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geschrieben am: 09.08.2005 um 11:42 Uhr
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Lucien war auf das weiche Bett gefallen und hatte sich sofort den Arm über die blauen Augen gelegt. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass man vor den Sonnenstrahlen in Sicherheit war, vor allem dann, wenn Rasmus sich die Mühe machte die Vorhänge mit einem Tacker zusammen zu ‚binden’. Ja, ohne einen Tacker waren sie bisher noch nie verreist.
„Rasmus, tu mir doch bitte noch einen Gefallen.“ Lucien setzte sich aufrecht hin und lehnte den Kopf an das edle Holz am Kopfende des Betts. „Schau zwischendurch noch mal nach den Jungs. Ich hab ein unwohles Gefühl, wenn ich nicht bei ihnen bin.“
„Du meinst wohl eher, wenn du nicht bei Felice bist. Der Junge macht dir Sorgen, das sieht doch jeder.“
Lucien schaute seinen Freund vorwurfsvoll an. Er strich sich die Haare aus der blassen Stirn und schüttelte den Kopf, als wollte er den Gedanken daran verscheuchen. „Das ist nicht wahr! Du weißt ganz genau, dass ich keine Zeit habe mir Sorgen um einen einfachen Menschen zu machen. Allegro wird langsam ungeduldig, was nicht nur daran liegt, dass wir noch immer nicht… dass er noch nicht da ist. Er wird mir mein Dasein zur Hölle machen, wenn er erfährt, dass ich zwei Menschenkinder mit mir herumschleppe.“
„Aber das wusstest du vorher, Lucien.“
„Ja, das ist wahr.“ Seufzend sank der Vampir zurück in seine Kissen und kuschelte sich mit der Wange an den kühlen Stoff „Trotzdem, bitte kümmer dich ein bisschen um die beiden.“
„Also doch Sorgen.“
„Wenn du es so nennen willst, ja.“
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geschrieben am: 09.08.2005 um 16:41 Uhr
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Sollte das der Tag sein, vor dem er sich seit der Verkündung gefürchtet hatte? Sollte es das Ende einer sehr vertrauensvollen Beziehung zwischen Brüdern bedeuten?
Vico war kleinlich wenn es um Geheimnisse und Ehrlichkeit ging, das wusste er, das wusste er ganz genau. Doch er wusste nicht über die Reaktion bescheid, die er bekommen würde, wenn er Vico hier und jetzt die Wahrheit offen ins Gesicht sagte. Nun, soweit – so falsch – waren sie noch nie gewesen. Mit sanften Druck hielt er die Hand des Kleinen und sog tief die doch recht frische Luft im Zimmer in seine Lungen ein, bevor er sich ans Herz fasste und das sagte, was er seit Monaten verschwieg.
„Vico… . Ich möchte ehrlich zu dir sein und ich muss gestehen, dass mir die Wahrheit nun sehr schwer fällt. Ich habe dir seit gut zwei Monaten verschwiegen, dass ich an Krebs erkrankt bin. Diese Anfälle verursacht der Tumor in meinem Kopf und er wird mich auch in den Tod treiben, da eine Behandlung zu spät ist.“
Verunsichert lenkte er seinen Blick zu seinem kleinen Bruder, der wegen seinen Worten kein Gesicht der Freude zog, sondern sehr verkrampft dreinblickte. Sicher, es ist keine Nachricht über die man Loblieder singen wollte.
„Ich kann unser Versprechen somit nicht einhalten, doch ich versuche bis zum Ende dir die Möglichkeit zu geben, ganz viel von der Welt zu sehen! Ich würde alles für dich tun, das weißt du…, Vico?!“
Mit einem Mal hatte der Junge sich aufgestellt und ballte angestrengt die Hände zu Fäusten. Nur mit Mühe und Not schaffte es Felice sich aufzurichten. „Nein, bitte kleiner Bruder, mach jetzt keine Dummheiten!“
„Lügner! Du hast mich die ganze Zeit angelogen! Du versprichst mir das Blaue vom Himmel herunter und sagst dann, dass du vor zwei Monaten an diese Krankheit erkrankt bist die man gar nicht behandeln kann? Wenn ich dir zur Last falle dann sag es einfach und erfinde nicht schreckliche Lügen über Krankheiten und Tod!“
Aufgebracht wendete sich der junge Foscari ab und rannte aus dem Schlafzimmer. In seiner eigenen Panik rappelte sich Felice unter währenden Schmerzen auf und versuchte ihm so schnell wie möglich nachzurennen.
„Halt, warte Vico, das war keine Lüge! Lass es mich erklären, bitte! Bleib hier, renn nicht weg!“
Der Fluchtweg führte aus ihrer noblen Königssuit hinaus auf den mit rotem Teppich ausgelegten Gang, teuer wirkenden Blumen in großen Vasen, riesigen Gemälden und teure Wandverkleidungen. Trotzdem wurde der Abstand zwischen ihnen immer größer und so panisch er durch das Hotel schrie, desto weniger wollte ihm irgendwer zur Hand gehen wollen. Draußen, in dieser alles verschluckenden Dunkelheit hatte er den Kleinen letztendlich verloren. Erschöpft musste er die Verfolgung aufgeben und sackte einfach an der Straßenecke zusammen, wo er die Sicht verloren hatte. „Wieso muss er weglaufen, warum gerade hier? In dieser fremden Stadt kann ihm alles zustoßen! Ich werde ihn nicht finden, nie wieder finden! Es ist vorbei…, vorbei… .“
In schnellen Atemzügen bettete er seinen Leib auf kaltem, halb nassem und hartem Gestein jenes Gehweges. Er hätte das alles nie riskieren sollen, niemals! |
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geschrieben am: 10.08.2005 um 13:04 Uhr
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Zu so später - oder zu so früher - Stunde war es in diesem Luxushotel sehr ruhig. Selbst im Foyer war Ruhe eingekehrt und die Dame hinter der Rezeption nippte schläfrig an einer großen Tasse Kaffee. Niemand ahnte, was sich in den Königssuiten passierte.
