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wer mag eugen roth?

Nutzer: trixie49
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geschrieben am: 15.01.2002    um 02:05 Uhr   

Der Kreisel

Ein Mensch hat einen Kreisel, rund,
bemalt in sieben Farben, bunt.
Er peitscht ihn an, der Kreisel schwirrt,
bis schneller er und grauer wird . . .
soll unser Leben bunter bleiben,
darf mans nicht allzu munter treiben.

Eugen Roth
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Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 15.01.2002    um 07:58 Uhr   

Ein Mensch, der gerne Zahlen lernt,
trifft einen, der von Pi sehr schwärmt,
und hört von ihm, wie rein und klar,
wie schön, phantastisch, wunderbar,
wie herrlich dieses Pi doch sei -
und schon sind der Verehrer zwei.
Die wollen gleich - aus diesen Gründen -
den Menschen die Zahl Pi verkünden.
So gehn sie in die Welt hinaus
und - krieg'n erstaunlich viel Applaus,
sodaß - was anfangs kaum wer weiß -
zieht einen immer größer'n Kreis.
Doch bald schon wird die Zahl zum Wahn
und steckt die ganze Menschheit an.
Ein jeder lernt und rezitiert,
vom König bis zum Schankenwirt.
Der Geist von Pi - in seiner Hast -
hat flugs die ganze Welt erfaßt.
Den Grund dafür errät ihr nie;
Er heißt: Virus abstrusum pi.


Arbeiter der Stirn
Ein Mensch sitzt kummervoll und stier
Vor einem weißen Blatt Papier.
Jedoch vergeblich ist das Sitzen -
Auch wiederholtes Bleistiftspitzen
Schärft statt des Geistes nur den Stift.
Selbst der Zigarre bittres Gift,
Kaffee gar, kannenvoll geschlürft,
Den Geist nicht aus den Tiefen schürft,
Darinnen er, gemein verbockt,
Höchst unzugänglich einsam hockt.
Dem Menschen kann es nicht gelingen,
Ihn auf das leere Blatt zu bringen.
Der Mensch erkennt, dass es nichts nützt,
Wenn er den Geist an sich besitzt,
Weil Geist uns ja erst Freude macht,
Sobald er zu Papier gebracht.


Neben Heinz Erhardt zählt Eugen Roth zu den Dichtern, die ich besonders schätze. Seine Werke analysieren gekonnt -mit einem kleinen Augenzwinker und einer grossen Portion Humor- die Menschen ...

Geändert am 15.01.2002 um 08:36 Uhr von Aoifa
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Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 15.01.2002    um 08:02 Uhr   

Eugen Roth hat unzählige witzige Gedichte geschrieben, aber die beiden Nachfolgenden zählen zu meinen Favoriten ...

Erfolgloser Liebhaber

Ein Mensch wollt sich ein Weib erringen,
Doch leider konnts ihm nicht gelingen.
Er ließ sich drum, vor weitern Taten,
Von Frauen und Männern wohl beraten:
"Nur nicht gleich küssen, tätscheln, tappen!"
"Greif herzhaft zu, dann muss es klappen"
"Lass deine ernste Absicht spüren!"
"Sei leicht und wahllos im Verführen!"
"Der Seele Reichtum lege bloß!"
"Sei scheinbar kalt und rücksichtslos!"
Der Mensch hat alles durchgeprobt,
Hat hier sich ehrenhaft verlobt,
Hat dort sich süß herangeplaudert,
Hat zugegriffen und gezaudert,
Hat Furcht und Mitleid auferweckt,
Hat sich verschwiegen, sich entdeckt,
War zärtlich kühn, war reiner Tor,
Doch wie er's machte - er verlor.
Zwar stimmte jeder Rat genau,
Doch jeweils nicht für jede Frau!


Männer

So unnütz wie Unkraut, wie Fliegen und Mücken,
so lästig wie Kopfweh und Ziehen im Rücken,
so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann,
das ist der Halbmensch, sein Name ist Mann.

Er steht nur im Weg rum, zu nichts zu gebrauchen,
ist immer am Meckern und immer am Fauchen,
er ist auf der Erde, ich sag's ohne Hohn,
vom Herrgott die größte Fehlkonstruktion.

Ein Mann ist ohne uns Frauen verloren,
er wär' ja ohne uns nicht mal geboren!
Erst durch unsere Hilfe wird mit viel Bedacht
so halbwegs ein Mensch aus diesem Schlappschwanz gemacht.

Ein Mann hält sich oft für unwiderstehlich
und glaubt, schon ein Lächeln von ihm macht uns selig.
Stolziert durch die Gegend wie'n Hahn auf dem Mist
und merkt dabei gar nicht, wie dusslig er ist.

