Auf den Beitrag: (ID: 30088) sind "280" Antworten eingegangen (Gelesen: 17253 Mal).
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 20.05.2002    um 15:54 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:46 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 20.05.2002    um 15:56 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:46 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 20.05.2002    um 16:01 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:47 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 21.05.2002    um 21:08 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:47 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 25.05.2002    um 18:56 Uhr   
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Geändert am 25.05.2002 um 18:57 Uhr von Leonora

Geändert am 27.09.2003 um 22:47 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 25.05.2002    um 18:59 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:47 Uhr von Leonora
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Nutzer: JWvonGoethe
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geschrieben am: 30.05.2002    um 01:59 Uhr   
Schön, daß es euch beiden immer noch gibt. Geht's euch gut?
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 30.05.2002    um 16:53 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:48 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 30.05.2002    um 16:55 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:48 Uhr von Leonora
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 02.06.2002    um 17:33 Uhr   
nachdem ich Dich zum Zug gebracht habe..


Komm in aller Stille

Frau, komm Frau, komm zu mir. Ich will dir meine
Hände auflegen, will sanft sein wie Nachtwind.

Sanft. Komm, Gazellenherz, beweg dich zum Takt
der zitternden Flanken, des Atems, der bebt.

Beweg dich und komm zu mir, zum Trommelstock,
der langsam rührt, zum Puls, der flüstert und pocht.

Komm, lass die Trommel singen, lass erklingen
die leisen Schreie in aller Stille. Komm.

(Manfred Ach)

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Nutzer: pocoforte
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geschrieben am: 04.06.2002    um 09:38 Uhr   
Bei dir sein wollen
Mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei dir verschwunden sein

Nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen

In dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von außen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders

Und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer
und ohne ausatmen trinken

Aber zwischendurch Abstand
suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit
Entfernung
und dann dich weiter küssen

Fried

Ihr beiden kennt diese Gefühle genau wie ich, nicht wahr?

poco
Geändert am 04.06.2002 um 09:41 Uhr von pocoforte
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 05.06.2002    um 15:26 Uhr   
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Geändert am 05.06.2002 um 15:31 Uhr von Leonora

Geändert am 27.09.2003 um 22:48 Uhr von Leonora
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Nutzer: tristesse
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geschrieben am: 08.06.2002    um 22:10 Uhr   
Lächelnd ein Geschenk mitgebracht hat...

Ich will

vertrauen
auf das was ist
und was kommt

zweifeln
an dem was ist
und was wird

suchen und ankommen
und weitersuchen
Auf Teufel komm raus

(Anne Steinwart)


Ein schönes Wochenende wünscht und auch einen Gruß von Micha im Gepäck hat :-)
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 12.06.2002    um 18:07 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:49 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 15.06.2002    um 09:50 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:49 Uhr von Leonora
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Nutzer: mirella
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geschrieben am: 15.06.2002    um 21:39 Uhr   

mit lieben Grüßen an Euch....

aber auch für jemanden, der hier längst nicht mehr liest, der an meiner Seite ist und den zu treffen mein größtes Glück war



Als er zurückkam


Als er zurückkam mein Freund mein Geliebter

blaß mager mich in den Arm nahm

begriff ich augenblicks daß er sterblich ist

mitten in seinem lebendigen Kuß

Wie noch nie versicherte ich mich

seiner Lippen der Zunge

ja mir war ich müßte mein Leben einfauchen

dem der mich so warm und verläßlich umschloß.

Wunder gebaren mir plötzlich all seine vierzig

Jahre alten Arme und Beine seine schöne Brust

sein Bauch sein Geschlecht sah ich mit eigenen Augen

nach Jahren so wie sie sind.Nein ich liebte ihn nicht

wie beim ersten Mal blindlings verschossen. Nein ich liebte ihn

offenen Auges Blutes mit allen Kräften zum ersten Mal.

Seither denke ich anders an ihn wenn er nicht bei mir und bei mir ist:

er ist ein sehr kostbarer sehr vergänglicher Mensch.

(Ulla Hahn)















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Nutzer: TrisundMicha
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geschrieben am: 16.06.2002    um 22:58 Uhr   

Unterwegs mit M.


Im Auto gemeinsam

unterwegs auf vergessenen Straßen

geborstene Wespen im Glas

platzender Regen

Sonne und Dunkelheit

und wieder Sonne: Wechsel

weniger Worte. Abwesendes

Beieinandersein. Sorglos.

