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Chat essen Seele auf?

Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 12.11.1999    um 11:10 Uhr   
Und wieder ein Posting von jemand, der sich in den virtuellen Welten verlaufen hat...
Seit zwei Monaten betreibe ich diese Kommunikationsform, zuerst aus einer Neugierde, dann merkte ich aber mehr und mehr, daß es eine andere Seelenqualität bekommt.
Natürlich, es ist zu verlockend, sich vor dem Einschlafen noch einmal vor den Rechner zu setzten und zu sehen, wer alles da ist. Natürlich kann man Menschen kennenlernen, sich mit ihnen treffen, austauschen
aber
Ist es das gleiche, ob ich mit jemanden rede, sie/ihn mit allen Sinnen wahrnehme und so einen Eindruck vom Wesen bekomme- oder ob ich, reduziert auf kurze Sätze, ein imaginäres Phantsiewesen in mir erzeuge, damit zurückgeworfen bin auf meine eigenen Sehnsüchte und Wünsche? Lernt man sich über alle Kürzel und Widrigkeiten hinweg kennen, zerfällt das Traumbild, und die Leere bleibt – oder die Ungenügsamkeit des Medium zur Wahrnehmung nervt.
Aber ist das schon alles? Ich sehe die Flames vor mir -dann hör doch auf- , -das ist doch Dein Problem-...
Was tut es mit unserer Seele, wenn wir uns so beschränken? Sind es nicht die virtuellen Phantasiegebilde in uns, die so etwas wie eine Sucht erzeugen, weil sie Sehnsuchten anregen, aber prinzipiell unerfüllbar sind? Seelendämonen, die wir uns selbst erzeugen? Warum treffe ich denn jede Nacht hier die gleichen Menschen, Stunde um Stunde? Und warum verfolgen mich die Sätze, die Kürzel weit in den nächsten Tag hinein? Formt das Medium nicht die Kommunikation und den Inhalt? Nein, wir sind keine passive Wesen, denen etwas geschieht, aber der Umgang formt, wirkt in uns weiter.
Was ist das hier für eine Schattenwelt, was tut sie mit uns.........
Vielleicht bin ich ja nicht der einzige, der sich hier verläuft.

[Diese Nachricht wurde geändert von: vesikel (geändert am: 12-11-99).]

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Nutzer: Gast_schnufffeline
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geschrieben am: 12.11.1999    um 14:28 Uhr   
Tja, vesikel - ich bin auch zur Zeit am rumgrübeln. Ich kam zufällig in den Chat und war megafasziniert. Ich war jeden Abend online. Allerdings gibt es da ein paar Probleme im RL und ich fürchte, jeden Abend vorm Rechner sitzen und in Tagträumen (besser wohl Nachtträumen) zu versinken macht die Sache nicht besser.
Und so stehe ich im Moment etwas unentschlossen da. Ich glaube nicht, daß ich das Chatten ganz bleiben lassen kann (dazu hatte ich zuviel Spaß und habe auch zuviele nette Menschen hier gesprochen) - aber wenn man es schon tagsüber nicht mehr erwarten kann, abends den Rechner einzuschalten, läuft wohl etwas schief.
Es grüßt Dich eine nachdenkliche
schnufffeline
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Nutzer: jakob
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geschrieben am: 12.11.1999    um 15:41 Uhr   

