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geschrieben am: 12.01.2004 um 18:45 Uhr
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So, da ich "versprochen" habe, mich hier auch mal zu äussern, tue ich das nun mal. Ein sehr komplexes Thema obwohl ich nicht so viel Zeit habe nun, aber ich werde mein möglichstes geben.
Zuerst einmal: Anarchie ist (für mich, bitte auch im restlichen beachten, ich kann nur meine subjektive Meinung schreiben) NICHT Zerstörung und Chaos. Dies ist ein Bild, das von den Medien und auch manchen Philosophen zwar gerne geschaffen wird, aber das ist nun einmal schlichtweg FALSCH. Und jemand der das unter Anarchie versteht, sollte mal anfangen selbständig zu denken und aufhören zu denken, alles was die BILD (als Synonym auch für andere reaktionäre Medien) schreibt und der Fernseher zeigt sei wahr. Natürlich ist es schön leicht, einfach irgendwelche dummen Vorurteile zu glauben und in Schubladen zu denken, aber ob das der richtige Weg ist?? Ich bezweifel das, aber möchte nun nicht zu sehr abschweifen.
Der Begriff Anarchie wurde schon vor langer Zeit geprägt, durch einige Philosophen positiv aber in vielen Werken auch negativ. Er kommt aus dem lateinischen, und wie Haymarket schon sagte, ist die Übersetzung in etwa "ohne Herrschaft".
Ohne Herrschaft zu leben, bedeutet aber nicht, alles in Schutt und Asche zu legen, denn das wäre wirklich Chaos, und ganz bestimmt kein Ziel der Anarchisten. Für die "Regierungsform" der Anarchie gibt viele unterschiedliche Theorien, so dass wohl im seltensten Fall zwei Anarchisten völlig übereinstimmen würden. Ansätze hierfür sind in etwa Basisdemokratie, Syndikate und die absolute Freiheit. Die Ziele sind im groben aber doch sehr ähnlich, und das oberste ist eigentlich immer die Freiheit des Individuums in vollem Umfang.
Um die Anarchie in der Praxis zu ermöglichen, muss es wohl allerdings erst eine Revolution geben, und zwar keine mit viel Blut etc., sondern in den Köpfen jedes einzelnen Individuums. Und um dann Freiheit zu leben, braucht es keine Gesetze (denn die sind ein totaler Gegensatz zur Freiheit) und Organisation, sondern nur ein wenig Struktur.
Wie die Anarchie dann wirklich funktioniert, kann wohl niemand sagen, da sie noch nie wirklich praktiziert wurde, höchstens mal hervorgerufen. Das Problem an Kommunen und kurzzeitig anarchistischen Staaten ist auch nicht die Unmöglichkeit der Anarchie, sondern einfach die fehlende Sozialisation in dem entsprechendem "System". Denn unsere Werte etc. sind so stark von unserem "demokratischen" (haha) System manipuliert, dass sich da niemand von frei sagen kann, sprich, es ist eine ganz andere Sozialisation nötig.
Die Anarchie als endgültiger Zustand ist für mich eine schöne Utopie, bei der ich allerdings auch weiß, dass sie zumindest während meinen Lebzeiten keinen bahnbrechenden Erfolg bringen kann. Aber der Weg dorthin mit mehr Freiheiten und Gerechtigkeit für jeden sind für mich sehr wichtige Ziele, für ich ich jederzeit zu "kämpfen" bereit bin.
Aber Utopie heißt ja auch immer, dass dieses ein hohes Ziel ist, welches aber durchaus durchführbar ist in einer unbestimmten Zeit. Ob die Mneschen den Weg bis dahin allerdings überstehen, bezweifel ich doch recht stark, aber dann gibt es diese Probleme auch nicht mehr.
Sehr richtig und gut fand ich auch die Bemerkung von Haymarket, dass es einfach unmöglich ist, gezielte Fragen zu beantworten wie was in der Anarchie wäre, denn wer sagt, dass es unsere Probleme dann noch gibt? Denn bei den meisten Verbrechern ist es doch nicht eine Krankheit der Person, die diesen zu solchen Taten veranlasst, sondern ihre (fehlende) Sozialisation und Probleme in und mit unserer Gesellschaft etc.
Und solange es keine Veränderung gibt, werden diese Probleme auch nie behoben werden können, denn auch die mögliche Verurteilung zum Tode etc. hindert Menschen nicht an Verbrechen. Eher im Gegenteil, denn in Staaten (z.B. auch Bundesländern) mit starker Polizei etc. sind Verbrechen mehr an der Tagesordnung als anderswo ... obwohl dort noch viel mehr verheimlicht und verfälscht wird als in libertäreren Staaten.
Was mich allerdings auch mal interssieren würde, da ich mich damit noch nicht so stark auseinandergesetzt habe, wie die "Anarchie" in vergangenen Tage (von Haymarket aufgeführt) funktioniert hat, woran sie gescheitert sind und wie es dort z.B. mit der Judikativen etc. aussah und ob es sowas dort überhaupt gab, da dies ja wieder ein Widerspruch zum Wesen der Anarchie ist.
Als Schlusswort möchte ich dann noch sagen: Anarchie ist machbar, auch wenn es ein langer Weg bis dahin ist ... aber auch das feudale System wurde von der Demokratie nicht mit einem Mal verdrängt, sondern ganz allmählich Schritt für Schritt ersetzt.
Bei Fragen, fragt, ich werde versuchen zu antworten auch wenn dies dauern kann, ansonsten vielen Dank fürs aufmerksame Lesen.
cya @ll or not ... Sinnlos
(Menschen sterben und ihr schweigt - Scheiben splittern und ihr schreit) |
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