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geschrieben am: 02.03.2003 um 22:02 Uhr
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Seltsam
Seltsam,
es ist beruhigend,
zu begreifen;
daß es nichts Festes gibt.
Nur Gegensätze.
Jede Farbe fordert
ihre Gegenfarbe.
Seltsam?
Dieter Kahl
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geschrieben am: 09.03.2003 um 15:12 Uhr
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Frühlingsanfang
Nutze die Nächte.
Wohlgesonnen sind sie dir.
Und wertvoller werden sie
jeden Tag
und bleiben so kostbar,
bis im Herbst an der Grenze
zwischen Gold und Grau
sie wieder wohlfeil sind.
Jetzt aber, wenn du erwachst,
ist es dir schon entflohen,
das Geheimnis der Nacht.
Im roten Licht des Tags
zerfließt es dir
am Horizont.
Deine Finger halten
vergeblich
den Stift.
Der Traum,
er verrinnt.
Und jeden Tag länger
wartest du auf die Weichheit
des Dunkels.
Helmut Maier
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geschrieben am: 09.03.2003 um 15:16 Uhr
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Sonnenaufgang
Ein Morgen kam - ich starrte himmelan
Und sah die Sonne auf der Rosenbahn.
Ein Regenbogen schien sich aufzubauen
Gleich einer Brücke in das Himmelreich,
Gleich einem Dom ob niedren Erdenauen,
Doch Dom und Brücke ward dem Herzen gleich.
In Jenen trat's mit Beten und mit Singen
Im Gottesdienst zur Sonne sich zu schwingen,
Auf diesen schritt es siebenfach umwoben
Zur Sonne selbst, sich frei ihr zu geloben.
So war der ganze Himmel vor mir offen!
Und in mich selbst schaut ich erstaunt, betroffen.
Da war mein Herz zu einem Garten worden,
Zwei Friedenspalmen standen an den Pforten -
Und drinnen, welch ein Drängen, welch ein Treiben!
Viel tausend Blüten lieblicher Gefühle
Erwachen aus des Morgentaues Kühle,
Kein Knöspchen will in seiner Hülle bleiben.
Es ist ein Sprossen, Streben auf zum Licht:
Und jede Hoffnung ist ein Lobgedicht
Und jeder Wunsch ein glühend Minnelied! -
Inmitten diesem seligen Gebiet
Ist mir der Liebe Sonne aufgegangen.
So bringt das Herz sich ihr voll Weihe dar.
Nach keinem Himmel mag es mehr verlangen
Als den, der jetzt ihm plötzlich offenbar,
Denn schön und rein wie heller Sonnenglanz
Erfüllt der Liebe Seligkeit es ganz.
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geschrieben am: 09.03.2003 um 23:21 Uhr
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weiss zwar nicht wer tacky ist,war aber schon
oft hier drin,und es sind viele Gedichte dabei
die mir echt gut gefallen....
Boss |
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geschrieben am: 13.03.2003 um 21:30 Uhr
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Das Fenster
Ein Fenster zum Luft herein lassen,
erfüllt mit Blumenduft und Vogelgezwitscher,
mit dem Geschrei der Kinder,
und dem Lärm der Stadt.
Ein Fenster zum Atmen
und in die Ferne schauen,
zum Hinausschlüpfen und Davonfliegen.
Ein Fenster in die Freiheit.
Ein Fenster ohne Vorhang
zum Hineinblicken und Hinauslächeln,
zum Einladen und Arm entgegen strecken.
Ein Fenster für dich.
Ingrid Hoffmann
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geschrieben am: 16.03.2003 um 10:48 Uhr
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Ich hab es mir zum Trost ersonnen
In dieser Zeit der schweren Not,
In dieser Blütezeit der Schufte,
In dieser Zeit von Salz und Brot.
Ich zage nicht, es muss sich wenden,
Und heiter wird die Welt erstehn,
Es kann der echte Keim des Lebens
Nicht ohne Frucht verlorengehn.
Der Klang von Frühlingsungewittern,
Von dem wir schauernd sind erwacht,
Von dem noch alle Wipfel rauschen,
Er kommt noch einmal, über Nacht!
Und durch den ganzen Himmel rollen
Wird dieser letzte Donnerschlag;
Dann wird es wirklich Frühling werden
Und hoher, heller, goldner Tag.
Heil allen Menschen, die es hören!
Und Heil dem Dichter, der dann lebt
Und aus dem offnen Schacht des Lebens
Den Edelstein der Dichtung hebt!