wenn man den Chat als Ergänzung des Altags oder als Ablenkung vom Altag sehen kann und dabei nur seinen Spass haben will, ist das chatten wohl eine der besten Möglichkeiten die mir grad so einfallen.
...was passiert aber wenn man jemand kennenlernt und dann in der virtuellen Welt plötzlich reale Wünsche und Gefühle auftauchen?? --ich glaube es ist dann nicht so einfach sich zwischen Illusion und Wirklichkeit zu bewegen und es bleibt bloss zu hoffen dass man in der Lage ist so schnell wie möglich einen Blick auf die Landkarte zu werfen und sich über die realen Fortsetzungschancen einer Beziehung klar wird.
extragrüssle an schnufffel aus foggy ol` Stuttgart ...würd mich freuen dich mal wieder zu sehen *huch, ich mein natürlich dich im chat anzutreffen ...gg
Jakob
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Nutzer: lovergts
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geschrieben am: 12.11.1999    um 16:52 Uhr   
Nicht der Chat ißt die Seele auf sondern die eigene Vorstellung vom virtuellen Gegenüber. So gesehen eher eine Form von Kanibalismus, der gegen einen selbst gerichtet ist. So mancher hier sollte sich überlegen, ob er nicht Opfer einer Selbstsuggestion geworden ist, die ja einfach und beliebig oft herzustellen ist. Das aber auch nur deshalb, weil der Chat eine Kommunikationsform bar jeder Sinnlichkeit ist. Es ist ein Teufelskreis der Sucht - ähnlich dem des Zigarettenrauchens.
Nach drei Monaten Chat betrachte ich das Geschehen hier als interaktive Unterhaltung, eine weitere Beschäftigung eben, die dem Fernsehen zumindestens den Rang abgelaufen hat.
[Diese Nachricht wurde geändert von: lovergts (geändert am: 12-11-99).]
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 15.11.1999    um 10:47 Uhr   
Es geht etwas schief-das scheint mir die rechte Antwort, Schnuffeline. Aber was geht schief, so daß der von lovergts beschriebene Kannibalismus einsetzen kann? Welche Seelenkonfiguration muß man haben, damit eine solche Sucht entstehen kann? Man erfährt Dinge über sich selbst..Chat als Therapieform?? Mein Gott..wo soll das hinführen....
[Diese Nachricht wurde geändert von: vesikel (geändert am: 15-11-99).]
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Nutzer: jutta1
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geschrieben am: 16.11.1999    um 09:38 Uhr   
hallo vesikel.
tja leider hast du recht, was macht die virtuelle welt mit uns,durch sie vergessen wir das reale leben unser umfeld unsere realen mitmenschen ,den wir flüchten vor den sorgen vor der angst im realen leben ,hier ist alles in ordnung man kann träumen und man hat keine sorgen aber irgendwann muss man zurück ,auch ich habe es gemerkt habe mich zu lange geflüchtet vor der angst ,angst alleine zu sein ,angst vor dem eigenen ich, und ich habe es gemerkt und hoffe noch rechtzeitig, und werde versuchen den absprung zu schaffen ob mir das gelingt weiss ich noch nicht, aber ich denke es ist ein versuch wert,den die virtuelle welt ersetzt nicht die realität,
man baut sich ein wunschbild auf einen traum,es ist schön ihn zu träumen,aber wenn er dann zerplatzt wie eine seifenblase was bleibt dann ? schmerz !und dann biste du wieder allein ,und fängst von vorne an zu suchen ,bringt es das wirklich?
ich denke falls wir uns mal sehen versikel können wir uns mal unterhalten darüber würde mich sehr freuen
elke
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Nutzer: Gast_habermaus
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geschrieben am: 16.11.1999    um 13:43 Uhr   
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Faszination des Chats ergibt sich für mich gerade aus der Spannung zwischen Realität und Imagination. Von der Ferne betrachtet leben wir in 2 Welten, zum einen gehen wir arbeiten, essen, sitzen vor dem PC und chatten ..., zum anderen tauchen wir in eine Welt ein, die zum Grossteil durch unsere Vorstellung erst entsteht, es entwickeln sich Gefühle, Stimmungen, Vorstellungen usw., die man gerne als irreal, imaginär oder Illussion bezeichnet. Hinter jedem Nick steht aber letztlich nichts anderes, als Du und ich es auch sind, nämlich ein Mensch mit ähnlichen, vielleicht sogar gleichen Gedanken, Sehnsüchten und Wünschen.
Die Spannung entsteht dadurch, dass diese beiden Welten nicht einfach so friedlich nebeneinander her existieren, sondern dass sie sich berühren, ja teilweise sogar durchdringen, sich aber nicht unbedingt harmonisch gegenseitig einbetten lassen, ganz im Gegenteil. Auch wenn es den Anschein hat, dass letztlich doch alles in der realen Welt verankert ist (jedes Nick existiert als Person, Gefühle, Vorstellungen über/von jemanden sind ja prinzipiell "real überprüfbar"), sehe ich den Chat nicht nur als eine Selbstsuggestion (lovergts) oder als Flucht aus dem Alltag (jutta1), auch nicht nur als Mittel zum Zweck, um Menschen real kennenzulernen. Auch im Chat selbst ist die Welt nicht heil, man kann sie versuchen zu schaffen, aber zerbricht doch oft an den gleichen Problemen wie im realen Leben.
