| "Autor" |
Gedicht zum Tage |
|
|
|
geschrieben am: 05.10.2002 um 23:26 Uhr
|
|
Alter Baum im Sonnenaufgang
Frühnebel steigt aus einsam altem Baum.
Es lichten sich die weiten Astwerkräume,
Die purpurbraunen, rostbespritzten Blätter,
Die nur der Frost noch festhält. Schwarz von Osten
Aufwogt Gebirg. Aus hoher Gipfelzacke
Strömt weißer Brand und saugt in großen Zügen
Den Dunst nach oben, schräge Strahlen lagern
Herab, leist knisternd fallen Blätter -
Und stärker schüttert Licht.
Es klingt, braust, - schaudernd
Erwacht der dunkle Baumgeit; in die Sonne
Reckt er sich tausendzweigig, nieder
Wirft er die breite purpurne Belaubung,
Und Himmel, Himmel füllt das nackte Holz.
(Hans Carossa)
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 06.10.2002 um 10:22 Uhr
|
|
Warum gabst du uns die tiefen Blicke,
Unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun,
Unsrer Liebe, unserm Erdenglücke
Wähnend selig nimmer hinzutraun?
Warum gabst uns, Schicksal, die Gefühle,
Uns einander in das Herz zu sehn,
Um durch all die seltenen Gewühle
Unser wahr Verhältnis auszuspähn?
Ach, so viele tausend Menschen kennen,
Dumpf sich treibend, kaum ihr eigen Herz,
Schweben zwecklos hin und her und rennen
Hoffnungslos in unversehnem Schmerz;
Jauchzen wieder, wenn der schnellen Freuden
UnerwartŽte Morgenröte tagt.
Nur uns armen liebevollen beiden
Ist das wechselseitge Glück versagt,
Uns zu lieben, ohn uns zu verstehen,
In dem andern sehn, was er nie war,
Immer frisch auf Traumglück auszugehen
Und zu schwanken auch in Traumgefahr.
Glücklich, den ein leerer Traum beschäftigt!
Glücklich, dem die Ahndung eitel wär!
Jede Gegenwart und jeder Blick bekräftigt
Traum und Ahndung leider uns noch mehr.
Sag, was will das Schicksal uns bereiten?
Sag, wie band es uns so rein genau?
Ach, du warst in abgelebten Zeiten
Meine Schwester oder meine Frau.
Kanntest jeden Zug in meinem Wesen,
Spähtest, wie die reinste Nerve klingt,
Konntest mich mit einem Blicke lesen,
Den so schwer ein sterblich Aug durchdringt.
Tropftest Mäßigung dem heißen Blute,
Richtetest den wilden irren Lauf,
Und in deinen Engelsarmen ruhte
Die zerstörte Brust sich wieder auf;
Hieltest zauberleicht ihn angebunden
Und vergaukeltest ihm manchen Tag.
Welche Seligkeit glich jenen Wonnestunden,
Da er dankbar dir zu Füßen lag,
FühltŽ sein Herz an deinem Herzen schwellen,
Fühlte sich in deinem Auge gut,
Alle seine Sinnen sich erhellen
Und beruhigen sein brausend Blut!
Und von allem dem schwebt ein Erinnern
Nur noch um das ungewisse Herz,
Fühlt die alte Wahrheit ewig gleich im Innern,
Und der neue Zustand wird ihm Schmerz.
Und wir scheinen uns nur halb beseelet,
Dämmernd ist um uns der hellste Tag.
Glücklich, dass das Schicksal, das uns quälet,
Uns doch nicht verändern mag!
Johann Wolfgang von Goethe
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 07.10.2002 um 21:42 Uhr
|
|
Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit,
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geistern umher;
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer,
Wär ich nur hier nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe, wie flog es vorbei!
Theodor Storm
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 08.10.2002 um 19:14 Uhr
|
|
Verklärter Herbst
Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.
Es ist der Liebe milde Zeit,
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.
