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Über TRAUER, MELANCHOLIE UND DEM IDEAL DER LIEBE

Nutzer: prince33
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geschrieben am: 13.11.2001    um 11:32 Uhr   
Hallo.. Du hast Dich in meinen Thread verirrt und fragst Dich was sich hinter der Überschrift Trauer, Melancholie und dem Ideal der Liebe verbirgt?

Nun.. erstens muss ich Dir sagen, dass Du ein wenig Zeit opfern musst.. und zweitens ist dies hier lediglich der Einstieg zu einem Projekt.. dem noch weitere Threads folgen werden, denn es geht hier nicht darum lediglich an der Oberfläche zu Kratzen! Möchtest Du ein wenig Zeit opfern? Hilfst Du mit, der Wahrheit ein kleines Stück näher zu kommen? Ich denke es wird sich lohnen.. und es wird spannend werden! Also.. Vorhang auf....

Worum geht es? Es geht um etwas, dem wir alle nachjagen oder hoffen das es uns ereilt! Die Liebe, das Glück und die Freude am Leben! Es geht um die Frage.. Ist denn Lieben eine Kunst? Man könnte auch Fragen.. Ist Leben eine Kunst? Wenn dem so sein sollte.. was steht uns nur im Wege um diese Kunst zu erlangen? Oder besser gesagt.. um diese Kunst auch wirklich praktisch leben zu können? Warum meinen wir daran so oft zu scheitern? Zurück bleibt Melancholie, Frust die bis zur Depression reicht! Und wenn Lieben eine Kunst sein sollte, dann müssen wir was tun.. müssen wir uns bewegen! Das schließt auch ein, das ein jeder einzelner den Mut aufbringen muss sich zu hinterfragen!!! Und letztendlich geht es um praktische Fragen! Mir geht es vor allem um praktische Philosophie.. denn schließlich wollen wir ein wenig voran kommen.. mit dem Versuch einer realistischen Betrachtung des psychologischen Phänomens LIEBE! Dies bedeutet auch, dass wir die Liebe von allerlei Mythen befreien müssen um einen klaren schärferen Blick zu erlangen! Also.. bist Du dabei? Dann krempeln wir doch gemeinsam die Ärmel hoch.....

Die Liebe und das Glück berührt viele weitere Fragen.. als da seien genannt.. Was ist Liebe? Können wir überhaupt wissen das wir Lieben.. was Liebe ist? Reicht Liebe aus um ein erfülltes Leben zu führen? Was ist mit der Angst vor dem Gefühl zu lieben? Welche Rolle spielt die Phantasie in der Liebe? Wann ist sie schädlich? Wie erhalten wir ein Stück Mystik in einer Beziehung? Hält Leidenschaft ewig in einer Partnerschaft? Ist die Kunst des Alleinseins eine mögliche Voraussetzung für die Kunst des Liebens? Wie sollten wir mit unserem Denken umgehen? Wie mit der Zeit?

Viele viele Fragen und (noch) keine Antworten! Ich weiß, das alles wirkt jetzt sehr abstrakt! Als ich der Philosophie das erstemal begegnete stolperte ich über ein Zitat des Philosophen René Descartes... der sagte... Philosophieren heißt sterben lernen!
Oh herrje, was hat der Tod nur mit der Liebe zu tun? Sterben lernen um lieben zu können? Markaber, nicht wahr? Oder doch nicht?

Na jedenfalls ist das hier nur eine kleine Auswahl der Fragen, welche die Liebe berühren! Es gibt noch eine Menge weiterer vor allem praktischer Fragen! In welcher Reihenfolge nun diese Fragen aufgegriffen werden spielt wohl eine untergeordnete Rolle. Hauptsache man arbeitet an dem Puzzle des Lebens!

Und ob man sich damit zuviel vornimmt? Nein, man wächst doch mit den Aufgaben, nicht wahr? Oder bist Du nun doch nicht mehr mit dabei? Ist das alles doch zu mühselig? Ich denke, dass es von elementarer Wichtigkeit ist über all diese Fragen nachzudenken, und dies ist nun nicht immer in 5 Minuten geschehn! Wie sagt man doch so schön? Das Leben lebt sich nicht von selbst.. man muss es führen!

Gut.. genug der Vorrede! Ich habe darüber nachgedacht.. wie könnte man in das Thema einführen.. sozusagen die ersten Schritte tun? Nun.. helfen wird uns dabei Sigmund Freud! Dies soll jetzt nicht bedeuten.. ich lege auf Freud ein übermäßiges Gewicht! Aber um zu Anfang das zu betonen, was mir wesentlich erscheint.. ist eine Schrift von ihm sehr geeignet!


Also.. Start des Projektes... *fg

In seiner 1917 erschienenen Schrift "Trauer und Melancholie" unterscheidet
Sigmund Freud erstmalig die Trauer von der Melancholie! Auf der Grundlage
seiner Theorie über die narzisstische Persönlichkeit (immer diese Fremdwörter, ich weiß! Narzissmus = überzogene Selbstliebe) entwickelte Freud einen
Versuch zur Theoretischen Klärung der Melancholie. Was das wohl alles mit der
Liebe zu tun haben soll? Doch folge mir weiter *smile...