Gibt es wirklich diese beiden streng getrennten Welten? Ich glaube nicht, selbst in der Wirklichkeit ist vieles Imagination, ich sehe zwar das Äussere eines Menschen, mach mir dann aber gleich schon, ob ich will oder nicht, eine Vorstellung von ihm; diese ist erst mal genauso imaginär wie umgekehrt die Vorstellung über das Äussere und die Gestik dessen, der hinter einem Nick steht. Eine Illussion ist es, zu glauben, draussen wäre alles faktisch und hier alles illussorisch, nein, der Chat zeigt mir gerade das Gegenteil, zeigt, dass diese strenge Unterscheidung selber nur eine Imagination ist. Natürlich vertrauen wir mehr der sogenannten Realitaet, weil wir es besser gewohnt sind, mit ihr umzugehen, und auch, weil unser Wertesystem und sogar die Begriffe Wahr und Falsch danach skaliert sind.
Oft wird auch das Kennenlernen im Chat als "von innen nach aussen" beschrieben, ein treffendes Bild, wie ich meine, und um mal den Kleinen Prinz zu bemühen, das Wesentliche ist in der realen Welt oft unsichtbar, hat aber hier groessere Chancen sichtbar zu werden.
Den Chat als "Lebensform" zu bezeichnen, wäre jetzt aber auch absurd, nein, ich sehe ihn zur Zeit als einen - nicht nur was die Online Zeit betrifft - nicht unwesentlichen Teil meines Lebens, ich lebe die Spannungen und versuche, sie zu ertragen, auszuhalten; eine Flucht wäre wohl genau so aussichtslos wie ein "darin aufgehen".
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Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 16.11.1999    um 14:23 Uhr   
..heißt es nicht..sehnsucht..weil sie
sich zu sehnen sucht..muß sie..immer erfüllbar sein?
..ist es nicht..flügel der phantasie ..unendlich spannend neues zu entdecken..
die berührungen der seele..ja von innen
nach außen..sich..kennen zu lernen..oder das..was man erfahren möchte..egal ob
wahr..oder traum..
..und ist es nicht einfach..eine neue art
der kommunikation, die auch zwangsläufig..
eine verwirrende..weil noch fremde form des
fühlens nach sich zieht..
..doch ißt die angst auf dich..sich zu verirren..so..vergiß uns ganz schnell..
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Nutzer: lovergts
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geschrieben am: 16.11.1999    um 14:50 Uhr   
Gäbe es das Wort Verwirrtheit noch nicht, Chicita hätte es sicherlich erfunden - selten wurde hier so ein Stuß gestammelt.
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Nutzer: Gast_lechat
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geschrieben am: 17.11.1999    um 08:41 Uhr   
Hallo Vesikel,
ich denke, daß wir uns Alle immer irgendwann diese Frage stellen. Ich bin seit nur vier Wochen dabei und denke schon über einen Ausstieg nach... aber nicht weil ich den Konflikt zwischen unserer angeblichen Realität und dieser faszinierenden virtuellen Realität scheue, sondern weil zu viele den Anspruch zu träumen nur begrenzt (sprich während des chattens)und nur bedingt (sofern die Begegnung ihre Realitätswahrnehmung in der sogenannten realen Welt nicht allzusehr widerspricht) wahrnehmen wollen. Und immer wieder dann, genau wenn ich mich den Ausgang nähere, geschieht es... Ein Gespräch, daß viele Stunden der Mittelmäßigkeit (und ich schließe mich keineswegs aus) entschädigt, eine Begegnung, die gerade durch ihre Unvollkommenheit anregt, womöglich erregt...
Und ich bleibe doch... bis Morgen... und dann bis Übermorgen...
Was wäre, Vesikel, wenn es nur darum ginge zu spüren, daß unsere Fähigkeit zu begegnen, nicht gänzlich von den Zwängen der Gesellschaft zum Schweigen gebracht wurde? Eigentlich ist es egal in welcher Realität wir uns verirren mögen, wichtig ist, daß wir uns verirren. Es heißt eigentlich nichts anderes als sich mit seinen Ängsten an einem Tisch zu setzen und mit ihnen zu debatieren, ob irgendetwas emotionales rechtens ist...
Jeder Nickname kann einer deiner Ängste sein, aber jeder kann auch deine Liebesfähigkeit zum schwingen bringen, unabhängig davon, ob du irgendwann das Bedürfnis spüren wirst, ein "reales" Bild der virtuellen Person zu bekommen.
In der Realität, die uns angeblich gemeinsam ist, geht es nur verstärkt mißverständlich zu. Das Chatten erscheint dir risikoloser, aber am Ende aller möglichen Wege steht die gleiche Tür. Während des Weges vergessen wir zu gern, daß es an uns liegt, die Zukunft unserer Vergangenheit den Anderen begreiflich zu machen. Laß uns Erfolg haben oder scheitern Vesikel, aber laß es uns gemeinsam tun.
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Nutzer: Gast_chicita
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geschrieben am: 17.11.1999    um 10:05 Uhr   
lovergts..das war fies..
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Nutzer: jutta1
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geschrieben am: 18.11.1999    um 00:44 Uhr   
hallo habermaus,
