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wie die Zeit vergeht

Nutzer: tinkiwinky
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geschrieben am: 01.10.1999    um 04:14 Uhr   
Irgendwie erscheint es mir manchmal schon komisch und etwas sehr realitätsfern wie sich Nicknamen in die Haare bekommen können und derweil da draußen im RL die Ereignisse sich überschlagen.
Vor 10 Jahren da war alles anders. Ich erhielt gerade meine ersten Russischstunden und die Stimmung in meinem Heimatland und außerhalb war extrem angespannt.
Menschen waren auf der Flucht, durch halb Europe reisten sie um in den Nachbarstaat zu gelangen, der als Feind galt. Dieser Feind hat uns übrigens, offensichtlich immer als seine Staatsbürger angesehen - "Doppelte Staatsbürgerschaft".
Das meiste was in den letzten Wochen und Monaten in der DDR und dadurch in Europa geschah kenne ich aus fershereportagen und Geschichtsbüchern. Ich war damals 11 Jahre alt. Klar es ist schon eine Menge hängen geblieben, aber nicht alles.
Ich erinnere mich nur noch an die Anspannung die herrschte. Die Gesichter meiner Eltern nachdem die Nachrichten zuende waren und von neuen Flüchtlingzahlen und Demonstrationen berichtete wurden war.
Was einzelne am 30. September fühlten, wie sich Menschen bei den Demonstrationen verhielten und fühlten. Welche Gefühle auf der Mauer aufkamen. Was für Gedanken in den Köpfen waren, als die Grenze auf war. Der 9. November..... ich habe fast keine erinnerung außer die Aufzeichnungen.
Der Grund ist einfach, meine Eltern haben mich ab einem gewissen Punkt bei den Nachrichten weggeschickt. Als die Mauer fiel schlief ich gerade ohne zu wissen was passiert.
Vor 10 Jahren hat mein Leben und nicht nur meines eine Wende eingenommen, die auf Hundertausende zurückzuführen ist.
Diese "friedliche Revolution" - wie friedlich ist eine Revolution wenn festgenommene Demonstranten im Gefängnis auf ihre Geschlechtsteile geschlagen werden?
Wir gehen auf 10 Jahre mauerfall zu und heute in den Nachrichten, da kam, daß laut einer Umfrage 13 % im Westen - die Teilung ist noch immer da!- und 11 % im Osten die Mauer wieder haben wollen.
Die Gründe kann ich mir denken, aber ich weiß nicht ob ich sie verstehen kann.
Was denkt Ihr?

[Diese Nachricht wurde geändert von: tinkiwinky (geändert am: 01-10-99).]
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Nutzer: teddybärle
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geschrieben am: 01.10.1999    um 07:27 Uhr   
Hallo tinkiwinky!
Weißt Du, ich glaube, daß man 40 Jahre Trennung nich so einfach überwinden kann. Vor allem deshalb, weil wir gegenseitig Vorureile haben, die durch diese Trennung hervorgerufen wurden. Uns haben sozusagen "Welten" getrennt. Jeder hatte vom "anderen" Deutschland und den Menschen dort bestimmte Vorstellungen, denn nur wenige Menschen auf beiden Seiten hatten die Möglichkeit das jeweils andere Deutschland zu besuchen um die Menschen und deren Lebensweise kennen zu lernen. Wir müßen einander besser kennen und verstehen lernen, dann wird vielleicht auch cie Mauer in den Köpfen verschwinden. Das ist jedoch ein Problem das die meisten Menschen schon mit dem Nachbarn, Schulkollegen, Arbeitskollegen usw. haben. Sie müßten sie besser kennen lernen um sie zu verstehen, oder besser gesagt: Wenn wir alle toleranter zu einander wären, dann gäbe es weniger Probleme dieser Art (könnte ich mir vorstellen)
teddy
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Nutzer: ingrid
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geschrieben am: 02.10.1999    um 00:55 Uhr   
... du hast recht - [i]wie die Zeit vergeht[/i]
Tinky, dein Beitrag hat mich nachdenklich gemacht, ich sitze da und lasse einfach mal die Jahre Revue passieren.
