Auf den Beitrag: (ID: 30088) sind "280" Antworten eingegangen (Gelesen: 17337 Mal).
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 03.08.2001    um 23:07 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:34 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 03.08.2001    um 23:10 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:34 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 07.08.2001    um 19:05 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:35 Uhr von Leonora
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 07.08.2001    um 19:47 Uhr   
WO BIST DU...

Wo bist du, süße Blume meiner Tage?
Ich strecke müde, glückverlangende Hände
nach deinem holden Kelche aus?
Wo bist du -
daß ich das keusche, sammetweiche Haupt
dir küsse?
Wo bist du -
daß der Falter meiner Seele
an deiner Blüte Staub
sich neu vergolde?
Ich dürste, hungere nach deinem Duft!
Wo birgst du deine Schönheit?
Welcher Garten des Paradieses
umfriedet deine Pracht?
Wo bist du - bist du -
süße Blume meiner Tage?


(Christian Morgenstern)
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 08.08.2001    um 00:07 Uhr   
In einem anderen Land

Ich kann vielleicht
deine Brüste nachbilden
aus meinem Kissen
für meine Zunge
für meine Lippen
und für meine Hände
damit sie besser
denken können an dich

Ich kann vielleicht
deinen Schoß nachbilden
aus meinem Kissen
für mein Geschlecht
für meinen Mund
und für mein ganzes Gesicht
damit es sich besser
vergraben kann in seine Sehnsucht

Aber deine Augen
kann ich
aus nichts nachbilden
auch deine Stimme nicht
nicht deinen Atem
nicht deinen Geruch
und keine einzige
von deinen Bewegungen

Und meine Hände
meine Lippen
meine Zähne
und meine Zunge
und auch mein Geschlecht -
das alles
will nur dich
und keinen Ersatz für dich

Und auch deine Brüste
kann ich nicht wirklich nachbilden
und auch nicht deinen Schoß
und wenn ich es versuche
werde ich immer
nur traurig
und du
fehlst mir noch mehr

(Erich Fried)



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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 08.08.2001    um 00:39 Uhr   
Aber

Zuerst habe ich mich verliebt
in den Glanz deiner Augen
in dein Lachen
in deine Lebensfreude

Jetzt liebe ich auch dein Weinen
und deine Lebensangst
und die Hilflosigkeit
in deinen Augen

Aber gegen die Angst
will ich dir helfen
denn meine Lebensfreude
ist noch immer der Glanz deiner Augen


(Erich Fried)
Geändert am 08.08.2001 um 00:41 Uhr von Vesikel

Geändert am 08.08.2001 um 00:42 Uhr von Vesikel
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 09.08.2001    um 18:46 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:35 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 09.08.2001    um 22:57 Uhr   
... wie konnte ich das bloß vergessen?
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 18.08.2001    um 12:55 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:36 Uhr von Leonora
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 18.08.2001    um 13:33 Uhr   
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Nutzer: Gast_Leonora
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geschrieben am: 19.08.2001    um 13:26 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:37 Uhr von Leonora
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 24.08.2001    um 10:02 Uhr   
Die Liebe

Die liebe
Ist eine wilde rose in uns
Sie schlägt ihre wurzeln
in den augen,
wenn sie dem blick des geliebten begegnen
Sie schlägt ihre wurzeln
in den wangen,
wenn sie den hauch des geliebten spüren
Sie schlägt ihre wurzeln
in der haut des armes,
wenn ihn die hand des geliebten berührt
Sie schlägt ihre wurzeln,
wächst wuchert
und eines abends
oder eines morgens
fühlen wir nur:
sie verlangt
raum in uns

Die liebe
ist eine wilde rose in uns,
unerforschbar vom verstand
und ihm nicht untertan
Aber der verstand
ist ein messer in uns

Der verstand
ist ein messer in uns,
zu schneiden der rose
durch hundert zweige
einen himmel


(Reiner Kunze)



