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geschrieben am: 05.03.2003 um 17:48 Uhr
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Datum: 2003-01-30 20:50:30
Jean-Daniel und Jutta
Hallo Laura,
Es ist mehr als anderthalb Jahre her, dass ich dir zuletzt geschrieben habe. Oh nein, ich mache mir keinen Vorwurf deswegen, ich war nie der große Briefeschreiber und stets einer der engagiertesten Befürworter des Telefons als Verbindungsmittel zwischen den Menschen.
Vor nun mehr als drei Jahren entdeckte ich das Internet und, ehe ich mich versah, landete ich in Chatworld. Im Forum erinnere mich noch an die Worte... "ich schreibe diesen Thread für Esmeralda..." und so erfuhr ich von dir. Es ist lange her...
Heute wende ich mich an dich mit einer Bitte: Ich - wir, Jutta und ich - bitten dich, deinen Eltern etwas auszurichten. Warum fragen wir dich und sprechen sie nicht selbst an? Weil wir glauben, dass Du den Weg besser kennst, den sie gehen, besser weißt, welche Landschaften sich vor ihren Augen öffnen, wenn sie an dich denken.
Sie haben Jutta und mich gebeten, uns bei ihnen zu melden. Der Blumenstrauß, den wir dir zukommen ließen, denke ich, war der Grund dafür. Ich sehe dich schon lächeln, du schaust staunend auf uns herunter und denkst "na, dann...macht doch! Worauf wartet ihr denn?" Ich versuche dir diese Frage zu beantworten und ich wäre dir dankbar, wenn du die Antwort an deine Familie weiterleiten könntest.
Diese virtuelle Welt, die der Chatrooms und Kontaktmails, haben wir als eine gigantische Lüge kennengelernt. Dabei spielt es unserer Meinung nach keine Rolle, wie oft und wie erfolgreich dort die Wahrheit Fuß hat fassen können. Wir waren Mirella, Le Chat, nichts anderes als Pseudonyme, Menschen mit Gesichtern und Seelen nur auf der einen Seite des Bildschirmes. Als wir zur Realität - und dabei kannst du dir sicher sein, dass ich Realität und Wahrheit keineswegs verwechsle -zurückfanden, haben wir in dieser virtuellen Welt kaum etwas zurückgelassen. Wir haben uns auch
deshalb an dich erinnern wollen, weil wir von dieser Reise ins Netz so viel zu vergessen hatten. Unsere Blumen möchten nicht auf uns zurückzeigen, verstehst du? Sie sollen dir nur ein Dank sein, dass du uns geholfen hast, als wir uns darauf besannen, wieder wahr werden zu wollen.
Das ist es, was wir bitten möchten, deinen Eltern mitzuteilen. Sollten Sie uns kennenlernen wollen, dann nicht deshalb weil wir uns an dich erinnern und erinnern wollen, sondern, weil dein Kampf gegen die Krankheit für uns der Kampf um die Aufrichtigkeit geworden war. Wir wollten (und wollen) uns auch um unseretwillen gegen das Vergessen auflehnen. Wenn deine Eltern nach unserem Brief solche Egoisten, wie wir es sind, immer noch kennenlernen wollen, werden Sie sich bei Jutta melden.
Danke dir für das Zuhören und gute Nacht, Laura. Bis zum nächsten Brief.
Jutta und Jean-Daniel
Anmerkung: Das steht eigentlich in Lauras Gästebuch. Warum wir es nun hierhin gepostet haben?
Weil wir die bitten möchten, denen dieser Thread Mißfallen verursacht, einfach drüberweg zu lesen. Es gibt bessere Orte, um sich gegenseitig schlecht zu behandeln. Es soll niemandem der Mund verboten werden, aber es wäre schön, wenn man an diesem Platz des Nachdenkens und der Erinnerung friedlich miteinander umgehen würde.
Geändert am 05.03.2003 um 17:50 Uhr von Mirella |
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