Theodor Storm
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geschrieben am: 22.03.2003 um 17:40 Uhr
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Der Krieg
Schwarzer Himmel
Schwarze Erde
zwischendrin ein Feuerstoss
verbunden nur durch Bombenregen
sag warum?
warum denn bloß?
Tote Kinder
Tote Greise
liegen im verbrannten Moos
ohne jeden letzten Segen
sag warum?
warum den bloß?
Junge Kinder
Junge Männer
wollen mutig sein und groß
ziehŽn mit Müh zur Schlacht den Degen.
sag warum?
warum denn bloß?
MagŽre Arme
MagŽre Beine
auf dem Felde pausenlos
arbeiten der Kinder wegen.
sag warum?
warum denn bloß?
Felix Lempp
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geschrieben am: 27.03.2003 um 19:20 Uhr
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Friede
~Hermann Hesse, 11.10.1914~
Jeder hatŽs gehabt,
Keiner hatŽs geschätzt,
Jeden hat der süße Quell gelabt,
O wie klingt der Name Friede jetzt!
Klingt so fern und zag,
Klingt so tränenschwer,
Keiner weiß und kennt den Tag,
Jeder sehnt ihn voll Verlangen her.
Sei willkommen einst,
Erste Friedensnacht,
Milder Stern, wenn endlich du erscheinst
überm Feuerdampf der letzten Schlacht.
Dir entgegen blickt
Jede Nacht mein Traum,
Ungeduldig rege Hoffnung pflückt
Ahnend schon die goldne Frucht vom Baum.
Sei willkommen einst,
Wenn aus Blut und Not
Du am Erdenhimmel uns erscheinst,
Einer andern Zukunft Morgenrot.
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geschrieben am: 29.03.2003 um 22:27 Uhr
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Menschlichkeit
Der grausamste Krieg - der menschlichste Krieg!
Zum Frieden führt er durch raschesten Sieg.
Kaum hörtŽs der Gegner, denkt er: Hallo!
Natürlich wütŽ ich dann ebenso!
Nun treiben die beiden Wüteriche
Die Grausamkeit ins Ungeheuerliche
Und suchen durch das grausamste Wüten
Sich gegenseitig zu überbieten -
Jeder gegen den andern bewehrt
Durch zehn Millionen Leute,
Und wenn sie noch nicht aufgehört,
Dann wüten sie noch heute.
Frank Wedekind
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| "Autor" |
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geschrieben am: 30.03.2003 um 09:29 Uhr
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Hallo,
hab mir schon oft gewünscht, dass etwas Licht ins Dunkel kommen würde, doch heller wurd es nicht.
Wes net in wie fern sich das Gedicht auf dich bezogen hat...?
Also machs besser Grüße das Gaebschel |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 31.03.2003 um 21:11 Uhr
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Der konjugierte europäische Frieden
Präsens
Ich bin friedlich,
Du rüstest,
Er exerziert,
Wir bewachen die Grenze,
Ihr drillt,
Sie vermehren die Regimenter.
Imperfektum
Ich machte mobil,
Du erhöhtest den Etat,
Er misstraute,
Wir bildeten Landwehr,
Ihr suchtet Allianzen,
Sie ließen von den Offiziellen hetzen.
Perfektum
Ich habe Kasernen gebaut,
Du hast Festungen armiert,
Er hat von Revanche gesprochen,
Wir haben den dreizehnten Hauptmann aufgestellt,
Ihr habt stärkere Panzerplatten gießen lassen,
Sie haben schwere Monstregeschütze erfunden.
Plusquamperfektum
Ich hatte einberufen,
Du hattest Manöver abgehalten,
Er hatte den Train reorganisiert,
Wir hatten die Infanterie reorganisiert,
Ihr hattet die Kavallerie reorganisiert,
Sie hatten die Artillerie reorganisiert.
Futurum
Ich werde Torpedos probieren,
Du wirst die Küsten armieren,
Er wird die Festungen instand setzen,
Wir werden neue Hinterlader einführen,
Ihr werdet die neueren Hinterlader einführen,
Sie werden die neuesten Hinterlader einführen.
Futurum exaktum
Ich werde mich ruiniert haben,
Du wirst dich bankrott gemacht haben,
Er wird seinen Wohlstand vernichtet haben,
Wir werden unsere Steuern verzehrt haben,
Ihr werdet die Last nicht ertragen haben,
Sie werden auf dem letzten Loch gepfiffen haben.
Imperativ
Opfere alles!
Nimm keine Rücksicht!
Werde die größte Großmacht!
Participium
Stärkend,
Schwächend,
Vernichtet.
