Schriftsteller" unter uns ... ;-)

Da es der erste dieser Art hier ist, machen wir es so wie beim ersten "Fotowettbewerb" - das
Thema ist egal. Es geht nicht um den Inhalt, es geht nur darum, wer es mit seiner Geschichte
schafft, die meisten Stimmen zu sammeln. Die Jury besteht wieder aus den Moderatoren, den
Operatoren und den Administatoren.

Die Regeln sind einfach - es handelt sich um eine eigene ( oder ausgedachte ) Geschichte.
Eine Begebenheit, ein Erlebnis, etwas humorvolles ... auch trauriges, eine Urlaubsgeschichte,
die Führerscheinprüfung, das erste Chattertreffen, die Hochzeit, die erste Enttäuschung oder
der erste Kuss, etwas aus der Schule ... das ist ganz egal. Lass Deiner Phantasie freien Lauf.
Irgendetwas aus dem Leben ...

Jeder Beitrag wird von der Jury gelesen. Jeder der Jury gibt eine Stimme für "sein" Beitrag ab -
und der mit den meisten Stimmen / Punkten hat am Ende gewonnen.
Einen Preis von Chatworld ...

-

Und jetzt ... ->>
...............................

Die Teilnehmer :

1 - Brass ... mit ( "Meine erste Paddeltour" )

2 - LaSposaDelDiavolo ... mit ( "LebensAbschnitt" )

3 - stroodle ... mit ( "Einmal Himmel und zurück" )

4 - Soulshaker ... mit ( "Überraschung" )
Im übrigen gilt ja hierzulande derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.
  TopZuletzt geändert am: 16.01.2012 um 03:22 Uhr von Huschelchen
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Nutzer: Brass
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geschrieben am: 23.11.2011    um 19:52 Uhr   
Ich bitte, mein Urheberrecht an dieser Geschichte zu berücksichtigen. - Danke -


Meine erste Paddeltour

An meinem 16. Geburtstag kaufte ich mir mein erstes eigenes Boot. Es war ein Canadier aus Glasfaserkunststoff. Ein mächtiger 3er Canadier mit Holzsitzen einem großen, abgeschotteten Stauraum im Heck und großem Freibord. Ich taufte es auf Lucky.

Nach den ersten Probefahrten auf dem Salzgittersee, einer ehemaligen Kiesgrube, wollte ich in den Sommerferien einen Fluss befahren. Nach einigem Hin und Her, brachte mein Vater mich samt Lucky und einer durchaus Klondyke tauglichen Ausrüstung an das VW – Werk in Wolfsburg. Hier setzte ich in die Aller ein, die ich nun bis zu ihrer Mündung in die Weser befahren wollte. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie viele Kilometer das sind und nachschauen möchte ich jetzt auch nicht. Denn heute ist Samstag und ich muss gleich Kartoffeln schälen. ..

An jenem Samstag nun also, packte ich Luckys Bauch und Heck voll, setzte ein ... und kenterte. – Ging ja schon gut los. Die Ausrüstung bot ein schönes Bild, wie sie farbenfroh und munter im Wasser dahin trieb und sich mehr und mehr verteilte und davon schwamm. Klatschnass stieg ich an Land, zog mir die nassen Klamotten aus und sprang zurück ins Wasser um die temperamentvoll davon schippernde Ausrüstung zusammen zu klauben. Doch kaum im Wasser, hörte ich vom Ufer eine energische Frauenstimme. „Junger Mann,“ krächtste es von achtern. „Ich habe die Polizei angerufen, es ist hier nicht gestattet, zu schwimmen. Der Peterwagen muss jeden Augenblick hier sein.“ - Schwimmen ist hier nicht gestattet, dacht ich immer wieder ... schwimmen nicht gestattet. Warum weiß das meine Ausrüstung nicht? Ich beachtete die rüstige Dame nicht weiter, bot ihr mein weißes Hinterteil zur Ansicht und tauchte nach dem Gaskocher. – Muss ja hier irgendwo liegen. Ich erwischte ihn beim vierten Versuch. Dann machte ich mich dran, die auf dem Wasser davonschwimmenden Sachen zu holen, kraulte im Stile von Lex Baker, tarnzanähnlich durch den Dschungel, halt es ist die Aller .. Wolfsburg .. Polizei.. wo bleibt die eigentlich?? .. Ich schaute zurück ans Ufer, wo Lucky kopfüber friedlich im Wasser dümpelte und sah nun schon vier Frauen wild gestikulierend lauthals mit zwei düster dreinschauenden Polizeibeamten palavern.