Im Gegensatz zur Trauer, die den Trauernden im vollen Bewusstsein dessen
zurücklässt, wen und was der Trauernde verloren hat, bezeichnet die Melancholie
den Zustand der narzisstisch organisierten Persönlichkeit als Ergebnis einer
inneren Abwendung vom geliebten Objekt bei gleichzeitiger Beibehaltung der
Liebe zu diesem! Der narzisstischen Persönlichkeit... so Freud... wird diese
Abwendung vom realen Objekt gerade dadurch möglich, dass die Liebe als
Selbstliebe, als Liebe eines Ideals gelebt wurde!!! Infolgedessen wird beim Aufgeben
des geliebten Objekts nicht die Aufgabe der Liebe notwendig! Verschwindet das
geliebte Objekt, so bleibt in der narzisstischen Persönlichkeit die Liebe
als Selbstliebe trotzdem erhalten.

Geändert am 15.11.2001 um 06:00 Uhr von Prince33

Geändert am 18.11.2001 um 06:54 Uhr von Prince33
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Nutzer: prince33
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geschrieben am: 13.11.2001    um 11:33 Uhr   
Der Melancholiker weiß, so Freud, wen er
verloren hat, aber er weiß nicht, was er verloren hat, denn die
Liebesaktivitäten sind letztlich auf ihn selbst bezogen und nicht auf ein tatsächliches
Objekt!

Die Selbstvorwürfe, Herabsetzungen des Selbstwertgefühls, die Feindlichkeit
gegen sich selbst, der Verlust an Selbstachtung und die gesteigerte
Selbstkritik sind in Wirklichkeit Vorwürfe gegen ein geliebtes Objekt, die von diesem
weg auf das eigene ICH gelenkt werden. Dadurch wird es möglich das Ideal der
Liebe zu erhalten! Die Liebe in ihrer idealen Form ist dadurch... um den
Preis der Selbstbeschädigung... erhalten geblieben!
Ein Problem ist sicherlich, was wir uns in unserer Phantasie so alles
ausmalen, was eine ideale Liebesbeziehung sein sollte! Nun Phantasie bleibt
nun mal Phantasie und die Realität sieht doch wesentlich ernüchternder aus!!!
Ich habe da mal von der romantisch verklärten Liebe gesprochen...
die uns durch so viele Hollywood - Filme erreicht!

Freud zeigt auch welch empfindsame Wesen wir sind... und wie wir allzu
leicht so manchen innerlichen Zwängen folgen! Schnell wären wir bei weiteren
philosophischen Fragen wie... Haben wir wirklich einen freien Willen??? Und die
erste Frage in dem Roman Sophies Welt... Wer bist Du? ... bekommt dann wirklich
Gewicht! Nun werde ich jetzt nicht auf diese Fragen eingehen... es würde an diesen Stelle und zu diesem Zeitpunkt zu weit führen!!!

Melancholie ist übrigens eine Vorstufe der Depression!!! Und Melancholie und
dann leider auch die Depression sind richtige Volkskrankheiten geworden mit
einer erschreckenden Dunkelziffer! Und wie schnell sind oder waren auch wir
in dieser Situation in der wir uns Selbstvorwürfe machen, überzogene
Selbstkritik üben usw. ???

Der Melancholiker und auch der Depressive werden Beschrieben als Menschen,
die von sich aus zunehmend auf eigene Aktivitäten verzichten, es sei denn, wie
ich es eben beschrieben habe, es handelt sich um eine das eigene Selbst
herabsetzende Art! Der Melancholiker sieht für sich keine Zukunft, er kapselt
sich in sich ab, er erscheint, in einem Bild ausgedrückt, als jemand, der in
einer Kiste lebt und von innen den Deckel zuhält!

Es wurde sich nun die Frage gestellt, ob das bis jetzt beschriebene
krankhaft oder nicht doch eine allgemeine menschliche Eigenschaft ist!? Ähm.. was ist
eigentlich normal? *mhhh

Georg Groddeck spricht diese Vermutung in seinem 1923 erschienenen Buch "Das
Buch vom Es" ganz deutlich aus:

Also er schrieb... Denn wer ehrlich ist, der weiß, dass wir alles immer auf
uns selbst beziehen, dass es ein mehr oder minder schön anzuschauender Irrtum
ist, anzunehmen, wir lebten für andere oder für anderes! Das tun wir
niemals, nicht einen Augenblick, niemals!!! Und der, auf den sich die Verkünder der
edlen, ach so falschen und erdachten Gefühle der Aufopferung,
Selbstverleugnung, Nächstenliebe berufen... Liebe Deinen Nächsten als Dich selbst... und es
heißt nicht... mehr als Dich selbst... sondern wie Du Dich liebst. Heutigen
Tages nennt die Psychologie diesen Trieb bei Menschen zu sich selbst, diesen
Trieb, der ausschließlich ist und in dem Alleinsein des Kindes im Mutterleib
wurzelt, Narzissmus!

