| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 30.05.2006 um 23:03 Uhr
|
|
Er atmete tief durch und faltete die Hände auf seinen Schoß. Sacht benetzte die Zunge jene weichen Lippen des Italieners und relativ kontrolliert ging sein Atem, der den schmalen Brustkorb nur leicht anhob und wieder senkte.
Er musste sich so was durchaus nicht sagen lassen, aber er hatte es nicht verhindern können. Wenn Lucien nicht darüber reden wollte, dann war dies seine Sache. Felice schwieg nämlich tatsächlich und blieb mindestens fünf Minuten einfach so sitzen. Dies wurde ihm danach aber zu überdrüssig.
Plötzlich erhob er sich und strich sich flüchtig durch das Haar.
„Schön, wenn du nicht reden willst sehe ich keinen Grund hier meine Zeit zu verschwenden. Wenn du lustig bist, dann lass mir dein Blut zukommen, wenn nicht, dann ist es mir auch gleich.“
Ein missgelaunter Laut entkam ihm, bevor er sich mit einem letzten Blick auf den Vampir umdrehte und auf die Türe zutrat.
Wenn der Blasse etwas zum dressieren brauchte, dann sollte er sich ein Haustier anschaffen. Vico wollte es nur nicht, weil er ihn nicht leiden konnte. Warum es Rasmus und Lucien nicht wollten, wusste er nicht, aber sie konnten ihm kein Seil an die Beine binden. Er hatte sich seit neunzehn Jahren um seinen Bruder gekümmert, war es denn nicht irgendwann ausreichend.
Er ergriff die Türklinke, schüttelte nochmals den Kopf und eröffnete sich den Weg aus dem Zimmer, war jedoch noch nicht verschwunden. |
|
|
|
|
|
|
TopZuletzt geändert am: 30.05.2006 um 23:06 Uhr von FeliceFoscari
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 12:54 Uhr
|
|
Ein amüsiertes Lächeln erhellte sein Gesicht, als er die trotzigen Worte des Jungen hörte. Genau mit dieser Reaktion hatte er gerechnet. Kaum hielt man ihm einen Fehler seinerseits unter die Nase, so reagierte er, wie ein kleiner Dreijähriger, der seinen Willen nicht bekam. Ja, das sah Felice Foscari ähnlich, wenn man ihn näher kannte. Ein Seufzen verließ Luciens Lippen und er klappte langsam sein Buch zu um die Arme hinter dem Kopf zu verschränken. Er schloss seine Lider und wartete, bis er das charakteristische Klacken der Tür hörte, bevor er leise meinte:
"Du bist nicht in der Situation dich so verhalten zu können. Erwarte nicht, dass ich dich aufhalte, denn ich lasse nicht mit mir spielen. Geh deinen Weg, aber mach mich nicht dafür verantwortlich, dass es der falsche ist, der unweigerlich in den Tod führende.
Ach, und außerdem, wenn du dich schon so aufregst, dann bitte über die richtigen Tatsachen. Ich sagte nie, dass ich nicht mit dir reden wolle, ich sagte lediglich, dass du mich nicht mit einem Thema langweilen sollst, das mich nicht interessiert und das ist die Wahl deiner Freunde und die Missachtung derjenigen, die dir Gutes wollen. Wenn du reden möchtest, setz dich wieder. Oder wenn dir das Thema wirklich keine Ruhe lässt, dann mach dir Gedanken darüber, warum ich nicht wollte, dass du deinen Freund mitnimmst und mitten in der Nacht verschwindest. Oder gibt es in dir etwa keinen Platz mehr dafür sich in andere hineinzuversetzen und sich Sorgen zu machen?" |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 20:21 Uhr
|
|
Dreimal hatte Felice versucht etwas zu sagen, dreimal war er daran gescheitert. Nachdem er Luft geholt hatte, um zu sprechen, hatten sich die Lippen kurz nach dem Öffnen wieder geschlossen. Seine Hand umfasste den Türknauf so fest, das seine Knöchel gar eine zarte Blässe annahmen.
Und dann, dann wusste er nicht mehr was er tun sollte. Er war so schrecklich Hin und Her gerissen, dass er sich zum Verrecken nicht entscheiden konnte. War es falsch, glücklich zu sein? War es falsch, einmal etwas anderes als gute Freunde vorzuziehen? Was sollte er werden und wieso war er noch immer das, was er niemals wieder sein wollte? – Eine leblose Puppe.
Im seinen Leib drängte die Begierde wieder schreiend sich zu wehren, doch das Gegenteil war der Aspekt sich nie wieder vor irgendwem rechtfertigen zu müssen. Vor Unterdrückung begann sein Leib leicht zu zittern. Er musste hier hinaus, bevor er seine Kontrolle verlor.
„Ich…, ich muss raus… .“
Keuchte er erstickt und verließ dann Luciens Zimmer. Im schnellen Schritt huschte er durch den Gang und stieg die Treppen hinab zum Erdgeschoss. Anders, als man eventuell erwarten würde, ging er wirklich nur mal an die frische Luft. Er lief über den weißen Kieselweg des riesigen Garten und suchte seine ‚Bankschaukel’ auf, auf welcher er sich kraftlos fallen ließ.
