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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 06.06.2005    um 22:51 Uhr   
oki-dann auf ein neues :

der glaube ist etwas persönliches, von der religion vermitteltes. glaube definiert sich nicht dadurch, daß jemand eine nummer bei einer kirchengemeinde hat, sondern dadurch, daß der mensch zumindest ehrlich bemüht ist, nach diesem glauben zu denken und zu handeln. die elementaren regeln dürften für die christen sowohl die zehn gebote als auch die bergpredigt, welche die tora reformiert, sein. ( ganz zu schweigen vom katechismus - wer kennt den ? ) wer nicht danach lebt, ist wohl kaum als guter christ zu bezeichnen, sondern eher ein beitragszahler im buchclub, der mangels eigener initiative eben die bestseller zugeschickt bekommt und des lesens müde diese im schrank verstauben läßt.

zur situation der christlichen religion genügt ein blick in die kirchen außerhalb der feiertage sowie ein blick in die medien. oder wir fragen benedikt nach seiner meinung. ratzinger war auch mal ein junger theologe voller ideen. er war zur zeit des letzten vatikanischen konzils berater des sehr auf reformkurs steuernden erzbischofs frings, für den er auch die reden schrieb. er war so gut, daß er durch die reden auf einen schlag weltweit sowohl von befürwortern als auch gegnern ernst genommen wurde. als er kurz darauf die achtundsechziger erlebte, ruderte der reformer er jedoch erschreckt zurück, da er den glauben durch die plötzlich aufkommende relativierung aller regeln in gefahr sah und aus der neuen freiheit eine unfreiheit herauslas. diese position hat er nicht mehr verlassen, deshalb gilt er ja auch als konservativ. seine aussage : beim wesentlichen bleiben und sich vor den auswürfen der modernen zu hüten. für ihn war speziell die deutsche staatskirche ohne nennenswertem religiösem sockel ( darum geht es hier ja ). 1981 berief ihn paul nach rom. ratzinger nahm allzugerne den hut und agierte als kopf der glaubenskongregation, welche die inquisition ablöste. ( von wegen deutscher papst ..) und der weltkirche als, will sagen, verfassungsgericht voransteht. hier wird definiert, was nun gläubig sein soll. da ratzinger seit 20 jahren die basisfunktion der kirche ausführt und moral vermittelt, verstehe ich auch nicht die ewigen fragen, was er denn nun machen wird. oder die ewigen angriffe gegen seine person. wer die kirche des alten papstes schätzte, würdigte nämlich indirekt ratzinger, die nummer zwei im vatikan, welche hinter den kulissen ungestört agieren konnte und der kirche ihre bild gab :-)
dieser kleine schlenker nur um zu zeigen, daß benedikt sehr wohl einer der vielen würdenträger ist, die an das glauben "wofür die Kirche nach eigenen Aussagen steht." wegen ein paar fauler äpfel ist noch lange nicht der ganze korb verdorben. zudem versteht sich die kirche laut bibel als gemeinschaft, eine gemeinschaft von sündern, die sich bemüht, gläubig zu leben. sie setzt keinesfalls auf die unfehlbarkeit des einzelnen menschen oder des einzelnen angestellten.

ratzinger selbst sieht das seit der aufklärung vom glauben abfallende europa schon seit längerem als missionsziel und nicht als eine vom christlichen glauben geprägte, blühende glaubenslandschaft an. über europa sagt er explizit "„Wir sind von einer christlichen Kultur zur Kultur eines aggressiven Säkularismus übergegangen mit recht intoleranten Zügen. Eine Gesellschaft, wo Gott absolut abwesend ist, zerstört sich selbst. Das haben wir in den großen totalitären Experimenten des letzten Jahrhunderts gesehen.“ entspricht nietzsches verbitterter feststellung, gott sei tot.
"Eine Gesellschaft, wo Gott absolut abwesend ist", lese ich als "wo kaum einer noch gläubig ist im sinner der (katholischen) religion". wie oben schon gesagt, äußert sich glaube speziell in der praxis des täglichen lebens.
dieses vakuum führte wohl zum allseits bejammerten werteverfall. weder staat noch gesellschaft waren in der lage, es zu füllen und die ehemalige funktion der religion, nämlich verbindliche werte als orientierungshilfe zu vermitteln, zu ersetzen.

wenn also das kirchenoberhaupt europa als diaspora ansieht, dann stellt sich die frage, wo nun die blühenden glaubenslandschaften sind. und da antwortet benedikt mit der dritten welt, welche auch zahlenmäßig der alten schon längst überlegen ist.


