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Geheimnisse |
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geschrieben am: 19.03.2006 um 21:34 Uhr
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Geheimnisse haben einen schlechten Ruf. Es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen gilt nicht nur als unmoralisch, sondern als zerstörerisch für zwischenmenschliche Beziehungen. Geheimnisse zu haben, wird oftmals mit Vertrauensbruch gleichgesetzt.
Aber gibt es nicht auch das Geheimnis als Notlüge? Als hilfreiche Abgrenzung, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Gibt es "gute" Geheimnisse?
Und
Ist Wahrheit stets dasselbe wie Wirklichkeit? |
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geschrieben am: 20.03.2006 um 00:38 Uhr
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ist deine frage subjektiv oder objektiv gemeint?
*prof* |
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geschrieben am: 20.03.2006 um 09:10 Uhr
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| Bei Themen, die Menschen betreffen, kann es sich meiner Meinung nach immer nur um Subjektivität handeln. |
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geschrieben am: 20.03.2006 um 09:48 Uhr
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Ein selbstbestimmtes Leben, d.h. ich bestimme mein Leben selbst.
Meines Erachtens ist das nur dann der Fall, wenn ich zu dem was ich tue auch stehe und kein Geheimnis daraus mache.
Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Was für mich Wahrheit ist, muss für den anderen noch lange nicht gelten, weil jeder seinen eigenen Blickwinkel hat.
Und Geheimnis als Vertrauensbruch? Nun, ich weiß nicht... Muss ich wirklich erzählen, dass ich mit ca. 5 Jahren den Nachbarsjungen vor lauter Liebe die Treppe runtergeschubst habe - hm? *zwinker (Er hats übrigens unbeschadet überstanden)
In diesem Sinne - Merlie :-) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 20.03.2006 um 20:16 Uhr
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Gegenfrage : Angenommen, ich verschweige Celesete etwas. Könnte das nicht auch mit Celeste zusammenhängen ? ;-)
Etwas verschweigen, was einer klarer Aussprache bedarf, weil es ansonsten jemanden schadet, ist verwerflich. Aber das ist schließlich kein Geheimnis. An der Tatsache, ein Geheimnis zu bewahren, ist doch erstmal nix schlimmes. |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 20.03.2006 um 21:14 Uhr
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ich grab mal tief in meiner seele nach und gucke, ob ich nicht auch ein paar geheimnisse habe... :-)
Oh ja, da sind welche... aber ich sag sie nicht... sind ja sonst keine geheimnisse mehr...*grinst*
Ich suggeriere mal ein Geheimnis:
Ich erzähle meinem besten Freund, ich hätte im Internet ein paar Bankkonten geknackt und das Geld auf ein Schweizer Nummernkonto umgeleitet... zu meinem privaten Konto gehen nur kleine, aber regelmässige Beträge vom Schweizer Nummernkonto... ein paar tausend Euro's investiere ich irgendwo in lukrative Geschäfte als Ausgleich für meinen Verbrauch...
Ich sag meinem Kumpel noch, er soll das nicht weiter erzählen und biete ihm eine Summe für sein Schweigen an.
Er nimmt an. Nach einiger Zeit ist sein Geld, das er von mir bekommen hat, verbraucht und verlangt neues Geld von mir. Ich hatte ihm aber schon für sein Schweigen bezahlt.
Er fängt an mich zu erpressen, sonst würde er mit dieser Geschichte zur Polizei gehen...
Ich gebe ihm trotzdem kein Geld, da ich ihm ja nur erzählt habe, ich hätte im Internet Bankkonten leergeräumt... Er war nicht mit dabei und ich habe ihm auch keine Details über mein Vorgehen erzählt... Im Grunde hat er keine Beweise, dass ich tatsächlich das getan haben soll.
Lediglich die kleinen, aber regelmäßigen Beträge könnten verdächtig sein...
Mein bester Freund ist verärgert, weil ich ihm kein Geld mehr für sein Schweigen gegeben habe und er geht zur Polizei und erzählt die Geschichte dort.
Die Polizei kann nix ohne Beweise ausrichten und schickt meinen besten Freund wieder nach Hause...
Er hat das Geheimnis ausgeplaudert aus purem Egoismus und Neid. Er hat mein Vertrauen als Freund gebrochen...