Mit einem tonlosen Seufzen landete sein Nacken sacht auf das obere Ende der Rückenlehne und er schloss seine Lider.
Was hatte das alles für einen Wert, wenn er noch immer nicht so leben konnte, wie er wollte? Ja, er würde hier sitzen bleiben und nichts mehr tun, gar nichts mehr. Sie konnten ihm alle mal kräftig am Arsch lecken, so sah es aus! Da war der Tod wirklich nur noch eine Erlösung aus seinem mitleiderregenden Leben. |
|
|
|
|
|
|
TopZuletzt geändert am: 31.05.2006 um 20:25 Uhr von FeliceFoscari
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 20:42 Uhr
|
|
Wenn er wirklich dort sitzen bleiben wollte, dann würde ihn niemand daran hindern, erst recht nicht Lucien. Es reichte ihm langsam. Er wollte sich nicht dermaßen für den Jungen aufopfern, denn das trug keine Früchte. Er verlangte gar nicht viel. Er wollte nur, dass Felice darüber nachdachte, was sein plötzliches Verschwinden für ihn bedeutet hatte und selbst das war zu viel gewesen. Der Junge war einfach zu schwach für das Leben und vielleicht war es wirlich besser, wenn er sterben würde. Seinen Bruder würde er irgendwo unterbringen können. Notfalls bei Rasmus' Familie, die sich sicher freuen würde, denn seit er aus dem Haus war, gab es dort keine Kinder mehr. Er drehte sich auf die Seite und stützte den Kopf in die Hand. Vielleicht sollte er Felice klar und deutlich sagen, dass er sich nicht mehr für ihn verbürgen würde, aber damit würde er das Todesurteil über ihn fällen und wenn er ehrlich war, wollte er das nicht. Sicher, der Junge hatte ihn enttäuscht, aber ihn deswegen gleich so von sich zu stoßen war nicht gerrecht, das bemerkte er jetzt, als seine Wut langsam verflog. Also stand er doch auf und ging leise aus seinem Zimmer. Wo würde er hingehen, wenn er ein Mensch wäre, dem gerade etwas Unangenehmes gesagt wurde? Wahrscheinlich auf sein Zimmer. Als er den Jungen da nicht fand, ließ er entmutigt die Schultern sinken. Sei es durm, er würde sich ein wenig entspannen und ihn später suchen.
Es war kühl draußen, aber das hielt ihn nicht davon ab durch den Garten zu schlendern. Wenn er ehrlich war, hoffte er insgeheim, dass er Felice hier finden würde, auch wenn er nicht wusste, was er ihm sagen sollte. Dann plötzlich hörte er das leise Quietschen einer Schaukel. Er steckte die Hände in die Hosentaschen und folgte dem Geräusch. Da saß er. Felice Foscari völlig anteilnahmslos und bescheiden. Ach, wenn er doch nur nicht so verdammt menschlich wäre. Das machte die Sache nicht einfacher. Er ging noch ein paar Schritte, bis Felice ihn sehen konnte und sagte dann leise.
"Ach, hier bist du! Hast du dich wieder beruhigt, oder muss ich noch immer Angst haben, dass du gleich in Ohnmacht fällst? Herrje, du sahst aus, als wärst du der Tod selbst!"
Er schüttelte seinen Kopf, als er sah, dass Felice noch immer die Sachen trug, die er auch für ihren Ausflug gewählt hatte. Es war zwar Sommer, aber die Nächte waren trotzdem kühl. Einen Augenblick überlegte er, aber dann schlüpfte er aus seinem Jacket und legte es dem jungen Mailänder um die schmalen Schultern.
"Es ist ein bisschen kalt um hier so dünnbekleidet rumzusitzen, meinst du nicht auch? Komm, lass uns reingehen und uns aussprechen. Wenn ich ehrlich bin hab ich ein schlechtes Gewissen."
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 23:20 Uhr
|
|
Felice reagierte erst, als Lucien sein Jacket um seine Schultern legte. Zwar redete der Mailänder nicht, sondern wendete nur seinen Kopf und sah Lucien eine Weile lang an.
Was erwartete er nun von ihm? Das er so tat, als sei nie etwas gewesen? Wenn er wollte, dann vergaß er. Ja, er konnte vergessen, er konnte alles vergessen… .
„Schon gut…, schon gut… .“
Wisperte er nur und streifte das Jacket von seinen Schultern, dann schloss er die Lider und verschwand mit einem Lächeln in seiner eigenen Welt.
Wie wäre es nur gewesen, wenn er tatsächlich nach Wien zu seinen Großeltern gekommen wäre? Oder wie wäre es gewesen, wenn er wieder etwas Nähe zu Sandro erhalten hätte? Oder wie wäre es nur gewesen, wenn er niemals in seinem Leben erkrankt wäre?
Was für wundervolle Träume er doch hatte. Gott, wie töricht er doch gewesen war zu glauben, es könnte wirklich besser werden. Sie sahen ihn alle als ein Objekt, als etwas, was man wollte, wenn man Lust dazu hatte und sofort wieder entsorgte, wenn es nicht mehr gebraucht wurde. So war es und – Gott verdammt – so würde es auch immer bleiben.