Fühl' ich mich unwohl und kann kaum gehen,
weder sitzen, noch liegen oder gar stehen,
dann sagt er: "Komm mach nicht so'n Wind"....
doch sitzt ihm ein Pups quer, dann weint er wie'n Kind!

Mit dem Maul sind sie stark, da können sie prahlen,
doch wehe der Zahnarzt bereitet mal Qualen,
dann sind sie doch alle - verzeiht den Vergleich -
wie ein Korb voller Fallobst, so faul und so weich.

Ein Mann ist ganz brauchbar, solang er noch ledig,
da ist er oft schlank und meistens athletisch
da ist er voll Liebe und voller Elan,
kaum ist er verheiratet, wird nichts mehr getan.

Mit Gold und Brillianten wollt' er dich beglücken,
das kriegt heut' die Freundin hinter dem Rücken
und du kriegst nur noch wenn er daran denkt,
zum Geburtstag einen Schnellkochtopf geschenkt.

Als Jüngling wollt er dich immer lieben und küssen,
als Ehemann will er davon nichts mehr wissen.
Verlangst du dein Recht, dann wird er gemein,
er gibt dir's Gebiss und sagt küss dich allein.

Und pfeifen sie auch manchmal aus dem allerletzten Loch -
darin sind wir uns einig - wir lieben sie doch.

Lacht ... und verschwindet ...
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Nutzer: Birog
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geschrieben am: 15.01.2002    um 08:25 Uhr   

Der Anrufbeantworter von Eugen Roth

Ein Mensch, der nicht zu Hause ist
hat mit der wohlbekannten List
und mögen Sie's auch noch hassen
ein Tonband für sich sprechen lassen.

„Bleiben Sie dran, hängen's nicht ein
Sie sind verbunden mit der 322 199
Und wollen Sie mich doch erreichen,
sprechen Sie bitte nach dem Pfeifen.
Vielleicht ist Ihr Anruf für mich ein Glück
Ich rufe Sie dann bestimmt zurück."


Der starke Kaffee

Ein Mensch, der viel Kaffee getrunken,
Ist nachts in keinen Schlaf gesunken.
Nun muß er zwischen Tod und Leben
Hoch überm Schlummerabgrund schweben
Und sich mit flatterflinken Nerven
Von einer Angst zur andern werfen
Und wie ein Affe auf dem schwanken
Gezweige turnen der Gedanken,
Muß über die geheimsten Wurzeln
Des vielverschlungnen Daseins purzeln
Und hat verlaufen sich alsbald
Im höllischen Gehirn-Urwald.
In einer Schlucht von tausend Dämpfen
Muß er mit Spukgestalten kämpfen,
Muß, von Gespenstern blöd geäfft,
An Weiber, Schule, Krieg, Geschäft
In tollster Überblendung denken
Und kann sich nicht ins Nichts versenken.
Der Mensch in selber Nacht beschließt,
Daß er Kaffee nie mehr genießt.
Doch ist vergessen alles Weh
Am andern Morgen - beim Kaffee.


Lebensleiter

Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not,
Vom Nichts zum ersten Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst gehts dann schon besser;
der Mensch entwickelt sich zum Fresser
Und sitzt nun scheinbar ohne Kummer,
Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
Vom Hummer aus gehts nicht mehr weiter.
Beim Brot so meint er war das Glück.-
Doch findet er nicht mehr zurück.


Besonders treffend finde ich auch "Abdankung"

Ein Mensch, als junger Feuergeist,
der Lügen warmes Kleid zerreißt
Und geht - welch herrlicher Charakter! -
Kühn durch die Welt nun als ein Nackter.
Der Mensch wird alt, die Welt wird kalt:
Die Zeit zeigt ihre Allgewalt.
Der Mensch hälts, frierend, nicht mehr aus -
Froh wär er um den alten Flaus.
Doch hat er den nicht nur zerrissen,
Nein, auch die Fetzen weggeschmissen.
Mit Müh erwirbt er, so im Zwange,
Sich Weltanschauung von der Stange
Und geht nun, bis zu seinem Tode,
Gleich all den andren, nach der Mode.
Geändert am 15.01.2002 um 08:28 Uhr von Birog
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Nutzer: Viconia
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geschrieben am: 15.01.2002    um 09:45 Uhr   
Seltsam genug

Ein Mensch erlebt den krassen Fall,
Es menschelt deutlich, überall -
Und trotzdem merkt man, weit und breit
Oft nicht die Spur von Menschlichkeit.