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geschrieben am: 06.06.2005    um 23:18 Uhr   
ach ja - ganz vergessen, das zölibat, der große konflikt zwischen katholiken und den aufmüpfigen protestanten @ destiny

das zölibat wurde eingerichtet, um zu gewährleisten, da' der pfarrer allein für seine gemeinde da ist. kein schlechter ansatz, da er dann ohne die üblichen sorgen und ablenkungen ist. das sehen wir auch im normalen leben, - die erfolgreichen haben leider keine zeit, familien zu gründen.. eines der großen probleme unserer zeit.
in zweiter linie ging es natürlich auch darum, daß nach dem ableben das vermögen der ehefrau und nicht der kirche zukäme.

das zölibat verbietet lediglich, zu heiraten. alles andere ist völkische dichtung. interne handhabung der kirche : jeder darf bis zu drei kinder haben, für die die kirche auch aufkommt. er darf nur nicht heiraten. daß dies trotzdem nicht gern gesehen wird, brauche ich nicht extra zu erwähnen. das bedeutet auch nicht, daß jeder die möglichkeiten voll ausschöpft, - das ist nur die minderheit.

dem sex entsagt haben sich nur mönche und nonnen, - deshalb auch die drei knoten am gürtel.






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geschrieben am: 07.06.2005    um 23:25 Uhr   
dass du dich bei deinem ausspruch auf ein zitat von pope raitzinger berufst, hättest du doch gleich schreiben können;)hättest viel text gespart ...aber danke für deine ausführung:)....ob man das allerdings als wahrheitsgemäß betrachten kann, steht auf einem anderen blatt
Geändert am 07.06.2005 um 23:32 Uhr von StereoSushi
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geschrieben am: 09.06.2005    um 03:12 Uhr   
wem würdest denn bezüglich solcher fragen über den glauben mehr glauben schenken ?
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geschrieben am: 09.06.2005    um 20:16 Uhr   
nana starchaser,....ich bin freund von statistiken,....;)

z.b. jährlicher zuwachs von muslimen oder christen usw....
fakten fakten fakten....der kirche an sich würde ich da weniger glauben,...schwammig,...sehr schwammig....
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Nutzer: starchaser
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geschrieben am: 09.06.2005    um 21:57 Uhr   
glaube, religion und ethik sind nun mal schwammige themen, die sich der wissenschaftlichkeit und der zahlenmäßigen erfassung entziehen.
die behauptung der christlichen kirche, was die obigen indikatoren wie leere kirchen und glaubenspraxis betreffen, unterstelle ich glaubwürdigkeit, da mir in dieser .hinsicht auch kein grund einfallen mag, so eine kapitulationserklärung mit bösen hintergedanken in den raum zu stellen.
das zahlenmaterial ist fraglich, - achon aufgrund der tatsache, daß *die* religion gar nicht existiert, höchstens glaubensgemeinschaften. denken wir an die unterschiede zwischen christen in südamerika und skandinavien und die einzelnen denominationen.
die statistiken liefern nicht mehr werte als von einem verein publizierte zahlen. die problematik der unterscheidung zwischen traditionell fortgesetzter zahlung von kirchensteuer und gläubigkeit wurde oben schon angesprochen. diese zahlen zahlen belegen jedoch einen kräftigen schwund an mitgliederzahlen. 400.000 verlorene schäfchen im jahr sind ne ganze menge. für gesamteuropa habe ich leider keine zahlen.
....Link

anhand welcher fakten auf besagtem anderem blatt machst du denn fest, daß die katholische kirche hier die unwahreit sagen sollte und welches motiv stünde dahinter ?



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geschrieben am: 10.06.2005    um 12:44 Uhr   
moment, also mit „schwammig“, bezeichne ich lediglich eine auf zitate berufene these ohne empirische daten,….;)…

im übrigen gibt es empirische daten über den globalen zuwachs von christen (mit sicherheit auch von anderen religionen)!!!!