Glück


(Günter Kunert)
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 20.06.2002    um 22:09 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:49 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 20.06.2002    um 22:09 Uhr   
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 21.06.2002    um 11:35 Uhr   
aus: Des Geliebten Nächte zu entzünden

Gib mir dein knospendes Gesicht,
daß meine Seele darauf weide,
und sich in seinem Frühlingslicht
ergehe wie auf einer Heide!

O gib mir deine weiche Hand,
mein hartes Sein in sie zu legen,
und führ es in dein Liebesland
aus blauer Luft und seidnen Wegen!

O gib mir deinen weißen Mund,
ich will ihn rot mit meinem färben!
O laß uns, Liebste, Mund an Mund,
in einem ewigen Kusse sterben!

Rose Ausländer (etwas modifiziert :-) )

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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 24.06.2002    um 22:23 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 23:00 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 07.08.2002    um 11:20 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 23:00 Uhr von Leonora
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Nutzer: roses
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geschrieben am: 07.08.2002    um 16:20 Uhr   
Zwei weitere (Liebes)Gedichte von Erich Fried

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Erwartung

Deine ferne Stimme
ganz nahe am Telefon-
und ich werde sie bald aus der Nähe
entfernter hören
weil sie dann von deinem Mund
bis zu meinen Ohren
den langen Weg nehmen muß
hindurch zwischen deinen Brüsten
über den Nabel hin
und den kleinen Hügel
deinen ganzen Körper entlang
an dem du hinabsiehst
bis hinunter zu meinem Kopf
desses Gesicht
vergraben ist zwischen deine gehobenen Schenkel
in deine Haare
und in deinen Schoß
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 07.08.2002    um 16:40 Uhr   
replica non placet, roses :-)

Nun aber für Dich, mein Schatz, mit zwinkerndem Auge ;-)


Lilis Park

Ist doch keine Menagerie
So bunt als meiner Lili ihre!
Sie hat darin die wunderbarsten Tiere
Und kriegt sie 'rein, weiß selbst nicht wie.
O wie sie hüpfen, laufen, trappeln,
Mit abgestumpften Flügeln zappeln,
Die armen Prinzen allzumal,
In nie gelöschter Liebesqual!
»Wie hieß die Fee? – Lili?« Fragt nicht nach ihr!
Kennt ihr sie nicht, so danket Gott dafür.

Welch ein Geräusch, welch ein Gegacker,
Wenn sie sich in die Türe stellt
Und in der Hand das Futterkörbchen hält!
Welch ein Gequiek, welch ein Gequacker!
Alle Bäume, alle Büsche
Scheinen lebendig zu werden:
So stürzen sich ganze Herden
Zu ihren Füßen; sogar im Bassin die Fische
Patschen ungeduldig mit den Köpfen heraus.
Und sie streut dann das Futter aus
Mit einem Blick – Götter zu entzücken,
Geschweige die Bestien. Da gehts an ein Picken,
An ein Schlürfen, an ein Hacken;
Sie stürzen einander über den Nacken,
Schieben sich, drängen sich, reißen sich,
Jagen sich, ängsten sich, beißen sich,
Und das all um ein Stückchen Brot,
Das, trocken, aus den schönen Händen schmeckt,
Als hätt es in Ambrosia gesteckt.

Aber der Blick auch! der Ton,
Wenn sie ruft: Pipi! Pipi!
Zöge den Adler Jupiters vom Thron;
Der Venus Taubenpaar,
Ja, der eitle Pfau sogar,
Ich schwöre, sie kämen,
Wenn sie den Ton von weitem nur vernähmen.
Denn so hat sie aus des Waldes Nacht
Einen Bären, ungeleckt und ungezogen,
Unter ihren Beschluß hereinbetrogen,
Unter die zahme Kompanie gebracht
Und mit den andern zahm gemacht:
Bis auf einen gewissen Punkt, versteht sich!
Wie schön und ach! wie gut
Schien sie zu sein! Ich hätte mein Blut
Gegeben, um ihre Blumen zu begießen.

Ihr sagtet: »ICH! Wie? Wer?«
Gut denn, ihr Herrn, gradaus: ICH bin der Bär;
In einem Filetschurz gefangen,
An einem Seidenfaden ihr zu Füßen.
Doch wie das alles zugegangen,
Erzähl ich euch zur andern Zeit;
Dazu bin ich zu wütig heut.