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Nutzer: trixie49
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geschrieben am: 15.01.2002    um 13:04 Uhr   

hi Aoifa,
hi Viconia,
hi Birog,

schöööön, das es hier noch ein paar menschen gibt, die den sehr feinsinnigen humor von eugen roth zu schätzen
wissen ;-)

Allzu eifrig
Ein Mensch sagt - und ist stolz darauf -
er geht in seinen Pflichten auf.
Bald aber, nicht mehr ganz so munter,
Geht er in seinen Pflichten unter

Eugen Roth



Der Schwarzseher

Ein Mensch denkt jäh erschüttert dran,
was alles ihm geschehen kann
an Krankheits- oder Unglücksfällen
um ihm das Leben zu vergällen.

Hirn, Auge, Ohr, Zahn, Nase, Hals;
Herz, Magen, Leber ebenfalls,
Darm, Niere, Blase, Blutkreislauf
zählt er bei sich mit Schaudern auf,
bezieht auch Lunge, Arm und Bein
nebst allen Möglichkeiten ein.

Jedoch, sogar den Fall gesetzt,
er bliebe heil und unverletzt,
ja, bis ins kleinste kerngesund,
wär doch zum Frohsinn noch kein Grund,
da an den Tod doch stündlich mahnen
Kraftfahrer, Straßen-, Eisenbahnen;
selbst Radler, die geräuschlos schleichen,
sie können tückisch dich erreichen.

Ein Unglücksfall, ein Mord, ein Sturz,
ein Blitz, ein Sturm, ein Weltkrieg - kurz,
was Erde, Wasser, Luft und Feuer
in sich birgt, ist nie ganz geheuer.

Der Mensch, der so des Schicksals Macht
ganz haargenau bei sich durchdacht,
lebt lange noch in Furcht und Wahn
und stirbt - und niemand weiß, woran.

Eugen Roth





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geschrieben am: 16.01.2002    um 06:51 Uhr   

Mal "Guten Morgen" mit einem Gedicht von Eugen Roth sagt ...


Kleine Ursachen

Ein Mensch - und das geschieht nicht oft -
Bekommt Besuch, ganz unverhofft,
Von einem jungen Frauenzimmer,
Das grad, aus was für Gründen immer -
Vielleicht aus ziemlich hintergründigen -
Bereit ist, diese Nacht zu sündigen.
Der Mensch müßt nur die Arme breiten,
Dann würde sie in diese gleiten.
Der Mensch jedoch den Mut verliert,
Denn leider ist er unrasiert.
Ein Mann mit schlechtgeschabtem Kinn
Verfehlt der Stunde Glücksgewinn,
Und wird er schließlich doch noch zärtlich,
Wird er's zu schwach und auch zu bärtlich.
Infolge schwacher Reizentfaltung
Gewinnt die Dame wieder Haltung
Und läßt den Menschen, rauh von Stoppeln,
Vergebens seine Müh verdoppeln.
Des Menschen Kinn ist seitdem glatt -
Doch findet kein Besuch mehr statt.


und die Moral von der Geschicht'
wer sich nicht pflegt, bleibt ein einsamer Wicht ;-)

Lacht ... und verschwindet ...
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geschrieben am: 16.01.2002    um 07:01 Uhr   

Warum Briefe schreiben oftmals besser ist ...


Ein Mensch hat einen andern gern,
Er kennt ihn, vorerst, nur von fern
Und sucht, in längerm Briefewechseln
Die Sache nun dahin zu drechseln,
Daß man einander bald sich sähe
Und kennen lernte aus der Nähe.
Der Mensch, erwartend seinen Gast,
Vor Freude schnappt er über fast.
Die beiden, die in manchem Briefe
Sich zeigten voller Seelentiefe,
Sie finden nun, vereinigt häuslich,
Einander unausstehlich scheußlich.
Sie trennen bald sich, gall- und giftlich -
Und machen's seitdem wieder schriftlich.


und noch einige besonders schöne Verse über die Ärzte ...*lachend zu Linné schielt*...


Gleichgewicht

Was bringt den Doktor um sein Brot?
a) die Gesundheit, b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf daß er lebe,
Uns zwischen beiden in der Schwebe.


Einsicht

Der Kranke traut nur widerwillig
Dem Arzt, der's schmerzlos macht und billig.
Laßt nie den alten Grundsatz rosten:
Es muß a) wehtun, b) was kosten.