Lucien hatte sein schönes, bleiches Gesicht in die Kissen gedrückt und hörte nur noch schwach, wie Rasmus den Raum verließ. In einer halben Stunde würde die Sonne aufgehen und er war froh, dass er nicht dort drausen war. Ja, er konnte sich auf Rasmus verlassen. Immer. Immer. Immer...
Der junge Italiener schloss die Suitetür sehr leise und ging über den edlen Gang hinüber zu dem Zimmer der Jungen. Höflich klopfte er an, aber er bekam keine Antwort.
"Ihr solltet eigentlich noch nicht schlafe. Das würde heißen, dass ihr wach seid. Das wiederum bedeutet, dass ihr die Tür aufmachen solltet. Wenn ihr das nicht tut..."
Rasmus schauderte. Vielleicht hatte irgendwer den beiden Jungen aufgelauert und sie verschleppt? Nein, wahrscheinlich machte er sich viel zu viele Gedanken. Er drehte sich um, weil er ohne die Chipkarte so, wie so nicht in das Zimmer kommen würde und so ging er die große, mit edlen Verschnörkelungen verzierte Treppe ins Foyer hinunter. Als er auf die Rezeption zu hielt, sah ihn die Dame hinter der Theke verwundert an, aber sie setzte ihr schönstes 'Ich-bin-immer-für-Sie-da-Lächeln'auf und stellte ihre Kafeetasse zur Seite.
"Guten Morgen, der Herr. Was kann ich für Sie tun."
"Also, ich suche einige meiner Freunde. Ein junger Kerl mit schwarzen, feinen Haaren; ein bisschen blass um die Nase und seinen Bruder. Sind hier in letzter Zeit Jungen vorbeigekommen, auf die die Beschreibung passt?"
"Ja, vor nicht ganz fünf Minuten sind sie aus dem Haus gerannt. Das heißt, der Kleine ist gerannt. Der Ältere sah nicht so aus, als würde er noch rennen können. Wie Sie sagen. Er sah etwas kränklich aus. Ich habe ihm noch zugerufen, ob er Hilfe braucht, aber er hat nicht auf mich reagiert."
"Vielen Dank!"
Rasmus sprintete aus der Tür des Hotels, sprang die drei Stufen davor herunter und keuchte auf, als er sich auf der regennassen Straße fast hingelegt hätte. Seine dunklen Augen suchten die Straßen, die er von hier aus sehen konnte ab. Joggend wandte er sich nach links. Einige Autos pendelten zwischen den Flughäfen, wo die ersten Gäste des Tages ankamen, und den Hotels hin und her, aber Rasmus war eher damit beschäftigt sich zu fragen, wohin er laufen würde, wenn er ein Neunjähriger war, der vor seinem Bruder weglief. Zumindest hatte sich ihm die Sache so dargelegt. Er lief gute fünf Minuten, als er plötzlich einen Jungen an einer Straßenecke sitzen sah. Die Sache wäre nicht weiter tragisch gewesen, hätte er den Jungen nicht gekannt.
"Felice! Scheiße, Mann! Was ist denn passiert?!" Er schlitterte die letzten Paar Meter zu ihm und ging vor ihm auf die Knie. "Was machst du hier draußen? Oh Fuck, du siehst gar nicht gut aus, Kumpel! Komm, ich helf dir hoch!" |
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geschrieben am: 10.08.2005 um 16:01 Uhr
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Seit mehr als zehn Minuten lag er also auf der Straße. Zu allem Überfluss hatte es auch noch angefangen stärker zu regnen, was seine Lage natürlich nicht besser oder angenehmer gestalten wollte. Ohne die Tabletten spürte er die Schmerzen ganz extrem und er wusste gar nicht, dass es schon so schlimm um ihn stand. Dazu kam noch das eigene Verlangen des Leibes, der diese Wirkstoffe jener Schmerztabletten dringend wollte. Ach nein, wieso lief denn alles schief? Wieso konnte es nicht einmal in seinem Leben wenigstens für zwei Monate alles toll und schön sein? Plötzlich hörte er jedoch in seiner Trance die Stimme, die zu ihm sprach. Es dauerte ein paar Sekunden, bevor der kranke Italiener den Kopf hob und den Blick auf Rasmus richtete, der ihn Gott sei Dank gefunden hatte.
„Rasmus?“
Wisperte er leise, als schien er ihn nicht genau erkennen zu können. Das tat er ehrlich gesagt auch gar nicht, denn vor dem eigentlich klaren Blick hatte sich ein schwerer, trüber Schleier gelegt, der sich nur langsam entfernte. Mit der Hilfe des treuen Vasallen von Lucien richtete er sich auf, doch er musste die Hauswand in seinem Rücken als letztendliche Stütze nehmen, denn sonst wäre er wieder auf dem Boden gesackt. Sanft presste Felice seine Lippen aufeinander, während klare Regentropfen die Chance nutzten von an der Wange klebenden, nassen Haarsträhnen über die kranke Haut zum Kinn hinab zu gleiten, um dort auf seine mehr als leichte Bekleidung zu tropfen. Jetzt, wo er sich etwas gefasst hatte, legte er eine Hand an die Schulter von Rasmus um sehr schwach seine Finger auf seine Haut zu drücken, die sich unter weichem Stoff verborgen hatte.
„Rasmus, ich bin froh dich zu sehen! Du…, du musst mir helfen! Vico ist abgehauen, ich habe ihn verloren und ich schaffe es nicht mehr ihm zu folgen. Bitte, bitte such ihn für mich!“
An seine eigene, missliche Lage dachte er im Moment nicht. Nun, generell dachte er sehr wenig an sich.