Vor Wut darüber, dass er bei der Polizei nichts gegen mich ausrichten konnte, kehrt er zu mir zurück und will sich angeblich entschuldigen... Er weiss, das er mein Vertrauen gebrochen hatte und will sich nun als Freund sich bei mir wieder beliebt machen, so dass ich ihm wieder vertraue und Geld gebe... Ich tu das selbstverständlich nicht, denn nach diesem Vorfall weiss ich ja, dass er nie mein bester Freund war...
Ende der Geschichte
*prof* |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 21.03.2006 um 08:47 Uhr
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(zitat)Ein selbstbestimmtes Leben, d.h. ich bestimme mein Leben selbst.
Meines Erachtens ist das nur dann der Fall, wenn ich zu dem was ich tue auch stehe und kein Geheimnis daraus mache. (/Zitat)
Das ist genau das, was ich mich frage....muß ich auf Teufel komm raus die Wahrheit sagen (die ja nur eine Form der Wirklichkeit ist - nämlich meine) oder habe ich nicht ebenso das Recht in Selbstbestimmung zu entscheiden, was ich verschweige.
Dabei denke ich nun nicht an irgendwelche großartigen Verbrechen, sondern an das ganz alltägliche Leben.
Bedeutet ein autonomes Leben nicht auch "konstruktive" Geheimnisse zu haben?
(Zitat)Gegenfrage : Angenommen, ich verschweige Celesete etwas. Könnte das nicht auch mit Celeste zusammenhängen ? ;-) (/Zizat)
Nein, könnte es definitiv nicht! Es könnte mit deiner Angst vor Celeste zusammenhängen, davor verlassen zu werden, Ärger zu haben, dass sie das Bild, das sie von dir hat auf eine Art revidiert, die dir nicht gefällt etc, etc....alles Dinge die bei dir stattfinden...oder um noch genauer zu sein, in deiner Vostellung dessen, was geschehen könnte.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 21.03.2006 um 08:47 Uhr
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(zitat)Ein selbstbestimmtes Leben, d.h. ich bestimme mein Leben selbst.
Meines Erachtens ist das nur dann der Fall, wenn ich zu dem was ich tue auch stehe und kein Geheimnis daraus mache.(/zitat)
Das ist genau das, was ich mich frage....muß ich auf Teufel komm raus die Wahrheit sagen (die ja nur eine Form der Wirklichkeit ist - nämlich meine) oder habe ich nicht ebenso das Recht in Selbstbestimmung zu entscheiden, was ich verschweige.
Dabei denke ich nun nicht an irgendwelche großartigen Verbrechen, sondern an das ganz alltägliche Leben.
Bedeutet ein autonomes Leben nicht auch "konstruktive" Geheimnisse zu haben?
(zitat)Gegenfrage : Angenommen, ich verschweige Celesete etwas. Könnte das nicht auch mit Celeste zusammenhängen ? ;-) (/zitat)
Nein, könnte es definitiv nicht! Es könnte mit deiner Angst vor Celeste zusammenhängen, davor verlassen zu werden, Ärger zu haben, dass sie das Bild, das sie von dir hat auf eine Art revidiert, die dir nicht gefällt etc, etc....alles Dinge die bei dir stattfinden...oder um noch genauer zu sein, in deiner Vostellung dessen, was geschehen könnte.
Celestine
herrje ist das schwierig mit den Zitaten Geändert am 21.03.2006 um 08:49 Uhr von Celeste_ Geändert am 21.03.2006 um 08:50 Uhr von Celeste_ Geändert am 21.03.2006 um 08:51 Uhr von Celeste_ |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 22.03.2006 um 21:03 Uhr
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Wenn man ein "autonomes" Leben führt, also nach eigenen Gesetzen lebend und unabhängig, stellen sich diese Fragen doch erst gar nicht. Weil in dem Fall stelle ja ich die Regeln auf.
Aber vielleicht kann man das Ganze hier mal ein bisschen konretisieren, weil sonst sprengt das ja den Rahmen.
Merlie :-) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 22.03.2006 um 22:58 Uhr
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Konkretisieren?
Vielleicht mit dem alten Schopenhauer:
"Wenn ich mein Geheimnis verschweige, ist es mein Gefangener. Lasse ich es entschlüpfen, bin ich sein Gefangener."