Link

kurzer text:

"Parallel zu der zunehmenden Säkularisierung im Europa und Nordamerika des 20. Jahrhunderts kam es zu einem exponentiellen Wachstum des Christentums in der Dritten Welt, die heute die Mehrheit der Christen stellt. Um 1900 waren 16 % der Christen in Asien, Afrika und Lateinamerika – 1960 waren es bereits 35% und heute leben 60% der Christen in der so genannten Dritten Welt. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, traditionelle evangelikale Konfessionen und lokale Kirchen der Pfingstbewegung."

damit hat sich die diskussion erledigt und benni der 16 hat recht behalten, dass afrika wohl das vielversprechenste land sei, im hinblick auf zuwachs von gläubigen:)

zu deiner "ungeschriebenen blatt-frage"!!!

generell ist es so, dass ich auf solch schwammige thesen skeptisch reagiere und eben nachfrage.....im übrigen, hat es mich verwundert warum ausgerechnet du (starchaser), der sich in postings als "statistik-fetischist" erwiesen hat, nicht selbst auf die idee gekommen bist und dein dahingepostetes zitat von benni hinterfragt hast!:)

zum grund, warum ich das hinterfragt habe, sind solche artikel:)

Zum einen haben Afrikaner nicht vergessen, daß die willfährigsten Werkzeuge kolonialer Unterdrückung früher die „pères blancs” waren. Zum anderen lagen die größten Leichenberge während des ruandischen Genozids 1994 in katholischen Kirchen, ohne daß der Vatikan seine mehr als zweifelhafte Rolle während des Völkermordes je zugegeben hätte.

Gleichzeitig hat die römisch-katholische Kirche durch ihre weltfremd anmutende Ablehnung von Kondomen als Schutz vor Aids demonstriert, daß klerikale Dogmen ihr allemal wichtiger sind als Pragmatismus. Höhepunkt dieser surrealen Diskussion war die öffentliche Verbrennung von Kondomen durch den Bischof von Nairobi Ende der neunziger Jahre. (TAZ)

oder


nigeria

Die Mähdrescher Gottes

Christliche Fundamentalisten rüsten in Afrika für einen neuen Kreuzzug. In Nigeria liefern sich ihre Anhänger blutige Schlachten mit Muslimen

Von Bartholomäus Grill



Ein Religionskrieg? In Nigeria? Der Präsident sah den Reporter so befremdet an, als wolle er sagen: Von welchem Land reden Sie eigentlich? Aber Olusegun Obasanjo, der Staatschef von Nigeria, antwortete natürlich staatsmännisch – und bagatellisierte die blutigen Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen. „Leider gibt es immer ein paar schlechte Leute, die ihre Konflikte gewaltsam austragen.“ Ein paar schlechte Leute? Im Norden des Landes brannten Kirchen und Moscheen, Tausende waren bei Pogromen und Plünderorgien ums Leben gekommen, Tausende auf der Flucht.

Drei Jahre sind seither vergangen, und vermutlich würde Obasanjo sein damaliges Urteil heute selber revidieren. Vorige Woche trat er nämlich mit höchst besorgter Miene vor das Fernsehpublikum, warnte vor einem „wechselseitigen Völkermord“ zwischen Muslimen und Christen und verhängte den Ausnahmezustand über den Plateau State, ein Bundesland im Herzen der Republik. Was war geschehen?








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geschrieben am: 10.06.2005    um 12:45 Uhr   
Ein Religionskrieg? In Nigeria? Der Präsident sah den Reporter so befremdet an, als wolle er sagen: Von welchem Land reden Sie eigentlich? Aber Olusegun Obasanjo, der Staatschef von Nigeria, antwortete natürlich staatsmännisch – und bagatellisierte die blutigen Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen. „Leider gibt es immer ein paar schlechte Leute, die ihre Konflikte gewaltsam austragen.“ Ein paar schlechte Leute? Im Norden des Landes brannten Kirchen und Moscheen, Tausende waren bei Pogromen und Plünderorgien ums Leben gekommen, Tausende auf der Flucht.

Drei Jahre sind seither vergangen, und vermutlich würde Obasanjo sein damaliges Urteil heute selber revidieren. Vorige Woche trat er nämlich mit höchst besorgter Miene vor das Fernsehpublikum, warnte vor einem „wechselseitigen Völkermord“ zwischen Muslimen und Christen und verhängte den Ausnahmezustand über den Plateau State, ein Bundesland im Herzen der Republik. Was war geschehen?

