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geschrieben am: 15.08.2004 um 01:05 Uhr
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Je erfahrener man ist, desto mächtiger ist man auch, wie in allen Bereichen des Lebens; Allerdings liegt das nicht daran, daß man 47623723489745 neue Zaubersprüche lernt, sondern vielmehr, daß man lernt, sich selbst weiter in die Matrix zu "lehnen", ohne daß man den Halt verliert. Das kann man recht gut mit Tauchen ohne Flasche vergleichen: Am Anfang kann man vielleicht gerade mal zehn, fünfzehn Sekunden unter Wasser bleiben, und dann ertrinkt man. Das wird sich auch nicht ändern, wenn man das Luftanhalten nicht trainiert. Und wenn man jahrelang geübt hat, dann schafft man zwei Minuten, locker. Man tut nichts anderes als vorher auch, nämlich Luft anhalten und tauchen - man tut es nur _anders_. Die Größe und Durchschlagskraft des altbekannten Feuerballes hängen also davon ab, wie weit ein Magus in die Matrix "greifen" kann, ohne sich selbst darin zu verlieren. Das "verlieren" äußert sich dann übrigens in der Form, daß man den Verstand verliert und nur noch eine sabbernde, lebende Hülle ist.
Was die Hilfsmittel angeht, die für mich Geste, Wort und Wille sind, so sind diese in erster Linie Konzentrationshilfen. Wenn man ein Klavierstück neu lernt, dann nimmt man auch Noten und Metronom dazu, und je mehr Übung man bekommt, desto mehr beherrscht man den Takt aus dem Kopf, bis man am Ende Noten und Metronom, also Wort und Geste, nicht mehr braucht. Man macht's einfach aus dem Gedächtnis, aus dem Kopf. Je komplexer das Klavierstück ist, desto größer ist jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, daß man trotzdem mit Noten spielt, damit man keinen Fehler macht. Das Wort ist wahrscheinlich das, was man als erstes ablegt, die Geste selbst ist für das Wirken selbst oftmals noch nötig. Oder habt ihr schon mal 'nen Magus gesehen, der wie ein Schluck Wasser in der Kurve rumsteht und auf einmal erscheint ein Feuerball? Ich meine, außerhalb des Zauberwaldes. *g* Es ist einfach stylischer, und wer mich mit Arik den größten Poser des Waldes schimpft, er hat verdammt nochmal Recht. Und es macht Spaß! =P
Was nun den Unterschied zwischen Magi und Kleri angeht, also den sogenannten Priestern, die göttliche Wunder wirken - für mich gibt es da gar nicht so einen großen Unterschied. Der Klerus ist nur ein verkappter (oder verbesserter) Magus, der seine Magie nicht Magie sondern Gebet nennt, und der die verbale Komponente, also das Gebet, immer dabei hat. Der Glaube ist auch nur ein anderer Name für den Willen.
Einen Unterschied zwischen Magus und "Zauberer" gibt's für mich nicht. Zauberer ist nur ein Schimpfwort für einen Magus, weil Zauberer für mich die Leute sind, die auf Jahrmärkten Kaninchen aus Zylindern ziehen und bunte Taschentücher aus dem Ärmel und dergleichen. Es gibt, imho, nichts Beknackteres als diese D&D-Einteilung in Wizard und Sorcerer, bzw. "Zauberer" und "Hexenmeister".
Wo wir gerade bei dem Thema Zauberer und so weiter sind, noch ein Wort zu den Zaubern, die ein Magus wirkt. Ich finde es auch schrecklich, daß man in den meisten Systemen (bis auf Mage) vorgekaute Zauber hat. Am schlimmsten ist da DSA, gefolgt von D&D und Kohorten. Ein Magus ist für mich die kreativste Rolle überhaupt - warum sollte ich mich da auf ein, zwei Zauber beschränken, die immer gleich aussehen und immer die gleiche Wirkung haben, solange ich nicht patze? Meiner Meinung nach ist das "Aussehen", die sichtbare Wirkung von Zaubern, nur begrenzt durch die eigene Vorstellungskraft, durch die eigene Fantasie. Sicherlich ist ein Feuerball sowohl am einfachsten als auch am effektivsten im Einsatz, deswegen so beliebt. Aber für mich sind die D&D-Zauber und der Codex Cantiones und all der andere Kram nur ein Anhaltspunkt, ein guter Weg zum Benutzen der eigenen Fantasie, denn einige der Sprüche darin sind wirklich einfallsreich und phantasievoll, wenngleich auch oftmals zu starr, zu unflexibel und teils zu mächtig.
So, ich wette, ich habe noch tausend Sachen vergessen, aber ich denke, das gibt erstmal einen ganz guten Überblick über meine Einstellung zur Magie. Daran habe ich jetzt eine gute Stunde geschrieben, inklusive Korrekturen.
Und nu geh ich ins Bett.
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