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geschrieben am: 16.04.2005 um 14:56 Uhr
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In jenen vergangenen acht Stunden hatten die zwei Brüder es auch nicht mehr gewagt, an Luciens Türe zu klopfen oder ihn anzurufen. Warum auch? Alles, was sie brauchten oder wissen wollten, fanden sie selbst oder erfuhren es von anderen. Felice hatte sich um einige wichtige Dinge gekümmert. Zum Bespiel hatte er seine Mutter angerufen um ihr zu sagen, dass es ihnen gut ging. Er vertraute ihr sein Vorhaben an, so, wie er es Vico anvertraut hatte. Natürlich war die Mutter – mit dem schönen Namen Giulia – dessen nicht einverstanden, aber gewillt es einzusehen. Wahrscheinlich würde er einen schweren Fehler damit begehen, doch um seine Mutter zu schützen, sagte er ihr, dass sie seinem Vater – Matteo – sagen sollte, Vico wäre nicht auf das Internat aufgenommen worden. Mangelnde, künstlerische Fähigkeiten sollte der Grund gewesen sein, oder dass es nicht ihrem Niveau, ihrer Vorstellung von Kunst entsprach. Was auch immer sie sagen würde, es war jetzt sowieso nicht mehr wichtig. Vater würde sie nicht finden, denn zurück kamen sie definitiv nicht mehr. Zumindest nicht so schnell. Seine Mutter weinte, als sie dies alles hörte.
„Aber du kannst doch nicht so lange fortbleiben, Junge! Vielleicht werde ich dich nie wieder sehen, vielleicht ist diese Zeit zu lang, die du dir selbst geben wirst! Bevor es passiert, möchte ich dich noch einmal in meinen Armen halten!“
Sicher, es baute Felice nicht gerade auf, diese Worte zu hören, und mit verkrampften Muskeln musste er eisern und selbstsicher bleiben.
„Ich weiß, Mama, aber das ist doch meine Entscheidung, mein Leben! Bitte, sehe das doch endlich ein! Ich werde mich melden, wenn es soweit sein sollte. Ich hab dich lieb, bis dann!“
Schnell legte Felice auf, bevor seine Mutter noch irgendetwas sagte, was seine Entscheidung verändern könnte. Nein, ein gutes Leben hatte er bislang noch nicht führen können, wohl auch nicht die Chance, es zu tun.
Was noch geschah, war ein Besuch in der Stadt, schließlich wollte Vico unterhalten werden und Felice ließ sich gerne zu neuen Taten einspannen. Eine Eisdiele wurde besucht, Läden beschaut und eine Kleinigkeit für den jungen Burschen gekauft. Am Nachmittag fanden sie sich im Hotel wieder ein, nachdem sie in einem Restaurant noch etwas für ihren Magen getan hatten. Hier schrieb er gerade einen Brief, während Vico ihre zwei Koffer packen wollte, auch wenn er es getan hätte.
„Nein! Ich mach das, du hast mir ja auch was gekauft!“
Ach, Vico war eine herzensgute Seele! Hoffentlich blieb er so, wie er war - für immer! Als es dann später wurde und sie bereit zur Abreise waren, hatte er Vico in die Badewanne gesteckt und saß nun selbst mit einem Buch und einem guten Glas Barolo, einer der italienischen Spitzenweine, auf der Terasse. Nun ja, er musste doch auch etwas Gutes für sich tun… .
Seufzend sah er über den Rand seines Buches hinweg und blickte zum Himmel auf, der sich zu verdunkeln begann. Nebenbei ärgerte es ihn, dass er das Haarband weggeworfen hatte. Ständig offene Haare zu tragen war ungewohnt, doch er kam auch nicht drauf, einfach neue Bände zu kaufen. Nun, nennen wir es doch lieber Faulheit.
Doch plötzlich, in dieser ruhigen Stunde, kam es wieder auf. Diese schrecklichen Schmerzen! Keuchend beugte er sich vor und ließ das Buch achtlos zu Boden fallen, während seine Hände verkrampft an seiner Stirn fanden. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht stand er auf, um in das innere der Wohnung zu stolpern.
Wo sind seine Tabletten? Wo nur? Verdammt, so stark wie jetzt war es noch nie gewesen! – Ja, er hatte mit einem Male plötzliche Angst.
Hektisch durchsuchte er die Koffer nach den Medikamenten ab, was sehr schwer fiel. Geändert am 16.04.2005 um 14:58 Uhr von FeliceFoscari |
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