Ich schwamm weiter. Als ich alles beisammen hatte, merkte ich, dass mir die Wasserströmung keine Chance geben würde, mein Boot schwimmend zu erreichen. Also querte ich den Fluss und stieg an Land. Schwer beladen stapfte ich zurück. – Wenn jemand schon einmal in Unterhosen schwimmen ging, kann er sich vorstellen, welch meisterhafter Qualität ein Bündchengummi sein muss, die nasse Hose nicht an die Gravitation zu verlieren. Ich hatte in dem Augenblick keine Ahnung, welch heroischer Kampf sich kurz oberhalb meiner Leisten bei jedem Schritt abspielte. Wie eben dieser Gummizug sich mit nahezu übermenschlicher Gewalt gegen die Physik stemmte. – So erreichte ich die kleine Versammlung, die mich scheinbar schon sehnlichst erwartete. Angekommen, ließ ich die Sachen fallen und stellte mich der Ansprache. Beim letzten Schritt spürte ich, wie der Gummizug seinen Kampf verlor. Alles kam ins Rutschen, was nicht rutschen sollte. Doch es gelang mir, geistesgegenwärtig, die Hose noch mit zwei fingern zu erwischen, bevor sie ihren Zweck vollends verlor.

So stand ich nun also da und hörte mir geduldig frierend an, was die vier Damen über mich zu berichten wussten. Als sie mit ihrem Geschnatter endlich ein Ende fanden, drehte sich einer der beiden Uniformierten mir zu und musterte mich mit grimmiger Mine: „Nun der Herr, was haben wir denn zu diesen Beschuldigungen zu sagen?“ Jedes seiner Worte drang in mich, wie eine Nadel. Mein Herz begann noch schneller zu rasen, mir wurde heiß.
„Herr Wachtmeister,“ setzte ich an... „Polizeiobermeister Dolder!“ fauchte er mich an. „Herr Oberpolizeimeister“, seine Mine verfinsterte sich noch mehr. „ich bin zum Paddeln hergekommen, nicht zum Schwimmen.“ Seine Stimme dröhnte los: „Dazu gehört ja wohl ein Boot, nicht wahr??“ „Aber Herr Meisterpolizist, es liegt doch da.“ Ich deutete auf die Stelle, wo Lucky im Wasser lag. – Keine Lucky zu sehen, das Ufer war zu hoch und zu steil. „Ich sehe da aber kein Boot.“ Donnerte er im schönsten Opernhausbariton. Um ihn von meinen ehrenhaften Absichten zu überzeugen, ging ich, meine Unterhose vergessend, beherzten Schrittes los, um Lucky an die Oberfläche zu holen. Die Hose sackte mir bis in die Kniekehlen, die Damen kreischten vergnügt empört: „Lüstling!!!“ Eine von ihnen wurde kreidebleich, als ich mich umdrehte, um mich entschuldigen zu wollen, die anderen verloren fast ihr Gebiss...