Undank

Ein guter Arzt weiß gleich oft, wo.
Statt daß man dankbar wär und froh,
Ist man so ungerecht und sagt:
"Der hat sich auch nicht arg geplagt!"
Ein andrer tappt ein Jahr daneben -
Mild heißt's: "Müh hat er sich gegeben!"
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"Autor"  
Nutzer: trixie49
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geschrieben am: 16.01.2002    um 15:04 Uhr   

wünsch euch von ganzem herzen einen guten tag,
(wie wichtig das ist, merk ich heute....habe zahnschmerzen)

aber trotzdem oder deshalb, weiteres über Ärzte ;-))

Die Ärzte

Die Ärzte sind verschiedner Art;
Ich schildre den zuerst, der zart:
Oft ist er wie ein Lämmlein sanft,
Noch spielend an des Todes Ranft,
Erzählt uns muntre Anekdötchen,
Macht Männchen oder gibt uns Pfötchen.
Er zwitschert fröhlich wie ein Schwälbchen
Und verschreibt ein harmlos Sälbchen,
Tablettchen oder bittre Pillchen,
Und funkelt schalkhaft durch sein Brillchen
Mit Äuglein, frömmer als ein Rehlein -
Selbst Darmkrebs nennt er noch Wehwehlein.
Froh ist am Schluß das arme Kränkchen,
Wenn er nur fortgeht, Gott sei dänkchen

Eugen Roth


Die Ärzte 2

Wenn ich den läppischen nicht lobe,
Ist doch auch unerwünscht der Grobe.
Er mustert streng uns, herzenskalt:
"Was, über sechzig sind Sie alt?
Da wird es sich wohl nicht mehr geben -
Nun ja, wer will denn ewig leben?"
"Gelebt, geliebt, geraucht, gesoffen -
Und alles dann vom Doktor hoffen!"
So etwa spricht er, grimmig barsch:
"Nicht zimperlich jetzt. Ausziehn, Marsch!"
"Im Kopf fehlts? Nun, das dacht ich gleich -
Da ist ja das Gehirn schon weich!"
Holt er den Nagel von der Zeh
Und man erklärt, das tue weh: -
"WennŽs wohl tät, wärt Ihr da in Haufen,
Und ich käm gar nicht mehr zum Schnaufen."
Er knurrt wohl auch, ein wüster Spasser:
"Sie stehn ja bis zum Hals im Wasser!"
Auch sagt er, statt uns Trost zu gönnen:
"Viel wird man da nicht machen können!"
Scheint er als Mensch auch nicht vergnüglich
Ist er doch meist als Arzt vorzüglich.

Eugen Roth


Die Ärzte 3.

SagŽ ich zu beiden Fällen nein -
Fragt Ihr:"Wie soll der Arzt denn sein?"
Die Antwort habŽ ich da geschwind:
So, wie gottlob fast alle sind!
Der gute Arzt ist nicht zu zärtlich,
Doch ist er auch nicht eisenbärtlich.
Nicht zu besorgt und nicht zu flüchtig,
Er ist, mit einem Worte, tüchtig.
Er ist ein guter Mediziner,
Erst Menschheits-, dann erst Geldver-Diener.
Gesunde fühlen sich wie Götter
Und werden leicht am Arzt zum Spötter.
Doch bricht dann eine Krankheit aus,
Dann schellen sie ihn nacht heraus
Beim allerärgsten Sudelwetter
Und sind ganz klein vor ihrem Retter.
Der kommt - nicht wegen der paar Märker,
Die Nächstenliebe treibt ihn stärker,
(Schlief er auch noch so süß und fest)
Zu kriechen aus dem wamen Nest.
Behandelt drum den Doktor gut,
Damit er Euch desgleichen tut.

Eugen Roth



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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 16.01.2002    um 19:10 Uhr   
wunsch und begierde

ein mensch, der eines tags entdeckt,
daß jeder wunsch nur wünsche heckt,
will, seinen frieden zu verbürgen,
von nun an jeden wunsch erwürgen.
schon naht ein wünschlein, ahnungslos,
klopft höflich an, tut gar nicht groß
und wartet still, ob manŽs erfülle.
der mensch, mit wütendem gebrülle,
fährt auf und macht ihm ohne grund
den fürchterlichsten schweinehund:
er hab es satt, dies ewŽge betteln,
er werde sich nicht mehr verzetteln,
er kenne schon die wunsch-schlawinder,
die kommen, als ergebŽne diener
und, kaum daß man sie eingelassen,
leichtsinnig hab und gut verprassen.
der wunsch, im innersten gekränkt,
hat sich jedoch darauf beschränkt,
dies unverzeihliche geläster
zum melden seiner großen schwester.
frau gier hört sich die sache an
und denkt sich: "wart, du grobian!"
sie putzt sich auf und schminkt sich grell;
der mensch verfällt ihr äußerst schnell,
ruiniert sich, um sie zu erweichen -
doch sie tut weiter nicht dergleichen.
so rächt das abgefeimte luder
das unrecht an dem kleinen bruder.