Erinnerungen leben auf
Erdkunde ...... zweierlei Deutschlandkarten.
Eine für den Geschichtsunterricht .... nicht mehr gültig.
Unser Deutschland - der ander Teil schrafiert.
16.Juni .... Postkarten werden ausgeteilt, mit dem Brandenburger Tor drauf,
ein Film wird gezeigt, mit Menschen die über Stacheldrahtverhaue springen.
Gemeinschaftskunde .... ein Päckchen wird gepackt, für eine Schule im anderen Deutschland.
Wir verstehen das nicht -
es gibt ein anderes Deutschland ??
Fragen stellen sich - weshalb sind die nicht über den Zaun gesprungen ??
Zu was haben die überhaupt eine Mauer ??
Warum sperrt der Russe die Menschen ein ??
die Erleuchtung -
das sind Russenfreunde,
und der Russe ist unser Feind,
Fazit ... die anderen Deutschen sind keine guten Menschen !
das waren die Erkenntnisse einer Grundschülerin, ca 1965.
1986 ... Urlaub in Ungarn,
nettes Häuschen am Plattense, unsere Nachbarn DDRler, eigentlich nette Leute.
Gespräche entstehen nach anfänglichen Berührungsängsten,
eine neue Erkenntniss... das sind völlig normale und total sympatische Leute.
Wir sitzen zusammen - tauschen uns aus
- wie ist das bei euch , wie bei uns ....
Paralellen werden gefunden, Unterschiede ...
Adressen werden ausgetauscht ... das Versprechen , wir lassen diese neue Freundschaft nicht mehr einschlafen.
1989 ...
Menschen stürmen den Garten der Botschaft in Budapest,
ich sitze vor dem Fernseher , drücke mir fast die Nase platt ... sind Magdalene und hartmut dabei - sie wollten doch jetzt grad Urlaub in Ungarn machen ...
wenn ja, schaffen sie es ...
bange Gefühle um die Urlaubsfreunde ...
die Grenze geht auf, hoffnungsvolles warten auf einen Anruf ...
dann ein Brief - seit 4 Wochen unterwegs, wir mussten den Urlaub streichen.
Erleichterung und Entäuschung halten sich die Waage.... wie gehts weiter ?
9. November ...
die Mauer fällt.
warten......
Dezember 89 ....
es klingelt - sie sind da , nur für eine Woche, aber nicht zum letzten mal.
1999
Briefe werden seltener geschrieben .. ein Anruf tuts auch,
und sicher gibt es noch immer Unterschiede,
aber nur noch eine Deutschlandkarte.
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Nutzer: tinkiwinky
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geschrieben am: 05.10.1999    um 20:01 Uhr   
[i]mal nur zu chefin schaut[/i] danke!
wußtet ihr, daß ohne die wende der chat hier nur halbsovoll wäre?
[Diese Nachricht wurde geändert von: tinkiwinky (geändert am: 05-10-99).]
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Nutzer: tinkiwinky
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geschrieben am: 05.10.1999    um 22:07 Uhr   
xeena, der vergleich war net auf den ost-west-konflikt innerhalb deutschlands bezogen, sondern darauf, das sich offensichtlich kaum einer darum kümmert, was los war und warum am sonntag feiertag war und wie schwer es für eine ganze menge von leuten vor 10 jahren war, trotzdem lieb dast keine unterschiede machst
[Diese Nachricht wurde geändert von: tinkiwinky (geändert am: 05-10-99).]
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Nutzer: tjane
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geschrieben am: 05.10.1999    um 23:05 Uhr   
hab lange ueberlegt, ob ich hierzu was schreib, hab da selbst zuviel im kopf zu...
es kommt mir meist viel laenger als zehn jahre vor.. nicht der jahrestag als solcher, und da ist fuer mich auch immer noch die grenzoeffnung im november das datum..
hab jetzt meinen eigenen jahrestag gehabt, 1. oktober 1992, frankfurt/oder, feuchte blaetter auf den wegen, abends die schlange an der telefonzelle, der geruch von braunkohle und zweitaktern in der luft...