„Vergiss es einfach, Lucien. Ich mag einfach nicht mehr. Danke für deine Mühen.“
Er seufzte leise auf und hob die Lider wieder.
Was hatte er denn nur falsch gemacht in seinem Leben? Was? Was war es gewesen? |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 23:28 Uhr
|
|
Aber Lucien ließ sich nicht abschütteln. Sanft legte er das Jacket wieder um die vor Krankheit ganz schmalen Schultern und lächelte zärtlich. Er konnte sich vorstellen, wie sich der Junge fühlte. Diejenigen, denen er bis jetzt vertraut hatte, waren plötzlich gegen ihn und er wusste nicht, was er falsch gemacht hatte. Also setzte Lucien alles auf eine Karte und legte dem Jungen seinen Arm um die Schultern.
"Du willst aufgeben, weil einmal etwas nicht so klappt, wie du es dir vorgestellt hast? Das ist aber nicht sehr mutig. Vielleicht solltest du einmal ganz klar sagen, was du willst. Und ich sollte das auch machen, dann hätten wir unsere Auseinandersetzung heute nämlich vermeiden können. Weißt du, ich hatte mich auf diesen Abend mit der, Vico und Rasmus gefreut und war ein bisschen enttäuscht, dass sich plötzlich einer deiner Freunde dazwischen drängte. Danach hab ich mir ziemliche Sorgen gemacht, dass dir was passiert sein könnte, schließlich war es Nacht und ich wusste nicht, wo du bist. Ich hätte dir nicht helfen können und fühlte mich ziemlich hilflos. Na ja, deswegen war ich wütend. Magst du dich nicht auch erklären?" |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 23:40 Uhr
|
|
Selbstsicher stand er auf als Lucien ihm eindeutig zu nahe kam. Er sollte durchaus darauf achten, was er tat, denn er sah es absolut nicht ein sich so behandeln zu lassen. Wieder rutschte dabei das Jacket hinab und fiel gar auf den weißen Kieselweg.
„Ich brauche dich nicht, ich brauche dich und deinen Schutz nicht. Ich habe ihn nie gebraucht und ich werde ihn auch jetzt nicht brauchen. Lass mich einfach in Ruhe, oder kannst du selbst das nicht mehr? Du kapierst noch immer nicht, dass ich ein Mensch bin. Sandro Fini ist ein Freund von mir, wir verbrachten zwei lange Jahre miteinander und – er ist mehr als nur ein Freund. Er war mein fester Freund gewesen, Lucien, und ich vertraue ihm mehr als jeden anderen auf der Welt, kapierst du endlich?“
Sein Blick war zornig als er jenen über die Schulter zu dem Blassen warf.
„Ich habe mit dir den Abend sehr wohl verbracht. Weitere Sachen waren nicht geplant gewesen und ich hatte absolut kein schlechtes Gewissen, als ich gegangen bin. Vico reagiert nur so, weil er es nicht versteht. Rasmus, weil er keine Zeit für so was hat und du, weil du es einfach nicht mehr fühlen kannst. Wenn du neidisch bist, lass deinen Neid nicht an mir aus. Ich hatte euch angeboten ihn kennen zu lernen, ihn mitzunehmen…, aber nein, selbst das hast du nicht akzeptiert. Da wird man eher angesehen als kommt man von einem fremden Planeten. Anstatt Freude für einen Freund zu empfinden, der glücklich ist, bin ich auf Missgunst und Intoleranz gestoßen. Aber nirgendwo anders als bei ihm fühle ich mich geborgen und sicher, darum wirst du nun verstehen, wenn ich dir nun sagen werde, dass ich meinen letzten Abend durchaus nicht mit dir verbringen möchte.“
Er wendete sich flüssig um, verneigte sich theatralisch und trat dann gemütlich den Rückweg an. Dabei schob er seine Hände in die Hosentaschen und sah kurz zum Balkon des Zimmers hinauf, welches er sich mit Vico teilte. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 23:49 Uhr
|
|
Und nun durfte Felice zum ersten Mal Zeuge eine vampirischen FÀhigkeit werden, die nicht die des Gedankenlesens war. Noch bevor er gezwinkert hatte, stand Lucien vor ihm und hielt ihn fest, im Gesicht ein LÀcheln. Er schÌttelte nur den Kopf.
"Das ist es also. Du liebst diesen Sandro. Eigentlich wÌrde ich mich jetzt fÌr dich freuen, aber ich empfinde diese GefÌhle nicht mehr, habe ich Recht? Und was deinen letzten Abend betrifft, so wirst du ihn durchaus mit mir verbringen, denn ich werde nicht zulassen, dass du das Wissen Ìber dieses Anwesen mit hinaus in die Welt trÀgst. Du darfst gerne, so lange du willst hier leben und wenn du mir dein Wort gibst, dann ziehe mit diesem Sandro zusammen, ich gönne dir dein GlÌck, aber wenn du sterben willst, dann gehe ich nicht die Gefahr ein, dass du im letzten Augenblick etwas ausplauderst. Also, entscheide dich: Leben - mit oder ohne Sandro - oder in diesem Anwesen sterben. Es wÌrde mich traurig machen, wenn du dich gegen das Leben entscheiden wÌrdest." |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.05.2006 um 23:58 Uhr
|
|
„Ein Ultimatum?“
Er atmete tief ein, sehr tief, wobei sich deutlich sein schmaler Brustkorb hob und senkte.