Es scheint m. E. eine Art kollektive moralische Übereinkunft in unserer Gesellschaft zu geben, dass Geheimnisse stets negativ sind. Wenn man sich z. B. Bekanntschaftsanzeigen anschaut, findet sich als Wunsch an den möglichen zukünftigen Partner in schöner Regelmäßigkeit "Ehrlichkeit".
Wo beginnt diese Ehrlichkeit? Wo hört sie auf, weil das Recht, irgendetwas mitzuteilen einzig beim Besitzer des Geheimnisses liegt?
Liegt meine Autonomie nicht besonders darin, dass ich entscheide, was ich hüte und was ich preisgebe?
Celestine
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| "Autor" |
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geschrieben am: 22.03.2006 um 23:49 Uhr
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die regeln lernt mensch @ merlie
und celeste hat prof in kurzfassung gebracht.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 23.03.2006 um 21:02 Uhr
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@celeste,
"Ehrlichkeit"... hmmm, bezieht sich in den Kontaktanzeigen nicht nur auf potentielle Geheimnisse, die jeder haben kann, sondern auch auf das absichtliche Verschweigen bestimmter Tatsachen, die nicht unbedingt ein Geheimnis sein müssen...
da ist irgendwo ne Doppelmoral drin, denn jeder kann dem anderen "Unehrlichkeit" zu jedem passenden Anlass vorwerfen...
Autonomie, hat man solange man sich selbst ist.
Hat man nicht, solange man aktiv am sozialen Leben teilnimmt (sprich mit Partner, Freunden, Verwandten und Bekannten umgeht).
In der eigenen persönlchen Isolation würde ich von einer Art Autonomie sprechen, was ist aber mit dem Kommunikationsbedürfnis des Menschen? Was ist, wenn das so wohl behütete Geheimnis einem selbst zur Last wird und ausgeplaudert werden will, egal mit welchen Konsequenzen?
*prof* |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 25.03.2006 um 01:56 Uhr
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Autonomie ist also Begleiterin der Askese ? Und ich dachte immer, es sei die Beschaulichkeit. Aber ist sicher nur eine Definitionssache.
Und wenn es aus Dir rauswill, - warum will es raus ? Ist es so furchtbar, daß es an die frische Luft muß ?
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.03.2006 um 12:30 Uhr
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Also zwischen Ehrlichkeit und Geheimnis ist meiner Meinung nach ein grosser Unterschied. Ein Geheimnis gebe ich - zumindest mal vorläufig - nicht preis, also stellt sich die Frage nach Ehrlichkeit zunächst mal nicht. Erst dann, wenn ich es weitergebe. Tja und dann ist es natürlich jedem selbst überlassen, was der damit macht.
Und warum ist ein Geheimnis negativ? Meiner Meinung nach ist es das nicht. Ich respektiere, wenn ein Mensch äussert: "Darüber möchte ich nicht sprechen" oder "Das ist meine Sache". Ich denke, wenn sich ein Mensch öffnet, dann wird er auch irgendwann in der Lage sein, seine "Geheimnisse" zu offenbaren. Und wenn nicht, dann ist das auch ok. Ich meine, wer macht sich schon gern zu 100% transparent? Und die Frage ist, muss man das überhaupt? Ich denke nein.
Was diese Kontaktanzeigen anbelangt so mein ich, dass sich diese "Ehrlichkeit" eigentlich darauf bezieht, dass die Menschen, die solche Anzeigen aufgeben, nicht veräppelt werden wollen. Sei es durch dämliche Antworten oder vielleicht durch Treffen, die nur dem einen Sinn dienen, sich vielleicht über sie lustig zu machen. Möglich oder?
Und Star - natürlich lernen wir Regeln. Aber niemand kann uns dazu zwingen, sie auch so zu leben. Wir haben immer noch die Wahl zwischen Ja und Nein.
Aber dieses Thema ist so pauschal gesehen für mich einfach schwierig. Es gibt so viele Arten von zwischenmenschlichen Beziehungen. Partnerschaft, Eltern/Kind, Berufsleben usw. Was wiederum jedes "Geheimnis" auf eine andere Ebene bringt.