Georg Trakl
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 09.10.2002 um 20:05 Uhr
|
|
Erster Verlust
Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!
Einsam nähr ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur ich ums verlorne Glück.
Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene holde Zeit zurück!
Johann Wolfgang von Goethe
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 12.10.2002 um 17:12 Uhr
|
|
Der Augenblick
Warum denn währt des Lebens Glück
Nur einen Augenblick?
Die zarteste der Freuden
Stirbt wie der Schmetterling,
Der, hangend an der Blume,
Verging, verging.
Wir ahnen, wir genießen kaum
Des Lebens kurzen Traum.
Nur im unselgen Leiden
Wird unser Herzeleid
In einer bangen Stunde
Zur Ewigkeit.
Johann Gottfried Herder
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 12.10.2002 um 17:59 Uhr
|
|
Hinter den Worten wohnen die Gedanken
Hinter den Gedanken wohnen die Gefühle
Hinter den Gefühlen wohnen die Sehnsüchte
Hinter den Sehnsüchten wohnt die Einsamkeit
Hinter der Einsamkeit wohnen die Ängste
Hinter den Ängsten wohnst Du
von Otto Lenk |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 13.10.2002 um 12:53 Uhr
|
|
Aus dem Marsch
Der Ochse frißt das feine Gras,
Und läßt die groben Halme stehen;
Der Bauer schreitet hintendrein
Und fängt bedächtig an zu mähen.
Und auf dem Stall zur Winterzeit,
Wie wacker steht der Ochs zu kauen!
Was er als grünes Gras verschmäht,
Das muß er nun als Heu verdauen.
Theodor Storm
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 14.10.2002 um 19:08 Uhr
|
|
Wiegenlied
Träume, träume du, mein süßes Leben,
Von dem Himmel, der die Blumen bringt.
Blüten schimmern da, die leben
Von dem Lied, das deine Mutter singt.
Träume, träume, Knospe meiner Sorgen,
Von dem Tage, da die Blume sproß;
Von dem hellen Blütenmorgen,
Da dein Seelchen sich der Welt erschloß.
Träume, träume, Blüte meiner Liebe,
Von der stillen, von der heilgen Nacht,
Da die Blumen seiner Liebe
Diese Welt zum Himmel mir gemacht.
Richard Dehmel
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 16.10.2002 um 19:38 Uhr
|
|
Reue
Die Tugend will nicht immer passen.
Im ganzen läßt sie etwas kalt,
Und daß man eine unterlassen,
Vergißt man bald.
Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
Der von vergangnen Zeiten träumt,
An die Gelegenheit zum Laster,
Die er versäumt
Wilhelm Busch
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 17.10.2002 um 19:24 Uhr
|
|
Politik
Ich sah einen Rudel Gassenbuben,
Wie kaum entschlüpft aus des Lehrers Stuben,
Die warfen sich mit Ballen von Schnee
Und lachten, tats einem im Fallen weh.
Sie waren mit Ekelnamen nicht faul
Und streckten die Zunge aus ihrem Maul.
"Ei", dacht ich in meinem Sinne, "ei,
Und so was duldet die Polizei?"
Da gewahrt ich Gold in ihren Haaren
Und sah erst, daß es Könige waren.
Franz Grillparzer
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 18.10.2002 um 19:24 Uhr
|
|
Nächstenliebe
Die Nächstenliebe leugnet keiner,
doch ist sie oft nur leerer Wahn,
das merkst am besten du in einer
stark überfüllten Straßenbahn.
Du wirst geschoben und mußt schieben,
der Strom der Menge reißt dich mit.
Wie kannst du da den Nächsten lieben,
wenn er dir auf die Füße tritt?!
Heinz Erhardt
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 19.10.2002 um 21:14 Uhr
|
|
Angedenken
Angedenken an das Gute
hält uns immer frisch bei Muthe.
Angedenken an das Schöne
Ist das Heil der Erdensöhne.
