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geschrieben am: 21.03.2003 um 10:33 Uhr
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Unlängst versiegten ihre Schritte, ließen sie inne halten, kaum daß sie den Abstand auf fünf Armeslängen verringert hatte - eine Angewohnheit, die sie vom Ordensmeister des Reinigenden Lichts übernommen hatte, welcher die Ansicht vertrat, daß es leichter war, zuviel an Abstand zu verringern, als zu wenig an Abstand wieder herzustellen. Und gleichsam wogten die Insektenschwärme noch einmal um sie auf, als ob sie dem Geiger mitteilen wollten: Sieh, sie ist wieder hier. Aber sie ist ganz anders!
Es war, als habe sie begonnen, mit dem Land, mit der Welt zu sprechen, ohne daß sie Worte dazu gebrauchte, und der Blick nächtlich dunkler Teiche ihrer Augen, einen angenehmen, sanften, unüberwindlichen Kontrast zu der Helle des Antlitzes bildend, fand noch bevor sie einen Gruß sprach die Gestalt der Weichenden, die genau dadurch die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, und wie alles, was der Unsterblichkeit gehörte oder ihr nah war, ließ eben diese Aufmerksamkeit nicht mehr ab.
Die Empathin, die sie war, war zweifelsfrei nicht in der Lage, die gedanklichen Dialoge der Zwiegespaltenheit in FerazŽ Geist zu verfolgen, denn die Empathen besitzen eine gesunde Skepsis gegenüber der Telepathie, die dazu nötig geworden wäre, und die sie nicht einmal dann beherrscht hätte, wenn ihre Abneigung gegen den Gebrauch derselben nicht an Übelkeit gegrenzt hätte.
Was ihr aber sehr wohl auffiel, gewissermaßen nicht entgehen konnte, waren zwei Dinge: zum Einen mußte Feraz Schmerzen haben, wenn das Wasser ihre Sohlen verätzte, und diese empfand sie dank Empathie am eigenen Leib, als ob es ihre wären, und inzwischen sogar wieder in der Lage war sie, zu unterscheiden, von wem diese wirklich kamen. Reglos aber trug sie das Empfundene, denn mit dieser Gabe lernte man früh, ein hohes Maß an Schmerz erdulden zu können. Und zum Zweiten trug sie sicherlich eine außerordentliche Zerrissenheit in sich, die in Ira die Empfindung entwarf, daß sie es hier mit zwei Personen zu tun hatte, anstelle mit einer, doch erklären konnte sie sich das nicht, es war nur ein Eindruck, der noch undeutlich war.
Und doch intensivierte sich der Blick ihrer Augen, bis daß das Indigoblau an Tiefe gewann, die dem des Alls gleichkam, und vielleicht verbargen sich die Sterne darin selbst nur in einer größeren Weite, als ihr Licht überwinden konnte. Als sie dann sprach, war ihre Stimme wie Bronze und Kristall, gleichsam von wohltuender Wärme als auch von einer grausam schönen Kälte, und beides einte sich friedlich, obwohl das unmöglich schien. "Bitte... wollt Ihr dort nicht heraus kommen?" Ihre Hand wies in einer sachten Regung auf die Pfütze. Ihr tut mir weh. Und Euch auch."
Die Sicherheit, mit der sie dieses "erriet" war ganz erstaunlich, und in diesem Moment konnte man in ihren Augen auch den Grund erkennen, warum sich solche Widersätze so einig in ihr fanden - da war ein Wille in ihr, größer und stärker als er sich je würde bezähmen oder zerbrechen lassen, und das war das Geheimnis.
"Und nehmt auch meinen Gruß, ich kam in freundlicher Absicht.", setzt sie ruhig hinzu, keine Anstalten machend sich weiter zu nähern, obgleich die Willenskraft vermutlich an die dunkle, hungrige Seite Feraz ganz andere, wort- und gedankenlose Botschaften sprach, so diese Persönlichkeit in der Lage war, den Ausdruck der dunklen Augen zu interpretiern. Versuch es... versuch es, wenn du den Mut hast... Gleichzeitig aber erweckte es die Ahnung, daß sich die Dinge veränderten, wenn man sich auf Höllenstern einließ - denn es entsprach ihrer Natur.
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