mit deinem artikel hast du mich ein wenig nachdenklich gemacht,es stimmt zum teil was du schreibst,aber ich kann dir trotzallem nicht ganz zustimmen,und wiederrum kann ich ja auch nur von mir persönlich schreiben, ich habe gemerkt das ich mich immer mehr in die virtuelle welt hineinversetze und die reale welt immer mehr in den hintergrund gedrängt habe,das viel mir auf als ein guter freund bei mir war, und wir ein paar schöne tage verlebt haben und viel unternommen habe ,ja da viel es mir bewusst auf,ich brauchte keinen chat ich hatte alles, wir waren im realen leben draussen und haben sehr vieles unternommen und erlebt und ich kann nur sagen es war wunderschön, und das kann kein chat ersetzen,deshalb schrieb ich ja auch chat ist eine flucht vor der realität und wenn ich es genau erkenne ist es traurig, den das leben spielt sich nicht im chat ab sondern draussen mehr werde ich dazu nicht sagen,wie gesagt es ist nur meine persöliche meinung
deshalb leute geht raus unternehmt was lernt real leute kennen
eure elke
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Nutzer: Gast_amaragu
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geschrieben am: 18.11.1999    um 22:54 Uhr   
Große Klasse Habermaus,
mit Nietzsche predigen, das hat was.
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Nutzer: Gast_habermaus
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geschrieben am: 19.11.1999    um 00:40 Uhr   
Hallo Ihr Lieben,
ich erlaube mir einfach noch folgende Bemerkungen:
Chicita, ich kann das, was du schreibst, gut nachempfinden, es ist was Persönliches von dir, das es meiner Meinung nach nicht verdient, in der vorliegenden Form (lovergts) kommentiert zu werden. Auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, aus der Sicht vielleicht vieler hier "stuss" zu produzieren, die Gedanken sind wirklich frei, Deine Chicita, diejenigen des Kommentators, meine, und die, all derer, die das nachvollziehen können/wollen oder nicht. Wäre ja noch schöner!
Jutta, unsere Meinungen liegen gar nicht weit auseinander, ich betrachte halt das Chatten als ein Teil der Realität und bemerke, dass die Welt/Realität auch viel nicht-faktisches beinhaltet (für mich ist sie mehr, als das, "was der Fall ist"). Und wo sich das Leben abspielt, ob im Chat oder "draussen", das entscheidest doch Du, oder nicht? Wenn ich im Chat bin, bin ich doch nicht tot, da "lebe" ich auch. Wohin der Weg führt? Nun, Nietzsche, hat gesagt, "frag nicht, wohin er führt, gehe in" und für mich hat er Recht.
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Nutzer: jutta1
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geschrieben am: 19.11.1999    um 10:14 Uhr   
hallo habermaus,
ich gebe dir recht ,dass ich das entscheiden muss,wo das leben sich abspielt, aber ich wiederspreche dir massiv das chat das reale leben ist, denn im realen leben würde ich in vielem anderst entscheiden und handeln wie im chat,und um so längere ich mich damit befasse um so mehr komme ich zu der überzeugung das,dass reale leben an mir vorbei ging und ich nur meine zeit vergeudet habe mit vielen unwichtigen dingen, es ist nicht alles negativ am chat, ich habe sehr viele liebe und nette menschen kennen gelernt,auch real,welche ich nie real getroffen hätte, schon wegen der entfernung, aber was unter dem strich bleibt ist,was hätte ich in dieser zeit (chatstunden seit 1997) alles anfangen können und aus meinem leben machen können,aber es ist ja so einfach den pc einzuschalten und sich in eine welt zu flüchten die aus illusion und traum besteht,es soll auch nicht heissen das ich mich vollkommen aus dem chat zurückziehe,+nein+ das mit sicherheit nicht, nur werde ich den chat nicht mehr als den hauptihnhalt meines lebens sehen,wie ich es bisher tat, und einer illusion nachgehen,die sich nie erfüllt,und wenn ich mitansehe wieviele ehen aus diesem grunde kaputt gehen oder schon kaputt gegangen sind,weil mann/frau sich flüchtet finde ich es traurig und schade
ist es das wirklich wert,den am anfang erkennst du gefahr nicht die gefahr von einem perfekten und schönen traum,in dem alles so einfach und so wunderschön harmonisch ist,aber irgendwann kommt es ,das du feststellst auch hier stimmt nicht alles ,aber meistens ist es dann zu spät, und eine ehe /partnerschaft ist dahin ,für was eigentlich?????
für einen menschen von dem du nur die schönen seiten kennst ,was ja im chat der fall ist ,du stellst erst fest wie es im alltag ist wenn du eine beziehung eingehst und dann kommt meistens das schreckliche erwachen,hoppla es ist nicht alles so wie ich mir das vorstellte,auch dieser mensch hat seine fehler genauso wie ich und dann geht auch diese partnerschaft in die brüche und das spiel geht von vorne los, du bist wieder allein ,tja so sehe ich das und aus den vielen gesprächen die ich mit den leuten geführt habe und führe kommt es immer wieder auf das selbe hinaus
chat ist eine flucht vor dem alltag
elke
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Nutzer: Gast_wolke39
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geschrieben am: 21.11.1999    um 14:32 Uhr   
....und doch noch eine Stellungnahme im Forum!
Zunächst einmal...finde ich lange Texte mit inhaltlicher Tiefe...lesenswerter...als kurzes Geschwätz..nur so dahin gelabert!