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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 24.08.2001    um 10:55 Uhr   
Also trabte der Bär los. Der Herbst zeigte seine ersten Farbtöne, aber verschleierte sie schon durch einen kalten, feuchten Dunst. Wie hatte sich der Bär doch auf den Winterschlaf gefreut, hatte sich doch über den Spätsommer bemüht, sich wurzelgrabend und Schneckennudelessend darauf so gut als möglich vorzubereiten; und es hatte doch auch geklappt! Er war bärendick und rund, und nun konnte er doch nicht in Ruhe eingerollt in seiner Höhle liegen, sondern musste aus dem Wald heraus. Wie weh ihm das tat! Wie weh ihm der Gedanke an den Raben, an das Eichhörnchen, an die Maus tat – und doch, er konnte einfach nicht mehr bleiben. Alle Tiere im Wald weinten, als er ging, aber der Wald war nicht mehr sein Ort. Ständig drehte er sich um, schaute zurück, sah die Schemen aller derer, die er so lieb hatte, im Herbstnebel immer blasser werden. Die Feuchte setzte sich in seinem Fell fest, so daß es ganz verzottelte. Leise hörte er im Wind Geigentöne verwehen, die ihm noch nie so lieblich als jetzt vorgekommen waren.
Die letzten Schemen verblassten, die letzten Töne erstarben, als der Bär aus dem Wald herauskam. Nun war er ganz alleine, um ihn herum Wiesen, ein kleiner Bach, doch die Sonne wollte nicht den Nebel durchbrechen, sie stand als milchige Scheibe am Himmel, kalt. Hatte er das nicht genau geträumt, seit Jahhren, in einem Traum, der immer wieder kam? Hatte er nicht den Geruch von dem süssesten Honig in seiner schwarzen Nase, wenn er erwachte? Und doch wusste er nicht, wo dieser Honig ist. Immer war nur dieser Geruch da, und er wusste, daß es ihn in diesem Wald nicht gibt, aber dann kam in dem Traum nur Schwärze und viel Trauer. Doch der süsse Geschmack war da. Sollte es also irgendwo einen anderen Wald geben, den er suchen musste?
In der Ferne begann sich die Stadt abzuzeichnen, ließ der Nebel die Konturen erahnen. Nein, da wollte er nicht durch. Er hatte so vieles von diesen Wesen gehört, die dort waren, so vieles, was er nicht verstand, so vieles, was ihm schrecklich erschien. Er war doch ein Bär, der den Wald liebte! Aber es war, als zöge ihn etwas immer weiter zu dieser Stadt hin. Genauso, wie er doch nicht seinen Wald verlassen wollte, aber es doch tun musste, weil es ihn innerlich trieb, genauso trieb es ihn nun zu dieser Stadt hin. Er wollte es nicht, aber er konnte doch nicht anders.
Er näherte sich den ersten Häusern, die ganz grau aussahen in dem trüben Herbstnebel. Wie konnten diese Wesen hier nur wohnen, in solcher Gräue?
Â…

Geändert am 24.08.2001 um 10:56 Uhr von Vesikel
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 28.08.2001    um 18:39 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:52 Uhr von Leonore
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 28.08.2001    um 19:37 Uhr   
SolvejgÂ’s Lied

Vielleicht geht der Winter, und der Frühling folgt nach,
Und der Sommer dazu, und das ganze Jahr; -
Aber einst wirst Du kommen, das, weiß ich, ist wahr;
Und ich werde warten, wie ich Dir's versprach.


Gott stärke Dich, wo in der Welt Du auch gehst!
Gott segne Dich, wenn Du vor seinem Fuß-Schemel stehst!
Hier wart' ich, mein Freund, bis Du kommst, nach Deinem Wort;
Und wartest Du dort oben, so treffen wir uns dort!

(Aus: H. Ibsen, Peer Gynt; Übersetzung von Chr. Morgenstern)
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Nutzer: vesikel
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geschrieben am: 28.08.2001    um 20:02 Uhr   
An den andern

Ich hatte mich im Hochgebirg verstiegen.
Die Felsenwelt um mich, sie war wohl schön;
doch konnt ich keinen Ausgang mir ersiegen,
noch einen Aufgang nach den lichten Höhn;

Da traf ich Dich, in ärgster Not: den Andern!
Mit Dir vereint, gewann ich frischen Mut.
Von neuem hob ich an, mit Dir, zu wandern,
und siehe da: Das Schicksal war uns gut.

Wir fanden einen Pfad, der klar und einsam
empor sich zog, bis, wo ein Tempel stand.
Der Steig war steil, doch wagten wir's gemeinsam...
Und heut noch helfen wir uns, Hand in Hand.

Mag sein, wir stehn an unsres Lebens Ende
noch unterm Ziel, - genug, der Weg ist klar!
Daß wir uns trafen, war die große Wende,
Aus zwei Verirrten ward ein wissend Paar.