Ok - das wars für heute - Merlie :-)
Geändert am 28.03.2006 um 12:32 Uhr von Merlie1 |
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geschrieben am: 28.03.2006 um 14:21 Uhr
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| "Autor" |
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geschrieben am: 28.03.2006 um 14:25 Uhr
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| Meiner Meinung nach hast du recht, was den Unterschied zwischen Geheimnis und Wahrheit betrifft. Mein Spruch ist "es gibt nur eine Wahrheit, alles andere sind bloß Ansichten"; nur wem darf zugeschrieben werden die Wahrheit zu erkennen? Autonomie bedeutet Selbstständigkeit. Ist Selbstständigkeit in unserer Zivilisation überhaupt möglich? Ist diese nicht nur noch geistig erlaubt/möglich? |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 29.03.2006 um 00:05 Uhr
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autonomie bedeutet in der wirtschaft, "daß nicht, wie bei Heteronomie, die Ordnung des Verbands durch Außenstehende gesatzt wird, sondern durch Verbandsgenossen kraft dieser ihrer Qualität (gleichviel wie sie im übrigen erfolgt".
und beim individdum bedeutet autonomie, siehe auch merlie, selbstgesetzgebung - als gegensatz zur fremdbestimmung. merlie unterliegt jedoch dem anschein des begriffs und achtet nicht auf dessen inhalt :
(zitat)Also drückt das moralische Gesetz nichts anderes aus als die Autonomie der reinen praktischen Vernunft, d. i. der Freiheit(/zitat)
..und damit isses nach kant schluß mit lustig mit eigenen gesetzen - weil diese ja dem moralischen gesetz unterliegen. und das ist auch die antwort auf
(zitat)Das ist genau das, was ich mich frage....muß ich auf Teufel komm raus die Wahrheit sagen (die ja nur eine Form der Wirklichkeit ist - nämlich meine) oder habe ich nicht ebenso das Recht in Selbstbestimmung zu entscheiden, was ich verschweige. (/zitat)
wahrheit zu einer "form der wirklichkeit" zu degradieren klingt schelmisch :-)
(zitat)Autonomie des Willens ist [..] die Beschaffenheit des Willens, dadurch derselbe ihm selbst (unabhängig von aller Beschaffenheit der Gegenstände des Wollens) [ ..] ein Gesetz ist. [..] Das Prinzip der Autonomie ist also: nicht anders zu wählen als so, daß die Maximen seiner Wahl in demselben Wollen zugleich als allgemeines Gesetz mit begriffen seien(/zitat)
nach kant ist es eines jeden pflicht, das schweigen zu brechen, wenn (einem dritten) unrecht droht, - da der schweigende automatisch zum mittäter wird. ein schönes beispiel : les miserables.
schädigt das geheimnis keinen dritten, so ist es moralisch vertretbar.
celeste hat sich jedoch auf etwas anderes eingeschossen :
(zitat)Geheimnisse haben einen schlechten Ruf. Es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen gilt nicht nur als unmoralisch, sondern als zerstörerisch für zwischenmenschliche Beziehungen. Geheimnisse zu haben, wird oftmals mit Vertrauensbruch gleichgesetzt. (/zitat)
der letzte satz ist natürlich unsinn. er macht erst sinn, wenn wir die vorsätze betrachten, die besagen:
geheimnis haben = es nicht mit der wahrheit nicht genau nehmen
damit lautet der letzte satz aber anders : "Es nicht mit der Wahrheit genau zu nehmen, wird oftmals mit Vertrauensbruch gleichgesetzt."
in diesem falle können wir getrost "oftmals" streichen, da die unwahrheit stets ein vertrauensbruch ist. denn eine der grundannahmen in der sprechakttheorie ist, daß das gegenüber die wahrheit sagt.
klar hat jeder das recht auf selbstbestimmung - doch muß auch jeder die konsequenzen ertragen, welche er / sie offenen auges eingeht.
Geändert am 29.03.2006 um 00:07 Uhr von starchaser |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 30.03.2006 um 08:48 Uhr
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@starchaser,
eine sehr interessante analyse und lehrreich noch dazu... *gg*
nee, ehrlich... aber sag mal... mir sind schon Leute begegnet, die von vornherein das Gegenüber mit einem gesunden Misstrauen zuhören und dessen, was gesagt wird als "Unwahrheit" interpretieren... egal, ob das Gegenüber nun die Wahrheit gesagt hat oder auch nicht...
Ich bezeichne solche Menschen gern als "Moralapostel", weil ich mir sicher bin, das sie andere Erfahrungen nicht akzeptieren, solange sie mit ihrem eigenen Lebenskonzept nicht übereinstimmen... Da frage ich mich:
Was hat das mit der Wahrheit an sich zu tun?