Ich glaube mittlerweile, es gibt sehr unterschiedliche Chatter; die, die das Chat als Ersatz für ein reales Leben leben...werden sicher -um kostbare, lebenswerte Zeit- betrogen...Jutta hat ja schon berichtet.
Die Bürochatter mal außen vor gelassen, habe ich hier viele Gelegenheits-chatter kennen gelernt bzw. gelesen!
Ich denke, eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Chat...wie sie hier in diesem "posting" geschieht...zeigt doch deutlich, daß die Gelegenheits-chatter die Möglichkeit sehen... ihre überschüssige Energie und Phantasie einzusetzen. Der /Die ein/e mehr oder weniger... je nach Zeit, Interesse oder Einsamkeit!
Erlaubt ist was gefällt..... und gerade im Chat ist fast alles möglich, zu meiner Verwunderung sogar..."sich zu verlieben" selbst mit der Gefahr im RL tief zu fallen...
"Die Leichtigkeit des Seins".... sollte uns doch erlauben...das, für den Moment, zu nehmen, was gut tut....!
Außerdem, wenn am Samstag abend (gestern) um 22.30 Uhr höchstens 20 Chatter im gesamten Chatworld zu finden sind... bin ich guten Glaubens..., daß die Menschheit doch auf ein soziales Gefüge im realen Leben nicht verzichtet!
Es grüßt die
Wolke (im Sonnenschein)

