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geschrieben am: 24.06.2002 um 23:21 Uhr
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(zitat)[Â…Â…..]was findest du intressanter?Interessiert Dich mehr das Warum?
Aber man muß nicht erfahren warum, sondern wozu das alles geschah, schließlich war es nicht sinnlos, dass ich mich erhängt habe, auch wenn es dir vielleicht so vorkommt. Du bestreitest mein Recht auf Sinn, der außerhalb dieses Lebens liegt. Du fürchtest nämlich das dieser Sinn einen Bezug zu Dir hätte und damit unsrer beiden Lebens verbinden würde, mein gelebtes und Dein fortdauerndes Leben, eine solchen Bezug befürchtest du, wie man die Verstorbenen fürchtet (weil man Angst hat, sie könnten einen ins Jenseits mitnehmen).Du hast dein Leben wie Deinen Augapfel vor all den Übergriffen gehütet, die dir durch meine Einsamkeit verursacht schienen, für mich aber eine Notwendigkeit waren. Du brauchst keine Angst zu haben .Ja es ist selbst hier eine Notwendigkeit, Dich vor der Indifferenz zu bewahren, mit der die Welt Dich umgeben will. Du fragst, ob es hier eine Zeit gibt. Nein, hier gibt es nichts. Doch unser Nichts ist die Erinnerung daran, was mit uns war. Nie hätte ich gedacht, dass ich ohne Schmerz an dich denken könnte.So ist der Tod.
Der Tod, der uns (die wir nicht mehr sind) das absolute Gedächtnis genommen hat, nimmt uns dafür die Phantasie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dir irgendwann das gleiche zustößt wie mir. Ich erinner mich sehr gut an dein Gesicht, an deine Hände. Sollen die etwa in die Erde vergraben oder verbrannt werden? Kann die Natur, die Dich so vollkommen erschaffen hat, Dich zerstören? Für unsere gemeinsame Zukunft hatte ich mir Spaziergänge vorgestellt. Du gehst ohne Hast, damit die Leute Achtung vor dir haben. Ich wollte neben dir hergehen (ich hätte meine Schritte an deinen gemählichen Schritten anpassen können)und mich mit dir unterhalten. Ich dachte das Gespräch würde niemals aufhören. Es gab soviel, was ich dir erzählen wollte. Ich versuchte es in den Briefen nachzuholen. Du wirst mir nie mehr etwas erzählen. Als ich noch lebte, hast du dich immer unterbrochen, wenn du mit deiner Erzählung angefangen hattest .Dein Inhalt, wertvoll wie das Wasser des Lebens, durfte nicht überfließen (und ich wollte so gern, dass er überfließt, ich wollte mich daran betrinken.)Doch du hast dich geschützt wie sich eine Billardkugel mit ihrer glänzenden Oberfläche schützt.[…….]
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„Denn unermüdlich streben wir von Wunsch zu Wunsch: So geht es denn entweder ins Unendliche, oder was seltener ist und schon eine gewisse Kraft des Charakters voraussetzt,
bis wir auf einen Wunsch treffen, der nicht erfüllt und doch nicht aufgegeben werden kann: dann haben wir gleichsam, was wir suchten, nämlich etwas , das wir jeden Augenblick, statt unseren eigenen Wesens, als die Quelle unseren Leidens anklagen können, und wodurch wir nun mit unserem Schicksal entzweit, dafür aber in unserer Existenz versöhnt werden., indem sich die Existenz wieder entfernt, dass dieser Existenz selbst das Leiden wesentlich und wahre Befriedigung möglich sei. Die Folge dieser letzten Entwicklungsart ist eine etwas melancholische Stimmung- folglich eine schon würdigere Erscheining, als das stete Haschen nach immer anderen Truggestalten, welches viel gewöhnlicher ist.“
[Â…..]Doch es gab etwas was dich zu mehr gemacht hat als Du bist. Die Frage die mich die ganze Zeit umtrieb, lautete:
Dieses Etwas, das dich über alles erhob, was damals in Berlin passierte, war das für dich charakteristisch, oder ist es von mir ausgegangen, weil du mit meinem Schicksal verflochten warst, nicht aber mit dem Schicksal der Welt?
Als du auftauchtest bekam die bewegungslos verharrende Welt plötzlich eine Richtung; sie wurde zu einem Strom, der in dir mündete, wie in einem Trichter. Die Geschwindigkeit, mit der das geschah, nahm ständig zu, so dass mir ganz schwindelig wurde. Ich bewegte mich nicht in die gleiche Richtung, ich stand am Ufer .Der Fluß konnte mich nicht mitreißen, solange ich am Ufers stand, mich an einem Strauch festklammerte und wie verzaubert in den Trichter schaute. Um mich mit der Welt zu bewegen, hätte ich mich in den Strom werfen müssen.[……..](/zitat)
Ich liebe dieses Buch.
Habe es verschlungen, wieder ausgespiehen und wiedergekäut.
Unzählige Male.;-)
Grüßle.
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