Im Februar brachten Mordbrenner in der Stadt Yelwa 49 Menschen um, die in einer Kirche Schutz gesucht hatten. Die Täter waren Muslime vom Volk der Haussa-Fulani, viele unter ihnen Hirten und Viehzüchter. Die Opfer waren Christen, Ackerbauern, die zur kleineren Ethnie der Tarok gehören. Zwischen ihnen tobt ein erbitterter Streit um Land. Die christlichen Milizen wählten den 2. Mai für ihren Rachefeldzug, einen Sonntag. Sie massakrierten nach Angaben des Roten Kreuzes 500 bis 600 Muslime.

Unter Weihrauchschwaden in Ekstase tanzen

Die Massenmorde, erklärte der mächtige Imam der islamischen Hochburg Kano, seien Teil einer westlichen Verschwörung gegen Allah und seine Anhänger. Der entfesselte Mob ging sogleich auf Christenjagd. Wer an Straßensperren keine Koransure aufsagen konnte, musste um sein Leben fürchten. Dutzende von „Ungläubigen“ wurden gelyncht. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber in Europa oder Amerika interessieren sie ohnehin niemanden. Samuel P. Huntingtons Krieg der Kulturen, über den man dort gerne räsoniert, findet anderswo statt, im Irak, in Afghanistan, im Elendsgürtel um Paris. Die nackten Zahlen aber belegen, dass dieser Krieg in Nigeria schon vor Jahren ausgebrochen ist. Man schätzt, dass er seit 1999 über 10000 Menschenleben gekostet hat. Zum Vergleich: Seit Beginn der zweiten Intifada in Palästina im Jahre 2000 starben auf beiden Seiten rund 4000 Menschen.

Aber Nigeria schafft es nur in unsere Schlagzeilen, wenn eine geschiedene Frau wie Amina Lawal schwanger wird und wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll. Solche Meldungen sind dann nur eine Bestätigung all der Gewissheiten, die wir über den Islam zu haben glauben, über die besessenen Imame und Mullahs, die den Menschen ihr barbarisches Gesetz, die Scharia, aufzwingen. Weniger bekannt ist, dass in dieser Weltgegend auch fundamentalistische Christen seit Jahren einen Kreuzzug führen. Südlich der Sahara, im kargen, glutheißen Kontinentalgürtel, der sich vom Senegal bis hinüber nach Dschibuti zieht, prallen Schwarzafrika und Arabien, Islam und Christentum aufeinander. Im Sudan wird der Bürgerkrieg seit Jahrzehnten von religiösem Kanonendonner begleitet. Das einstige Musterland Elfenbeinküste zerschnitt der Bruderkrieg in einen muslimischen Norden und einen christlichen Süden. Benue, Taraba, Bauchi, Nassarawa oder Plateau, die nigerianischen Bundesstaaten, die Präsident Obasanjo in seinem Fernsehappell aufgelistet hat, gleichen multiethnischen Pulverfässern, die durch religiöse Zündeleien in die Luft gehen könnten. Man würde die Explosionen vermutlich auch in Europa hören. Denn sie könnten den Riesen Nigeria mit seinen weit über hundert Millionen Einwohnern zerfetzen.

Um sich eine Vorstellung von der jüngsten christlichen Missionsoffensive zu machen, muss man den Expressway von der Megastadt Lagos hinauf nach Ibadan nehmen. Die Einheimischen haben ihn „Autobahn der Kirchen“ getauft. Man fährt vorbei an unzähligen Riesenschildern und kunstvoll gemalten Reklametafeln. Es sind gleichsam die Feldzeichen in der Schlacht um die Seelen. Sie weisen nach rechts und links zu gewaltigen Hallen, manche so groß wie Hangars. Über den Eingängen prangt „Berg des Feuers und der Wunder“ oder „Botschaft Christi“ oder „Redemption Camp“, „Lager der Erlösung“. An Sonn- und Feiertagen ziehen sie wie Magneten Hunderttausende von Gläubigen an.


Geändert am 10.06.2005 um 12:46 Uhr von StereoSushi
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geschrieben am: 10.06.2005    um 12:58 Uhr   
naja usw usw,....


wobei ich bei diesem artikel auf einen abschnitt kam, der mich fast schon schockiert hat!

