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geschrieben am: 24.08.2001 um 10:55 Uhr
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Also trabte der Bär los. Der Herbst zeigte seine ersten Farbtöne, aber verschleierte sie schon durch einen kalten, feuchten Dunst. Wie hatte sich der Bär doch auf den Winterschlaf gefreut, hatte sich doch über den Spätsommer bemüht, sich wurzelgrabend und Schneckennudelessend darauf so gut als möglich vorzubereiten; und es hatte doch auch geklappt! Er war bärendick und rund, und nun konnte er doch nicht in Ruhe eingerollt in seiner Höhle liegen, sondern musste aus dem Wald heraus. Wie weh ihm das tat! Wie weh ihm der Gedanke an den Raben, an das Eichhörnchen, an die Maus tat – und doch, er konnte einfach nicht mehr bleiben. Alle Tiere im Wald weinten, als er ging, aber der Wald war nicht mehr sein Ort. Ständig drehte er sich um, schaute zurück, sah die Schemen aller derer, die er so lieb hatte, im Herbstnebel immer blasser werden. Die Feuchte setzte sich in seinem Fell fest, so daß es ganz verzottelte. Leise hörte er im Wind Geigentöne verwehen, die ihm noch nie so lieblich als jetzt vorgekommen waren.
Die letzten Schemen verblassten, die letzten Töne erstarben, als der Bär aus dem Wald herauskam. Nun war er ganz alleine, um ihn herum Wiesen, ein kleiner Bach, doch die Sonne wollte nicht den Nebel durchbrechen, sie stand als milchige Scheibe am Himmel, kalt. Hatte er das nicht genau geträumt, seit Jahhren, in einem Traum, der immer wieder kam? Hatte er nicht den Geruch von dem süssesten Honig in seiner schwarzen Nase, wenn er erwachte? Und doch wusste er nicht, wo dieser Honig ist. Immer war nur dieser Geruch da, und er wusste, daß es ihn in diesem Wald nicht gibt, aber dann kam in dem Traum nur Schwärze und viel Trauer. Doch der süsse Geschmack war da. Sollte es also irgendwo einen anderen Wald geben, den er suchen musste?
In der Ferne begann sich die Stadt abzuzeichnen, ließ der Nebel die Konturen erahnen. Nein, da wollte er nicht durch. Er hatte so vieles von diesen Wesen gehört, die dort waren, so vieles, was er nicht verstand, so vieles, was ihm schrecklich erschien. Er war doch ein Bär, der den Wald liebte! Aber es war, als zöge ihn etwas immer weiter zu dieser Stadt hin. Genauso, wie er doch nicht seinen Wald verlassen wollte, aber es doch tun musste, weil es ihn innerlich trieb, genauso trieb es ihn nun zu dieser Stadt hin. Er wollte es nicht, aber er konnte doch nicht anders.
Er näherte sich den ersten Häusern, die ganz grau aussahen in dem trüben Herbstnebel. Wie konnten diese Wesen hier nur wohnen, in solcher Gräue?
Â…
Geändert am 24.08.2001 um 10:56 Uhr von Vesikel |
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