|
|
|
geschrieben am: 07.01.2003 um 09:55 Uhr
|
|
An alle,
der Titel meines Beitrags macht bereits recht deutlich, um was es inhaltlich gehen soll. Es ist mir ein großes Bedürfnis, hierzu zu schreiben: und vor allem ist es mir ein großes Bedürfnis, es in diesem Forum zu tun. Daher bitte ich die Moderation, den Beitrag hier stehen zu lassen, da er zwar meines Erachtens nach immer und in allen Lebenslagen Gültigkeit besitzt, aus aktuellem Anlaß aber direkt auf die Rollenspieler gemünzt ist.
Im Laufe langjähriger Beobachtungen im Bereich des zwischenmenschlichen Miteinanders möchte ich zu Beginn folgende Erkenntnis zugrunde legen, eine Erkenntnis, die sicherlich niemandem von euch fremd ist. Es gibt Menschen, die Dinge tun, welche schlicht und ergreifend jedwede gesellschaftliche Norm sprengen. Früher war das ganz einfach: da genügte es, sich die Haare grün zu färben. Es gab engere Grenzen, die man leichter überschreiten konnte. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, Grenzen zu überschreiten, um daran zu wachsen. Nun ist es aber so, daß in der heutigen Zeit derart viel in Frage gestellt wird, daß man nicht mehr weiß, wo oben und unten und was richtig und was falsch ist, ob man nicht vielleicht hier einen Kompromiß gelten lassen kann oder ob es nicht verständlich ist, daß jemand vielleicht dies und jenes tut. Es ist ganz normal, daß viele nicht mehr klar entscheiden können und wollen. Dazu kommt, wenn man heute Grenzen überschreiten will, muß man das meist im Extremen tun, da alles andere ja bereits toleriert scheint, selbst wenn es noch belächelt wird. Dies ist nur eine der Folgen einer ungesunden Reizüberflutung.
Gleichsam möchte ich bei allem Verständnis für die Sehnsucht nach Grenzerfahrungen – welche ich zum Beispiel darin finde, meine eigenen Schwächen zu überwinden – ganz vehement auf den Tisch hauen, denn: Es gibt Dinge, die einfach nicht toleriert werden dürfen und gegen die man sich unbedingt zur Wehr setzen muß! Ich kann nur eindringlich davor warnen, daß hier keine Scheuklappen angebracht sind, keine Bequemlichkeit und kein es-hat-mich-ja-nicht-betroffen.
Was aber gehört zu solchen Dingen, die man niemals geschehen lassen darf ohne sich dagegen zu erheben? An dieser Stelle möchte ich mich auf unsere Verfassung berufen, mit welcher viele – auch ich – in den meisten Fällen sehr wenig anfangen können. In unserer Verfassung wird aber ein wesentliches idealistisches Element als grundlegender Bestandteil unserer Gesellschaft festgeschrieben.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu
schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Grundgesetz Artikel 1
Dazu ist zu beachten, daß noch kein einziges Gesetz allein durch sein Bestehen dafür gesorgt hat, daß der Inhalt dieses Gesetzes sich selbsttätig umsetzte. Wäre es derart einfach, daß alle Menschen das Verständnis dafür hätten, warum solch ein Gesetz sinnvoll und von aufrechter Güte ist, wäre es nicht nötig, dieses Gesetz zu erlassen. Ja, es gibt überall in der Welt, überall zu jeder Zeit und in allen gesellschaftlichen Schichten Vorfälle, welche die Würde des Menschen im einzelnen und im Kollektiv mit Füßen treten, und NEIN, das ist NICHT richtig und NICHT tolerierbar. Somit weigere ich mich schlichterhand zu akzeptieren, daß Kriegsverbrechen, Vergewaltigungen, Morde, Kinderschändungen einfach passieren.
Gewiß ist es unmöglich, gegen all die ungeheuerlichen Schandtaten die Hand zu erheben. Niemand alleine kann die Armut in Afrika oder Asien lindern, niemand kann alleine den Weltfrieden erwirken, und anbetracht all dessen, was gegen jede Bemühung arbeitet, scheint es oft sinnlos zu sein, sich überhaupt zu bemühen. Aber, so erfolglos man auch sein mag, wenn man sich als einzelnen Menschen in den Kontext zur gesamten Welt (!) setzt, Civilcourage zu zeigen ist niemals sinnlos.
|
|
|
|
|