[Diese Nachricht wurde geändert von: wolke39 (geändert am: 21-11-99).]
[Diese Nachricht wurde geändert von: wolke39 (geändert am: 21-11-99).]
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Nutzer: jutta1
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geschrieben am: 21.11.1999    um 18:11 Uhr   
hallo wolke ,
in CW waren am samstagabend nur so wenige leute,weil niemand reinkam und cw platt war,und alle sind nach regio geflüchtet
elke
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Nutzer: admin
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geschrieben am: 21.11.1999    um 19:21 Uhr   
... hab mir die entwicklung dieses beitrages im forum eine zeitlang angesehen - hab mit interesse die postings gelesen.....
ich bin in dieser welt kein neuling (seit über einem jahr immer mal wieder hier) - hab einiges erfahren und erlebt...
nicke zu jutta1 - von oben nach unten... wie recht du hast
nicke zu vesikel - in der selben form ... du hast dir frühzeitig gedanken gemacht ....
wir alle (damit meine ich auch mich) sollten aus dem geschriebenen hier, lernen ... lernen, den richtigen umgang mit diesem medium zu finden... lernen, dass es ausser cw auch noch etwas anderes gibt ... erkennen, welche gefahren lauern können (nicht müssen..)
vesikel - denke weiterhin darüber nach - erkenne, was die einzelnen menschen dir geschrieben haben - was du letztendlich machen wirst, was du unternehmen oder ändern musst, das kannst nur du für dich entscheiden..
ich wünsche dir alles liebe - finde deinen weg
ralf ( der admin )
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 22.11.1999    um 00:11 Uhr   
Zuerst einmal meinen Dank an alle Writer, die sich bis hierhin an diesem Thread beteiligt haben. Es freut mich ausserordentlich, daß ich mit meinem Unbehangen nicht alleine stehe, und es freut mich, ein solches Spektrum von Meinungen und Ansichten hier zu haben, die klären können, das Phänomen ‚Chat‘ zu begreifen.
Die erste Auffälligkeit zeigt sich eigentlich garnicht in den Postings, sondern wenn man mal einen Blick in die Top100 wirft. Es klang ja hier an: Chat macht eiige von uns süchtig. Aber worher kommt das?
Ich möchte das Bild von Habermaus für einen Ansatz dazu herziehen: Dort wird von Spannungen geredet. Diese Spannungen konnte ich selbst erfahren: Zum einen gibt uns der Chat die Möglichkeit der absoluten Anonymität. Ich efuhr das anfangs als Reiz, hoffte auf eine Möglichkeit, mich rein inder Phantasie mit anderen zu treffen, Geschichten auszudenken, zu spielen, dabei meine reale Existenz gänzlich herauszulassen.
Dann sah ich aber die andere Seite: Hinter jedem Nick steht ein Mensch, wie Habermaus das ausdrückte. Doch das Wesen offenbart sich in dieser sinnlichkeitsfreien Welt nur sehr verborgen. Aber genau dieses verborgene Wesen ist es, was meiner Meinung nach süchtig macht. Wir können alles, was uns verborgen ist, auffüllen mit unseren eigenen Bildern, Vorstellungen, Sehnsüchten, trotzdem ist es mehr als nur Phantasie, denn es ist ja die Ahnung da von jemand anderem.
Wir sind hier also in der Spannung zwischen Egoismus und Sozialem, zwischen Alleinesein und Begegnung. Wir können aber nichts davon gänzlich hier erfahren: Sind wir nur Phantasie, wird die Sache meiner Erfahrung nach langweilig. Irgendwann, wenn Gespräche (Geschreibe?) tiefer werden, man zu seinem eigenen Wesenskern vordringt, bricht die Phantasie zusammen. Und das eine Begegnug hier kaum möglich ist..naja, brauche ich das auszuführen?
Wir schwanken also ständig zwischen zwei Extremen. Aufgrund des Mediums gibt es aber keine Mitte, wie in der Begegnung im RL. Auch dort ist unserer Geistig/Seelisches erst einmal einsam in den Leibern, aber wir können uns begegnen, wir können das gegenüber (für) wahr-nehmen. Wir haben nicht nur abgehackte Sätze, sondern ein ganzes Bündel an Sinneserfahrungen, um unsere Seelen in Resonanz zu bringen, auch, wenn der eigentliche Austausch natürlich etwas geistiges ist.
Dazu kommt noch ein Aspekt, der m.E. mit Computern zusammenhängt. Es gibt keine andere Maschine, die (auch ohne Internet) eine solche Wesensillusion vorspiegelt. Ich rede selten von meine Kaffemaschine, Spülmachine usw. in ‚Er‘-Form. Wenn der Bildschirm zeigt ‚ich rechne‘, nehmen wir es klanglos hin, obwohl kein Ich darin sein sollte. Dieses Phänomen bekommt durch das Internet und den Chat jetzt eine ganz andere Dimension: jetzt sind wirklich andere Wesen dahinter- aber ich habe als Wahrnehmungsrsatz nur mein Denken und Vorstellen. Und so treten Gefühle aus dem Seelenraum mit dem Denken in ungesunden Kontakt. Warum verlieben sich denn so viele von uns im Chat? Wir treffen uns selbst, ohne uns zu erkennen, erleben im anderen unsere eigenen Wünsche, Bilder; also eigentlich ist es hier eine total verdrehte Selbsterkenntnis.
Bis hierhin erstmal, ich hege ja auch die Abneigung gegen zu lange Texte im Medium.