*prof*
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| "Autor" |
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geschrieben am: 30.03.2006 um 19:19 Uhr
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| hat hier jemand einen anderen der Unwahrheit bezichtigt ? |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 31.03.2006 um 10:43 Uhr
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(zitat)wahrheit zu einer "form der wirklichkeit" zu degradieren klingt schelmisch :-) (/zitat)
Merkwürdiges Wort in diesem Zusammenhang....
Ich will an einem Beispiel deutlich machen, was ich meinte:
Stellen wir uns vor, ich benachrichtige dich davon, dass deine Erbtante Elfriede gestorben ist. Du hörst diese Nachricht und damit ist für dich die Wahrheit:
Elfriede ist tot! (abgesehen davon, ob du möglicherweise zweifelst, nehmen wir einfach an, sie wäre schon seit längerem krank etc. etc. pp)
Leider habe ich mir einen ziemlich blöden Scherz erlaubt und Elfriede lebt!
Was nun widerum die Wahrheit wäre...ergo....solange du nicht weißt, dass ich einen zweifelhaften Humor habe, besteht deine Wahrheit darin, dass Elfriede tot ist.
(zitat)nach kant ist es eines jeden pflicht, das schweigen zu brechen, wenn (einem dritten) unrecht droht, - da der schweigende automatisch zum mittäter wird. ein schönes beispiel : les miserables.
schädigt das geheimnis keinen dritten, so ist es moralisch vertretbar. (/zitat)
Nun wird es richtig haarig. Moral ist kein objektiv messbarer Wert. Wann "schädige" ich einen Dritten? Und wann schädige ich nicht vielmehr aus meinem Sendungsbewußtsein heraus den Besitzer des Geheimnisses?
Auch hier ein konstruiertes Beispiel - aus dem beliebten Bereich der zwischengeschlechtlichen Beziehung ( und NEIN an alle lieben Chatpostschreiber: ich bin nicht im Chat auf irgendwen hereingefallen und ebenfalls NEIN, mich umflort auch kein düsteres Geheimnis. Ich habe einfach einen Artikel zu diesem Thema gelesen und seither beschäftigt mich die Sache )
Beispiel also: Ich erfahre vom Betrug des Herrn X an seiner Ehefrau mit seiner Friseuse. Was schädigt wen? Verpfeife ich ihn, schädige ich möglicherweise Frau X. Ihr Weltbild einer heilen Ehe bricht zusammen (wer bin ich, dass ich es ihr nehme?), sie läßt sich scheiden und lebt hinfort mit ihren beiden minderjährigen Kindern in einer Zweizimmerwohnung.
Schädige ich vielleicht die Friseuse? Weil Frau X in ihrer verständlichen Wut in den Salon kommt, einen Riesenrabatz macht und die Friseuse daraufhin ihren Job verliert?
Schädige ich damit nicht Herrn X? Aus nachvollziehbaren Gründen...
Also: Wäre in diesem Fall der Schädiger von irgendwelchen Dritten nicht derjenige, der das Geheimnis ausplaudert anstatt der, der es bei dem beläßt, dem es gehört?
@ prof.
Du bringst es mit deinem letzten Satz auf den Punkt. Irgendwie hat die ganze Geschichte etwas mit vermeintlicher Moral zu tun. Danke :-)
Celestine Geändert am 31.03.2006 um 10:51 Uhr von Celeste_ |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 31.03.2006 um 20:44 Uhr
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Ja, ich sehe schon, es gibt gewichtige Verantwortlichkeiten abzuschätzen. Der arme Herr X sieht sich vermeidbaren Schwierigkeiten ausgesetzt und seine Kleine (die kaum ihren Job verlieren würde) sieht sich (eventuell) einer Szene konfrontiert. Und Frau X könnte es obendrein schlechter gehen als vorher. Ach herrjeeeh - wieviel Ungemach ! Und wenn X Urlaub macht in Thailand und seine Friseuse derzeit im Salon tätig ist, greift er sich halt dort eine 12-jährige. Soll ja ab und zu vorkommen. Auch hier halten wir lieber die Lippen zusammengepresst, da die Familie des Mädchens von Xens Geld abhängig sein könnte. Das Leben ist echt recht komplex ;-)
Gehen wir davon aus, daß Frau X in der schwächeren Position ist und sich glücklich in ihrer Beziehung schätzt. Gesetzt den Fall, die beiden haben sich nicht anders vereinbart, dann wäre Madame X das Opfer. Das Opfer in dieser Situation "schützen" zu wollen erscheint nicht sonderlich glaubwürdig. Bis peccat, quis negat, pflegten die ollen Römer in jenem Falle zu sagen.