„Du gibst mir die Erlaubnis mit ihm zu leben? Gott, ich scheiße auf deine Erlaubnis! Ich würde es so oder so tun! Du kannst mich nicht aufhalten…du…, du kannst es nicht… .“
Und es war nur eine Millisekunde, in der er einfach auf den Boden fiel und sich vor Tränen schüttelte. Er hielt die Hände schützend vor den Augen und wusste nicht mehr, was er noch tun sollte. Er kam nicht vorwärts und auch nicht zurück. Er steckte in einem Sumpf der ihn immer mehr zu verschlingen drohte und es gab keinen Ast, keine Liane die ihm helfen würde.
Nun saß er dort auf den Boden, weinend und verstummt. Letztendlich hatte er sich doch rechtfertigt und es betrübte ihn zutiefst. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 01.06.2006 um 00:05 Uhr
|
|
"Oh, Felice! Felice..."
Einen Moment stand er ruhig da und ließ sich dann auf die Knie sinken. Er berührte den Jungen nicht, sondern sprach ihm nur leise gut zu. Nein, er wollte doch nicht, dass er weinte! Er würde ihm doch das Leben schenken, das er wollte! Warum weinte er nur?
"Felice, weine nicht! Es gibt doch nichts, was dich traurig machen muss. Wenn du willst kannst du lebe und deinen Bruder aufwachsen sehen. Du kannst morgens in Sandros Armen aufwachen und dich daran erfreuen, dass du wieder bei dem Menschen bist, den du mehr liebst, als alles andere. Ich möchte doch nicht viel. Gib mir nur dein Wort, dass du uns nicht verräts! Daran hängt unser Leben, verstehst du? Ich... ich möchte das du glücklich bist und so lange lebst, wie jeder andere Mensch auch. Du sollst dein Glück auskosten können! Oh, bitte weine nicht mehr, Felice."
Vorsichtig berührte er seine Schulter. Ja, das war es, was er wollte. Er wollte den Jungen glücklich sehen! |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 01.06.2006 um 00:21 Uhr
|
|
Aber der Mailänder reagierte nicht mehr. Er weinte nur noch.
Sie hatten ihn alle so tief verletzt dass er den Schmerz noch immer in seinem Herzen spürte. Lucien wollte ihn nicht glücklich sehen, sonst hätte er in der Oper nicht so reagiert. Vico war nur ein verzogenes Gör geworden und Rasmus einer, der von sich mehr eingenommen war als jeder andere au der Welt.
Und er? Er wollte nur ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit. Er wollte das, was er anderen bedingungslos gegeben hatte und nicht mehr wieder fand. Aber diese ganzen Gedanken waren nutzlos. Denn es schien noch viel schlimmer zu werden, je mehr Gedanken seinen Kopf durchfluteten.
Es dauerte eine gute Stunde, bis sich Felice wieder einigermaßen beruhigt hatte und er sah durchaus nicht gut aus. Schlapp hatte er sich auf die Bank zurückgesetzt und starrte unentwegt auf seine Füße. Wenn er nun ehrlich sein sollte würde er sogar sagen, dass er gar nichts mehr war nahm. Die Mauer, die er errichtet hatte, war zu einer undurchdringlichen Festung geworden.
Ein heimliches Schweigegelübte saß auf seinen Lippen. Seine Hände waren verkrampft um die Sitzbank geklammert und wollten sich gar nicht mehr davon lösen. Zwar liefen ihm selbst jetzt weiterhin Tränen über die rot gewordenen Wangen, doch es ließ ihn nur nicht leerer wirken, anstatt lebendig.
Sacht erschauderte sein Leib als der Wind auffrischte und sein nasses, heißes Gesicht umspielte. Aber es war ihm egal, es war ihm so egal wie alles andere auf jener Welt. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 01.06.2006 um 00:28 Uhr
|
|
Lucien hatte ihn weinen lassen, denn er wusste, dass es Augenblicke gab, in denen man einfach den TrÀnen freien Lauf lassen musste, oder man zerbrach. Erst als sich der MailÀnder auf die Bank setzte, erhob sich auch Lucien. Er zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte dem Jungen die Wangen trocken.
"Bitte weine nicht mehr, Felice! Warum bist du so traurig? Du könntest das Leben leben, das du dir wahrscheinlich immer gewÌnscht hast. Oh bitte, sei nicht mehr traurig."
Wisperte er ihm entgegen. Er war sich nicht sicher, ob seine Worte bei Felice ankamen, aber er setzte sich vorsichtig neben ihn und sah ihn an.
"Du kannst mit Sandro und Vico zusammen ziehen. Ihr könntet zusammen Projekte in Angriff nehmen, die es nie vorher gab. Ihr wÌrdet zusammen frÌhstÌcken, ins Theater gehen, bis abends im Bett liegen bleiben und es euch gut gehen lassen. Und wenn du möchtest, kommst du hier vorbei und wir sprechen Ìber Kunst, so wie wir es vorhatten. Es gibt keinen Grund traurig zu sein, Felice."