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Nutzer: jutta1
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geschrieben am: 22.11.1999    um 07:58 Uhr   
hallo admin,
puh endlich jemand der das auch so sieht,denn bisher bekam ich nur ablehnende und teilweise deftige antworten, ich kann nur betonen es ist meine persönliche meinung und sind meine erfahrungen, und wieso ich mich aufrege, chatten ist doch so geil,tja so kann man es auch sehen, nur wer fragt nach den gefühlen und nach dem schmerz?,der nach einem geilen chat entsteht ??? das ist etwaswas ,womit ich ein problem habe,
elke
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"Autor"  
Nutzer: Gast_lechat
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geschrieben am: 25.11.1999    um 14:27 Uhr   
Lieber Vesikel,
zum zweiten Text fallen mir ganz spontan folgende Ideen, die ich diesmal bewußt auf eine andere Weise formuliere als in meinem ersten Beitrag.
Das Chatten ist nichts anderes als eine Realität, sollte irgendetwas überhaupt real sein. Es ist eine Art virtueller Maskenball, wo den Einen seinem Gegenüber eine mögliche Version seiner Selbst anbietet.
Aber ich stimme dir nicht zu, wenn du sagst: "wir treffen uns selbst ohne uns zu erkennen". Das geschieht nur dann, wenn du nicht dazu bereit bist.
Das chatten wird zum Betrug wenn du versuchst dich, oder den Anderen, aus dem Wege zu gehen. Im realen Leben geht es genau so, nur mit viel mehr Gewalt zu. Nur scheint dieses Phänomen zu einem akzeptablen sozialen Verhalten geworden zu sein, dessen Auswirkungen in den Talk-Shows verarbeitet wird.
"hinter jedem Nick, steht ein Mensch"... und hinter jedem Mensch ein Nick... usw. "Irgendwann bricht die Phantasie zusammen."
*grübelt, daß er womöglich völlig falsch zu chatten angefangen hat*
Also, mich interessiert der Mensch hinter dem Menschen hinter dem Nickname.
Es kommt für mich auf dem Anderen und auf seine Bereitschaft sich auf die Reise zu begeben an, wo auch immer sie mir führen wird. Ich habe es noch nicht erleben müssen, daß ich Hilfe von "Phantasiebildern" gebraucht habe. Wir haben in uns die Entscheidungsgewalt, ob wir träumen wollen, abseits von Normen und Konventionen, oder, ob wir uns lieber anpassen.
Realität, Fiktion, Computer, Kinobesuch... Am
Ende entscheidest du immer selbst, ob du jemand das Geschenk deiner Aufmerksamkeit machst oder nicht... was auch immer darunter zu verstehen sei.
Ich verrate dir etwas... LeChat und ich haben, zugegeben, ein besonderes Verhältnis, aber er wirft mir schon öfters vor, ich würde ihm im Laufe seiner Gespräche mit meinem ständig "Dazwischenreden" das chatten etwas schwieriger gestalten als er es für nötig hält *smile*
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"Autor"  
Nutzer: Gast_Leonora
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Anzahl Nachrichten: 390

