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Taxifahrer...

Nutzer: momo29
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geschrieben am: 20.11.2001    um 11:18 Uhr   
Oder....Abschied auf Länger

Heute morgen um 5:30 Uhr klingelte der Wecke, alles was Wolf und ich bis dahin mehr oder minder verdrängt hatten war da...ohne Worte. Wir standen auf, zogen uns Wortlos an, ich weckte die Kinder, die sehr irritiert waren wegen der Uhrzeit. Die Kinder kamen zum Frühstück herunter, noch viel zu müde um schnell erfassen zu können, was heute für ein Tag ist. Der kleine 4 jährige Stöpsel der den Wolf noch nie in Uniform gesehen hat, fragte was er denn so viele Blümchen auf seinen Sachen habe. Keiner mochte ihm eine Antwort geben. Ich bestellte das Taxi...klein Stöpsel zog sich an und die großen fingen an zu weinen. Der Wolf nahm sie in den Arm, ohne ein Wort sagen zu können...Es schellte das Taxi war da. Der Fahrer klappte soveren einen Kindersitz aus dem normalen Sitz heraus, schloss den Kofferraum auf und lud die Taschen, mit den vielen Blümchen, ein. Ich sagte, vielleicht etwas leise, das wir zum HBf wollten. Er verstand es wohl nicht und fragte noch mal, der Wolf verstand es falsch und antwortete: „Sarajevo“. Der Taxifahrer wurde still und sagte dann leise „Ja, meine alte Heimat“. Nachdem wir nun sagten wo wir hin wollten war eine nachdenkliche Stille im Raum. Angekommen am Flughafen fanden wir eine Scharr von Blümchenträgern die samt ihrer Familien lachten und über das eine oder andere zukümpftige Bier sprachen. Aber auch Familien die still und bedächtig auf das weitere Geschehen achteten. Eine Mutter weinte, eine Frau mit einem Baby auf dem Arm stand nur Wortlos da. Die Presse kam und eine Frau wurde befragt wie sie es finden würde das ihr Mann nun weg wäre für so lange Zeit. Ihre Antwort: „Ich wusste doch, welchen Beruf mein Mann hat.“ Dabei lächelte sie in die Kamera. Der Wolf und ich standen nur da...hielten uns im Arm, keine Worte keine Gesten...nur festhalten...ich beschloss gehen zu wollen, ich wollte weg von diesem Ort der nicht das wiederspiegelte was ich fühlte und bestellte ein Taxi, wir hatten vorher schon abgesprochen den Abschied nicht hinauszuzögern, das Taxi kam und ich löste die Umarmung. Der Stöpsel und ich stiegen ein. Der Fahrer fuhr los. Meine Tränen ließen sich nun nicht mehr aufhalten. Sie liefen einfach ohne das ich was dagegen hätte tun können. Der Fahrer reichte mir ein Taschentuch. Ich nahm es und bedankte mich. Erst nun schien der kleine Stöpsel zu erahnen was passiert...er fragte: Mama, wieso kommt der Wolf denn nicht mit? Ein Kloß stieg auf in meinem Hals. Der Fahrer antwortete für mich...“Dein Papa will helfen das Kinder wie du in einem anderen Land wieder schön spielen können....“
Der Junge war zufrieden mit der Antwort und ich bin mir sicher...eine solche Erklärung hätte ich dem Jungen nicht geben können.

In all dem was ich heute erlebt habe, freue ich mich zu sehen das es immer noch Menschen gibt, die Trauer erkennen und als wildfremde Einfuß drauf nehmen. Es macht die Zeit des Vermissens nicht kürzer...die Trauer nicht weg...aber es lässt mich hoffen, hoffen auf eine Zeit wo Männer und Frauen „Blümchen“ tragen.

Momo
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