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geschrieben am: 29.06.2006 um 00:22 Uhr
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„Lucien!“
Entkam es ihm empört, jedoch mit einem zarten Lächeln auf den Lippen.
Diesmal hatte er diese Anspielung aber wirklich verstanden, immerhin war der Blick erklärend genug gewesen. Komisch war, dass es ihm tatsächlich einen Schauer eingejagt hatte, aber vielleicht sollte dies auch einfach so sein. Keine Frage, Lucien leistete in diesen Dingen gute Arbeit.
Bereitwillig folgte der junge Italiener dem Blassen durch den Wald zurück zum Anwesen. Eine andere Wahl blieb ihm leider auch gar nicht übrig, denn die Finsternis der Nacht war noch immer präsent wie vor einer Stunde…, oder wer weiß, wie lange sie nun in der Höhle herumgealbert hatten.
Nun, endlich im Zimmer des Franzosen, wartete er geduldig auf ihn. Er erkundigte sich nach dem Wuchs der selbstgezüchteten Pflanze, sah neugierig nach was für Bücher wieder im Zimmer gelesen wurden und kam dann der Aufforderung nach sich zu setzen, als er jene auch empfangen hatte.
Lächelnd ließ er sich auf den Bettrand nieder und weitete dann überrascht die schönen Augen, als ihm die Sache mit dem Gedichten einfiel.
„Tatsächlich, das habe ich ganz vergessen!“
Gab er ehrlich zu.
„Aber gut…, gib mir einen Moment… .“
Zwar hatte er seine Werke in einem Heft sauber niedergeschrieben, doch dieses lag leider in seinem Zimmer des Elternhauses, darum musste er nun auf sein Gedächtnis hoffen, dass ihm dabei helfen sollte ein paar, oder zumindest eines, zu rezitieren. Das Wiedergeben von fremden Texten fiel ihm, nebenbei erwähnt, durchaus leichter.
„Ah…, ich hätte da eines:“
Er räusperte sich kurz.
„Wenn ich mein eigener Schatten wär,
Ich würd mich selbst für Gold bestehlen,
wär vor mir Nacht, das dunkle Meer,
Ich würd darin die Geister zählen.
Mein Atemzug würd Lichter mähen,
und verhüllen, was einst gestrahlt.
Am Lebensbaum, da säge ich,
bis jemand kommt, und für euch zahlt.
Wer will mich töten, du vielleicht?
Zwing meinen Wirten doch hernieder,
es ist mir gleich, ich lach dabei,
Im Mondschein komm ich immer wieder.
Kommst du zu mir mit einer Fackel,
um Dunkelheit ganz zu vertreiben,
bin ich schon längst wieder hinter dir,
aus deinem Rücken werd ich bleiben.
Werd dich schlagen, werd dich treiben,
und gegen die Wände lenken,
wird dich auf den Boden werfen,
in dich kriechen, für dich denken,
Für dich fühlen, für dich wandern,
dich durch fremde Länder ziehen,
durch die Felder und die Wälder,
und dein Geist wird vor mir knien.
Bis erneut ein Wandersmann,
kommt da einen unserer Wege,
dann nehm ich ihn, lass dich liegen,
langsam wird dein Geist versiegen!
Würfel rollen über Tische,
Ms Schicksal nur ist hier am Werk,
glaubst du, Freund, du kannst mich strafen?
Ich bin Gott, und du bist Zwerg!“
Er pausierte und sah erst nach ein paar Sekunden zu Lucien.
Irgendwie traute er sich nicht in dessen Gesicht zu sehen. Das Gedicht war einfach nur schlecht und ein Werk seiner melancholischen Phase. Ohne Halt und Ende. |
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