(Christian Morgenstern, Wir fanden einen Pfad, 1914)


Geändert am 28.08.2001 um 20:03 Uhr von Vesikel
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 28.08.2001    um 21:35 Uhr   
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Geändert am 23.09.2003 um 23:53 Uhr von Leonore
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 28.08.2001    um 21:36 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:40 Uhr von Leonore
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 28.08.2001    um 21:39 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:41 Uhr von Leonore
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geschrieben am: 29.08.2001    um 08:35 Uhr   
Der Engel

O wüsstest du, wie sehr dein Antlitz sich
verändert, wenn du mitten in dem Blick,
dem stillen, reinen, der dich mit mir vereint,
dich innerlich verlierst und von mir kehrst.
Wie eine Landschaft, die noch eben hell
bewölkt es sich und schließt mich von dir aus.
Dann warte ich. Dann warte schweigend ich.
Oft lange. Und wär ich ein Mensch wie du
mich tötete verschmähte Liebe Pein.
So aber gab unendliche Geduld
der Vater mir und unerschütterlich
erwarte ich dich, wann immer du kommst.
Und diesen sanften Vorwurf selber nimm
als Vorwurf nicht, als keusche Botschaft nur.

(Christian Morgenstern)

Wie sehr wünsche ich mir manchmal, ein Engel zu sein und so im Lichte des Vaters zu stehen. Und doch bete ich darum, diese Kräfte zu haben - für uns
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 29.08.2001    um 14:59 Uhr   
das hab ich lieb, das gedicht ... das ist eins der ganz wenigen, die mich durchdringen ... auch jetzt
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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 01.09.2001    um 16:12 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:41 Uhr von Leonore
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geschrieben am: 06.09.2001    um 00:29 Uhr   
spätabends nach Hause kommend, das keines mehr ist; aber die Geliebte schlafend wissend:

DER BESUCH

Meine Liebste wollt ich heut beschleichen,
Aber ihre Türe war verschlossen,
Hab ich doch den Schlüssel in der Tasche!
Öffn ich leise die geliebte Türe!

Auf dem Saale fand ich nicht das Mädchen,
Fand das Mädchen nicht in ihrer Stube;
Endlich, da ich leis die Kammer öffne,
Find ich sie, gar zierlich eingeschlafen,
Angekleidet, auf dem Sofa liegen.

Bei der Arbeit war sie eingeschlafen:
Das Gestrickte mit den Nadeln ruhte
Zwischen den gefaltnen zarten Händen;
Und ich setzte mich an ihre Seite,
Ging bei mir zu Rat, ob ich sie weckte.

Da betrachtet ich den schönen Frieden,
Der auf ihren Augenlidern ruhte;
Auf den Lippen war die stille Treue,
Auf den Wangen Lieblichkeit zu Hause;
Und die Unschuld eines guten Herzens
Regte sich im Busen hin und wieder.
Jedes ihrer Glieder lag gefällig,
Aufgelöst vom süßen Götterbalsam.

Freudig saß ich da, und die Betrachtung
Hielte die Begierde, sie zu wecken,
Mit geheimen Banden fest und fester.

O du Liebe, dacht ich, kann der Schlummer,
Der Verräter jedes falschen Zuges,
Kann er dir nicht schaden, nichts entdecken,
Was des Freundes zarte Meinung störte?

Deine holden Augen sind geschlossen,
Die mich offen schon allein bezaubern;
Es bewegen deine süßen Lippen
Weder sich zur Rede noch zum Kusse;
Aufgelöst sind diese Zauberbande
Deiner Arme, die mich sonst umschlingen,
Und die Hand, die reizende Gefährtin
Süßer Schmeicheleien, unbeweglich.
Wärs ein Irrtum, wie ich von dir denke,

Wär es Selbstbetrug, wie ich dich liebe,
Müßt ichs jetzt entdecken, da sich Amor
Ohne Binde neben mich gestellet.

Lange saß ich so und freute herzlich
Ihres Wertes mich und meiner Liebe;
Schlafend hatte sie mir so gefallen,
Daß ich mich nicht traute, sie zu wecken.

Leise leg ich ihr zwei Pomeranzen
Und zwei Rosen auf das Tischchen nieder;
Sachte, sachte schleich ich meiner Wege.
Öffnet sie die Augen, meine Gute,
Gleich erblickt sie diese bunte Gabe,
Staunt, wie immer bei verschloßnen Türen
Dieses freundliche Geschenk sich finde.

Seh ich diese Nacht den Engel wieder,
O wie freut sie sich, vergilt mir doppelt
Dieses Opfer meiner zarten Liebe.

(Goethe 1788)

:-)



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Nutzer: Gast_Leonore
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geschrieben am: 08.09.2001    um 19:02 Uhr   
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Geändert am 27.09.2003 um 22:42 Uhr von Leonore
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geschrieben am: 21.09.2001    um 19:24 Uhr   
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