Er sprach ganz ruhig und nahm den Blick nicht von der Schönheit ihm gegenÌber. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 01.06.2006 um 00:41 Uhr
|
|
„Du bist ein Lügner.“
Wisperte Felice.
„Wenn du wolltest, dass ich glücklich werde, hättest du heute nie so reagiert. Du hasst mich einfach, hast kein Vertrauen in mir und sperrst mich ein. Du bist wie mein Vater. Wie mein Vater… .“
Er biss sich fest auf die Lippen, damit er die Beherrschung behielt. Ja, er biss sich sogar so fest auf die Unterlippe, dass er anfing zu bluten. Im Moment hatte er gar kein Gefühl mehr dafür.
„Es gibt so viele Gründe traurig zu sein… . Was habe ich nur getan? Was habe ich getan, um so behandelt zu werden? So…, respektlos, als wäre ich eine zwielichtige Person! Ich kann das gar nicht beschreiben, wie ihr mich tagtäglich verletzt. Ich halte das nicht mehr aus, ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ach, ich traue mich erst gar nicht mehr, irgendwas zu tun.“
Seine Stimme war sehr schwach und ein Mensch hätte ziemlich genau hinhören müssen, um überhaupt eine einzige Silbe zu verstehen.
Man hörte keinerlei Lebensmut in seiner Stimme. Das Zittern hielt noch an und der Blick blieb weiterhin auf den Boden. Dann aber fuhr eine Hand zu seiner Stirn und stützte den schmerzenden Kopf. Er keuchte leise auf und zog die Brauen zusammen.
Er war so geschwächt, dass er die Schmerzen nun besonders gut spürte. Aber es war so was wie eine gerechte Strafe, nicht wahr? Ja, das hatte er sicherlich verdient.
Plötzlich stand er wieder auf.
„Ich gehe schlafen. Gute Nacht.“ |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 10:55 Uhr
|
|
"Geh nur schlafen, kleiner Felice und verhalte dich, wie du es immer getan hast. Lauf weg! Wage es dich nicht, dich deinen Problemen zu stellen! Ergreife nicht die Hand, die dir helfen will! Versinke in deinem Selbstmitleid!"
Es fiel ihm unsagbar schwer so gemein zu dem Jungen zu sein, aber sein Vater sagte ihm einmal, dass es manchmal keinen anderen Weg gäbe, als die Liebe und Güte, die man empfindet, in Kälte und Unnahbarkeit zu verwandeln, so dass der andere sein Verhalten erkennen und darauf reagieren konnte. Natürlich, Felice hatte ihn zutiefst beleidigt, aber war das ein Grund ihn von sich zu stoßen? Nein, nein... Menschen mussten manchmal ihren Gefühlen freien Lauf lassen und das verstand auch Lucien. Trotzdem wollte er endlich, dass der junge Mailänder einsah, dass er ihm nichts Böses wollte, denn er konnte nichts Schlechtes daran sehen, ihm zu gewähren mit seiner Liebe zusammen zuleben. Also schüttelte er nur den Kopf und stand auf um in zügigen Schritten an dem Jungen vorbei zu gehen.
"Außerdem würde ich demjenigen, den ich einen Lügner schimpfe, niemals eine gute Nacht wünschen. Wenn es nach mir ginge, könnte er jämmerlich sterben."
Er schaute über seine Schulter noch einmal zu Felice zurück. In seinem Gesicht konnte man nur sehr schwer lesen, was er fühlen mochte.
"Schlaf gut, Felice! Mögest du irgendwann zur Besinnung kommen."
Damit ging er auf das Anwesen zu, auch wenn er den zitternden Jungen viel lieber in seine Arme gezogen hätte um ihm zu zeigen, dass er nicht allein ist, aber das wäre sicherlich nur kompliziert geworden, so wie sich Felice momentan benahm. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 11:17 Uhr
|
|
Ganz unruhig hatte er den Worten des Älteren gelauscht, während seine Hände den Saum seines Anzuges zerknitterten und die Lippen erneut malträtiert wurden. Er war stehen geblieben und hatte keinen Fuß vor dem anderen gesetzt.
Warum? Das war einfach. Immerhin wollte er zurückgehalten werden. Es war so der letzte Versuch in diesem Moment zu erkennen, ob man wirklich gemocht wurde. Ob man einem anderen wichtig war. Anscheinend traf dies hier durchaus zu.
„Oh Gott, warte Lucien. Bitte…, bitte warte… .“
Hatte er sehr leise gewispert, als sich der andere schon auf den Weg gemacht hatte um in das Anwesen zu gehen. Er wusste jedoch, dass er seine Worte durchaus vernehmen musste. Immerhin hatte er ja diese besonderen Fähigkeiten.
„Entschuldige, du…, du hast Recht. Ich wollte dich nicht kränken, indem ich mich dazu entschlossen hatte, zu Sandro zu gehen. Ich wusste aber auch nicht, dass du noch etwas geplant hattest. Ich habe wirklich nicht gewusst dass es…, dass es dich verletzen würde. Wirklich nicht! Bitte, gib mir eine Chance und lass es mich wieder gut machen…, bitte!“
Na gut, auch wenn sie von Sandro so voreingenommen waren, mochte er doch alle zusammen. Ein Verbot würde ihm niemand auferlegen könne, denn dies war sehr schwer, denn die Liebe fand doch immer Mittel und Wege an ihr Ziel zu kommen, nicht wahr? Dabei wollte er jedoch die anderen auch nicht verraten und nicht vergraulen. Aber wie sollte er das eine mit dem anderen nur kombinieren?