geschrieben am: 08.04.2001    um 08:13 Uhr   
weils sich zu lesen lohnt und ohne weiteren kommentar

Leo
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"Autor"  
Nutzer: Inaara
Status: Profiuser
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geschrieben am: 08.04.2001    um 11:19 Uhr   
wooooow.....gut,dass ich diesen thread gefunden habe !!
genau so ging und geht es mir.....und nun muss ich versuchen den absprung zu finden......danke für die postings
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"Autor"  
Nutzer: Allejna
Status: Profiuser
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Anzahl Nachrichten: 13

geschrieben am: 08.04.2001    um 13:09 Uhr   
Hab heute zum ersten Mal alle Beiträge durchgelesen und finde, daß es vielleicht tatsächlich besser wäre, man würde die Zeit und die Energie, die man für den Chat übrig hat, in Gespräche mit dem Partner oder den nächsten Mitmenschen investieren.

Warum sind tatsächlich so viele einsame Seelen hier?

Weil die Gespräche im realen Leben nicht funktionieren?

Warum fällt es einem in der Realität schwerer sich zu äussern, als hier in dieser anonymen Umgebung?

Ist es nun eine Lösung oder ist es eine Flucht??

Bin so klug also wie zuvor g
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"Autor"  
Nutzer: jacey67
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Anzahl Nachrichten: 49

geschrieben am: 09.04.2001    um 10:35 Uhr   
..
Geändert am 10.04.2001 um 15:53 Uhr von jacey67
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"Autor"  
Nutzer: froggie
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Anzahl Nachrichten: 19

geschrieben am: 09.04.2001    um 22:32 Uhr   
(zitat)weils sich zu lesen lohnt und ohne weiteren kommentar

Leo(/zitat)

Damals wie heute ein lesenswerter Thread. Danke für's Ausgraben, Leo ...
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