Karl Adolf Selke
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geschrieben am: 02.04.2003 um 21:30 Uhr
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Entsagung der Politik
Ade, Frau Politik! Sie mag sich fürbass trollen:
Die Schrift-Zensur ist heutzutage scharf.
Was mancher Edle will, scheint er oft nicht zu sollen;
Dagegen, was er schreiben soll und darf,
Kann doch ein Edler oft nicht wollen.
Gottfried August Bürger
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geschrieben am: 14.04.2003 um 20:37 Uhr
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Zum Verzehr freigegeben
Seifenstücke, fein gemahlen,
Autoreifen, Eierschalen,
Altpapier und Kaffeesatz,
in der Wurst da ist noch Platz.
Rheumasalben, Pheromone,
Hustenbonbons und Hormone,
alles das, weiß jedes Kind,
frisst das Schwein und auch das Rind.
Altöl, Plastik, leere Dosen,
Altglas und zerrissŽne Hosen,
Rinderhirn und Knochenmark,
machen unsre Hühner stark.
Rinderwahn und schlechter Fisch
landen schließlich auf dem Tisch,
in den Magen kommt der Mist,
wo keiner weiß, was drinne ist.
Verbraucherschutz - das Wort gefällt,
doch gibtŽs den nicht auf dieser Welt,
zum Schluss wird alles, so istŽs im Leben,
zum Verzehr doch freigegeben.
Markus J. Kluge
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| "Autor" |
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geschrieben am: 29.04.2003 um 18:37 Uhr
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Lebenserfahrung
Keine Lehre,
keine noch so hohe,
ändert der Menschen Sinn.
Nur das Leben,
Anschauen,
die Erfahrung der Tatsachen
an sich und anderen,
nur das bekehrt.
Berthold Auerbach
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| "Autor" |
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geschrieben am: 04.05.2003 um 23:28 Uhr
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Sprich aus der Ferne,
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt:
Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht,
Und die Kränze still leuchtender Funken
Nacht um die schattige Stirne flicht:
Wehet der Sterne Heiliger Sinn
Leis durch die Ferne
Bis zu mir hin.
Wenn des Mondes still lindernde Tränen
Lösen der Nächte verborgenes Weh,
Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen
Schiffen die Geister im himmlischen See.
Glänzender Lieder
Klingender Lauf
Ringelt sich nieder,
Wallet hinauf.
Wenn der Mitternacht heiliges Grauen
Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht,
Und die Büsche gar wundersam schauen,
Alles sich finster, tiefsinnig bezeugt:
Wandelt im Dunkeln
Freundliches Spiel,
Still Lichter funkeln
Schimmerndes Ziel.
Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,
Bietet sich tröstend und trauernd die Hand,
Sind durch die Nächte die Lichter gewunden,
Alles ist ewig im Innern verwandt.
Sprich aus der Ferne,
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt!
Clemens Brentano
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| "Autor" |
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geschrieben am: 12.05.2003 um 20:20 Uhr
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Achte nicht nur auf das...
Achte nicht nur auf das,
was die Leute dir sagen,
sondern auch darauf,
wie sie es sagen.
Wenn du einigen Scharfsinn hast,
wirst du mehr Wahrheit
durch die Augen entdecken als durch die Ohren.
Die Leute können sagen was sie wollen,
können sich aber nicht genau eine Miene
nach ihrem Willen geben.
Lord Philip Dormer Stanhope Chesterfield
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.05.2003 um 22:15 Uhr
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Wandelt sich rasch auch die Welt
Wandelt sich rasch auch die Welt
wie Wolkengestalten,
alles Vollendete fällt
heim zum Uralten.
Über dem Wandel und Gang,
weiter und freier,
währt noch dein Vor-Gesang,
Gott mit der Leier.
Nicht sind die Leiden erkannt,
nicht ist die Liebe gelernt,
und was im Tod uns entfernt,
ist nicht entschleiert.
Einzig das Lied überm Land
heiligt und feiert.
Rainer Maria Rilke
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| "Autor" |
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geschrieben am: 03.01.2004 um 23:23 Uhr
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lauter schöne und interessante Texte....mal hochschiebts!!
gruß
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| "Autor" |
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geschrieben am: 26.02.2004 um 22:06 Uhr
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Erich Fried
Versuch
ich habe versucht
zu versuchen
während ich arbeiten muß
an meine Arbeit zu denken
und nicht an dich
und ich bin glücklich
daß der Versuch
nicht geglückt ist
;-) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 27.02.2004 um 01:03 Uhr
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upps - arbeitet erich bei toll collect ? ;-) |
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