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geschrieben am: 12.01.2004 um 11:44 Uhr
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Hallo Haymarket,
Weil du Kommunen ansprichst, die ja sicherlich eine der kleinsten Formen von Anarchismus ist, also daher noch am ehesten funktionieren müssten; dazu hab ich vor kurzem eine Dokumentation gesehen, wo Leute, die in den 70-er Jahren in Kommunen lebten, dazu befragt wurden, was daraus wurde und wie sie das im Rückblick sehen würden(übrigens hatten sich alle Kommunen aufgelöst).
Die Leute sagten, dass es nicht machbar gewesen wäre, dass die Aggressionen und Eifersüchteleien so angestiegen seien im Laufe der Zeit, dass sie zum Teil seit Auflösung der Kommune kein Wort mehr miteinander reden würden.
Eine Kommune hatte sich ein Bauernhaus gekauft, wo ein Teil daheim blieb, um die Kinder zu versorgen, landwirtschaftlich arbeiteten, um so viel wie möglich selbst produzieren zu können, der andere Teil fuhr täglich zur Arbeit. Anfangs lief auch alles super, jeder war bemüht, seinen Teil beizutragen, aber mit der Zeit entstand Gruppenbildung, die einen regten sich darüber auf, dass einer den Ton angeben würde, die Frauen stritten sich untereinander um Waschpulver oder irgendwelchen Kinderkram.
Eine andere Kommune ging auseinander, weil es einen gab, der sich dort als Oberguru aufführte. Dort gab es wöchentlich einen Abend, an dem jedes Mitglied in einen Kreis treten musste, um über alles zu sprechen, was ihn bewegte...das Ganze sah so richtig nach Therapiestunde aus (es gab zu allen Kommunen Filmausschnitte, weil das große, damals öffentlich propagierte Kommunen waren, die teilweise aus bis zu 15 Personen bestanden). Das sollte dazu dienlich sein, dass sich keine Aggressionen aufstauen, aber die vor kurzem Befragten meinten, dass das schrecklich gewesen wäre, weil sie sich nicht immer dazu bereit gefühlt hätten, was in ihnen vorging, allen mitzuteilen, sie hätten sich nonverbal gezwungen gefühlt, Gefühle offen darzustellen, und daher hätten sie oft einfach eine Show abgezogen.
Eine Kommune stand auch für freien Sex nach dem Motto: keine Eifersucht - jeder mit jedem, woraus auch so einige Kinder hervorgingen, die heute teilweise in Therapie sind, weil sie - dort aufgewachsen - keine Zugehörigkeit spürten, weil sie eben "allen" gehörten.
Hinterher meinte Jeder von den Befragten, dass es dennoch unterschwelige Eifersucht gegeben hätte....unterschwelige Aggressionen, die sich dann bei Kommunenende explosionsartig Luft machte.
Die Doku berichtete von 5 Kommunen, ca. 20 Kommunenmitglieder wurden befragt.
Jeder Einzelne meinte, dass diese Form des Zusammenlebens eine Utopie ist - nicht machbar, weil es am menschlichen Charakter scheitern würde. Auch wenn nach außen Gleichheit, Freiheit und Toleranz zur Schau getragen wird, innerlich schwelen all jene menschlichen Schwächen, die so ein Projekt zum Scheitern verurteilen.
Und bei jeder Kommune hatten sich mit der Zeit "Leitwölfe" herauskristallisiert, die den Ton angaben und die bei den anderen Aggressionen hervor riefen.
kiki
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| l'âme voit tout, mais le coeur n'aime pas croire |
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