(eugen roth)
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 16.01.2002    um 19:20 Uhr   
bücher

ein mensch, von büchern hart bedrängt,
an die er lang sein herz gehängt,
beschließt voll tatkraft, sich zu wehren,
eh sie kaninchenhaft sich mehren.
sogleich, aufs äußerste ergrimmt,
er ganze reihn von schmökern nimmt
und wirft sie wüst auf eienn haufen,
sie unbarmherzig zu verkaufen.
der haufen liegt, so wie er lag,
am ersten, zweiten, dritten tag.
der mensch beäugt ihn ungerührt
und ist dann plötzlich doch verführt,
noch einmal hinzusehn genauer -
sieh da, der schöne schopenhauer...
und schlägt ihn auf und liest und liest,
und merkt nicht, wie die zeit verfließt...
beschämt hat er nach mitternacht
ihn auf den alten platz gebracht.
dorthin stellt er auch eigenhändig
den herder, achtundzwanzigbändig,
e.t.a. hoffmanss neu-entdeckung
schützt diesen auch vor zwansvollstreckung.
kurzum, ein schmöker nach dem andern
darf wieder auf die bretter wandern.
der mensch, der so mit halben taten
beinah schon hättŽden geist verraten,
ist nun getröstet und erheitert,
daß die entrümpelung gescheitert.

(eugen roth)
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 16.01.2002    um 19:31 Uhr   
kleiner lebenslauf

ich kam im jahr fünundneunzig zur welt
am vierundzwanzigsten jänner.
ich zähle darum - wenn wer was drauf hält -
unter die wassermänner.

daß ich in münchen geborgen bin,
das dank ich den günstigsten sterne.
ich gehe auch nirgend anderswo hin:
wer münchner ist, bleibt es auch gerne.

ich trieb mich als rechter lausbub herum -
das kann ich oft heut noch nicht lassen! -
dann kanm ich auf das gymnasium
und würgte mich durch die neun klassen.

im krieg, den ich freiwillig mitgemacht
im regiment "list" als gefreiter,
schoß man mich schon in der ypernschlacht
in den bauch;
drum bracht ichŽs nicht weiter.

dann hab ich gedichtet;
und zwar sehr viel,
doch viel dran ist wohl nicht gewesen.
ein bändchen gedichte im steilsten stil -
sonst hat kein mensch was gelesen.

mein vater war schon ein zeitungsmann,
das lockte zur presse den knaben.
auch machte ich später den doktor dann,
fast ohne studiert zu haben.

ein bißchen kam ich in der welt herum
und wurde schön langsam älter.
ich wollte, ich wäre noch feurig und umm,
jetzt bin ich kaum klüger, doch kälter.

ich bin auf das große glück nicht mehr aus.
(aufs geld nur, soweit ich es brauche.)
brav bleib ich bei meiner frau zu haus
und lese und schreibe und rauche.

man möchte von mir das lustige nur,
ich aber folg bis auf weitres
dem wahren leben und meiner natur
und dichte bald ernstes, bald heitres.

von zukunftsplänen, da red ich nicht oft:
das leben, es hat seine mucken!
gibt`s wieder was neus - und ich hoff, daß man`s hofft -
dann laß ich es gerne drucken.

fürs erste wär dieses mein lebenlauf -
das weitre, das gibt sich, das macht sich:
vielleicht hör ich morgen zu laufen auf,
vielleicht werd ich siebzig und achtzig!

(eugen roth)
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"Autor"  
Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 16.01.2002    um 19:38 Uhr   
gezeiten der liebe

ein mensch schreibt mitternächtig tief
an die geliebte einen brief,
der schwül und voller nachtgefühl.
sie aber kriegt ihn morgenkühl,
liest gähnend ihn und wirft ihn weg.
man sieht, der brief verfehlt den zweck.
der mensch, der nichts mehr von ihr hört,
ist seinerseits mit recht empört
und schreibt am hellen tag, gekränkt
und saugrob, was er von ihr denkt.
die liebste kriegt den brief am abend,
soeben sich entschlossen habend,
den menschen dennoch zu erhören -
der brief muß diesen vorsatz stören.
nun schreibt, die grobheit abzubitten,
der mensch noch einen zarten dritten
und vierten, fünften, sechsten, siebten
der herzlos schweigenden geliebten.
doch bleibt vergeblich alle schrift,
wenn man zuerst daneben trifft.