Denn ha! steh ich so an der Ecke
Und hör von weitem das Geschnatter,
Seh das Geflitter, das Geflatter,
Kehr ich mich um
Und brumm,
Und renne rückwärts eine Strecke
Und seh mich um
Und brumm,
Und laufe wieder eine Strecke,
Und kehr doch endlich wieder um.

Dann fängts auf einmal an, zu rasen,
Ein mächtger Geist schnaubt aus der Nasen,
Es wildst die innere Natur.
Was, du ein Tor, ein Häschen nur!
So ein Pipi! Eichhörnchen, Nuß zu knacken!
Ich sträube meinen borstgen Nacken,
Zu dienen ungewöhnt.
Ein jedes aufgestutzte Bäumchen höhnt
Mich an! Ich flieh vom Boulingreen,
Vom niedlich glatt gemähten Grase;
Der Buchsbaum zieht mir eine Nase,
Ich flieh ins dunkelste Gebüsche hin,
Durchs Gehege zu dringen,
Über die Planken zu springen!
Mir versagt Klettern und Sprung,
Ein Zauber bleit mich nieder,
Ein Zauber häkelt mich wider,
Ich arbeite mich ab, und bin ich matt genung,
Dann lieg ich an gekünstelten Kaskaden
Und kau und wein und wälze halb mich tot,
Und ach! es hören meine Not
Nur porzellanene Oreaden.

[...]












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"Autor"  
Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 07.08.2002    um 16:41 Uhr   
[...]

Auf einmal, ach! es dringt
Ein seliges Gefühl durch alle meine Glieder!
Sie ists, die dort in ihrer Laube singt!
Ich hör die liebe, liebe Stimme wieder,
Die ganze Luft ist warm, ist blütevoll.
Ach, singt sie wohl, daß ich sie hören soll?
Ich dringe zu, tret alle Sträuche nieder,
Die Büsche fliehn, die Bäume weichen mir,
Und so – zu ihren Füßen liegt das Tier.

Sie sieht es an: »Ein Ungeheuer! doch drollig!
Für einen Bären zu mild,
Für einen Pudel zu wild;
so zottig, täpsig, knollig!«
Sie streicht ihm mit dem Füßchen übern Rücken;
Er denkt im Paradiese zu sein.
Wie ihn alle sieben Sinne jücken!
Und sie – sieht ganz gelassen drein.
Ich küß ihre Schuhe, kau an den Sohlen,
So sittig, als ein Bär nur mag;
Ganz sachte heb ich mich und schwinge mich verstohlen
Leis an ihr Knie – Am günstgen Tag
Läßt sies geschehen und kraut mir um die Ohren
Und patscht mich mit mutwillig derbem Schlag;
Ich knurr, in Wonne neu geboren.
Dann fordert sie mit süßem, eitlem Spotte:
Allons tout doux! Eh la menotte!
Et faites serviteur,
Comme un joli Seigneur.
So treibt sies fort mit Spiel und Lachen!
Es hofft der oft betrogne Tor;
Doch will er sich ein bißchen unnütz machen,
Hält sie ihn kurz als wie zuvor.

Doch hat sie auch ein Fläschchen Balsam-Feuers,
Dem keiner Erde Honig gleicht,
Wovon sie wohl einmal, von Lieb und Treu erweicht,
Um die verlechzten Lippen ihres Ungeheuers
Ein Tröpfchen mit der Fingerspitze streicht
Und wieder flieht und mich mir überläßt,
Und ich dann, losgebunden, fest
Gebannt bin, immer nach ihr ziehe,
Sie suche, schaudre, wieder fliehe –
So läßt sie den zerstörten Armen gehn,
Ist seiner Lust, ist seinen Schmerzen still;
Ha! Manchmal läßt sie mir die Tür halb offen stehn,
Seitblickt mich spottend an, ob ich nicht fliehen will.

Und ich! – Götter, ists in euren Händen,
Dieses dumpfe Zauberwerk zu enden:
Wie dank ich, wenn ihr mir die Freiheit schafft!
Doch sendet ihr mir keine Hilfe nieder –
Nicht ganz umsonst reck ich so meine Glieder:
Ich fühls: Ich schwörs! Noch hab ich Kraft.

(J.W.v. Goethe, 1775)
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