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geschrieben am: 29.07.2002 um 20:20 Uhr
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da kann ich nur ein Lied von Reinhard Mey zitieren:
DIE KINDER VON IZIEU
Sie war`n voller Neugier, sie waren voller Leben,
Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie war'n genau wie Ihr, sie war'n wie alle Kinder eben
lm Haus in Izieu hoch überm Rhônetal.
Auf der Flucht vor den Deutschen zusammengetrieben,
Und hinter jedem Namen steht bitteres Leid,
Alle sind ganz allein auf der Welt geblieben,
Aneinandergelehnt in dieser Mörderzeit.
Im Jaht vierundvierzig, der Zeit der fleiß'gen Schergen,
Der Spitzel und Häscher zur Menschenjagd bestellt,
Hier wird sie keiner suchen, hier oben in den Bergen,
Die Kinder von Izieu, hier am Ende der Welt.
Joseph, der kann malen: Landschaften mit Pferden,
Thèodore, der den Hühnern und Küh'n das Futter bringt,
Liliane, die so schön schreibt, sie soll einmal Dichterin werden,
Der kleine Raoul, der den lieben langen Tag über singt.
Und Elie, Sami, Max und Sarah, wie sie alle heißen:
Jedes hat sein Talent, seine Gabe, seinen Part
Jedes ist ein Geschenk, und keines wird man denen entreißen,
Die sie hüten und lieben, ein jedes auf seine Art.
Doch es schwebt über jedem Spiel längst eine böse Ahnung,
Die Angst vor Entdeckung über jedem neuen Tag,
Und hinter jedem Lachen klingt schon die dunkle Mahnung,
Daß jedes Auto, das kommt, das verhängnis bringen mag.
Am Morgen des Gründonnerstag sind sie gekommen,
Soldaten in langen Mänteln und Männer in Zivil.
Ein Sonnentag, sie haben alle, alle mitgenommen,
Auf Lastwagen gestoßen und sie nannten kein Ziel.
Manche fingen in ihrer Verzweiflung an zu singen,
Manche haben gebetet, wieder andre blieben stumm.
Manche haben geweint und alle, alle gingen
Den gleichen Weg in ihr Martyrium.
Die Chronik zeigt genau die Listen der Namen,
Die Nummer des Waggons und an welchem Zug er hing.
Die Nummer des Transports mit dem sie ins Lager kammen,
Die Chronik zeigt, daß keines den Mördern entging.
Heute hör' ich, wir sollŽn das in die Geschichte einreihen,
Und es muß doch auch mal Schluß sein, endlich, nach all den JahrŽn.
Ich rede und ich singe und wenn es sein muß, werde ich schreien,
Damit unsre Kinder erfahren, wer sie warŽn:
Der Älteste war siebzehn, der jüngste grad vier Jahre,
Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt.
Ich werd' sie mein Leben lang sehn und bewahre
Ihre Namen in meiner Seele eingraviert,
Sie warïn voller Neugier, sie waren voller Leben,
Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie warïn genau wie ihr, sie warŽn wie alle Kinder eben
Im Haus in Izieu hoch überm Rhônetal.
Reinhard Mey (Immer Weiter, 1994)
Wenn ich dadurch, daß ich für Mahnmale und Gedenkfeiern einen Teil meiner Steuern draufgehen sehe, dazu beitragen kann, daß NICHT vergessen wird...dann mach ichs gern...
Ich bin nicht dafür verantwortlich, was geschehen ist....aber sehr wohl dafür, was geschehen wird...
Den Krieg in Palestina finanzieren wir damit sicherlich nicht....und spätestens, wenn keine direkten Opfer der deutschen Untaten mehr am Leben sind, wird man sicherlich über die Zahlungen nachdenken....aber solange noch einer lebt, dessen Kindheit durch Deutschland zerstört wurde, weil Eltern und Geschwister in Auschwitz gelandet sind, verbietet sich in meinen Augen eine Diskussion über Sippenhaft und Kollektivschuld....ich meine, das sind wir unseren Mitmenschen (auch wenn sie weit weg leben)schuldig.
Und bitte: man kann kein Unrecht gegen ein anderes aufwiegen, was Israel zur Zeit veranstaltet, den Holocaust, den Russland mit seinen Juden angestellt hat, die Untaten der Briten in den Kolonien, Napoleons Grausamkeiten in ganz Europa, Hugenottenverfolgung.....als das kann und darf unsnicht als Argument dienen um uns aus unserer Pflicht zu stehlen.
tinker Geändert am 29.07.2002 um 20:23 Uhr von Tinkerbell Geändert am 29.07.2002 um 20:28 Uhr von Tinkerbell |
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