Als ich gut zwei Stunden später mit dem Taxi von der Polizeistation zurück zu Lucky kam, lag Gott sei Dank noch alles an seinem Fleck. Ich belud das Boot erneut, stieg ein und fuhr nun endlich los.
I hate how people compare Freddie Mercury to God, I mean, He's cool and good and everything.....But he's no Freddie Mercury.
(found at youtube)
  TopZuletzt geändert am: 23.11.2011 um 21:32 Uhr von Huschelchen
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Nutzer: LaSposaDelDiavolo
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geschrieben am: 19.12.2011    um 18:36 Uhr   
LebensAbschnitt
Sie saß in der Badewanne, den Duschkopf über sich, der kaltes Wasser auf sie rieseln ließ. Das kalte Wasser prasselte über ihrer Haut und immer noch starrte sie auf den weißen Beckenrand der Wanne. Ihre Lippen hatten sich mittlerweile blau verfärbt und ihr Körper zitterte. Die inneren Schmerzen jedoch übertönten die körperlichen.
Tränen rannen ihr die Wange entlang, perlten ihr über die Lippen und tropften zu Boden. Niemals hätte sie gedacht, dass ihre freudige, lebensfrohe Art von einem auf den anderen Moment erlöschen und das Leid und der Schmerz ihr Leben beherrschen würden.
Die Bilder von dem tragischen Unfall gingen ihr nicht aus dem Kopf. Sie sah immer noch ihren blutüberschmierten Freund vor sich liegen, reglos auf dem Beifahrersitz. Sie hatte nach seiner Hand gegriffen, ihn gerüttelt, angeschrien, doch er bewegte sich nicht. Er lag da. Sein schöner Körper war mit Blutflecken übersät. Auch ihre beste Freundin lag reglos auf der Rückbank. Aus ihrem Kopf topfte Blut und ihre Augen waren nach hinten gerollt.
Aus dem anderen Auto hörte sie einen Schrei. Sie hielt sich die Hände über die Ohren. Diesen Schrei, dass wusste sie, würde sie nie mehr aus dem Kopf bekommen, und ebenso wenig die Bilder.

Sie waren auf dem Weg nach Hause. Die Party, auf der sie eingeladen waren, hatten sie vorzeitig verlassen, da Mia sich nicht wohl fühlte. Mia hatte den Abend nichts getrunken, da sie wusste, dass sie ihren Freund und ihre beste Freundin heute heim fahren würde. Sie kannte die Strecke, die sie gefahren waren gut, schließlich fuhr sie diese Strecke beinahe täglich.

Das Klopfen an der Tür registrierte Mia nicht. Sie fühlte nur den Schmerz und das Leid – und den tiefen Hass auf sich selbst. Sie stieß sich mit dem Duschkopf in die Magenkule. Immer heftiger rammte sie das Stück Metall in ihren schönen, feenhaften Körper. Rote Stellen zeichneten sich auf ihrer Haut ab. Warum hatte sie ihren Freund und ihre Freundin gebeten vorzeitig die Party zu verlassen? Warum hatte sie den LKW nicht kommen sehen?
Der Bauch war nun vollkommen mit roten Flecken versehen doch Mia stieß sich den Duschkopf weiter in den Magen. Sie wollte spüren, fühlen, dass sie noch am Leben war, doch jede körperliche Empfindung schien nicht mehr vorhanden zu sein.
Sie griff nach einer Schere, die sie auf den Rand der Badewanne gelegt hatte. Die Angst vor dem, was kommen würde schien kleiner, als der Schmerz und das Leid, die sie erfüllten. Sie drückte die Schere auf ihre Handinnenfläche und schlitzte sich eine tiefe Wunde in die Haut. Es tat nicht weh. Sie versuchte den Schmerz zu spüren, den eine solche Wunde auslösen müsste, doch es gelang ihr nicht. Sie setzte einige Minuten später – gedankenverloren, allein, einsam, ohne Gefühl – die Schere an die Pulsader. Ein tiefer Schnitt bahnte sich seinen Weg durch die Ader der jungen Frau. Sie presste die Lippen aufeinander, ein höllisches Brennen durchströmte ihren Körper, sie sank in der Wanne zusammen, ließ den Duschkopf fallen. Sie spürte, sie fühlte…und lächelte.
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Nutzer: stroodle
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geschrieben am: 21.12.2011    um 17:47 Uhr   
Hier ergibt sich ja allmählich sowas wie 'ne wettbewerbsähnliche Situation :p
Da misch ich doch gern auch mal mit.
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Einmal Himmel und zurück