„Er kennt sich hier in Wien nicht aus, er wird sich verlaufen und Gott weiß was passieren! Ich möchte gar nicht daran denken… . Bitte, such ihn für mich!“
Mehr als flehend richteten sich seine dunkelbraunen Augen, sehr hoffnungslos wirkenden Augen auf den Vasall. |
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geschrieben am: 11.08.2005 um 17:48 Uhr
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| "Beruhig dich! Beruhig dich doch, Felice!" Rasmus streckte seine sonnengebräunte Hand - das heißt sonnengebräunt im Gegensatz zu Luciens weißer Haut - aus und drückte die Schultern des jungen Italieners fester an die kalte, feuchte Wand. Der Ältere leckte sich mit der Zungenspitze über die Unterlippe und ließ den Blick durch die Gasse huschen. Keine Spur von dem Kleinen. Scheiße, er wusste schon warum er nicht gerne mit Kindern reiste. Ohne zu fragen legte er Felice seinen Arm um die Schulter und zog ihn an seinen Oberkörper. "Dass du bloß nicht auf falsche Gedanken kommst." Schmunzelte er um seine Anspannung zu überspielen. "Ich mach das, weil du ziemlich nass und zittrig bist, alles klar?" Vorsichtig schob er ihn vor sich her die Gasse entlang. Es war kalt und ungemütlich und er konnte sich wirklich besseres vorstellen, als um kurz vor halb fünf durch eine fremde Stadt zu rennen und zwei Brüder zu suchen, aber ein Versprechen ist ein Versprechen. "Ich bringe dich erstmal zurück ins Hotel. Da trinkst du einen Tee, Kaffee, Kakao... ach was weiß ich! Du trinkst was warmes und ich suche dann deinen kleinen Bruder! Denk nicht daran zu widersprechen, sonst binde ich dich ans Bett. Was ist überhaupt passiert?" |
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geschrieben am: 11.08.2005 um 18:14 Uhr
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Die Wand hinter seinem Rücken, dazu noch der Druck von Rasmus Hände, ließen ihn zumindest nicht mehr das Gefühl geben allein und hilflos zu sein. Nun, wo er näher an den fremden Italiener gezogen wurde und die Worte hörte, schaffte er ein schwaches Lächeln auf seinen jungen Lippen zu zaubern.
„Keine Sorge, Rasmus, ich bin keine vierzehn mehr.“
Die zusätzliche Wärme konnte er gut gebrauchen, da er tatsächlich unterkühlt und einfach schwach auf den Beinen war. Als sie losgingen, bemerkte er zunehmend die Schmerzen in seinem Rücken. Es beunruhigte ihn sehr und darum würde er Rasmus nach der Erläuterung über die Lage noch um etwas anderes bitten müssen.
„Ich habe ihm die Wahrheit gesagt. Er wusste bislang nicht dass ich sie todkrank bin. Scheinbar hat er das nicht verkraftet und ist mir dann abgehauen. Ich kann ihn doch nicht weiterhin so derbe belügen…, dass kann ich nicht. Ich bin ein ehrlicher Mensch.“
Sanft biss Felice sich auf die Unterlippe und hob den Kopf, damit er langsam zu Rasmus zurückblicken konnte.
„Wäre es möglich, wenn du mich in ein Krankenhaus bringst, Rasmus? Ich möchte mich gerne noch einmal untersuchen lassen, irgendwas stimmt nicht mit mir, ich kann kaum noch laufen. Dort werde ich auch nicht so leicht verschwinden können.“
Erneut erschien ein zaghaftes Lächeln, doch ehrlich gesagt fürchtete er sich davor, sich untersuchen zu lassen. Wer wusste schon, was für eine Schreckensnachricht er dann wieder bekommen würde…, doch, dort ist er zumindest am Besten aufgehoben, und er wollte nicht unter dem Scherzzufluss irgendwo im Hotel herum sitzen – alleine. |
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geschrieben am: 06.09.2005 um 10:24 Uhr
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geschrieben am: 28.09.2005 um 19:21 Uhr
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Okay... Rasmus atmete tief durch und schaute auf die Plastersteine unter seinen Füßen, die wie kleine Edelsteine im Regenwasser schimmerten. Er liebte Tage wie diesen! Nachdenklich knabberte er an seiner Unterlippe herum. Ja, es wäre vernünftig den jungen Italiener in ein Krankenhaus zu bringen. Mit einem Tumor scherzte man nicht. Aber auch nicht mit einem Vampir. Rasmus wollte sich nicht ausmalen was Lucien mit ihm anstellen würde, wenn er den Jungen in die Obhut irgendwelcher fremden Menschen geben würde. Außerdem war die Gefahr, dass man ihn dort fand viel zu hoch. Und was Vico betraf... nun er würde sich später darum kümmern. Das lag allerdings nur daran, dass er den älteren Bruder gerade in seinem Arm hatte und zusehen konnte, wie der Schmerz seine Nervenbahnen zerfraß.
"Nein, ich bringe dich ins Hotelzimmer und besorgte dir Tabletten. Sobald Lucien aufwacht wird er sich um dich kümmern. Derweilen suche ich Vico." Erklärte er sich und betrat mit dem Jungen das Hotel. Scheiße, von dieser Aufregung kriegte er Magenschmerzen. Unüberlegt wollte er die Zimmertür der Jungs aufstoßen und verknackste seine Finger, weil sie verschlossen war. "Verfluchte Scheiße!" Murmelnd tastete er seine Hosentaschen ab und schüttelte dann den Kopf. "Felice, die Keycard!" Mit ausgetsreckten Fingern wartete er darauf, dass der Jüngere ihm die Karte gab. |
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geschrieben am: 28.09.2005 um 20:07 Uhr
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Unter Schmerzen, aber mit großer Willenskraft, ließ er sich zurück in das Hotel bringen, auch wenn er wirklich gestehen musste, dass es ihm nicht ganz gefiel. Nun ja, sie waren alle halbwegs erwachsen, sie würden wissen was zutun ist. Die Beweggründe vom anderen Italiener kannte er nicht, aber er hoffte, er ging seiner eigenen Bitte nach. Immerhin, er würde es selbst tun, doch in dem Zustand war das etwas schwer.
„Die, die Keycard? Die habe ich drinnen liegen lassen… .“
Wisperte der junge Italiener leise.
Sie würden also nicht in das Zimmer kommen, war dachte denn auch beim Rennen an jene Kleinigkeit? Felice tat dies zumindest nicht. Sacht drückte er sich von Rasmus und lehnte sich mit dem Rücken an die nächste Wand. Herrjeh, langsam musste er wirklich etwas gegen die Schmerzen tun, so konnte er zumindest kein normales Leben mehr führen. Sacht huschte seine Zunge über seine trockenen Lippen und er strich sich kurz durch das Haar.