Neben den traditionellen afrikanischen Freikirchen nehmen seit anderthalb Jahrzehnten vor allem die protestantisch-fundamentalistischen Gemeinden, Sekten und Kulte zu, insbesondere die Pfingstbewegung. Sie propagieren einen streng bibeltreuen Glauben. Die Evolutionslehre ist Blasphemie. Homosexuelle sind widernatürlich. Kondome? Um Gottes willen, nicht einmal im HIV-geplagten Afrika!

Die neuen, radikalen Kirchen wuchern aus den Bürgerkriegsruinen von Liberia und Sierra Leone. Sie sind allgegenwärtig in den Slums von Nairobi, in den Townships am Kap, in den Bidonvilles von Abidjan. Evangelikale Wanderprediger, Apostel und Wunderheiler haben unterdessen den gesamten Küstenbogen am Golf von Guinea erobert. Sie beherrschen die Fernsehkanäle der Metropolen und dringen in die abgelegensten Bergdörfer vor, nach Kanungu in Uganda zum Beispiel, wo die „Bewegung zur Wiedereinführung der Zehn Gebote“ zur Jahrtausendwende über 500 Anhänger in den kollektiven Selbstmord trieb. In Ruanda sind die neuen Kongregationen so zahlreich wie humanitäre Organisationen, Spötter reden von regelrechten „Glaubenslandschaften“. 1994, im Jahr des Völkermords, gab es 8 Kirchen, sechs Jahre später waren es deren 300. In ganz Afrika sollen es unterdessen 20000 sein. Fest steht: Auf keinem anderen Kontinent breitet sich das Christentum so schnell, ja geradezu explosionsartig aus.

da wollte ich daten, die belegen ob das wirklich so ist mit dem zuwachs an christen....
vor allem auf hinblick der situation in afrika,...(siehe teile aus vorangegangenem artikel)

der artikel is recht aufschlußreich,...


Geändert am 10.06.2005 um 13:02 Uhr von StereoSushi
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geschrieben am: 10.06.2005    um 13:05 Uhr   
"wir reden nicht über politik sondern glauben"

nigeria ist nur repräsentativ für die situation in afrika,....und dabei soll auch noch gesagt sein, dass gerade in afrika scheinbar mit dem glauben politik betrieben wird:)...


zum abschließ ein abschluss....

die diskussion is damit eigentlich vom tisch,...dein zitat stimmt,...ich seh's ein ;)


Geändert am 10.06.2005 um 13:08 Uhr von StereoSushi
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geschrieben am: 10.06.2005    um 22:31 Uhr   
vielen dank für die hintergründe. :-)

die empirischen daten beruhen global auf schätzungen, welche von den jeweiligen kirchen abgegeben wurden. eine erfassung wie hier bei der kirchensteuer ist eine deutsche angelegenheit. nehmen wir das beispiel muslime in deutschland, so ist auch das nur eine schätzung.

mitgliederzahlen besagen nicht viel über den glauben. das ist doch analog zur gesinnung : es gibt so und soviele leute mit deutschem paß und damit dem "bekenntnis" zu demokratischen werten. was die einzelnen bürger auf jeden fall zu unterlassen haben, steht im strafgesetzbuch. dinge des täglichen lebens regelt das bürgerliche gesetzbuch.
auch hier würde kaum jemand unterstellen, daß sich alle mitglieder dieser wertegemeinschaft an die regeln der gemeinschaft hält, welcher sich jeder einzelne freiwillig unterworfen hat und diese bewahrt.
und der wert einer religion oder eines gesellschaftssystems zeigt sich meines erachtens nur im umgang derselben mit minderheiten, "anderen" und fremden - also der praxis.

der bezeichnung religionskrieg stehe ich sehr skeptisch gegenüber. hinter den vorgeschobenen religiösen argumenten stehen meist handfeste materielle interessen einzelner. der schottische ku klux klan aus schottland zum beispiel dient der ausgrenzung einer ganzen schicht, welche vorher versklavt war und treudoof still hielt. die irische IRA, die aus derselben gegend kommt, hat ihren ursprung in der sozialen ungleichbehandlung der mitglieder zweier glaubensgemeinschaften, welche wiederum ergebnis ist, daß so ein doofer könig sich nach scheidung unbedingt neu verheiraten wollte.
(die feine unterscheidung machts, - erste gelten `nur` als extremisten, letztere als terroristen.)

