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geschrieben am: 27.04.2000 um 15:00 Uhr
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Der Stein fiel polternd die Klippe hinab und blieb am Rande einer Senke liegen. Das mächtige schwarze Roß, welches droben auf dem Felsen thronte, stieß einen markerschütternden Schrei aus. Einen Schrei der so fremdartig war, so voller Kraft und Wildheit, das es wohl jeden Wanderer vertrieben hätte, wäre denn in diesem Land einer unterwegs gewesen.
Dieses Tal war das Reich dieses Wesens, halb Pferd, halb Vogel, erinnernd an Pegasus, den geflügelten Schimmel, einer längst vergessenen Sage. Doch dieses Geschöpf war mächtig, groß, schwarz und voller Wildheit. Es konnte nicht fliegen, seine schwarzen Schwingen konnten seinen Körper nicht in die Luft heben. Die Flügel lagen eng an seinem schwarzen, glänzenden Körper. Nur wenn er stieg und seinen Zorn in den Himmel schrie, dann breitete er sie aus und seine Silhuette war beeindruckend, beängstigend und doch wunderschön.
Er lebte in diesem dunklen Tal seit vielen Jahrzehnten schon, er war hier geboren und aufgewachsen, ihm war vor langer Zeit, dies Land übergeben worden. Darüber zu herrschen und darüber zu wachen. Nun da er reif an Weisheit und Klugheit war, stand er oft hier an diesem Abgrund und besah sich die Ferne seine Reiches. Finstere Täler, weite, karge Ebenen, ein Horizont der so tief hing, das man ihn fast berühren konnte. Ausgedörrte Bäume, deren Skelette in den Himmel ragten, standen an den Wegesrändern. Er sog die rauhe Luft durch seine Nüstern ein, warf den Kopf gen Himmel, durchschnitt mit seinem peitschenden Schweif die Luft. Seine Flügel breiteten sich langsam aus. Lange sah er hinab in das Tal, lange hefteten sich seine glühenden Augen auf einen Punkt, der weit in der Ebene lag. Er legte seine Schwingen sanft wieder an seinen Körper und wandte sich ab, ging mit erhobenem Haupt, den Weg hinab, den er gekommen war. Seine massigen Hufe, wirbelten bei jedem Schritt den roten Staub auf. Eine Stille lag über seinem Reich, die ihn beunruhigte, wenigstens die schwarzen Krähen sollten ihren Lärm nicht an sich halten. Diese lästigen kleinen Geister der Lüfte waren nie still, immer lärmten sie. Doch heute hörte er nichts, als seinen eigenen heißen Atem. Nichts als sein pochendendes wildes Herz. Er errinnerte sich an den Sonnenuntergang des Votages, wie die Sonne als rotglühender Ball in den Ebenen versank und welches Schauspiel die letzten Fetzen der Wolken ihm geboten hatten. Die Nacht war schnell gekommen, an dem Tag, der gerade mal wenige Stunden hinter ihm lag. Und diese Nacht schien ihm dunkler als alle vorigen, die er in seinem Leben gesehen hatte. Er wußte all dies hatte etwas zu bedeuten, würde Veränderungen nach sich ziehen, doch er wußte nicht was auf ihn zu kam, gerne hätte er die älteren gefragt, doch die waren fortgegangen, er war der einzige der geblieben war, der trotzig genug war, den Gewalten der Natur zu standzuhalten. Töricht hatten sie ihn genannt, doch das hatte ihn nicht gestört. Doch nun wo die Jahre ins Land gegangen waren und er sein Leben lebte, fragte er sich oft, was die anderen machten, wo waren sie hingegangen und warum war er geblieben. Das Land war damals noch grün und üppig gewesen, viele Tiere lebten in den Tälern, es war eine von Leben erblühende Landschaft gewesen, doch die Alten hatten die Veränderungen erkannt und waren fortgezogen, hatten das Land ihrer Vorfahren hinter sich gelassen. Doch er jung und wild wie er war, war geblieben, hatte getobt und geschrieen, das Land, sein Land nicht preiszugeben. Er schnaubte bei der Erinnerung. Es war lange her, das diese Wildheit in ihm brannte, es war lange her, das er ohne nachzudenken lospreschte. Heute würde er zu den Alten gehören, heute würde er Geschichten erzählen, prahlen und sich dadurch jünger fühlen. Doch er war allein in diesem sterbenden Reich. Er hatte es mitangesehen, wie das Land vor seinen Augen zerfiel, zerbrach, aufriß. Er hatte all die Tiere gehen sehen, nur er war geblieben, sich von den wenigen, spärlichen Gräsern ernährend. Und die schwarzen Krähen waren geblieben, die |
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