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geschrieben am: 08.05.2004 um 11:37 Uhr
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Eine Leiter versperrte mir den Weg. So weit ich das überblicken konnte, wurde ich von niemandem gehalten, zumindest niemandem in Sichtweite. Die Leiter reichte von der Haustür bis zur Terrassentür. Irgendjemand mußte mich natürlich halten - Leitern schweben schließlich nicht einfach in der Luft und zwischen den Presslufthammer-Geräuschen aus meinem Schlafzimmer hörte ich immer wieder die Schreie zweier Menschen, die einander Navigationsanweisungen an den Kopf warfen, die in der Praxis offensichtlich nicht ausführbar waren. Eine Stimme kam von der Terrasse, die andere aus dem Vordergarten.
"Dachdecker", vermutete ich.
Dachdecker tauchen manchmal einfach auf, decken etwas, und verschwinden wieder. Wenn sie irgendwo eine Baustelle entdeckt hatten, waren sie nicht mehr zu halten. Der Gedanke, daß mein Haus auf Handwerker schon die Anziehungskraft einer Großbaustelle hatte, zwang mich zur Eile. Ich krabbelte unter der Leiter durch, drängte in mein Schlafzimmer, schlug lang hin, weil jemand einen Sack Zement in den Weg gestellt hatte und landete weich in meine Wäsche. Die Herren von Fenster Knäbel hatten den Schrank umgekippt, um sich meine neue Designer-Deckenlampe etwas genauer anzusehen.
"Sie verstehen sicher - die Leiter scheinti m Flur steckengeblieben zu sein... - War die Lampe sehr teuer?"
"Sehr", stammelte ich, wohl wissend, daßdas gute Stück keine größeren Überlebenschancen hatte.
Ein Ende der Leiter, die eben noch im Flur steckte, kam aus Gründen, die nur in der Neogeographie zu finden sein dürften,hinter mir durch die Tür. Eine Stimme brüllte "Vorsicht!",die Handwerker duckten sich und die Leiter zerschlug die Lampe.
"Ein Jammer", meinte einer der Fenster Knäbel.
Tief durchatmen......nicht aufregen....tieeef durchatmen
Ich krabbelte mit meinen Sachen zurück in den Flur und wäre ins Bad gestürmt, wenn es nicht abgeschlossen wäre. Mit viel Schwung knallte ich gegen die Tür.
"Bin gleich soweit", erklang eine Stimme aus dem Bad.
Die Tür tat sich auf und ein weiterer Handwerker, mit dreckigen Gummistiefeln und mit was-weiß-ich-noch ausgerüstet, begrüßte mich. "Eine originelle Idee, eine so großeWanne installieren zu lassen", behauptete er. "Daß sie unbedingt mit Schlamm gefüllt sein soll, finde ich zwar etwas merkwürdig, aber ich vermute, daß der Vorname Kur zu sowas verpflichtet, nichtwahr, Herr Bad?"
Entsetzt betrachtete ich das neu installierte Moorbad, das jetzt meine ehemalige Naßzelle ausfüllte.
"Würden Sie mir glauben, wenn ich Ihnen sagte, daß mein Name nicht Kurbad ist, und sie sich eventuell in der Adresse geirrt haben", erklärte ich so ruhig, wie ich eben noch konnte.
Ich ließ den verwirrten Handwerker einfach stehen, und zog mich in die relative Ruhe meines neuen Moorbads zurück, um den Handwerker in Ruhe seine Papiere vergleichen zu lassen.
Nicht übel, so ein Moorbad, stellte ich fest, nur nicht gerade der ideale Platz, um mich in Ruhe anzuziehen. Trotzdem tat ich mein Bestes und kam nach einigen Minuten, nur leicht verschlammt, aber endlich angezogen, wieder aus dem Bad. Der Installateur stand immer noch vor der Tür und studierte angestrengt die Lieferpapiere.
Er bewegte die Lippen beim Lesen! - Ich verdrehte die Augen. Das erklärte einiges.
"Geben sie mal her", erklärte ich und nahm dem Mann die Dokumente ab. "Sehen sie: richtige Strasse, falscher Ort! - Das Moorbad hätte ins Kurbad nach Moos geliefert werden sollen, ich buchstabiere nochmal M-O-O-S!"
"Moos, hm?" - Verwirrt starrte er mich an. "Wie komme ich denn von hier nach Moos?"
"Woher soll ich das wissen", erklärte ich, und sah mich geistesabwesend um.
Die Leiter steckte mittlerweile quer in meinem Flur und Schlafzimmer. Einige verwirrte Herren im Blaumann zerrten mal hier, mal dort, nur um festzustellen, daß die Leiter sich nicht mehr vom Fleck zu rühren schien.
Ich ging zurück in die Küche. |
| Ich mag Signaturen nicht |
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