Soweit Georg Groddeck....

Und wie ist es mit der Sehnsucht? Durch die Endsilbe ..sucht wird die Bewertung als
krankhafter Zustand verstärkt. Dem entspricht die Abwesenheit von Wille und Tat!
Es soll ja, wie schon gesagt, die ideale Form von Liebe erhalten werden!
Freuds Entdeckung der Verbindung von Melancholie und Erhaltung der idealen Liebe
zu einem Objekt... weist auf die Sehnsucht, in der man sich das ideale
Wünschen erhält!!! Gleichzeitig wird natürlich nach idealer uneingeschränkter
Befriedigung gesucht.
Ganz anders das Sehnen... es ist Zielgerichtet und hält dabei die Realität
im Auge. Der Melancholiker, der Depressive und auch der Sehnsüchtige sind
realitätsabgewandt! Nun... sind wir das nicht alle zu einem gewissen Grade? Wie
sieht es aus mit unseren Vorstellungen und noch mangelnder Erfahrung??? Und
wie schnell verfallen wir den Süchten??? Mir fällt da auch gerade die Chatsucht
ein, über die ich mir auch schon so meine Gedanken gemacht habe.. und die
wahren ganz schön erschreckend! *puhhh

Es gilt also unseren Blick zu schärfen auf die Realität und
uns Gedanken zu machen... auch wenn es häufig nicht die einfache Lösung gibt,
die wir uns so sehr wünschen!

Um das wesentliche noch mal auf einen Nenner zu bringen...

Idealisieren wir die Liebe zu einem hohen Maße? Sind vom Wunschdenken gelenkt? Wer wünscht sich schon etwas schlechtes? *gg Fehlt uns immer wieder der Blick für die Realität?
Und sind wir nicht doch alle im wesentlichen Egoisten?

Du bist mir bis hierhin gefolgt? Dann danke ich Dir für Deine Aufmerksamkeit und Dein Interesse!

Prince..
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Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 13.11.2001    um 16:30 Uhr   
schöner thread :)
wie dich das thema wohl bewegt, hat mich seinerzeit fromms "kunst des liebens " berührt & ich habe für mich einiges hierin verstanden..

das dumme an allen theorieen ist nur..
es sind..theorieen ..

lieben gruß..
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"Autor"  
Nutzer: prince33
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geschrieben am: 14.11.2001    um 12:36 Uhr   
Du fratzi.. hast Du allen glauben schon verloren? Oder sind Dir bereits alle Antworten bekannt? Und worauf will ich wohl nur hinaus???
Na jedenfalls lieben dank das Du diesen Thread gelesen hast.. nur Sylti würd jetzt bestimmt sagen.. äh bisle dünn nich? *fg

lieben Grüß fratzimausi... ;-))
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"Autor"  
Nutzer: prince33
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geschrieben am: 14.11.2001    um 16:15 Uhr   
achja Chicita..

Dank Dir, dass Dir mein Beirag gefallen hat!!

Und ich kann Dir versichern... ich will aufs Reallife hinaus und nicht nur Theorien dahersabbern.. *kicher

*zwinkertz..

Prince..
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Nutzer: Lord_E.Mirage
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geschrieben am: 15.11.2001    um 23:48 Uhr   
Hallo Prince,

damit du auch mal was positives erfährst...hhihih
schreibe ich das ich deinen Beitrag recht gut fand.
Ich würde dir zwar gerne mehr schreiben, aber es interessiert mich nicht, dir mehr zu schreiben.
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"Autor"  
Nutzer: prince33
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geschrieben am: 17.11.2001    um 09:56 Uhr   
Du fratzi... es stimmt wohl... nur wer sich selbst liebt ist liebesfähig! Dies ist einer der vielen möglichen Voraussetzungen für die Fähigkeit Liebe zu geben.. auch Liebe annehmen zu können.. sich überhaupt auf das Lieben einzulassen!

Es geht mir allerdings keineswegs darum hier ein negatives Bild abzuliefern! Gut.. Du kennst mich als Menschen nicht fratzi.. so ist es auch schwer zu bestimmen mit welchen Hintergedanken das eine oder andere von mir geschrieben ist!

Und ich habe hier im wesentlichen Fragen gestellt.. auch provozierende Fragen und Vermutungen!

Das was ich eigentlich betonen möchte ist unser Verhälnis unserer Ideale zur Realität! Das es dabei natürlich um uns selbst geht! Ich würde dies eher als gesunden Egoismus bezeichnen! Die Bezeichnung böser Egoist ist jetzt Deine Auslegung! Na und wir klammern uns häufig an unsere Ideale und werden daurch eben so häufig enttäuscht und frustriert! Verfallen in diese melancholische Grundstimmung, welche keine gute Ausgangsbasis für die Zukunft ist!

Obwohl.. Unzufriedenheit kann auch Kräfte freisetzen.. aber nur dann wenn unser Leben in eine realistische Grundhaltung eingebettet ist!

liebe Grüße..

Prince..
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