Aber : Wenn Du an der Stelle von Frau X wärest und Du (tief und innig) möchtest, daß Deine Umgebung zusieht, wie Dir Hörner aufgesetzt werden, weil Du lieber in einer Scheinwelt vegetierst und im stillen darauf hoffst, den ersten April tatgäglich zu feiern, dann wäre das für Dich ein Gesetz. Leider wäre es jedoch kaum als allgemeingültig anzusehen.
Überdies handelte es sich bei deinem Beispiel um kein Geheimnis. Es war wohl ein offenes "Geheimnis", - sonst hättest Du kaum davon erfahren. Damit trifft die Definion nicht und der Fall paßt nicht so recht.
Da Elfriede nicht tot war, war es nicht die Wahrheit. Und es dürfte auch kein Geheimnis gewesen sein, daß Elfriede am Leben ist.
Moral ist zudem nach obiger Definition sehr wohl messbar, da die Prämisse ein allgemeingültiges Gesetz ist. |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 31.03.2006 um 22:01 Uhr
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hmmm,
welche Moral ist messbar? Jede, sei sie ethischer, gesellschaftlicher oder persönlicher Natur?
Woran misst sie sich?
An der vermeintlichen Wahrheit? Oder an dem Grad der Glaubwürdigkeit desjenigen, der die "Wahrheit" sagt?
Aber was ist denn Wahrheit? Sie ist subjektiv und objektiv zu betrachten, gut das wissen wir ja... Aber wie können wir sie für uns interpretieren, ohne dass wir uns gleich hinter irgendeiner Moral verstecken müssen?
Fakten= offensichtliche Tatsachen=reale Wirklichkeit?
Oder erscheint es uns nur so?
Indizien= nicht offensichtliche Tatsachen=reale Wirklichkeit?
Hier erscheint es uns nur so, als wäre es Wirklichkeit, da wir ja nicht alle offensichtlichen Fakten kennen...
Nun zurück zum Geheimnis...
Geheimnis=verborgene Wahrheit=verborgene Realität?
Nicht immer, weil man ja nicht weiss, ob ein Geheimnis ebenso wahr sein kann wie eine offensichtliche Tatsache.
Daran liegt wohl unser Problem hier...
Also ist Geheimnis demnach von der Glaubwürdigkeit desjenigen abhängig, der dieses Geheimnis bewahrt oder weiter erzählt. Desweiteren ist es abhängig davon, wie wahr dieses Geheimnis nun wirklich ist, unabhängig von der Glaubwürdigkeit und der Moral desjenigen...
Wenn also dieses Geheimnis sich absolut wahr herausstellt, dann kann man im nachhinein auch von einer offensichtlichen Tatsache sprechen, wenn das Geheimnis weiter erzählt wird, dann wäre es eine reine Wahrheit bzw. eine reale Wirklichkeit...
Alles andere wäre Schein bzw. Lüge...
*prof*
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| "Autor" |
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geschrieben am: 01.04.2006 um 17:30 Uhr
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(zitat)Da Elfriede nicht tot war, war es nicht die Wahrheit.
Und es dürfte auch kein Geheimnis gewesen sein, daß Elfriede am Leben ist. (/zitat)
Darum geht es in dem Beispiel doch gar nicht.
(zitat)Überdies handelte es sich bei deinem Beispiel um kein Geheimnis. Es war wohl ein offenes "Geheimnis", - sonst hättest Du kaum davon erfahren. Damit trifft die Definion nicht und der Fall paßt nicht so recht. (/zitat)
Natürlich habe ich davon erfahren. Ich bin nämlich die Schwester von Herrn X und habe ein ausgezeichnetes Verhältnis zu meinem Bruder.