„Ich kann mich unten in die Lobby setzen, das ist schon in Ordnung. Bitte, such lieber Vico!“
Das schien Felice noch immer am Herzen zu liegen und er wird wahrscheinlich auch keine Ruhe geben, bis jener Benannte neben ihm steht. So war das eben bei Geschwistern die sich sehr gut verstanden, kaum konnten jene ohne den anderen sein. Seine dunklen Augen richteten sich abwartend auf den Bekannten. |
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geschrieben am: 29.09.2005 um 13:27 Uhr
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"Oh verdammt, Felice!" Rasmus zog die Luft scharf durch seine Lippen und ballte seine Hände zu Fäusten. Wie konnte man denn nur so dämlich sein? Okay, dämlich hin, daämlich her... er konnte den Jungen nicht auf dem Gang stehen lassen und auch das Foyer schien ihm nicht der richtige Ort für einen Tumorkranken zu sein. Langsam kam er auf ihn zu und leckte sich über die Unterlippe, bevor er Felice an den Schultern packte und ihn eindringlich ansah. "Du wirst in unserem Zimmer bleiben und sei dir sicher, dass ich dich finden werde, solltest du es dich wagen auch nur in die Nähe der Vorhänge zu kommen!"
Seine Hände umfassten die zarten Schultern des Italieners etwas fester, als er ihn zur nächsten Suite zog. Etwas zittrig schaffte er es schließlich die Tür zu öffnen und schob den Jungen vor sich in das Zimmer.
Lucien lag schön und blass, wie ein Engel auf dem weißbezogenen Bett. Sein schwarzes Haar umrahmte das hübsche Gesicht, wie Seide. Ohne Felice auch nur die Möglichkeit zugeben zu widersprechen, buxierte er ihn zum Bett und versuchte ihn auf die weiche Matratze zu drücken. "Versuch zu schlafen." Sagte er und zog dabei die Augenbrauen zusammen, als würde er nicht glauben, dass das möglich war. "Oder mach das, was du immer machst, wenn du diese Anfälle kriegst." Während er überlegte glitt seine Hand prüfend über die Stirn des Jüngeren. Fieber konnte er jetzt nicht gebrauchen. Das würde nur noch mehr Ärger machen. Hatte er eigentlich schon einmal erwähnt, dass er Vampire hasste? Immer wenn man sie brauchte vielen sie in diesen schrecklichen Schlaf! "Wie heißen die Tabletten, die du brauchst? Und was hat dein Bruder gesagt, wo könnte er hingelaufen sein?" |
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geschrieben am: 29.09.2005 um 19:45 Uhr
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Diese Hektik, diese Wut, diese Fragen! All die Emotionen die der Ältere ausstieß, absichtlich oder unabsichtlich, verwirrten den todkranken Italiener ungemein. Er wusste gar nicht was er zuerst sagen sollte, doch er übersprang den Ausruf der Empörung und atmete tief ein. Er brauchte ein paar Sekunden, bevor er überhaupt etwas sagte.
„Ich weiß es nicht! Wenn ich es wüsste würde ich ihn zurückholen! Und diese scheiß Tabletten wirken nicht mehr, mein Körper verschlingt die wie nichts!“
Er räusperte sich leicht und atmete noch einmal durch, er war nah dran die Fassung zu verlieren, schließlich gab man ihm das Gefühl für alles verantwortlich zu sein.
„Keine Sorge, ich fasse die Vorhänge nicht an, denn ich weiß was er ist und was die Sonne mit ihm anstellen könnte.“
Könnte, wenn sie wollte und durfte, aber er wollte das Unleben des Franzosen nicht beenden, das macht vielleicht irgendwann ein anderer. Seine Hände fuhren über das bequem wirkende Bett und er nickte leicht, etwas Schlaf würde ihm sicher gut tun.
„Ich werde sicher schlafen können, so kaputt wie ich bin. – Hm, wenn Vico wegrennt zieht er sich meistens an Spielplätzen zurück. Gibt es hier einen in der Nähe?“
Er kannte sich nicht aus, er wäre sonst selbst dorthin gegangen und so hoffte er dass sich Rasmus etwas besser auskannte, als er. Vorsichtig rutschte er auf dem Bett etwas zurück und legte sich auf den schmerzenden Rücken. Sacht verzog er die Brauen und legte nun selbst eine Hand an seiner Stirn, nachdem dies Rasmus getan hatte. Schlaf war ein gutes Betäubungsmittel, vielleicht würde alles weg sein sobald er aufwacht. Nun, alles nicht, aber immerhin ein Großteil davon.
„Vico Vico Vico, ich hoffe du bist so schlau und kehrst zurück zu dem Hotel, mein Kleiner!“ |
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geschrieben am: 02.10.2005 um 21:20 Uhr
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Schön, dann würde der Junge eben schlafen, während er seinen Bruder suchen gehen wird. Und was die Tabletten betrifft... er würde sich in eine Apotheke das stärkste, rezeptfreie Mittel geben lassen, wobei er vermutete, dass das schon längst nicht mehr reichen würde, denn wenn er einen Tumor in seinem Kopf hätte, würde er sicher darauf bestehen, dass man ihm morphiumhaltige Mittel geben würde.
"Also gut..." Hauchte er überlegend und verschränkte seine Arme vor der Brust. "...also gut! Ich gehe jetzt! Leg dich hin und versuch dich zu beruhigen. Ich finde deinen Bruder. In Wien gibt es vielleicht viele Spielplätze, aber nicht so viele, die hier in der Nähe sind. Ich bringe ihn zu dir zurück. Schlaf jetzt!"
Er verengte seine dunklen Augen noch einmal, dann zog er die Zimmertür hinter sich ins Schloss.
Der Abend war kühl und es regnete wieder. Seufzend ging der Italiener die nassen Straßen entlang und sah sich um. Das hier war ein Viertel, in dem sich sonst nur reiche Geschäftsmänner aufhielten, weil sie hier ein Hotel gebucht hatten. Kinderspielplätze fand man hier sicher genauso häufig, wie Kakteen am Nordpol. Seufzend schaute er sich um. Er war schon eine halbe Stunde unterwegs, als er plötzlich einen Sandkasten entdeckte. Er hob eine Augenbraue. Wer zum Teufel baute einen Spielplatz in dieser Gegend? Neben der Sandkiste gab es aber auch einige Schaukeln aus Reifen, eine Rutsche, eine Holzburg und etwas, das Rasmus noch nie zuvor gesehen hatte. Na gut, das war ein Anfang. Es gab natürlich immer noch die Möglichkeit, dass der Junge gar nicht hier war, aber daran wollte der Italiener lieber nicht denken.