Am Ende würde er sich wohl doch entscheiden müssen, nicht wahr? |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 11:25 Uhr
|
|
Natürlich hörte Lucien die Worte, die Felice ihm so erbärmlich hinterher wimmerte, aber er blieb nicht stehen. Der Junge sollte ruhig merken, dass seine Anfällle andere wirklich verletzen konnten, auch wenn die ihm nur Gutes wollten. Also setzte er einen Fuß vor den anderen und ging weiter. Trotzdem blieb Felice nicht unberücksichtigt. Auch wenn er sich nicht umdrehte, sagte er:
"Nimm eine Dusche, oder ein Bad, iss und trink etwas und wenn du dich dann besser fühlst, komm zu mir und wir reden darüber."
Damit war das Thema anscheinend für Lucien beendet, aber bevor er außer Hörweite war, sagte er noch:
"Es sei denn, du möchtest nicht allein sein. Dann komm mit mir."
Seufzend ging er langsam weiter. Es war alles viel schwieriger, als er dachte. Er versuchte es jedem recht zu machen und jeder beschwerte sich. Das war nicht gerecht, aber ihm blieb auch nichts anderes übrig, als das hinzunehmen, nicht wahr? |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 11:39 Uhr
|
|
Was sollte er denn jetzt noch machen? Vielleicht wäre die Sache sich erstmal umzuziehen und sich zu waschen keine schlechte Idee. Trotzdem fühlte er sich komisch. Als wäre er am Pranger und jeder Idiot klagte ihn für etwas an, was einfach nur menschlich gewesen war. Nein, er war hier nicht der einzige Egoist, aber wenn sie es so wollten, dann würde er es eben so tun. Verzicht war etwas, was er in seinem Leben kannte. Ja, er hatte es sehr oft spüren dürfen.
Mit einem tiefen Einatmen schloss er die Lider und lauschte noch eine Weile auf die Geräusche seiner Umgebung, dann hob er die Hände und rieb sich flüchtig durch das Gesicht. Nach ein paar Minuten hatte er sich dann in seinem Zimmer wieder gefunden. Vico war eingetroffen und schlief schon tief und fest, darum musste er leise ein paar Sachen hervor kramen, um ihn nicht zu wecken.
Als er etwas gefunden hatte, zog er sich in einen der Badräume zurück. Dort verbrachte er mehr als eine halbe Stunde, bis er der Meinung war, er hätte sich so gut es ging wieder beruhigt und unter Kontrolle.
Plötzlich klopfte es an Luciens Türe. Felice hatte sich dazu gezwungen, hier aufzutauchen, denn eine andere Möglichkeit hatte er ja so gut wie überhaupt nicht. Er entschloss sich dafür sich die Luft für irgendwelche Gespräche zu sparen. Sie würden nur wieder ausarten.
Erst nach diesen Gedanken drückte er die Türe auf und ging ins Zimmer hinein. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 11:50 Uhr
|
|
Lucien stand mitten im Raum. Man konnte kaum glauben, dass diese Person wirklich der stolze Vampir war, den man kannte. Er trug ein langes, weißes Hemd, das ihm bis zu den Oberschenkeln reichte, seine Füße waren, wie die Rest seines Körpers nackt. Er wirkte, wie ein kleiner Junge, der nicht wusste, was er machen sollte, aber als er Felice sah, lächelte er breit.
"Du bist gekommen!"
Und allein am Klang seiner Stimme konnte man hören, wie froh er darüber war. Dazu glänzten seine blauen Bergseeaugen unsagbar, als er sich in seinen Korbstuhl fallen ließ. Nein, er hatte gedacht, dem Jungen würde es viel zu schlecht gehen, um herzukommen.
"Möchtest du dich zu mir setzen?"
Auf dem Tisch stand eine Tasse mit heißem Kakao und ein Tellerkekse wartete darauf endlich leer gegessen zu werden.
"Ich bin wirklich froh, dass du da bist, ich dachte schon, dass es dir zu schlecht ginge. Verzeih mir meine Kühlheit im Garten, aber ich fürchtete, dass du anders nicht wieder zur Besinnung kommen könntest." |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 12:12 Uhr
|
|
Der Anblick des Vampirs ließ ihn kurz in eine staunende Starre verfallen. Er hatte ihn noch nie so freizügig herumlaufen sehen. Na ja, kein Wunder, immerhin war dies sein Zimmer und da durfte er tun, was er wollte.
Verlegen senkte er nun den Blick und murmelte eine „Entschuldigung.“, bevor er die Tür hinter sich schloss und etwas verloren davor stehen blieb. Erst, als die Aufforderung kam, hob er den Blick und ging zu Lucien hinüber. Sacht ließ er sich in einen freien Stuhl nieder.