Der Nachmittag, keine zwei Stunden alt, hatte sich in Windeseile mit der grimmigen Entschlossenheit einer Februarnacht über den Himmel hergemacht. Hatte widerlich böige, nasskalte Herbstluft mit sich gebracht, die die Welt aufzuweichen schien wie einen Fetzen Tageszeitung im Rinnstein.
Ben betrachtete teilnahmslos das Durcheinander aus Hosenanzügen, Trenchcoats, Krawatten in allen Farben einer widerscheinenden Ölpfütze, wie es sich da draußen ineinander verknotete beim Versuch, dem Regen zu entgehen. Schirme platzten auf, schwarzes Leder wallte, eine homogene Front aus Schönheit und Reichtum rüstete zum Gegensturm auf den Himmel. Er lächelte beim Gedanken daran. Augenblicklich imitierte sein Spiegelbild, nur schemenhaft in der gläsernen Fassade eines Musikgeschäfts hier in der Innenstadt, dieses Lächeln und erstarb einen Lidschlag später. Ben hasste es zu lächeln.
Nein, er hasste es nicht, es war ihm nur fremd.
Als er vor einer Stunde hier eingetroffen war, hatte er sich lustlos durch die Auslagen geklickt (Musik-CDs lassen sich hervorragend mit einem Zeigefinger blättern), hier und da nach Neuerscheinungen gesucht, versucht einen Funken Interesse aus sich herauszusägen. Nachdem er festgestellt hatte, dass sich natürlich niemand für ihn interessierte, hatte er seine Bemühungen aufgegeben, sich ans Fenster gestellt und in den unheilvollen Nachmittag hinausgeglotzt.
Flapp flapp schlugen perlengroße Wassertropfen gegen Verbundglas und rannen verzagt daran hinab. Bens Gedanken taten es ihnen gleich. Wie aus einem Strom, an dessen morastigen Ufern er stand, eine Angelrute in den unbedarften Händen, fischte er ziellos neurale Blitze aus seinem Bewusstsein. Er dachte daran, wie es wohl sein mochte, einen Armani-Regenmantel zu tragen. Ein paar hundert, wenn nicht tausend Euro an sich zu haben. Diesen Mantel an einem beschissenen Oktobertag mit nassem Staub und umherwirbelnder Zigarettenasche zu ruinieren und ihn in die Reinigung zu geben. Wäre das dann eine Art neoreligiösen Ablasshandels? Bens Gedanken kreisten kurz um die Theodizeefrage, bevor er sie wie lästige Mücken verjagte. Was nutzte ihm Gott schon, wenn Gott ein triebhaftes und naives Kind war? Natürlich war ihm klar, dass, gäbe es einen Gott (oder mehrere), er sich mit dieser Schlussfolgerung locker weitere hundert Jahre Fegefeuer eingehandelt hätte. Aber wie gesagt- was nutzte er ihm? Ben war sicher alles andere als ein Theologe, doch auf irgendeiner Ebene seiner Wahrnehmung gab es einen überzeugten Atheismus, der Jesus Christus in jeder Podiumsdiskussion wie einen irren Spinner hätte erscheinen lassen.
Ja, Ben war verdammt gottlos. Immerhin hatte er noch keinen Menschen verspeist, aber wer wusste schon, was die Zukunft für ihn bereithielt?
Draußen, auf dem polierten Pflastersteinschlachtfeld der Flaniermeilen schien der Sturm an Land zu gewinnen, doch mittlerweile bestand die vorbeieilende Nadelstreifenfront nur noch aus Regenschirmen, die dem Ansturm mit stoischer Ruhe trotzten. Wieder stahl sich ein verhohlenes Lächeln auf Bens Lippen. Ja, Gott hatte definitiv ausgedient, spätestens mit der Erfindung automatischer Scheibenwischer.
Mit einer ruckartigen Bewegung -feines Sirren in den Verankerungen seiner Nerven- riss sich Ben von seinem Beobachterposten los. Eine Flut aus mentalem Treibgut spülte zurück in das ölige Wattenmeer hinter seiner Stirn. Er warf einen Blick in das dunstige Panorama des Geschäfts (emsige Betriebsamkeit) und blinzelte, um seinen gedanklichen Tunnelblick abzustreifen, doch...
Irgendetwas war in Bewegung geraten. Rollte wie ein Element einer dieser naiven mittelalterlichen Perpetuum-Mobile-Aufbauten auf seiner Bahn und...
Ping.