(eugen roth)
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 16.01.2002    um 19:43 Uhr   
*gg*....ich glaube, ich werde mich jetzt bremsen....
sonst schreibe ich noch die ganze nacht weiter.
aber keine angst, ich hör jetzt auf.
vielleicht.....naja, vielleicht bis morgen....

pipil
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 16.01.2002    um 22:05 Uhr   

Zu Pipil winkerz ... Bussi gibz ...
und sie auffordert, sich keinen Zwang anzutun ;-)

Vielleicht finde ich ja ein Gedicht, das ich noch nicht habe ...
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 16.01.2002    um 22:11 Uhr   

Ein ganz besonderes hab ich noch :-)

Ein Mensch, der manches liebe Jahr
Mit seinem Weib zufrieden war,
Dann aber plötzlich Blut geleckt hat,
Denkt sich:"verietas delectat -"

Und schürt sein letztes, schwaches Feuer
Zu einem wilden Abenteuer.
Jedoch bemerkt er mit Erbosen,
Dass seine alten Unterhosen
Ausschliesslich ehelichen Augen
Zur Ansicht, vielmehr Nachsicht, taugen

Und dass gewiss auch seine Hemden
Ein fremdes Weib noch mehr befremden,
Dass, kurz, in Hose, Hemd und Socken
Er Welt und Halbwelt nicht kann locken.

Der Mensch, der innerlich noch fesche,
Nimmt drum, mit Rücksicht auf die Wäsche,
Endgültig Abschied von der Jugend
Und macht aus Not sich eine Tugend.


Lacht ... und verschwindet ...
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"Autor"  
Nutzer: roses
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geschrieben am: 17.01.2002    um 08:21 Uhr   
Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -
Doch oft hat sich herausgestellt
Nach manchen trüb verbrachten Jahr,
Daß dies der einzige Lichtblick war.

Leib und Seele
Ein Mensch mißachtet die Befehle
Des bessern Ich, der zarten Seele -
Bis die beschließt, gekränkt zu schwer:
Mit dem verkehre ich nicht mehr.
Sie lebt seitdem, verbockt und stumm
Ganz teilnahmslos in ihm herum.

Leider
Ein Mensch sieht schon seit Jahren klar:
Die Lage ist ganz unhaltbar.
Allein - am längsten, leider, hält
Das Unhaltbare auf der Welt.

Undank
Ein Mensch, obwohl er selbst kaum satt,
Gibt germ vom Letzten, was er hat.
Jedoch der Dank für solche Gaben?
"Wie viel muß der gehamstert haben!"

Immer....
Ein Mensch erklärt, es sei im Leben
Das Klügste, immer nachzugeben.
Ein andrer Mensch ihm widerspricht
Und meint, bescheiden: immer nicht!
Nur so von Fall zu Fall, beliebig -
Jedoch der Mensch bleibt unnachgiebig.

Das Schnitzel
Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
Bemerkte, daß ihm das mißriet.
Jedoch, da er es selbst gebraten,
Tut er, als wär es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Ißt ers mit herzlichem Vergnügen.

Einsicht
Ein Mensch, ein liebesselig-süßer,
Erfährt, daß er nur Lückenbüßer
Und die Geliebte ihn nur nahm,
Weil sie den andern nicht bekam.
Trotzdem läßt er sichs nicht verdrießen,
Das Weib von Herzen zu genießen.
Es nehmen, die auf Erden wandern,
Ja alle einen für den andern.


Eugen Roth hat den Menschen nicht nur auf Hände und Mund geschaut, sondern besonders in Herz. Seine hintersinnigen Texte sind immer ein Genuß zu lesen und manchmal muss man sich auch ein wenig selbst an der "Nase packen"
Viel Spass beim Lesen.

Lieben Gruß
roses
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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Anzahl Nachrichten: 1971

geschrieben am: 17.01.2002    um 09:50 Uhr   

Den Tag und alle Besucher dieses Beitrags mal mit Gedichten von Eugen Roth begrüsselt ;-)


Kassenhass

Ein Mann, der eine ganze Masse
Gezahlt hat in die Krankenkasse,
Schickt jetzt die nötigen Papiere,
Damit auch sie nun tu das ihre.
Jedoch er kriegt nach längrer Zeit
statt baren Gelds nur den Bescheid,
Nach Paragraphenziffer X
Bekomme er vorerst noch nix,
Weil, siehe Ziffer Y,
Man dies und das gestrichen schon,
So daß er nichts, laut Ziffer Z,
Beanzuspruchen weiter hätt.
Hingegen heißt's, nach Ziffer A,
Daß er vermutlich übersah,
Daß alle Kassen, selbst in Nöten,
Den Beitrag leider stark erhöhten
Und daß man sich, mit gleichem Schreiben,
Gezwungen seh, ihn einzutreiben.
Besagter Mann denkt, krankenkässlich,
In Zukunft ausgesprochen häßlich.


