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Aufklärung |
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geschrieben am: 31.05.2002 um 09:20 Uhr
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SPIEGEL ONLINE: Herr Kolle, auf jedem zweiten Werbeplakat sind nackte Brüste zu
sehen, in jeder zweiten Talkshow wird über die Länge des männlichen Gliedes geredet.
Was gibt es für einen Aufklärer heute noch zu tun?
Oswalt Kolle: Wahnsinnig viel, gerade jetzt. Wir verzeichnen plötzlich wieder einen
Anstieg der Geschlechtskrankheiten, von Chlamydia, Syphilis und Tripper. Wir haben
auch wieder vermehrt Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Selbst beim
Sex hapert's noch oft, weil viele Männer zur Klitoris dasselbe Verhältnis haben wie zu
ihrer Waschmaschine: Sie wissen zwar, wo sie ist, aber nicht, wie man damit umgeht.
SPIEGEL ONLINE: Soll das heißen, dass die Medien zwar viel Sex zeigen, aber zu
wenig Aufklärung betreiben?
Kolle: So ist es. Jeder hat das Gefühl, er wisse schon alles. Gleichzeitig lässt die Angst vor Aids nach, kaum einer
benutzt Kondome. Die Folgen sind fürchterlich.
SPIEGEL ONLINE: Parallel dazu macht sich eine gewisse Lustlosigkeit breit. Offensichtlich sind die Menschen
übersättigt von dem vielen Fleisch, das ihnen die Medien vor die Nase hängen.
Kolle: So ein Quatsch! Ich suche den Menschen noch, der zu mir kommt und sagt: 'Ich habe mir so viele Sexfilme
im Fernsehen reingezogen, ich habe keine Lust mehr'. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die Menschen haben mehr
Lust.
SPIEGEL ONLINE: Und wo leben sie diese Lust aus?
Kolle: Schauen Sie sich doch mal das Internet an! Dort gibt es Pornografie in allen
Spielarten. Der 30-jährige Single - von Beziehungen frustriert - sitzt mit offener Hose
vor dem PC und holt sich dort seine Befriedigung. Wir steuern auf eine
Masturbationsgesellschaft zu. Das ist ein echtes Problem. Gleichzeitig sprechen die
Menschen offener über ihre sexuellen Probleme, über Beziehungslosigkeit,
Erektionsstörungen, Orgasmusschwierigkeiten und so weiter. Das alles summiert sich
zu dem Eindruck, wir hätten mit unserem Intimleben mehr Last als Lust. |
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