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geschrieben am: 08.02.2003 um 10:38 Uhr
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Derjenige nach dem sie sich sehnt, hat ebenso grosse Sehnsucht nach ihr. Das weiss sie nicht, aber es ist tatsächlich so. Obwohl es sehr ungewöhnlich ist, kommt es manchmal trotzdem vor. Auch vor ihm zieht sich der Regenbogen zurück, ist ja klar, und auch er wandert so wie sie.
Das ist die Natur des Regenbogens, das ist das Gesetz der Sehnsucht.
Nun geschieht etwas mit ihrer Wanderung, etwas das so selten geschieht, dass viele es für unmöglich halten. Einen Tages kommt jeder von ihnen an einen Punkt, wo sie den Regenbogen genau zwischen sich haben. Da kann er sich natürlich nicht vor dem einen zurückziehen, ohne sich dem anderen zu nähern.
Und so kommt es, dass er stehen bleibt, ganz gegen seine Natur und bald haben sie, je einen Fuss des Regenbogens erreicht und können endlich anfangen, ihn mit ihrer Sehnsucht anzumalen. All das, was sie bisher nur in den Märchen gehört haben, stellt sich jetzt als wahr heraus, nämlich das es die Sehnsucht ist, die all den anderen Farben ihre Leuchtkraft verleiht.
Und auch das entpuppt sich als wahr: dass der Regenbogen stark wird, so stark, dass man ihn betreten kann. Höher und höher malen sie sich den immer stärker leuchtenden Regenbogen hinauf. Die Sicht wird weiter, bald können sie in grössere Fernen blicken, als es irgendwelchen Menschen je vor ihnen gelungen ist. Die Aussicht macht sie immer aufgeregter.
Jetzt wollen sie sich begegnen und einander alles erzählen. Schliesslich ist der kleine Teil der Welt, der sich hinter der Kuppe des Regenbogens verbirgt, das einzige was sie nicht sehen können. Sie sieht den Jungen nicht, er sieht das Mädchen nicht. Noch nicht, aber gleich, ja jetzt, wenn sie den Kopf nur nicht so tief gebeugt hätte, ja jetzt, wenn er nur den Tanz seines Pinsels nicht so aufmerksam betrachtet hätte.
Jetzt sind sie einander tatsächlich begegnet, hoch oben auf der Kuppe des Regenbogens malen sie nebeneinander. Aber er sieht nicht in ihre Richtung und sie nicht in seine. Ein Blick, ein einziges kurzes Zueinanderrüberblicken würde genügen - das ist dir wohl klar - um einen so starken Lichtschein zu erzeugen, dass alle Menschen auf der ganzen Welt ihn dort oben am Himmel entdecken und etwas über ihre ungeheure Sehnsucht erfahren würden, die den Jungen und das Mädchen dorthin geführt hatte. Das war ihnen zu riskant.
Doch alle Kraft, die sie dafür aufbringen mussten, einander nicht anzublicken, diese ganze Kraft stand im Widerspruch zum Gesetz der Sehnsucht, war der Natur des Regenbogens total entgegengesetzt.
Soviel Gegenkraft, ein so starker Naturwiderstand, die Tatsache, dass sie aneinander vorbeimalten, ohne sich anzuschauen, das konnte kein gutes Ende nehmen. Mit einem Knall zerplatze alles, wonach sie sich gesehnt und was sie gemalt hatten, krachend zerbarst der Regenbogen vom Fuss bis zur Kuppe.
Funkelnde Scherben regneten auf die Erde hinab. Zwar leuchteten sie in den schönsten Farben, aber Scherben bleiben sie dennoch, und als sie auf den Boden auftrafen, verwandelten sie sich für kurze Zeit in Schimmerwasser, dann in nasse Glanzflecken und zu guter Letzt in gar nichts.
(unbekannt) |
Das Sterben der Seele
beginnt nicht mit dem Verlust des
Lebens, sondern mit dem Fehlen von Liebe!
Hundert Tränen gehen den Weg der Traurigkeit bevor das Wasser der Gefühle wieder klar wird
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