auf der fahrt uebers land die winkenden jungen russen auf dem offenen pritschenwagen vor mir... von denen mir ploetzlich einer seine muetze zuwirft...
und jedes zweite wochenende ost-west-ralley auf der autobahn, stossdaempfervernichtende holperpiste...
diskussionen ueber die warenvollen supermaerkte, ueber kollektive und fernsehwerbung, verlorene heimeligkeit und reisen, begruessungsgeld, bananen und die wahre bedeutung von sket...
der austausch von witzen...
die neugier, beidseitig... wie war das bei euch...
das alles ist wirklich weit weg...
eigentlich komisch, wieviel sich so schnell veraendert hat...
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Nutzer: tinkiwinky
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geschrieben am: 10.11.1999    um 18:37 Uhr   
tja und ich frag mich einmal mehr.....
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Nutzer: c.jay
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geschrieben am: 10.11.1999    um 18:44 Uhr   
und ich frag mich grad, wo nur all die lustigen trabbies geblieben sind ;-)
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Nutzer: Gast_adamais
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geschrieben am: 13.11.1999    um 14:47 Uhr   
halli hallo ihrs,
also von mir kann ich sagen, dass ich da war als die Mauer fiel...obwohl ich damals gerade 8 war, kann ich mich noch genau daran erinnern...
wie mein Vater zugleich lachend und weinend aus dem Wohnzimmer lief
wie er die ganze Family zusammenrief und ins Auto verfrachtete
und nix wie hin
(eigentlich wollt ich gar nicht mitkommen weil gerade Goofy im Fernsehen lief...
nehmen die mich einfach mit - grummels
und schon auf der Gegenspur der Autobahn hunderte von gar komisch aussehenden Autos...
und jubelnde Menschen bei den Parkplaetzen...
und dann war da nen grosses Stueck Mauer mit einem Tor und zwei Wachtuermen...
und dann war da noch dieses Schild das ich zu entziffern versuchte:
"Vooorsssiiicht Miiiineenfeeeld" las ich vor
und ueberall Menschen...manche lachend, manche weinend, aber manche konnt ich gar nicht erkennen da sie vor dieser ominoesen Kreidelinie auf dem Boden niederknieten und ihre Haende vors Gesicht schlugen...
als wir dann schliesslich heimkehrten haben wir eine Familie mitgenommen und haben sie bei uns gar koeniglich bewirtschaftet
(das hat mich natuerlich fuer die verpasste Goofy sendung entschaedigt
-------------
komischer Weise habe ich, als ich da an der Mauereroeffnung stand, gar nicht gemerkt, dass es einen Unterschied geben sollte zwischen Ost und West...
so long
Adamais
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Nutzer: Gast_Apple
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geschrieben am: 14.11.1999    um 18:09 Uhr   
auch ich kann mich noch gut an diese Tage erinnern... schon seit Wochen kamen jeden Tag im Fernsehen Berichte, wieviele Menschen über die geöffneten Grenzen in Ungarn und der Czechoslovakei Richtung Westen gereist sind.
Als dann eines Morgens mein älterer Bruder sagte "ich war in west Berlin" und wir ihn zunächst ungläubig anschauten und sagten "mit dem Finger auf der Landkarte"
aber er war wirklich da gewesen - später sahen wir es auch noch in den Nachrichten...
niemand von uns hatte damit gerechnet.
Ich erinnere mich auch noch, wie ich eines Abends mit ihm auf einer Couch saß und Radio hörte - RIAS2 die Nachrichten... undeutlich konnte man die Sprecherin sagen hören
"und nun die weiteren Meldungen", als urplötzlich das Rauschen aufhörte und der Empfang wieder gewohnt glasklar wurde
was gab es da noch? ein runder Tisch (oder war der grün?)...
Bündnis 90 - der Zusammenschluß der Bürgerrechtler...
den 3. Oktober - der hauptsächlich als Termin gewählt wurde,
damit am 7. niemand mehr den 41. Jahrestag der Gründung der DDR feiern mußte
und noch vieles andere...
Berni, der Apfel
[b]_________
vergessen - doch nicht von allen
nur etwas in Vergessenheit geraten[/b]
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