Das Sprungbrett

Ein Mensch, den es nach Ruhm gelüstet,
Besteigt, mit großem Mut gerüstet,
Ein Sprungbrett - und man denkt, er liefe
Nun vor und spränge in die Tiefe,
Mit Doppelsalto und dergleichen
Der Menge Beifall zu erreichen.
Doch läßt er, angestaunt von vielen,
Zuerst einmal die Muskeln spielen,
Um dann erhaben vorzutreten,
Als gält's, die Sonne anzubeten.
Ergriffen schweigt das Publikum -
Doch er dreht sich gelassen um
Und steigt, fast möcht man sagen, heiter
Und vollbefriedigt von der Leiter.
Denn, wenn auch scheinbar nur entschlossen,
Hat er doch sehr viel Ruhm genossen,
Genau genommen schon den meisten -
Was sollt er da erst noch was leisten?


Versäumte Gelegenheiten
Ein Mensch, der von der Welt bekäme,
Was er ersehnt - wenn er's nur nähme,
Bedenkt die Kosten und sagt nein.
Frau Welt packt also wieder ein.
Der Mensch - nie kriegt er's mehr so billig! -
Nachträglich wär er zahlungswillig.
Frau Welt, noch immer bei Humor,
Legt ihm sogleich was andres vor:
Der Preis ist freilich arg gestiegen;
Der Mensch besinnt sich und läßt's liegen.
Das alte Spiel von Wahl und Qual
Spielt er ein drittes, viertes Mal.
Dann endlich ist er alt und weise
Und böte gerne höchste Preise.
Jedoch, sein Anspruch ist vertan,
Frau Welt, sie bietet nichts mehr an
Und wenn, dann lauter dumme Sachen,
Die nur der Jugend Freude machen,
Wie Liebe und dergleichen Plunder,
Statt Seelenfrieden mit Burgunder ...


Lacht ... und verschwindet ...
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 17.01.2002    um 12:22 Uhr   
(zitat)
Erfolgloser Liebhaber

Ein Mensch wollt sich ein Weib erringen,
Doch leider konnts ihm nicht gelingen.
Er ließ sich drum, vor weitern Taten,
Von Frauen und Männern wohl beraten:
"Nur nicht gleich küssen, tätscheln, tappen!"
"Greif herzhaft zu, dann muss es klappen"
"Lass deine ernste Absicht spüren!"
"Sei leicht und wahllos im Verführen!"
"Der Seele Reichtum lege bloß!"
"Sei scheinbar kalt und rücksichtslos!"
Der Mensch hat alles durchgeprobt,
Hat hier sich ehrenhaft verlobt,
Hat dort sich süß herangeplaudert,
Hat zugegriffen und gezaudert,
Hat Furcht und Mitleid auferweckt,
Hat sich verschwiegen, sich entdeckt,
War zärtlich kühn, war reiner Tor,
Doch wie er's machte - er verlor.
Zwar stimmte jeder Rat genau,
Doch jeweils nicht für jede Frau!

Roth, Eugen
(/zitat)

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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 17.01.2002    um 12:32 Uhr   


sorry .. sehe gerade daß wir das schon hatten. aber macht ja nix .. - weils gar so gut ist ;-)

und die moral von der geschicht .. egal wie du's beginnst es klappt .. oder aber auch nicht :-)

roses .. den lichtblick hab ich auch ganz gern - auch wenns etwas einseitig ist.

ist das hier wirklich der treffpunkt ?



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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 17.01.2002    um 12:37 Uhr   

Der Baum

Zu fällen einen schönen Baum,
BrauchtÂ’s eine Viertelstunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
Braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.

Roth


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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 17.01.2002    um 14:33 Uhr   
....dann eben noch eins......

gegensätze

ein mensch, zu reisen um halb zehn,
beschließt, um sechs uhr aufzustehn,
damit er sich nicht hetzen muß:
gemütlichkeit ist ihm genuß!
er blödelt hier, er trödelt dort -
er braucht ja lange noch nicht fort!
er trinkt kaffee und liest in ruh
sein blättchen - er hat zeit dazu!
zeit? höchste zeit, daß er sich schleune:
denn plötzlich sieht er, fast ist's neune!
doch wie er sich auch jetzt noch tummelt -
zu spät: er hat den zug verbummelt!
ein andrer mensch, der leider glatt
die aufstehfrist verschlafen hat,
wacht auf, sieht auf den ersten blick
das äußerst drohende geschick,
reißt sich zusammen, und geschweind
braust auf die bahn er, wie der wind;
erwischt den zug, wenn auch nur knapp,
und fährt, ein sieger, glücklich ab.
wir hoffen, daß ihr selbst es wißt,
daß dies ein lebens-gleichnis ist.
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 17.01.2002    um 14:38 Uhr   
einen noch.......