Ein Flackern im Bild, als hätte jemand eine zusätzliche Sekunde zwischen zwei andere gepresst. Plötzlich war Ben von dem Gedanken beseelt, diesen Ort zu verlassen. Zu laufen und zu laufen, bevor er mit seiner Umgebung verwachsen und in irgendeinem anderen Jahrhundert von schlauen Kulturphilosophen aus massivem, gepresstem Abfall gemeißelt werden konnte. Zu laufen, um etwas in sich zu spüren, das mehr war als sein pumpendes Herz im ermüdenden Stechschritt. Um auf die Straße zu stürzen und den starren Blick zum Himmel zu richten, ganz gleich, wieviele kalte Wassertropfen auch auf seinen Netzhäuten zersprengen mochten.
  TopZuletzt geändert am: 21.12.2011 um 17:49 Uhr von stroodle
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Nutzer: stroodle
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geschrieben am: 21.12.2011    um 17:53 Uhr   
Mit gespannten, glutheißen Muskelfasern setzte sich Ben in Bewegung. Die Sohlen seiner Markensneaker quietschten auf dem Marmorfußboden, als er eine enge Kurve nahm (vermutlich drehten sich Dutzende aufgescheuchter Augenpaare in seinem Rücken zu ihm um). Seine Frisur, für die er sich am Morgen wirklich viel Mühe gemacht hatte, zerfiel bestimmt in klebrige, strähnige Fetzen. Und ganz sicher gab er alles andere als das Bild eines Profiathleten ab, wie er sich hier die Lunge aus dem Leib hetzte, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. (Oder Georgio Armani?). Doch all das- nun kümmerte es ihn nicht mehr.
Die Rolltreppe hinunter- entschuldigen Sie bitte, dürfte ich bitte- und durch die Kosmetikabteilung. Die Gerüche hunderter Parfums, in der zähen Luft, an hunderten Dekolettés und Handgelenken, vermischten sich zu etwas, das Bens Körper in sich aufnahm und auflöste wie eine Spinne ihre eingewobene Mahlzeit. Im Vorbeiflug erwiderte einer dieser Probespiegel bei dem Versuch, seinem gehetzten Gesicht zu strahlender Perfektion zu verhelfen, seinen Blick. Ein Zerrspiegel, der nicht den Körper verwandelte, sondern das Innere des Kopfes aufblähte wie ein Fabergé-Ei. Doch es half nichts. Alles, was das Glas Ben in diesem Bruchteil einer Sekunde zeigte, war ein gleißend heller Schemen, gestaltgewordenes Licht, das sonnensturmartig hin und her wabberte und wallte. Ben jubilierte innerlich, er hatte es geschafft. Er war der erste Zeitreisende in der Menschheitsgeschichte. Er würde es ihnen zeigen, den Stephen Hawkings und Marty McFlys dieser Welt, er würde es ihnen zeigen. Mit einem letzten mächtigen Satz hechtete er durch die Schiebetüren des Geschäfts nach draußen und hätten deren Sensoren nur einen Augenblick später Notiz von ihm genommen- er wäre ungerührt durch das Glas gesprungen. Nicht dass es nun noch eine Rolle gespielt hätte, war er doch sowieso kaum noch mehr als ein Lichtblitz auf kosmischen Nervenbahnen.
Wie das überbelichtete Foto eines leeren Blattes Papier strömte ihm in dem Moment, als er auf die Straße sprang, reines, prähistorisches Weiß entgegen. Ein Weiß von der Sorte, wie man es nicht einmal nach vierwöchigem Marsch über die Polkappen würde sehen können. Ein Weiß, das so bedingungslos war, dass es den Blick nicht blendete, sondern ungebremst durch die Augenhöhlen strahlte und jede einzelne Faser des Gehirns zärtlich umwob. Ein Weiß, das...
Als der Wagen -nur eine simple Streife der hießigen Polizei, vermutlich wegen irgendeines Diebstahldelikts bestellt- Ben sauber am Hüftknochen erwischte, begann seine Euphorie zu taumeln. Aber schließlich war er doch inzwischen nicht mehr als ein Gedanke, eine Vision, etwas heiliges.
Dann hörte er das hässliche Bersten von Knochen, noch bevor er den Schmerz spüren konnte, und umherschlingernde Neuronen vermittelten ihm die Gewissheit, dass er sterben würde. Dass er hier und jetzt sterben würde, wegen eines Fahrzeugs, das sich mit kaum mehr als zehn Stundenkilometern durch eine Fußgängerzone bewegte. Dass diese Typen noch nicht einmal ein Signal gegeben hatten, weder Blaulicht noch Martinshorn. War das denn überhaupt zulässig?
Sollte man nicht...
irgendwie...
.

