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geschrieben am: 18.08.2006 um 13:17 Uhr
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Wie versprochen die Fortsetzung...
Als die Nachtschwester kommt, liegt Hanna schon lange wach. Ihre Augen sind geschlossen, niemand darf ihre Gedanken ahnen. Sie hat von grünen Tulpen geträumt und von toten Wellensittichen, von in der Luft fest gefrorenen Vögeln, Eisskulpturen, die der Wind geformt hat. Hat von Kindern geträumt, die Schlingen um die Hälse der Wellensittiche legen und sie grinsend mit harten Händen zuziehen, Kinder die hohnlachend mit ihrer ganzen Kraft zudrücken.Auch als sie wach liegt, zieht sich ihr der Hals noch zu. Sie sieht die Gesichter, hört die Stimmen. Sagt sich die Namen auf wie ein Fluch. Wenn sie nur vergessen könnte, wenn sie nur lieben könnte.Aber vielleicht ist ihr Herz zu eng.Sie sehnt sich nach anderen Leintüchern, nach anderen Träumen, anderen Düften. Vielleicht nach den Düften des Apfelbaums daheim im Garten, nach dem Gefühl von Gras zwischen den Fingern und dem leisen Wind, der im Laub der Bäume vor sich hin pfeift. Es ist lange her, seit sie dort war, manchmal glaubt sie fast, dass es besser wäre, alles außerhalb dieser weißen Wände zu vergessen. Es wäre einfacher, tiefer in den Irrsinn zu versinken als den Versuch zu wagen, sich aus dieser verrückten Welt zu lösen. Das Schweigen der Wände täuscht, ab und zu vibrieren sie von Schreien, öffnen sich über Abgründen oder bewegen sich langsam nach innen, drücken gegen die Haut und die Gedanken, verdrängen auch noch den letzen streifen Licht. Sie weiß, dass dies ein Gefängnis ist und kein Ort der Pflege. Sie weiß, dass sie bestraft wird, weil sie anders ist, weil es ihr nicht gelingt, das Leben zu lieben. Die Nachtschwester schwebt vorbei, zieht fremde Düfte mit sich, das Geräusch kleiner Absätze. Bückt sich über das Bett, tastet mit den Augen über ihr Gesicht. Seufzt leise, bedauert den jungen Irrsinn. Doch die Welt ist böse, also ist es vielleicht nicht weiter verwunderlich. Viele kommen hierher, die versucht haben, das Leben zu zerschneiden. Sie kommen, um die äußeren und inneren Wunden zu heilen. Manchmal gelingt es. Dann sind keine Spritzen, keine Medikamente mehr nötig. Irgendwo atmet das Licht. Wenn sie die Augen schließt und die Ohren anspannt, kann sie es hören. Sie greift nach der Erinnerung an Großvater und lässt sich von seinen alten Händen mit Trost bedecken. Er flüstert, dass sie die Zukumpft malen soll, die darf sie nicht auch noch entgleiten lassen. Sie nickt und schlingt ihre Arme um die angezogenen Beine. Ein Panzer gegen die Luft. Ihre Augen sind weit aufgesperrt, das Blau färbt sich, wird zu schwarz. Erinnerungen überspülen die Haut, sie lässt sie kommen, wie es ihnen gefällt. Sie befindet sich nicht in diesem Zimmer um zu vergessen, sondern um eine hellere Welt zu malen. Sie lauscht dem schweigen, der leere, will, dass die Nachtschwester zurück kommt, dass der lebendige weis gekleidete Körper, die lebendigen Hände, die Anwesenheit eines Menschen zurückkehren. Hauptsache, jemand ist in der Nähe. (Nummer 3) |
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