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geschrieben am: 22.06.2003 um 17:32 Uhr
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Bezüglich Ruhe und Augen schließen, erkennen und Dinge ändern habe ich neulich einen schönen Text von Paulo Coelho gelesen, den ich in dem Zusammenhang mal hier reinstellen möchte:
Über die Begegnung mit dem inneren Frieden
Der sanfte Weg zum inneren Glück
Lawrence LeShan stellte bei einem wissenschaftlichen Kongress, an dem er teilnahm, fest, dass viele der als "rational" geltenden Menschen täglich meditierten. Das verwirrte ihn, und er machte sich daran, den Grund für dieses mit der Ausübung der Wissenschaft scheinbar so unvereinbare Verhalten herauszubekommen. Das Ergebnis des Studiums der Vorteile und der Vorbehalte gegen diese täglichen Konzentrationsübungen war ein interessantes Buch mit dem Titel "Vom Sinn des Meditierens. Schlüssel zu einem erfüllteren Leben."
Daraus nun ein paar Folgerungen des Autors: Die Meditation ist keine Erfindung eines einzelnen Menschen, einer Religion oder einer philosophischen Schule, sondern die Suche des Menschen nach sich selbst. An vielen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten sind Wissenschaftler und Denker, die sich mit dem Menschen beschäftigen, zu dem Schluss gekommen, dass wir unser Lebens- und Ausdruckspotenzial zu wenig nutzen. Wir meditieren, um eine Weisheit und ein Glücksgefühl zu finden oder wiederzuerlangen, von denen wir unbewusst wissen, dass wir sie besitzen, auch wenn die Konflikte und Herausforderungen des Lebens sie in einen dunklen Winkel unseres Kopfes verbannt haben. Indem wir uns täglich ein wenig Zeit der Konzentration gönnen, gelangen wir auf eine höhere Bewusstseinsebene, die uns in Harmonie mit dem Universum, mit der Familie und mit unseren Tätigkeiten bringt und unsere Liebes- und Begeisterungsfähigkeit steigert und uns effektiver handeln lässt. Indem er die Meditation mit Gymnastik vergleicht, meint LeShan: "Von außen mag es verrückt aussehen, wenn ein Mensch ständig eine Stange auf und ab bewegt, an der ein paar Bleigewichte hängen, oder auf einem Fahrrad radelt, das nicht vom Fleck kommt oder auf einem Band läuft und doch immer auf der Stelle tritt. Dabei steht bei diesen Übungen weder deren Wirkung auf das Blei, das Fahrrad oder das Band im Zentrum, sondern ihre Wirkung auf den Organismus dessen, der sie durchführt. Ebenso ist das Ziel der Meditation nicht, sich reglos in eine Ecke zu setzen, die Atemzüge zu zählen oder sich auf ein paar merkwürdige Symbole zu konzentrieren - sie ist nur der 'körperliche' Prozess, der zu einem neuen Bewusstseinszustand führt."
LeShan geht noch weiter in seinem Vergleich der Meditation mit der Gymnastik und sagt, dass die meisten Misserfolge in den Meditationsschulen daher rühren, dass die Lehrer versuchen, ihren Schülern eine Norm aufzuerlegen. Wenn sie so vorgingen wie Sportlehrer, die für jeden ihrer Zöglinge ein individuelles Übungsprogramm zusammenstellen, hätten sie möglicherweise mehr Erfolg. Der normale Mensch neigt dazu, sich immer gleich zu verhalten, und das nennen wir Routine. Aus Routine heraus funktioniert er wie eine Maschine, verliert ganz allmählich seine Empfindungen und Gefühle; auch wenn er sehr darunter leidet, dass sein Leben immer gleich ist, verleiht ihm diese tägliche Wiederholung das - irrige - Gefühl, dass er die absolute Kontrolle über seine Welt hat. Wenn die Routine von außen bedroht wird, gerät der Mensch in Panik, weil er nicht weiß, ob er in der Lage sein wird, mit den neuen Bedingungen zurechtzukommen. Oder anders gesagt:
Wir verbringen unser Leben damit zu wollen, dass sich alles ändert, und setzen zugleich alles daran, dass alles so bleibt, wie es ist.
Auch wenn die Meditationstechniken von Menschen entwickelt und verbreitet wurden, die sich "Mystiker" nennen, sind sie nicht zwangsläufig an die Suche nach Spiritualität gebunden. Es geht um die Begegnung mit dem inneren Frieden. Nächstes Mal werden wir einige Konzentrationstechniken ansprechen, doch heute wollen wir mit einem Kommentar des indischen Philosophen U. G. Krishnamurti zu dieser Jahrtausende alten und heute so notwendigen Kunst schließen:
"Meditation ist nicht Körperkontrolle und auch keine Atemtechnik. Wir müssen die richtige Haltung einnehmen, wenn wir mit der Meditation beginnen - damit hört der körperliche Aspekt auch schon auf. Man kann Konzentration nicht erzwingen, das führt nur zu Angstgefühlen. Wenn wir richtig meditieren, kommt die wahre Konzentration. Sie entsteht nicht dadurch, dass wir an etwas Bestimmtes denken oder uns von bestimmten Emotionen freimachen. Sie kommt, weil unsere Seele keine Antworten sucht. Wenn wir aufhören, die Dinge selber lenken zu wollen, lassen wir zu, dass der göttliche Fluss uns dorthin führt, wohin wir kommen sollen."
Paulo Coelho
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