„Nein mir…, mir geht es wieder besser, denke ich.“
Er legte eine kleine Pause ein und sah auf die Tasse mit dem Kakao und dem Teller mit den Keksen. Hatte er Besuch gehabt oder wartete er etwa auf jemanden?
„Störe ich dich? Wenn ja, dann komme ich einfach später wieder.“
Es war ja, so gesehen, noch recht früh.
„Wenn nicht, dann kannst du mir ja sagen, welche Besinnung ich bekommen sollte. Ich weiß einfach nicht, welchen Fehler ich gemacht haben soll. Es gibt doch gar keinen Grund für mich, irgendwas einsehen zu müssen. Ansonsten wirst du es mir erklären müssen.“
Jetzt hatte er doch wieder mehr geredet als er eigentlich gewollt hatte. Zu spät, seine Sätze hatte er beendet, bevor er sich daran besann. Nervös kaute er auf seiner Unterlippe herum. Er war furchtbar angespannt und das nur, weil er Angst hatte, wieder etwas Falsches zu sagen. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 12:24 Uhr
|
|
Aber er empfand Felice' Angst, als vollkommen unbegründet. Ja, mehr noch. Er lächelte ihm liebevoll zu, schenkte ihm eine Tasse Kakao ein und schob die Kekse über den Tisch in seine Richtung. Die Unsicherheit des Junge verwunderte ihn ein bisschen, auch wenn er es gut nachvollziehen konnte.
"Nein, du störst nicht. Ganz und gar nicht. Ich bin froh, dass du da bist. Nimm dir, was du möchtest!"
Er nickte ihm zu und überschlug die Beine, was wirklich ein bisschen seltsam wirkte, ohne Hose, aber er machte sich keine Gedanken darüber. So war es einfach bequemer. Einen Moment überlegte er, aber dann sagte er leise:
"Ich denke, wir haben beide Recht und beide Unrecht. Wenn wir ein wenig ausführlicher darüber gesprochen hätten, wäre uns dieser Streit erspart geblieben. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, konnte das aber nicht ausdrücken und reagierte deswegen nicht richtig reagiert. Na ja, es war auch nicht richtig die Bedenken, die wir alle hatten zu ignorieren und so haben wir wahrscheinlich beide einen Fehler gemacht, meinst du nicht?" |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 12:38 Uhr
|
|
Diese Sachen waren also für ihn gedacht? Oh je, das war mehr als er jemals erwartet hätte und irgendwo berührte es ihn auch sehr. Nach all dem Stress war der Blasse noch immer dazu bereit, sich um ihn zu kümmern. Wie hatte er ihn nur als ein Lügner beschimpfen können?
„Ja, so war es wohl. Du bist ja selber weggerannt anstatt mir zu sagen, was Sache ist. Oder ich hätte dich aufhalten sollen um zu fragen, was los ist. Nun, in der Hinsicht denke ich, dass wir beide sehr egoistisch waren.“
Er zog den Becher mit Kakao näher an sich und nahm einen langsamen Schluck daraus. Das warme Zeug tat seiner kratzenden Kehle wirklich gut. Der Zucker darin tat sein Übriges. Es war eine gute Alternative zu Tabletten.
Nachdem er den Becher wieder abgestellt hatte, atmete er tief durch.
„Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich sonst noch sagen soll, außer, dass mich deine Freizügigkeit nervös macht. Aber das hast du sicherlich schon bemerkt.“
Er lächelte vorsichtig, wenn auch noch erschöpft.
Es war das Beste die Sache nun zu vergessen. Geschehen ist geschehen, er würde sich in nächster Zeit einfach etwas feinfühliger verhalten. Ehrlich gesagt war dies tatsächlich etwas Neues, denn zuvor hatte er ja nie großartig darauf achten müssen. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 05.06.2006 um 12:53 Uhr
|
|
Da lachte Lucien plötzlich und sah an sich hinab. Nun, die freien Beine waren sicherlich nicht gesellschaftstauglich, aber in den eigenen vier Wänden durchaus in Ordnung, oder? Er pustete sich noch immer lächelnd die schwarzen Strähnen aus der Stirn und schüttelte anschließend den Kopf, so dass sie ihm doch wieder an den Wangen kitzelten.
"Entschuldige bitte, ich habe nur schon gedacht, du würdest nicht kommen und hab es mir etwas bequem gemacht. Gib mir eine Sekunde und ich ziehe mir schnell etwas über."
Felice musste ihm darauf gar keine Antwort geben, denn er verschwand schon in einem Nebenzimmer. Zwei Minuten später trug er zu dem weißen Hemd eine breite Militärhose und setzte sich wieder auf seinen Stuhl.
"Ich denke, das ist besser, meinst du nicht auch?
Aber jetzt erzähl mir von Sandro! Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie alt ist er? Wie sieht er aus? Hast du vielleicht ein Photo dabei? Nicht, dass ich neugierig wäre, aber ich finde es wirklich phantastisch, wenn so große Gefühle im Spiel sind. Es ist so etwas unglaubliches..."
