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geschrieben am: 22.03.2003 um 19:04 Uhr
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Liebe Grüße, Dein Spiegel
leg die arbeit nieder, die du halb begonnen hattest.
nicht einmal ganz begonnen hast du. leg sie hin.
du brauchst sie nicht, sie braucht dich nicht, laß sie sein.
zieh alle stecker aus den dosen, du brauchst sie nicht.
du brauchst keinen fernseher, der dir stimmen ersetzt,
die du nicht hörst, weil niemand da ist der spricht.
du brauchst keine lampen, die dein gesicht erhellen,
weil niemand da ist, der es betrachten möchte.
du brauchst nichts warmes zu essen, brot genügt.
leg die arbeit nieder, was quälst du dich damit,
du vollendest sie doch nicht, sie ist zu schwer für dich
weil niemand bei dir ist, der dir zeigt wie es geht.
sie nehmen doch alle die arbeit, die du nicht schaffst,
an sich, um zu sehen, daß sie es schaffen, und du?
schalte das telefon aus. du brauchst keine anrufe,
da du die gesprächspartner doch nur vermissen wirst,
wenn ihr dann auflegt, und das klingeln tut dir weh.
schalte die türklingel aus. dich besucht ohnehin
niemand, wozu die hoffnung daß jemand kommt?
laß auch ruhig das beten, gewiß sieht allah doch noch,
daß du es tust, nur bedeutet es etwas, so wie du bist?
und nun leg dich nieder. du brauchst keine decken
und du brauchst auch kein bett, der boden genügt.
ach, laß doch das weinen, es macht dich innerlich taub,
und dann kannst du nicht mehr so tun als wärst du es
nicht schon lange, oder immer gewesen, und hast nicht
du dich vor allen andern vergessen? jetzt leg dich hin
und schließ deine augen. die rolläden sind bereits zu.
und so bleibst du liegen, bis du alles vergessen hast
und bis die welt dich vergessen hat, auch wenn sie
dann noch dein grab und so... ach. wie müßig weiter
zu denken. du brauchst keine gedanken, hör damit auf.
du brauchst keine gedanken und du brauchst kein grab.
es ist so gemein, hast du gesagt. es ist es trotzdem,
hast du gesagt. ich bin selbst schuld, hast du gesagt.
ich wußte nicht, daß du so weit fort von mir bist.
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