Lucien lag ganz ruhig da. Die Haare schmiegten sich an die Haut, die ein bisschen zu blass war um gesund zu sein. Ob sich Vampire im Schlaf umdrehten? Ob sie träumten? Na ja, die Fragen konnte wohl nur ein Vampir beantworten. |
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geschrieben am: 04.10.2005 um 13:10 Uhr
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Ruhig, viel zu ruhig für die innere Aufruhe in seinem Körper, blickte er Rasmus hinterher.
„Danke.“
Hauchte er leise und gar ungehört, wenn man nicht ganz genau seine Ohren spitzen wollte. Ja, er war froh gewesen dass es nun jemanden gab, der für ihn den Job übernahm und ja, er würde versuchen sich dafür gebührend zu bedanken. Mit einem schweren Seufzen – wie oft hatte er diesen Laut an jenem Tag schon von sich gegeben? – stützte er sich mit den Händen hinter seinem Rücken auf das bequeme Bett ab und bot so dem Oberkörper einen gewissen entspannten Halt. Nun, wo er wieder aufrecht auf dem Bett saß, senkte er kurz die Lider, bevor er jene wieder öffnete um den Schlafenden zu beobachten. Ob er wusste, dass er hier war? Vielleicht roch er es, Vampire sollten ja so einen ausgeprägten Geruchsinn wie Hunde haben, zumindest hatte er dies mal gelesen. Er lenkte den Blick von dem Halbtoten ab und sah zu den Vorhängen die dahinter Fenster verbargen. Er könnte sie einfach aufmachen, ja, er könnte es! Aber wieso nur? Nein, bislang hatte er keinen Grund dazu, immerhin schien Lucien kein blutrünstiger Vampir zu sein – noch nicht zumindest. Ein Keuchen rutschte über seine weichen Lippen als er versuchte sich erneut auf den Rücken zu legen, irgendwie weichten die Schmerzen den unsinnigen Gedanken und nebenbei würde er gerne wissen wie spät es eigentlich war. Hier in diesem dunklen Zimmer verlor man jegliches Zeitgefühl und es war gruselig. Ja, gruselig! Schließlich teilte man nicht jeden Tag die Gesellschaft mit einem Halbtoten!
Während Felice so seine kleinen Sorgen hatte, sollte Rasmus eine genommen werden. Es hatte zwar langsam aufgehört zu regnen, doch der kleine Vico war gänzlich nass und zittrig gewesen als der Italiener ihn vorfinden würde, denn er kam ihm geradewegs entgegen. Vico war zwar jemand der wegrannte, aber auch schnell den Weg zurück einschlug, ganz besondern in fremden Städten. Nach seiner Laufrichtung zu beurteilen kam er tatsächlich von diesem Spielplatz und nach seinem Gesichtsausdruck zu beurteilen war er nun höllisch froh gewesen Rasmus anzutreffen.
„Rasmus!“
Rief er, damit jener auch wusste dass es Vico war. Im eiligen Schritt – ja, er rannte eigentlich schon – kam er dem Älteren entgegen. Ihm war kalt, er war nass und bereute seine Tat, aber was will man machen wenn die Trauer und der Schock einen plötzlich zerfressen wollten?
„Oh, gut das du da bist!“
Der Junge warf sich ohne Umschweife gegen Rasmus, denn er brauchte jetzt ganz dringend körperliche Wärme. Nass waren beide sicherlich sowieso schon gewesen. |
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geschrieben am: 06.10.2005 um 00:14 Uhr
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In dem Zimmer, in dem Felice und Lucien lagen, hört man keine Geräusche. Der Zimmerservice huschte noch nicht durch die langen, edlen Gänge, Gäste checkten noch nicht ein und es rannten keine Kinder über den Flur, wobei das Hotelpersonal zumindest in diesem Bereich dafür gesorgt hätte, dass es so, oder so nicht passiert. Schließlich bezahlten die Menschen, die hier schliefen ein Vermögen für eine Nacht und sollten nicht gestört werden. Draußen begannen die ersten Vögel zu singen. Das sollte der einzige Anhaltspunkt für Felice sein. Wahrscheinlich war fünf, oder halb sechs. Der Vampir lag neben ihm, wie eine wunderschöne Porzelanpuppe, mit Lippen so hell, wie Blütenblättern und Haar so dunkel, wie Pech. Seine weiße Haut fiel auf den weißen Laken kaum auf. Ja, der Italiener hatte durchaus das Recht Angst zu haben.
"Vico!" Rasmus starke Arme legten sich um den zerbrechlichen Kinderkörper und er hob ihn einfach hoch um ihm in die Augen sehen zu können. Ohne ein Wort zu sagen, drückte er den Kleinen an sich. Das dezermierte einige seiner Probleme enorm. Erleichtert atmete er aus und stellte den Jungen wieder auf den Boden. Jetzt musste er nur noch Lucien erklären, dass sein Spielzeug in nächster Zeit drohte kaputt zugehen. Oh je, er würde sich dieser Herausforderung stellen müssen.
"Komm, ich bringe dich ins Hotel und da duschst du warm. So nass wie du bist, holst du dir im besten Falle eine Erkältung." Und im schlechtesten eine Lungenentzündung. Scheiße, du und dein Bruder, ihr seid schlimmer als ein Sack Flöhe.
Er nahm den Jungen bei der Hand und ging gemütlich mit ihm die nassen Straßen entlang. |
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geschrieben am: 13.10.2005 um 23:23 Uhr
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Angst…, Felice würde niemals sagen das er Angst vor Lucien hätte. Nein, er würde es als ‚Respekt’ betiteln. Was es letztendlich auch sein sollte, es hielt ihn nicht davon ab langsam aber sicher endlich Ruhe zu finden. Nachdem er das Zwitschern der Vögel hier und da vernommen hatte, fielen ihm die Lider regelrecht zu. Er war todmüde und wollte im Augenblick nichts anderes, als schlafen, also tat er dies auch. Wenn möglich würde er sich bei Rasmus dafür gebührend bedanken, aber noch war sein Bruder nicht in seinen Armen.