auch die latente Spaltung zwischen muslimen und christen in nigeria, sehe ich eher unter sozialen gesichtspunkten als den vorgeschobenen und "legitimierenden" religiösen und ethnischen begründungen. die igbo, hausa und fulani und insbesondere militärs schürten diesen flächenbrand durch religiöse mobilisierung der verarmten massen. grund war der drohende verlust der macht der ehemaligen herrscher im zuge der angestrebten demokratisierung nigerias.
der weitverbreitete analphabetismus erleichterte es, die massenhysterie mit falschen oder falsch verstandenen informationen zu triggern.
vergessen wir auch nicht, daß das inzwischen gänzlich verarmte nigeria weltweit die nummer 6 ist bezüglich der ölreservern, über die wiederum shell verfügt. ähnlich wie im irak wird zwar fleißig exportiert, doch fehlt es den tankstellen im lande meist an kraftstoffen.
an dem reichtum ist die bevölkerung nicht beteiligt und selbst der diktator und "präsident auf lebenszeit" ist nur marionette auf des vom westen inszenierten bühneaktes. nigeria war mal nummer 48 der reichsten länder. die entladungen des volkszorns gegen die europäer dürften ihren ursprung in dieser nichtbeteiligung haben. die religion wäre damit nur das bewährte deckmäntelchen für ein simpel gehaltenes, für alle verständliches feindbild. daran verdienen wiederum laut rüstungsexportberichten die firma heckler und koch sowie werner, - unter billigung der hiesigen regierungen. mit deutschen waffen werden in der formalen demokratie demonstrationen gegen regierung, umweltzerstörung, menschenrechtsverletzungen, ölkonzerne blutig niedergeschlagen. :-)

somit hat das alles, denke ich, nicht viel mit glauben zu tun. weder talmud, noch koran oder bibel erlauben zu töten. und wie steht es doch so schön in der enzyclica ? ".so ist es dennoch niemals erlaubt - auch aus noch so ernsten Gründen nicht -, Böses zu tun um eines guten Zweckes willen". deshalb : "wir reden nicht über politik sondern glauben"
-------------------------------------------------------
Das Recht schützen, Den Staat schützen.
[ Das Öl schützen ]
Vor uns [ - für uns ] !
-------------------------------------------------------
Geändert am 10.06.2005 um 22:36 Uhr von starchaser
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geschrieben am: 10.06.2005    um 22:49 Uhr   

Das steht übrigens auch im von Dir zitierten Artikel :

"Heute würde ein Auftritt des Jesussektenpapstes zur Katastrophe führen. Denn die muslimische Mehrheit im Norden wird gegen Andersgläubige aufgehetzt von einer Oberschicht, deren Macht seit dem Ende der Militärdiktatur erodiert"

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geschrieben am: 10.06.2005    um 22:51 Uhr   

der konstruktion, die katholische kirche sei schuld an den 26 millionen hiv-infizierten in afrika hat kofi annan ( bekam zwei milliarden dollar statt der versprochenen zehn ) schon längst widersprochen. es fehlen nämlich sowohl der politische wille, als auch das geld und natürlich die dann benötigten kondome.
--> www.populationaction.org/resources/publications/ condomscount/downloads/CondomsCount_English.pdf
von den jährlich in afrika und osteuropa zur prävention benötigten 8 milliarden lümmeltüten wird derzeit nur eine milliarde produziert. stückkosten betragen drei cent. vielleicht eine prima idee für eine ich-ag ? :-)