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Copyright: J.M.

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Okay. Es wurden schlussendlich um die 7000 Zeichen, dafür aber prall gefüllt mit Kreativität :p
Ich hoffe das disqualifiziert mich nicht per se von der Teilnahme am Gewinnspiel.
  TopZuletzt geändert am: 21.12.2011 um 18:01 Uhr von stroodle
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Nutzer: Soulshaker
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geschrieben am: 15.01.2012    um 15:16 Uhr   
Überraschung

Ihr gingen so viele Dinge durch den Kopf, während sie durch die dunklen Straßen wanderte. Die Entscheidungen, die sie im Büro getroffen hatte, was für den nächsten Tag auf dem Plan stand, ihre Einkaufsliste für das morgige Abendessen. Sie mochte es, den Weg zu Fuß zu gehen, dabei ihre Gedanken zu ordnen, es ließ sie abschalten und stimmte sie ein auf den Feierabend. Sie wollte ihr zu Hause nicht mit solchen Dingen belasten. Sie lächelte vor sich hin, als sie um die Ecke bog und daran dachte, dass ihr Liebling zu Hause auf sie warten würde, wie jeden Abend. Sie würden einen gemütlichen Abend auf dem Sofa verbringen, aneinander gekuschelt wie so oft.

Immer noch lächelnd steckte sie den den Schlüssel ins Schloss und öffnete langsam die Tür. Irgendetwas war anders. Als sie das Meer von Kerzen sah, stockte ihr der Atem. Das konnte doch unmöglich wahr sein, war ER das gewesen? Nervös schob sie ihre Hand in die Manteltasche, wo sich die zitternden Finger um das kleine Gerät darin schlossen, um sich zu beruhigen. Langsam schritt sie durch den Flur, vorsichtig darauf bedacht, die Kerzen nicht zu berühren. Eine Spur von Rosenblättern wies ihr den Weg die Treppe hinauf, unwillkürlich musste sie an die haargenau gleiche Szene ihres heimlichen Lieblingsfilmes denken, wie konnte ER das nur wissen? Hatte er ihren Schrank bis zur letzten Ecke durchstöbert? Mit einem Kopfschütteln ging sie langsam weiter, ihr Herz erinnerte sie klopfend an ihre Gefühle. Wo war er denn nur? Die Rosenblätter führte zu ihrem Schlafzimmer, vor der Tür blieb sie stehen, holte tief Luft und öffnete die Tür. Sie wusste nicht, wohin sie zuerst schauen sollte, das ganze Zimmer war voller Rosen und Kerzen, Blütenblätter bedeckten das Bett. Sie schluckte und machte ein paar Schritte vorwärts. Plötzlich spürte sie, wie er hinter sie trat, seinen heißen Atem in ihrem Nacken, und schloss die Augen, ein dicker Kloß bildete sich in ihrem Hals. „Ich habe so lange auf diesen Augenblick gewartet“ flüsterte er. Noch immer brachte sie kein Wort hervor. Da drehte er sie zu sich herum „Öffne die Augen, ich bin wirklich hier“ sagte er, als sie tat wie ihr geheißen, lächelte er. In diesem Augenblick nahm sie eine Bewegung in der Tür wahr und fand ihre Sprache wieder, zwei Worte genügten.