(zitat)Moral ist zudem nach obiger Definition sehr wohl messbar, da die Prämisse ein allgemeingültiges Gesetz ist.(/zitat)
Möglicherweise war es zu Kants Zeiten so, zumal er nie über Königsberg hinaus kam. Die Welt ist kleiner geworden seither und die Moralvorstellungen des ländlichen Oberbayern unterscheiden sich schon ganz erklecklich von denen in Berlin-Mitte.
Über Unterschiede moralischer Art zwischen weiter entfernt liegenden Kulturkreisen möchte ich gar nicht spekulieren. Von einem "allgemeingültigen Gesetz" zu reden, halte ich für blauäugig. Was auch immer du alse Prämisse ansehen magst.
@ prof
(zitat)Alles andere wäre Schein bzw. Lüge... (/zitat)
Irgendwie beißt sich da die Katze in den Schwanz und mein Gehirn kriegt Knoten.
Celestine
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| "Autor" |
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geschrieben am: 01.04.2006 um 21:13 Uhr
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über dies thema lässt sich streiten, oder auch nicht.
was mich betrifft, so halte ich es mit meiner wahren wahrheit so, dass ich mir sage: "...mir zum wohle und anderen nicht zum schaden.."
will sagen, ich muss mit meiner "wahrheit" leben können - auch mit der, die ich lieber verschweige, falls nötig.
sollte mich einer doch mal bei der unwahrheit ertappen, muss ich wenigstens den mut besitzen, zu meiner unehrlichkeit zu stehen -
das ist auch schon alles ;-) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 01.04.2006 um 23:15 Uhr
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die entscheidende frage blieb jedoch unbeantwortet :
(zitat) Wenn Du an der Stelle von Frau X wärest und Du (tief und innig) möchtest, daß Deine Umgebung zusieht, wie Dir Hörner aufgesetzt werden, weil Du lieber in einer Scheinwelt vegetierst und im stillen darauf hoffst, den ersten April tatgäglich zu feiern, (/zitat)
aber weiter im text :
(zitat)Die Welt ist kleiner geworden seither und die Moralvorstellungen des ländlichen Oberbayern unterscheiden sich schon ganz erklecklich von denen in Berlin-Mitte.
Über Unterschiede moralischer Art zwischen weiter entfernt liegenden Kulturkreisen möchte ich gar nicht spekulieren.(/zitat)
wenn kants gesetz angenommen wird - oder der dekalog - oder der koran oder... dann unterscheiden sie sich nur in nuancen. wenn moral jedoch etwas individuelles ist, wie du vorschlägst, dann hat jegliche moralische fragestellung keinen wert mehr, da jegliche übereinkunft fehlt. eben deshalb setze ich eine recht vebreitete meinung in den thread.
zudem - die konstruktion nimmt also feste formen an. steht sie in bezug zum eigentlichen thema ? dann läßt sich erahnen, daß ein vorwurf im raum stand : "du hast es gewußt und mir nichts gesagt. und ich hab dir vertraut !" oder so ähnlich (vertrauensbruch und so zeuchs). nach kants gesetz wäre das urteil dann klar und eindeutig.
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| "Autor" |
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geschrieben am: 01.04.2006 um 23:26 Uhr
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@prof
(zitat)welche Moral ist messbar? Jede, sei sie ethischer, gesellschaftlicher oder persönlicher Natur?
Woran misst sie sich? An der vermeintlichen Wahrheit? Oder an dem Grad der Glaubwürdigkeit desjenigen, der die "Wahrheit" sagt? (/zitat)
es gibt nur eine wahrheit. ganz streng genommen ist wahrheit die übereinstimmung zwischen der absoluten wirklichkeit und dem denken. da zwischen beiden die sinne liegen, welche bekanntlich nicht lückenlos arbeiten, ist die beurteilung der wahrheit schwierig - insbesondere für widerstreitende personen (wahrnehmung). die persönliche wahrnehmung, auf welche du anspielst klingt - pardon- rabulistisch. ok, ich korrigiere : nennen wir es relativistisch.
auch der unglaubwürdigste kann eine wahrheit als solche erkennen und äussern, - ob sie ihm geglaubt wird (werden mag) oder er zu kassandra wird, zum spielverderber, ist eine andere sache. das spielt jedoch bezüglich der wahrheit keine rolle, da es nur eine geben kann - auch wenn zwischen den wahrnehmenden und denkenden keine übereinstimmung besteht, weil sie verschiedene kriterien anwenden.
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