zur geschichte mit den verhüterlis : die frage, ob aids nun mit oder ohne besser einzudämmen ist, ist strittig. die einen sprechen vom schutz, die anderen sehen nur ein ansteigen der promiscuität und damit der infektion.
die christliche erklärung steht im zusammenhang mit der erklärung "humanae vitae"
--> Link
und gründet im liebenden akt. in kürze : wenn zwei sich lieben, haben sie guten sex und wollen zusammenbleiben, heiraten also um dies zum ausdruck zu bringen und bekommen dann auch die lütten.
und wie sagte schon der olle report-kinsey ? alfredo sah erfüllte sexualität als befreiendes lebensgefühl. kennzeichen sind erlebnisfähigkeit und hingabe an einen partner. die lebensqualität setzt liebe voraus, - selbst der alte haudegen sah sex ohne liebe wie einen fisch ohne wasser. liebe wiederum hat auch was mit treue zu tun. kirche und kinsey (der mit dreißig Jahren das erste Mal mit einer Frau geschlafen hat) widersprechen sich nur in den konsequenzen, - dem wonneproppen. :-).
würden sich die mitglieder der einzelnen religionen an das gebot der treue halten und nicht unmotiviert in der gegend rumzupoppen, - gäbe es die auf HIV gründende diskussion wohl gar nicht. die diskussion vergißt nämlich, die köpfe anders zu polen und die abhängigkeit der frauen zu verringern. die männer nämlich schleppen das zeug ein und wenn die frau kondome haben will, sieht irrigerweise sie sich dem vorwurf der untreue ausgesetzt. also nutzen kondome erstmal gar nix ..

- womit wir wieder beim thema glauben und auslegung angelangt wären :-)
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geschrieben am: 11.06.2005    um 12:49 Uhr   
natürlich werden bei datenauswertung bzw erstellung von messwerten "fehler" begangen,....sie sind trotz alledem "repräsentativ" für ihren jeweiligen kontext..(wenn ich vor einem stadion eine umfrage nach ende eines fußballspiels mache, habe ich repräsentativ nur ein klientel...usw)....es spielt für die "erfassung" der gläubigen keine rolle, ob sich glaube nur im kopf abspielt, oder auf dem mitgliedsausweis;) ....fakt ist, dass man aus einer äußerung schlecht die wahrheit erkennen kann, ohne dafür eine übersichtliche tabelle vor sich liegen zu haben, die den jeweiligen ausspruch untermauert bzw widerlegt:) und das ist für "publizierte thesen" unabdingbar, da sonst keine beweisgrundlage vorhanden wäre...sowas müssten die soziologen unter uns doch wissen:)


warum ich diese artikel gepostet habe, wurde kurz angesprochen,...mir geht es nicht darum, jetzt den kompletten artikel auseinander zu nehmen (übrigens danke starchaser für die gummigeschichte;) sondern lediglich verständlich zu machen, wieso ich an einem zitat benedikts dem 16. gezweifelt habe, was übrigens ausgangssituation unserer diskussion war....die geschichte hat es gezeigt,...afrika ist dort, wo europa vor einigen jahrhunderten stand,...mit religion wird politik betrieben, mit dem glauben der bevölkerung wird politik betrieben,lediglich die foltermethoden und die waffen lassen an unsere zeit erinnern. Religion war und ist ein politisches machtinstrument und solange extremistische religiöse Organisationen über politische macht verfügen, so lange wird es "kriegsopfer" im namen der religion geben.

die zahlen beweisen, dass die anzahl der gläubigen in afrika zunehmend steigt,
die realität beweist wie sehr die gläubigen gewillt sind, die einfachsten glaubensvorschriften auch im täglichen leben durchzusetzen indem sie die glaubensgrundsätze durch negation umsetzen:)...sicher, in relation gesehen für die anzahl der "gläubigen"in gesamt afrika, sind diese schwarzen schäfchen null und nichtig,...aber der ansatz zeigt es....jedes religiös-politische opfer widerspricht dem leben nach glaubensgrundsätzen.

ich betrachte "glauben" jetzt im religiösen sinn (also nicht nach kant usw.).....und da ist es für mich einfach schwierig, nicht an religion als machtinstrument für politische zwecke und ausbeutung zu denken. glauben findet für mich kopf statt,...wo aber viele gläubige zusammentreffen,...entsteht ein machtpotential, welches beeinflusst werden kann, zb durch fehlinterpretation der glaubensgrundsätze bzw bewusste manipulation,...

ich hab' auch jetzt keinen bock mehr, muss den matheschein bestehen,wir lesen uns in 1 1/2 monaten wieder;), oder auch nicht

...wichtig ist, dass man herauslesen kann, was ich zum eingangsposting zu sagen habe,..."gott sei dank hat napoleon schon kirche und staat getrennt)

amen....










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geschrieben am: 12.06.2005    um 21:35 Uhr   
OT : viel erfolg, sushi ! :-)
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