„Fass, Liebling!“

Der große Hund warf den Mann zu Boden und hielt ihn dort knurrend und zähnefletschend fest. Sie ließ sich erleichtert aufs Bett fallen, durch das Fenster konnte sie das Blaulicht der Polizei erkennen, die bereits ins Haus stürmte, um den Stalker festzunehmen. Sie konnte kaum glauben, dass sie ihn los war. Der Plan war so klug wie gefährlich gewesen. Sich einen abgerichteten Hund zulegen, äußerlich ein friedlicher Kuschelriese, der auf seiner Decke lag und keiner Fliege etwas zuleide tat. Aber auf Kommando ein perfekter Beschützer. Und der Notknopf in ihrer Tasche, eine Idee des Polizisten, der ihren Fall betreute. Obwohl ihr die Angst noch in den Knochen steckte, musste sie lächeln. Vor ihren Augen wurde ihr Verfolger abgeführt, eine Polizistin legte ihr eine Decke um die Schultern. Sie nahm es jedoch kaum wahr. Ihre Gedanken kreisten nur um eines: Keine Briefe mehr, keine Anrufe mitten in der Nacht, keine beängstigenden Pakete.

Es war vorbei. Endlich vorbei.
  TopZuletzt geändert am: 15.01.2012 um 15:17 Uhr von Soulshaker
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Nutzer: Huschelchen
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geschrieben am: 16.01.2012    um 03:32 Uhr   
So meine lieben Hobby-"Schriftsteller", der Schreibwettbewerb ist nun zu Ende.
Einsendungen sind nun nicht mehr möglich. Jetzt ermitteln wir den Gewinner ...
wie oben beschrieben.

Ich melde mich am Sonntag ( 22. Jan. ) wieder .. hoffentlich mit einem Gewinner.

~Huschelchen~ :-w
Im übrigen gilt ja hierzulande derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.
  TopZuletzt geändert am: 16.01.2012 um 03:34 Uhr von Huschelchen
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Nutzer: Huschelchen
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geschrieben am: 22.01.2012    um 21:19 Uhr   
Zitat von: Huschelchen
Ich melde mich am Sonntag ( 22. Jan. ) wieder .. hoffentlich mit einem Gewinner.

~Huschelchen~ :-w
Es ist gerade Wochenende .. manch eine/r ist gerade nicht da ..
Am Dienstag veröffentliche ich den Gewinner dieses "Schreibwettbewerbes" .. ;-)
Bis Dienstag hat auch der letzte seine Stimme abgegeben ..

Dienstag Abend .. hier ..
Im übrigen gilt ja hierzulande derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.
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Nutzer: Huschelchen
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geschrieben am: 24.01.2012    um 18:31 Uhr   
Zitat von: Huschelchen
Dienstag Abend .. hier ..
Es ist Dienstag Abend .. :-) .. der Gewinner ist ermittelt ..

"Herzlichen Glückwunsch" .. -> Soulshaker

Und alle anderen, die mitmachten .. auch "Danke" .. ;-)

Bis zum nächstenmal .. :-w

-

Alle haben es wieder auf das Siegertreppchen geschafft - doch einer kann nur gewinnen .. :-)
Für die andern hinterlässt Huschel in den nächsten Tagen auf der ID einen Trostpreis ..

:-w
Im übrigen gilt ja hierzulande derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.
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Nutzer: stroodle
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geschrieben am: 24.01.2012    um 19:04 Uhr   
Herzlichen Glückwunsch.

'Ne "schön" Story hast Du da geschrieben.
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"Autor"  
Nutzer: LaSposaDelDiavolo
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geschrieben am: 24.01.2012    um 19:23 Uhr   
Herzlichen Glückwunsch :D
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"Autor"  
Nutzer: Soulshaker
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geschrieben am: 24.01.2012    um 20:52 Uhr   
Vielen Dank!

Bin etwas überrascht, die "Konkurrenz" hat klasse Geschichten geschrieben :)
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"Autor"  
Nutzer: Brass
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geschrieben am: 24.01.2012    um 21:12 Uhr   
Bravo @ Soulshaker

I hate how people compare Freddie Mercury to God, I mean, He's cool and good and everything.....But he's no Freddie Mercury.
(found at youtube)
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"Autor"  
Nutzer: EvilSadness
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geschrieben am: 18.03.2012    um 12:30 Uhr   
wow
„Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen, zum Beispiel der Relativitätstheorie.“
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