voreiliger dank

ein mensch, ein fremder, läßt sich gern
belehrn im zug von einem herrn,
wie er, in duisburg asugestiegen,
nach hamm den anschluß könnte kriegen.
der herr erscheint dem menschen englich,
er dankt ihm heiß und überschwänglich
und denkt in duisburg, ganz verliebt:
was es doch nette menschen gibt!
er eilt - noch immer dankend froh -
in duisburg auf den bahnsteig zwo
und harrt, vertrauensvoll und stramm
auf den versprochnen zug nach hamm.
ein schaffner, endlich doch befragt,
schaut groß den menschen an und sagt,
a) ob er denn nicht könne lesen,
b) wer denn dieser herr gewesen,
und c) es sei ein rechter jammer,
grad sei davon der letzte hammer,
und zwar auf bahnsteig nummer sieben.
und sieh: das bild des herrn, des lieben,
ertrinkt in wut und rachedurst:
ein trottel ist er, ein haswurst,
und vieles noch, was jedermann
aus eigem vorrat schöpfen kann.
der mensch denkt jahre lang des duis-
burg-bahnhofs noch und dieses pfuis.
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Nutzer: Gast_pipil
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geschrieben am: 17.01.2002    um 14:46 Uhr   
jaja, ich weiß........dann eben noch einen, oder zwei, oder drei.........hihi

das muster

man kennt im gasthaus die besteller,
die schaun erst auf des nachbarn teller:
und äße der den bart jehovas,
sie sprächen:"ober, mir auch so was!"
dieselbe sorte mensch erwählt
die krnakheit, die grad wer erzählt
und kriegt, in des berichts verlauf,
erst richtig appetit darauf.


sportliches

bei lebensläufen sehn wìr's klar:
wer läuft, der läuft auch schon gefahr!


witz

der witz ist würze und nicht speise;
nie reiche man ihn löffelweise!
zuträglich - gar bei scharfem witze -
ist höchstens eine messerspitze!


begegnung

zwar fragen uns bekannte stets,
wenn sie uns treffen:"na, wie geht's?"
doch warten sie so lange nie,
bis wir es sagen könnten, wie.
wir stellen drum statt langer klage
sofort die kurze gegenfrage.
dann ziehen höflich wir den hut
und sagen beide:"danke, gut!"
wir scheiden, ohne uns zu grollen -
weil wir's ja gar nicht wissen wollen.
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"Autor"  
Nutzer: Aoifa
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geschrieben am: 17.01.2002    um 23:15 Uhr   

Das Lied der Schwaben von Eugen Roth

Kennst Du das Land, wo jeder lacht,
wo man aus Weizen Spätzle macht,
wo jeder zweite Fritzle heißt,
wo man noch über'n Balken scheißt,
wo jede Bank ein Bänkle ist
und jeder Zug ein Zügle,
wo man den Zwiebelkuchen isst
und Moscht trinkt aus dem Krügle,
wo "daube Sau", "leck mi am Arsch"
in keinem Satz darf fehlen,
und sich die Menschen pausenlos
mit ihrer Arbeit quälen,
wo jeder auf sein Häusle spart,
hat er auch nichts zu kauen;
und wenn er 40, 50 ist,
dann fängt er an zu bauen!
Doch wenn er endlich fertig ist,
schnappt ihm das Arschloch zu!
O Schwabenland, gelobtes Land,
wie wunderbar bist du.


Lacht und wech is ...
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"Autor"  
Nutzer: 1Scherzkeks
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geschrieben am: 17.01.2002    um 23:24 Uhr   

Habe auch etwas beizusteuern ...
und widme es allen Chattern des Channels More-than-40 ;-)


Die guten Vierziger von Eugen Roth

Das Leben, meint ein holder Wahn,
geht erst mit vierzig Jahren an.
Wir lassen uns auch leicht betören,
von Meinungen, die wir gern hören,
und halten, längst schon vierzigjährig,
meist unsre Kräfte noch für bärig.
Was haben wir, gestehn wir's offen,
von diesem Leben noch zu hoffen?
Ein Weilchen sind wir noch geschäftig
und vorderhand auch steuerkräftig,
doch spüren wir, wie nach und nach
gemächlich kommt das Ungemach,
und wie Hormone und Arterien
schön langsam gehen in die Ferien.
Man nennt uns rüstig, nennt uns wacker
und denkt dabei: "Der alte Knacker!"
Wir stehn auf unsres Lebens Höhn,
doch ist die Aussicht gar nicht schön -
ganz abgesehen, daß auch zum Schluß
wer droben, wieder runter muß.
Wer es genau nimmt, kommt darauf:
Mit vierzig hört das Leben auf.



*Hihihi*
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