Angedenken an das Liebe,
Glücklich! wenn's lebendig bliebe.
Angedenken an das Eine
Bleibt das Beste, was ich meine.
Heinz Erhardt
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 20.10.2002 um 17:02 Uhr
|
|
An die Biologen
Die Wahrheit hat die Kunde
vom tiefen Lebensgrunde
Als winzgen Zettel
In eine Nuß getan
Und warf den Bettel
In den Ozean.
Das Meer ist groß, die Nuß ist klein;
Hat wohl am kleinen Wunderschrein
Schon ein Pilot vorbeigeflucht?
Sucht! sucht! -
Die Wahrheit schrieb die Kunde
Vom tiefen Lebensgrunde
Wohl einem Vöglein auf den Kopf,
Untern Schopf,
Auf des Hirnes glatte Schale;
Das Vöglein flog in alle Welt,
Ihm ward durch Berg' und Tale
Bis jetzt vergeblich nachgestellt.
Nur zugeforscht! wer weiß denn auch,
Ob nicht der Vogel euren Strauch
Zu seinem Sitze auserkiest
Und, frohgelaunt, bei Frühlingswettern
Von seinen schopfgeborgnen Lettern
Euch singend was herunterliest!
Ist auch das Vöglein auf der Flucht,
Sucht! sucht!
Nikolaus Lenau
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 21.10.2002 um 21:03 Uhr
|
|
Der lachende Dritte
Kriegt das Volk sich in die Wolle,
kommt heraus, das ist das Tolle,
für die Frau des Advokaten
(dreimal dürfen Sie nun raten!)
bei eh'r mageren Gebühren
ein Korsett mit kurzen Schnüren.
Ist der Streitwert aber saftig,
gönnt der Anwalt doch wahrhaftig
und mit einem "Gott vergelt's"
seinem Weibe einen Pelz.
Lothar Schumacher
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 23.10.2002 um 21:46 Uhr
|
|
Oktober
Oktober ist in vollem Gange,
früh steht die Sonne niedrig.
Noch sitzt im Freien, Wang an Wange,
die Frieda mit dem Friedrich.
Am Neuen See schaut man in feuchten
Gewölben Abendpärchen ziehn.
Es liegt ein letztes Liebesleuchten
und eine Sehnsucht auf Berlin.
Oktober ist in vollem Gange,
früh steht die Sonne niedrig;
Noch sitzt im Freien, Wang an Wange,
die Frieda mit dem Friedrich.
Alfred Kerr
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 24.10.2002 um 19:57 Uhr
|
|
None can experience stint...
None can experience stint
Who Bounty - have not known -
The fact of Famine - could not be
Except for Fact of Corn -
Want - is a meagre Art
Acquired by Reverse -
The Poverty that was not Wealth -
Cannot be Indigence.
Emily Dickinson
- Wer Fülle nicht gekannt,
Weiß nicht, was Mangel ist -
Der Hunger wird erst wirklich durch
Des Weizens Wirklichkeit -
Not ist die karge Kunst,
Durch Rückwärtsgang erlernt -
Die Armut, die nicht Reichtum war -
Heißt nicht Bedürftigkeit.
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 26.10.2002 um 18:53 Uhr
|
|
Fuchs und Pferd
Einst wurden Fuchs und Pferd,
Warum, das weiß ich nicht, auch hat es mich verdrossen,
Denn mir sind beide Tiere wert,
In einen Käficht eingeschlossen.
Das Pferd fing weidlich an zu treten
Für Ungeduld und trat
Den armen Rein'ke Fuchs, der nichts an Füßen hat.
"Das nun hätt' ich mir wohl verbeten,
Tret' Er mich nicht, Herr Pferd! ich will Ihn auch nicht treten."
Matthias Claudius
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 27.10.2002 um 10:46 Uhr
|
|
Liedchen
Die Zeit vergeht.
Das Gras verwelkt.
Die Milch entsteht.
Die Kuhmagd melkt.
