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Nutzer: trixie49
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geschrieben am: 21.01.2002    um 19:02 Uhr   

hoffe ihr hattet alle ein schönes WE??
danke, das ihr so fleissig weitergemacht habt *strahl*

zum Wochenanfang aber auch noch ein wenig beizusteuern hat:

Am Königssee
Eugen Roth

Hierher, wo einst die Stille wob,
zehntausendfacher Wille stob;
Fußgänger, Autos fahren wall
so wild, dass (hör den wahren Fall!),
die sich in Wagenschlangen wagen,
voll Streitlust auf die Wangen schlagen.
Kaum an den Schifffahrtskassen man
erwehren sich der Massen kann.
Ich, der ich sonst die Leute meid,
tu mir in dieser Meute leid.
Auch bin ich müd der steten Pose
des Manns mit dem Trompetenstoße:
Das Echo von den Wänden schallt.
Die Einsamkeit zu schänden, wallt
ein Heerwurm rings am Ufer rum. --
Die Stille bringen Rufer um.
Man sollte nur die leisen Rassen
und nicht die lauten reisen lassen!


Auf Umwegen

Ein Mensch, der, was auch kommen möge,
Niemals die andern glatt belöge,
Lügt drum, denn dies scheint ihm erlaubt,
Zuerst sich selbst an, bis ers glaubt.
Was er nun fast für Wahrheit hält,
Versetzt er dreist der ganzen Welt.

Eugen Roth


Ausgerechnet . . .
Ein Mensch, von kleinauf, wird belehrt,
Daß sich sein Leben selbst erschwert,
Wer, statt daß er am Schopf sie faßt,
Stets die Gelegenheit verpaßt.
Nun endlich, voll Verwegenheit,
Ergreift er die Gelegenheit.
Erst viel zu spät wird es ihm klar,
Daß diesmal just es keine war.

Eugen Roth


Ausweg

Wer krank ist, wird zur Not sich fassen.
Gilt's, dies und das zu unterlassen.
Doch meistens zeigt er sich immun,
Heißt es, dagegen was zu tun.
Er wählt den Weg meist, den bequemen,
Was ein- statt was zu unternehmen!

Eugen Roth


Autos überall

Du schimpfst mit Recht auf diese Welt,
Dass sie mit Autos ganz verstellt.
Der schönste Blick ist für die Katz -
Zum Parkplatz werden Park und Platz.
Bis zu den letzten Straßenkanten
Stehn Omnibusse=Elefanten,
Vorm Rathaus, um den Brunnen, frech
Drängt sich das buntlackierte Blech.
Und was tust Du? Trotz dem Gestöhne,
Dass also sterben muss das Schöne,
Zwängst Du, bezahlend ein paar Nickel,
Auch in die Herde Dein Vehikel!

(Eugen Roth)

so wünsch euch einen tollen start in die Woche ;-)

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"Autor"  
Nutzer: trixie49
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geschrieben am: 23.01.2002    um 09:55 Uhr   

huhu, hab noch was gefunden ;-))

Beim Einschlafen

Ein Mensch möcht sich im Bette strecken,
Doch hindern die zu kurzen Decken.
Es friert zuerst ihn an den Füßen,
Abhilfe muß die Schulter büßen.
Er rollt nach rechts und meint, nun gings,
Doch kommt die Kälte prompt von links.
Er rollt nach links herum, jedoch
Entsteht dadurch von rechts ein Loch.
Indem der Mensch nun dies bedenkt,
Hat Schlaf sich mild auf ihn gesenkt
Und schlummernd ist es ihm geglückt:
Er hat sich warm zurechtgerückt.
Natur vollbringt oft wunderbar,
Was eigentlich nicht möglich war.

Eugen Roth


Briefe, die ihn nicht erreichten
Eugen Roth

Ein Mensch denkt oft mit stiller Liebe
an Briefe, die er gerne schriebe.
Zum Beispiel: "Herr! Sofern sie glauben,
Sie dürften alles sich erlauben,
so teil ich Ihnen hierdurch mit,
das der bewußte Eselstritt
vollständig an mir abgeprallt --
das Weitere sagt mein Rechtsanwalt!
Und wissen Sie, was Sie mich können?..."
Wie herzlich wir dem Menschen gönnen,
an dem, was wir nie schreiben dürfen,
herumzubasteln in Entwürfen.
Es macht den Zornigen sanft und kühl
und schärft das deutsche Sprachgefühl.

Das Böse

Ein Mensch pflückt, denn man merkt es kaum,
ein Blütenreis von einem Baum.
Ein andrer Mensch, nach altem Brauch,
denkt sich, was der tut, tu ich auch.
Ein dritter, weils schon gleich ist, fasst
jetzt ohne Scham den vollen Ast,
und sieh, nun folgt ein Heer von Sündern,
den armen Baum ganz leer zu plündern.
Von den Verbrechern war der erste,
wie wenig er auch tat, der schwerste.
Er nämlich übersprang die Hürde
der unantastbar reinen Würde.

(Eugen Roth)

wünsch euch einen schönen tag!
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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Anzahl Nachrichten: 1971

geschrieben am: 24.01.2002    um 09:48 Uhr   

Reinkommt und noch ein paar Super-Sachen von Eugen Roth mitbringt ...

Durch die Blume

Ein Mensch pflegt seines Zimmers Zierde,
Ein Rosenstöckchen mit Begierde.
Gießts täglich, ohne zu ermatten,
Stellts bald ins Licht, bald in den Schatten
Erfrischt ihm unentwegt die Erde,
Vermischt mit nassem Obst der Pferde,
Beschneidet sorgsam jeden Trieb -
Doch schon ist hin, was ihm so lieb.
Leicht ist hier die Moral zu fassen:
Man muß die Dinge wachsen lassen!


Entomologisches ( dazu nur grinsen kann )

Ein Mensch, als Ehemann sonst bräver,
Geriet an einen netten Käfer,
Mit dem er sich, moralgekräftigt,
Aus reinem Wissensdrang beschäftigt.
Er glaubt' denn auch, er hätt' entdeckt,
Ein neues, reizendes Insekt.
Doch leider wars nur eine Wanze,
Die beutegierg ging aufs Ganze.
Der Mensch bezahlte nun sein Wissen
Noch lange mit Gewissensbissen.


Saubere Brüder

Ein Mensch sieht Hand von Hand gewaschen.
Und doch - es muß ihn überraschen,
Daß der Erfolg nur ein geringer:
Zum Schluß hat alles schmierige Finger!



Lacht ... Bussi gibz ... wech is ...
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"Autor"  
Nutzer: Chrysia
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geschrieben am: 13.09.2002    um 18:27 Uhr   
Herstellt Euch!


Ein Mensch hat einen andern gern,
Er kennt ihn, vorerst, nur von fern

Und sucht, in längerm Briefewechseln
Die Sache nun dahin zu drechseln,

Daß man einander bald sich sähe
Und kennen lernte aus der Nähe.

Der Mensch, erwartend seinen Gast,
Vor Freude schnappt er über fast.

Die beiden, die in manchem Briefe
Sich zeigten voller Seelentiefe,

Sie finden nun, vereinigt häuslich,
Einander unausstehlich scheußlich.

Sie trennen bald sich, gall- und giftlich -
Und machen's seitdem wieder schriftlich.


(Eugen Roth)
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