Er seufzte leise, aber zufrieden. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 07.06.2006 um 20:08 Uhr
|
|
„Alle Zeit der Welt… .“
Flüsterte er leise und lehnte sich erst entspannter zurück, nachdem sich der Blasse kurzzeitig entfernt hatte. Seine dunkle Iris fixierte den Teller mit den Keksen. Es dauerte kaum zehn Sekunden, da fand sich eines jener Köstlichkeiten zwischen seinen Fingern. Ein bisschen Zucker würde ihm sicherlich mehr als gut tun. Wenn er ehrlich war, hatte er jener Sünde schon lange nicht mehr nachgegeben. Zumindest nicht direkt.
Langsam kauend sah er dann wieder zu Lucien hinauf, als jener an ihm vorbei zu seinem Platz ging. Felice lächelte sehr zufrieden, als wäre er nie schlecht gelaunt oder fürchterlich traurig gewesen.
So nickte er dankend.
„Ich weiß, ich bin spät. Aber ich habe deinen Vorschlag angenommen, mich geduscht und umgezogen, wie man unschwer erkennen kann. Darum bin ich erst jetzt hier. Da du aber ein Nachtwesen bist, dachte ich, das stört nicht weiter.“
Er schluckte die letzten Reste des Keks herunter und beugte sich etwas vor, um nach dem Kakao zu greifen.
Er wusste nicht, wieso, aber im Moment fühlte er sich durchaus pudelwohl.
„Über Sandro?“
Verblüfft sah er wieder Lucien an.
„Nun… . Wir lernten uns in diesem Internat kennen, in welches ich ein paar Jahre war. Er ist nun einundzwanzig und seine Eltern kommen eigentlich aus Stockholm. Dementsprechend ist er sehr hellhäutig und blond mit grünen Augen. Ein Photo habe ich nicht, doch…er gehört zu den Geigern in der Oper. Also wenn du mal wieder geschäftlich dahin gehst oder privat, kannst du ihn ausfindig machen oder ich ihn dir zeigen. Wie auch immer… .“
Irgendwie hatte diese Reihe an Fragen ihn an sich selbst erinnert und irgendwie musste er nun deswegen zärtlich schmunzeln. |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 07.06.2006 um 20:32 Uhr
|
|
Lucien lächelte zufrieden und lehnte sich zurück. Das weiche, natürliche Material mit dem der Sessel überzogen war, der Duft des Kakao und die ruhige Atmosphäre taten seinem angespannten Geist sehr gut. Vielleicht sollte er öfter auf seine Gefühle hören. Oder weniger oft? Ach, er wusste es nicht, aber er wusste, dass es so, wie es war, vollkommen in Ordnung war.
Aufmerksam hörte er Felice zu. Es war so wundervoll, wenn zwei Menschen sich fanden und merkten, dass sie für einander bestimmt waren, dass die Geschichten darüber wirklich erholsam wirkten.
"Ich verstehe. Hier in Italien sind Menschen, wie er wahre Seltenheiten. Natürlich sieht man auch hier blonde Jungen, oder Mädchen, aber wahrscheinlich nie so blond, wie dein Sandro. Darf ich 'dein Sandro' sagen? Ich meine, seid ihr so weit mit einander verbunden, dass diese Bezeichnung erlaubt ist? Und was ist mit Vico? Warum möchte er nicht, dass ihr beide zusammen seid? Es ist doch toll, wenn sich Menschen lieben!" |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 07.06.2006 um 20:48 Uhr
|
|
„Ich habe keine Ahnung. Es ist viel Zeit vergangen und ich kann nichts dazu sagen, zumindest jetzt noch nicht, darum ist die Bezeichnung doch etwas zu weit gegriffen. Früher hätte es vielleicht gepasst, aber heute? Nein, es war die Freude die mich so hat reagieren lassen. Alles andere sind nur waghalsige Spekulationen.“
Er schwenkte seinen Kakao, senkte den Blick hinab und sah zu, wie die braune Flüssigkeit leicht herum schwappte.
„Natürlich wünschte ich mir, es wäre so wie früher, aber das kann ich nicht verlangen. Wer weiß? Vielleicht hat er ja nun eine feste Freundin oder einen festen Freund. Zwar habe ich nichts in seiner Wohnung bemerkt, dass darauf schließen könnte, aber Sandro war schon immer gut darin, Dinge zu vertuschen.“
Er lächelte sacht und lehnte sich nun zurück. Das Material der Sessel machte einen charakteristischen Laut, als zusätzliches Gewicht die Füllung auseinander trieb. Lucien hatte es hier wirklich gemütlich!
„Was Vico gegen ihn hat, weiß ich nicht so genau. Eigentlich war Sandro immer sehr freundlich zu ihm gewesen. Als Streitereien aufkamen, hatte er sich sogar freundlich von meinem Bruder ferngehalten. Vico meinte nur, er sei komisch, weil seine Eltern fürchterlich christlich sind und er etwas Trügerisches in seinen grünen Katzenaugen hat. Aber ich kann es nicht nachvollziehen.“
Hilflos zuckte er die Schultern und stellte den Becher auf den Tisch zurück, nachdem er die Lust verloren hatte, ihn weiter vor sich zu heben.
Das er es nicht nachvollziehen konnte, war in der Zeit auch gar nicht mal so verkehrt. Liebe macht eben doch blind. Da kann man sagen, was man will. |
|
|
|
|
|
|
Top
|