Der Kleine ließ sich andrücken und letztendlich auch an der Hand zurück zum Hotel führen. Reuevoll hatte er den Blick gesenkt.
„Entschuldige, Rasmus! Ich wollte nicht wegrennen, aber… .“
Aber was macht man am Besten wenn man gerade eben erfährt, dass man einen Bruder verliert?
„Aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. Weißt du, Felice hat mir erzählt das er ganz schrecklich krank ist und gar nicht mehr gesund werden kann!“
Der Junge hob den Blick zu dem Älteren auf und wartete einen Moment. Vielleicht erkannte er in seinen Zügen eine Wahrheit, die ihm weniger gefallen würde. Die Wahrheit des Wissens.
„Das ist alles die Schuld von unserem Vater…, er hat Felice nie gut behandelt… . Wo, wo ist mein Bruder? Ist er im Hotel?“
Stimmt, er war ihm ja nachgerannt! Oh je, wenn er nun irgendwo herum lag würde er sich das wohl niemals verzeihen können! Aber…, Rasmus war hier, also muss er davon erfahren haben, denn es gab keinen triftigen Grund im Regen und in solch frühren Morgenstunden durch Wien zu laufen, nicht wahr? Geändert am 13.10.2005 um 23:25 Uhr von FeliceFoscari |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 14.10.2005 um 12:23 Uhr
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(Ich lese eure Züge immer wieder gern. Wirklich interessantes Play.
Liebe Grüße,
Ceara) |
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| "Autor" |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 20:19 Uhr
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(Vielen Dank. Ist immer wieder schön zu hören, wenn's nicht nur uns beiden gefällt, oder Felice? ;) )
Als es zunehmend wärmer wurde, fühlte sich Rasmus allmählich behaglicher. Er hatte den kleineren der beiden Brüder an der Hand und der andere lag - hoffentlich - wohlbehütet neben Lucien in der Hotelsuite. Sollte er das nicht tun, konnte er sich schon einmal auf eine gehörige Abreibung einstellen. Und - bei Gott - Rasmus wusste, wie man anderen Menschen weh tun konnte.
Jetzt war er aber der friedlichste Mensch in Person. Mit Vico sicher an seiner Hand hielt er geradewegs auf das Hotel zu und hörte sich die Jammereien des Kleinen an. Okay, er konnte verstehen, dass er verstörrt war, ja er konnte sogar verstehen, dass er weggelaufen war, aber dass ER - Rasmus - ihn dann auch noch suchen musste, war eindeutig zu viel.
"Schon in Ordnung. Ich mein, ich hät's wahrscheinlich auch gemacht." Er drückte Vicos Hand und lächelte, als sie ins Foyer traten. Während sie die Treppe hinaufgingen, kam ein Zimmermädchen an ihnen vorbei. Sie war groß, schlank und hatte strohblondes Haar. Mit einem Lächeln wünschte sie ihnen einen schönen guten Morgen.
"Ihnen auch einen schönen guten Morgen. Bringen Sie bitte eine große Tasse heiße Schokolade mit viel Sahne in unser Zimmer. Ach nein, zwei bitte. Und bringen Sie die Ersatzkeycard mit."
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er mit Vico in ihre Etage.
"Du wartetst hier und ich hole deinen Bruder, alles klar?"
Er nickte Vico zu und wuschelte ihm über den Kopf. Dann ging er in die Suite in der Lucien und Felice hoffentlich friedlich schliefen. Seine Augen gewöhnten sich nur langsam an die Dunkelheit, als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, versuchte er etwas zu erkennen und war froh, als er Lucien, den schönen Lucien, in seinem Bett liegen sah. Und wo war Felice?
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| "Autor" |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 20:37 Uhr
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(Ja, ich höre so was gerne! Dann weiß man, dass es nicht umsonst gemacht wird. ;)
Der Kleine wunderte sich, dass er hier draußen vor der Türe der Gastgeber warten musste, anstatt sich vor ihrem Zimmer zu stellen. Nun, er wusste nicht was passiert war und Rasmus wahr wohl der Einzige im Moment, der der rote Faden war welcher sich zunehmend durch dieses kurze Erlebnis zog. Der einzige Hinweis, doch Vico wollte nun keine Fragen stellen. Der Fremde schien mit dieser Situation überfordert zu sein, was er als Außenseiter auch gut verstehen konnte, denn zumindest Felice sollte doch das Alter besitzen in dem man erwachsen und überlegt handeln kann. Gut, es kam immer anders als man dachte. Der Bursche sah wie Rasmus im Hotelzimmer verschwand und sah den Gang entlang und wieder zurück. Irgendwie musste man sich doch die Zeit vertreiben.
Rasmus hingegen sollte in der Zeit den Älteren neben Lucien wieder finden. Ganz brav war er dem Befehl gefolgt, doch so richtig schien er nicht eingeschlafen zu sein. Das merkte man auch, als er die Lider hob und mit seinen dunklen Augen zu Rasmus blickte. Sofort richtete er sich auf, stellte die Füße auf den Boden und rutschte mit dem Po bis hin zur Bettkante.
„Und? Hast du ihn gefunden?“
Man konnte die Sorge in Felice’s Augen herauslesen und schier spüren, wie wichtig ihm die Antwort auf diese Frage war. Da die minimale Zeitspanne zwischen Frage und Antwort ihn aufregte und nervös machte, stand er nun ganz auf und ging ein paar Schritte. Was sollte er nur machen wenn seinem Bruder etwas zugestoßen war? Zur Polizei konnte er schlecht gehen, denn seine Eltern würden dann sofort benachrichtigt werden und in weniger als einen Tag hier in Wien sein – ganz sicher. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 20:46 Uhr
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Alles war in Ordnung. Lucien lag ruhig auf seinem Bett, Felice war brav seinem Befehl gefolgt und vico stand draußen vor der Tür. Wenn das kein Grund zum glücklich sein war, dann wusste Rasmus auch nicht weiter. Allerdings ließ er sich mit seiner Antwort etwas zeit, in der er sich an die Tür lehnte, die Arme vor der Brust verschränkte und den Italiener musterte. Schon tragisch, dass so ein junger Mensch so schnell sterben wird, zumindest wenn es nach der Natur ginge. Vielleicht sollte er mit Lucien reden...
