[b]Warnung: Das Weiterlesen kann ihre religiöse Empfindung verletzten...[/b]
Hallo Chicita!
Es scheint nicht nur bei mir so zu sein: Erst wenn ich meine Gedanken
niederschreiben muß, bin ich gezwungen, diese in eine brauchbare Ord-
nung zu bringen (ich schaffe es nicht immer) - aber erst diese harte
Arbeit an der schriftlichen Formulierung ermöglicht oft erst den Ab-
schluss (die Abrundung) des ChaosŽ.
Ganz schlau werde ich daraus nicht, wenn du meinst:
"...da war kein gott, der mir hätte trauer und wut nehmen können, keine
religion, die mir hätte helfen können, nur ein glaube an mich selbst
und meine eigene kraft,..."
"...wobei ich von einem glauben spreche, der freiwillig und ohne druck
geschieht..sowei einer, der nicht anderen den glauben aufzwingen möchte..."
Nach dem ersten Teil dachte ich, daß du Atheistin bist, aber nach dem an-
deren Satz klingt es eher so, als wenn du wie Roseanne deinen ganz eigenen
"Gott" hast. Aber zu dem zweiten Satz von dir - es gibt da ein wunderbares
Zitat:
"Der Glaube einer gottesdienstlichen Religion ist ein Fron- und Lohnglaube
und kann nicht für den seligmachenden angesehnen werden, weil er nicht mo-
ralisch ist. Dieser muß ein freier, auf lauter Herzensgesinnungen gegründe-
ter Glauben sein." Kant
Hallo Vero!
Es ist eine plausible Erklärung, wenn du das Versagen der Schutzmauer Glauben
auf "Wenn das Leben ihnen mit der vollen Härte eines «Kalküls» entgegentritt,"
zurückführst. Mein Problem dabei ist nur, das die Personen, die ich meine,
keinen harten Schlag hinnehmen mußten, es war wahrscheinlich eher der stetige
Tropfen, der den Stein höhlte (...was ja eigentlich nicht passieren dürfte...).
Übel, übel - jetzt ist meine Denkmaschinerie in Gang gekommen, und ich kann
sie nur stoppen, in dem ich eine längere Abhandlung verfasse und damit die
Sache abhake. Ich will ja nicht, aber ich mus mus, apfelmuß...
Religion und sonstige anleitende Verfahren: Sehr viele Menschen (die Mehrheit?!)
benötigen Führung (...ja, ich habe mit Absicht dieses Wort benutzt, es soll ne-
gative Assoziationen erzeugen!), die einen mehr (bis zu total), andere weniger.
Freiheit kann als Chance oder als ängstigende Ungewissheit empfunden werden.
Ich vermute, daß es eine unglauliche Erleichterung ist, und so absurd es auch
klingt, sogar befreiend ist, Verantwortung für sich selber abzugeben, und sich
wie ein Kind von der Hand der Mutter führen zu lassen (Geborgenheit).
Ich muß auch mal in meinem dicken Zitatenwälzer wühlen:
"Metaphysik: Kinder, die nicht lesen können, halten ernst ein Buch vor sich
und sagen, was sie wollen, daß darin steht." Otto Stössl
"Denken ist eine Anstrengung, Glauben ist Komfort." Ludwig Marcuse
"Im Unglaube liegt die größte denkbare Anstrengung des Menschen gegen seinen
eigenen Instinkt und Geschmack." Galiani
"Die Religion ist eine Art geistiger Fusel, in dem die Sklaven des Kapitals
ihre Menschenwürde und ihren Anspruch auf eine halbwegs menschliche Existenz
ersäufen." Lenin
"Heute beim Aufstehen kam mir der Gedanke, wie es doch recht merkwürdig ist,
daß gerade die Völker, denen die Sonne besonders heiß auf den Schädel brennt,
sie als Gott verehren. Alle Sonnen- und Feueranbeter wohnten im heißen Süden,
wie die Assysrer, Phönizier, Perser. Den Völkern des Nordens ist dieser Kult
nicht in den Sinn gekommen, und doch hat man in unserem Klima gewiß mehr
Grund zur Dankbarkeit und Freude, wenn die seltene Sonne sich am Himmel zeigt,
als da, wo sie sengende Glut und oft Gefahr und Verderben bringt. Aber die
alten Germanen verehrten nicht die Sonne, sondern den Blitz und den Donner.
Auch hierin zeigt sich die Hundenatur des Menschen. Sie lieben und verehren
den, vor dem sie sich fürchten." Bismarck
Was mich aber immer stört, ist die Aussage: "Religion kann man nicht mit Ver-
stand und Logik begreifen/beurteilen!!!!!!!!!!!!!!!! |