Die Milch verdirbt.
Die Wahrheit schweigt.
Ein Geiger geigt.
Joachim Ringelnatz
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 28.10.2002 um 19:51 Uhr
|
|
I stepped from Plank to Plank...
I stepped from Plank to Plank
A slow and cautious way
The Stars about my Head I felt
About my Feet the Sea.
I knew not but the next
Would be my final inch -
This gave me that precarious Gait
Some call Experience.
Emily Dickinson
Ich trat von Steg zu Steg,
Bedacht auf die Gefahr -
Die Sterne fühlt' ich um mein Haupt,
Um meinen Fuß das Meer.
Nicht wissend, ob der nächste Schritt
Für mich der letzte sei -
Das gab mir jenen schwanken Gang,
Den man Erfahrung nennt.
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 30.10.2002 um 19:47 Uhr
|
|
Ich sprach
Ich sprach nachts: Es werde Licht!
Aber heller wurd' es nicht.
Ich sprach: Wasser werde Wein!
Doch das Wasser ließ dies sein.
Ich sprach: Lahmer, Du kannst geh'n!
Doch er bleib auf Krücken stehn.
Da ward auch dem Dümmsten klar,
daß ich nicht der Heiland war.
Robert Gernhardt
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 31.10.2002 um 18:30 Uhr
|
|
Spätherbst
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.
Theodor Fontane
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 01.11.2002 um 10:38 Uhr
|
|
Novemberlied
Dem Schützen, doch dem alten nicht.
Zu dem die Sonne flieht,
Der uns ihr fernes Angesicht
Mit Wolken überzieht;
Dem Knaben sey dieß Lied geweiht,
Der zwischen Rosen spielt,
Uns höret und zur rechten Zeit
nach schönen Herzen zielt.
Durch ihn hat uns des Winters Nacht,
so häßlich sonst und rauh,
Gar manchen werthen Freund gebracht
Und manche liebe Frau.
Von nun an soll sein schönes Bild
Am Sternenhimmel stehn,
Und er soll ewig hold und mild
Uns auf und unter gehn.
Johann Wolfgang von Goethe |
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 02.11.2002 um 14:31 Uhr
|
|
Reiner Novembertag
Einmal noch ein Tag voll Milde
Ganz enthoben des Gewichts.
Und die Sonn mit breitem Schilde
Stand im Glanz des leichten Lichts.
Aber bald auf schwarzen Rosten
Mußte lodernd sie verglühn,
Und der Mond stand hoch im Osten
Unreif, wie ein Apfel grün.
Und im grellen Spiel der Farben
Mischte Schwärze sich und Glast,
Langsam nur die Lichter starben
Eingekrallt im kahlen Ast.
Weinrot über Turm und Zinnen
Hing der Abend groß und hell,
Und im schmerzlichen Verinnen
Wuchs das zärtliche Pastell.
Bis der letzte Tag vergangen,
Alle Röte abgestreift,
Blieb der Mond am Himmel hangen,
Gelb, zur süßen Frucht gereift.
Eugen Roth
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 03.11.2002 um 12:16 Uhr
|
|
Wiegenlied
Guten Abend, gut Nacht,
Mit Rosen bedacht,
Mit Näglein besteckt,
Schlupf unter die Deck:
Morgen früh, wenn Gott will,
Wirst du wieder geweckt.
Guten Abend, gut Nacht,
Von Englein bewacht,
Die zeigen im Traum
Dir Christkindleins Baum:
Schlaf nun selig und süß,
Schau im Traum 's Paradies.
Volkslied
|
|
|
|
|
|
|
Top
|
| "Autor" |
|
|
|
|
geschrieben am: 04.11.2002 um 21:20 Uhr
|
|
O trübe diese Tage nicht
O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht,
Und unser Winter bricht herein.
Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil mans nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.
Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;
Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt,
Und gönn uns jede Stunde ganz.
Theodor Fontane
|
|
|
|
|
|
|
Top
|