"Ja, er war auf einem Spielplatz ganz in der Nähe. Komm mit, wir gehen in euer Zimmer."
Er drehte sich um und trat wieder auf den Gang. Das Zimmermädchen, das er vorher angesprochen hatte, wandte sich jetzt an Vico, aber als sie sah, dass Rasmus auch da war, nahm sie doch lieber den Italiener, der ein bisschen älter und geschäftsfähiger aussah.
"Ich bringe Ihren Kakao und die Keycrad." Sie reichte Rasmus den Schlüssel und er öffnete leise dier Tür. Erst, als das Zimmermädchen die heiße Schokolade auf den Tisch gestellt und die beiden Brüder sich in die Suite begeben hatte, setzte er sich auf einen der Stühle. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 21:04 Uhr
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Und als er diese Worte hörte spürte er, wie ein schwerer Stein von seinem gesunden Herzen fiel. Gott sei dank! Vico schien wieder im Hotel zu sein und er konnte endlich diese Sorge ablegen, die seit einigen Stunden in ihn gekehrt war. Er nickte nach dem Satz des anderen Italieners und folgte ihm hinaus auf den Gang. Dort sah er seinen pitschnassen Bruder.
„Vico! Oh endlich, da bist du!“
Der Bewegungsablauf, die ihn nach den Jungen greifen ließ, war mehr als grabschend, aber darüber sollte man sich jetzt auch nicht mehr wundern. Der Bursche wurde eng an den kranken Bruder gedrückt und schmiegte seinen Kopf zwischen Brust und Bauch des Älteren.
„Es tut mir so Leid, Felice! Ich…, ich… .“ „Scht! Ist schon gut, wir reden morgen darüber, oder so.“
Zärtlich hatte Felice seinen Zeigefinger auf die Lippen seines Bruders gelegt, um ihm so das Wort abzuschneiden. Der Kleine nickte und beide folgten Rasmus in ihr Zimmer zurück. Zum Glück gab es Ersatzkaycard’s! Als sie im Innenraum waren durchstöberte Felice sofort einen der hier stehenden, noblen Kleiderschränke. Er fand letztendlich auch das, was er gesucht hatte: Einen Bademantel! Diesen drückte er Vico in die Hand.
„So. Nehme ein Bad und zieh dann das hier an.“
Er muss versuchen noch am Tag Kleidung zu kaufen – oder zu klauen. Auf jeden Fall musste er dies vor der erdrückenden Müdigkeit erledigen, die immer spürbarer um ihn schwirrte. Erneut nickte der Junge, nahm den blütenweißen Bademantel – der mit goldenen Fäden das Emblem des Hotels trug – und verschwand im Bad. Felice wartete einen Moment und knöpfte dann langsam sein Hemd auf, was nur schwerlich getrocknet war. Kurz herrschte Ruhe, bis seine Stimme diese durchbrach.
„Danke, Rasmus. Ich danke dir wirklich sehr, ich wüsste nicht was ich jetzt ohne dich gemacht hätte… .“
Entkam es ihm ehrlich und aufrecht. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 21:51 Uhr
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"Ja, ist schon in Ordnung. Ich konnte den Jungen nicht in Wien rumlaufen lassen. Nicht um die Uhrzeit und nicht bei dem Wetter. Außerdem würde Lucien mir den Kopf abreißen, wenn einem von euch beiden was passieren sollte. Zieh dir was Trockenes an und dann trink deine Schokolade. Was macht dein Kopf?" Er stieß sich von der Tür ab und ging auf den Tisch zu auf dem der Kakao dampfte und verführerisch duftete. Er zog einen Stuhl zurück und nahm Platz. So wie es aussah, würden sie nicht mehr lange gemeinsam reisen können, weil ihnen Felice unter den Fingern wegstarb. Lucien würde sicher nicht begeistert sein.
Als er sich versichert hatte, dass die beiden Jungen frische Kleidung, oder zumindest Bademäntel, trugen, verließ er das Zimmer mit der Aufforderung, dass sie sich nicht nach draußen zu begeben hatten, so lange er oder Lucien sie nicht abholten.
Die Zeit verging und bald ging die Sonne in Wien unter. Lucien spürte, wie das Leben mit sanften, weichen Fingern über seine blasse, harte Haut strich. Der Geruch von Blut lag in der Luft. Blinzelnd gaben die Wimpern den Blick auf die phantastischen Bergseeaugen frei, die alles Licht zu schlucken schienen, wie ein schwarzes Loch.
"Warum starrst du mich so an?" Er strich sich eine lange, schwarze Strähne aus dem schönen, jugendlichen Gesicht und setzte sich aufrecht hin. Rasmus lächelte ihm zu, als er sich von dem Stuhl erhob auf dem er gesessen hatte.
"Ich habe nur darauf gewartet, dass du wach wirst. Wir müssen dringend reden."
"Über was?" Er hob eine dunkle, feine Augenbraue und strich sich in einer menschlichen Geste über das Gesicht.
"Über Felice. Er ist ziemlich krank."
"Ja, ich weiß. Ein Tumor. Und?"
"Er ist heute morgen zusammengebrochen und zu nichts mehr zu gebrauchen, wenn du mich fragst. Okay, du könntest ihm zum Abendessen verspeisen, aber mehr nicht. Ich geb ihm zwei Monate in denen er dahinsiecht und dann ist er weg vom Fenster." Rasmus zuckte mit den Schultern und schaute in die schönen Augen des Vampirs vor sich. Dieser stand, geschmeidig, wie ein Raubtier auf, und ging zum Fenster. Mit einem Ruck zog er die Vorhänge zur Seite und ließ das blasse Mondlicht hinein. "So schlimm..." Damit habe ich nicht gerechnet. Was mache ich denn nun, schöner Felice? Was soll aus dir und deinem Bruder werden? Sterben lassen, kann ich dich nicht und ich kenne nur wenige Wege das zu verhindern. Alle würden bedeuten, dass ich meine Aufgabe hinten an stellen müsste. Oh, Allegro wird außer sich sein vor Wut. Bist du das wert, widerspenstiger Felice? Bist du es wert, dass ich meinen Erschaffer enttäusche? Ich fürchte, du bist so interessant, dass ich das durchaus befürworten muss. Ich bin ein Narr, aber ein zu beneidener Narr!
"Gut, du reist am besten weiter. Ich werde mit den beiden zurück nach Italien gehen."
"Was? Was ist denn mit deinem Auftrag? Hast du mir nicht erzählt, dass das schweinewichtig wär?"
"Ja, aber ich muss mich vorerst um die Brüder kümmern. Wenn du den Brief abgegeben hast, kommst du zu uns!"
Einige Minuten später klopfte der schöne Lucien an der Zimmertür der Brüder. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 22:11 Uhr
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„Er lebt.“
Das war die einzige brauchbare Antwort die Rasmus vom jüngeren Italiener bekam. Bei seinen eigenen Werken: Er wünschte sich manchmal dass er nicht leben würde. Nachdem sie so ein paar Worte gewechselt hatten und Rasmus ihr Zimmer verließ, sah er nach seinem Bruder. Später hatte auch er sich ein Bad gegönnt, die heiße Schokolade – die aber nur noch lauwarm war – getrunken und sich schließlich mit seinem Bruder ins Bett gelegt. Sie schliefen lange und ausgiebig und da sie sowieso im Zimmer bleiben mussten, konnte er keine frischen Sachen holen. Aber dafür für einen kurzen Augenblick vergessen… .
Der Tag ging sehr schnell vorbei, da sie auch sehr spät aufgestanden waren. Sie hatten gegessen und geredet, ausgiebig geredet, sodass nun keine Probleme zwischen ihnen mehr aufkommen sollten, zumindest hoffte er das. Unglaublich, aber wahr, denn die Brüder waren keinen Schritt aus dem Zimmer gegangen. In ihren Bademänteln saßen sie auf dem großen, bequemen Doppelbett und schauten sich ein paar Trickfilme an, von denen sie jedoch kein Wort verstanden. Heute schien für Felice ein ruhiger Tag zu sein, denn die Schmerzen waren nicht sehr stark, sondern recht vertretbar. Bevor Lucien jedoch an ihrem Zimmer geklopft hatte, war Felice auf die Terrasse getreten um eine Zigarette zu rauchen. Es war ein wundervoller Abend. Der Himmel war klar und man hatte einen weiten Blick auf das Firmament. Beim ausatmen des Rauches blinzelte er kurz, bevor er aufzuckte. Den Drang zum Zucken kam auf, als es überraschend an ihrer Türe geklopft hatte. Im ersten Moment wusste er nicht, wo er die Zigarette ausdrücken sollte, so warf er sie einfach auf den gefliesten Boden der Terrasse und huschte ins Zimmer zurück.
„Schau weiter, Vico, ich gehe schon.“
Ja, in solchen Dingen konnte der Bursche sehr schnell sein! Doch er zog sich zurück und blickte seinem älteren Bruder hinterher, der schließlich an der Türe angekommen war und jene auch öffnete. Mehr als überrascht sah er nun Lucien entgegen, der geklopft hatte. Ehrlich gesagt hatte er mit dem Zimmermädchen, oder so, gerechnet.
„Oh eh…, guten Abend. Was führt dich hierher?“
Immerhin schien es eine wichtige Angelegenheit zu sein, denn nur triftige Gründe hatten ihn bislang zu den Brüdern geführt. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 22:18 Uhr
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Du hast geraucht, Felice. Meinst du, dass das deinem kranken Körper zuträglich ist? Ihr Menschen seid manchmal so dumm. Ja, auch du bist dumm, obwohl du mein Interesse geweckt hast, obwohl du es geschafft hast, mich zu einem trotzigen Kind werden zu lassen.
"Packt eure Sachen. Wir reisen ab. Rasmus bringt euch gleich neue Kleidung. In einer halben Stunde seid ihr fertig."
Seine Stimme, halb die eines Kindes, halb die eines Manns, duldete keinen Widerspruch und das würden Menschen auf jedenfall bemerken.
"Hast du noch Tabletten, Felice?"
Es mag sich seltsam anhören, aber ich möchte dich nur ungern leiden sehen. Felice, du bist gefährlich für mich. Ich sollte mich vor dir in Acht nehmen. Ja, schöner, junger Felice... du bist gefährlich ohne es zu wissen. Was für eine fatale Mischung. |
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geschrieben am: 16.10.2005 um 22:26 Uhr
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Er lenkte den Blick seitlich ab und sah auf den verschnörkelten Türgriff. Natürlich hatte er geraucht und wieso sollte er das nicht tun? Mensch, er wird sterben früher oder später, also kann er sich den kleinen Spaß ruhig noch gönnen! Ein unmerkliches Seufzen huschte über seine zarten Lippen, kurz bevor sich ein Mundwinkel argwöhnisch hob.
„Nein, ich habe keine Tabletten mehr, ich möchte auch keine.“
Die wirken sowieso nicht mehr, in seinem Zustand brauchte er sicherlich reichlich Morphium.
„Es geht schon. Wir warten auf die Kleider und werden dann fertig sein.“
Es kam eine kleine Pause nach seinem Satz auf, denn er bemerkte erst später dass er sich viel zu devot benahm. Gut, bei Rasmus war es etwas anderes gewesen, doch hier?
„Wo soll es überhaupt hingehen und wieso jetzt gleich? Kann man das nicht etwas früher sagen?“
Sacht rümpfte er die Nase und blickte zurück zu Lucien, wobei er nach unten sehen musste, da er doch wesentlich kleiner war als der Italiener. Dieser Größenunterschied war so grotesk wie nichts anderes auf dieser Welt. Außenstehende konnten sich sicher blendend darüber amüsieren, wie der kleine Franzose den großen Italiener durch das Leben jagte, was Letzterem langsam aber sich zuwider wurde.
Interessiert wendete Vico den Kopf zu ihnen und lauschte den Worten, denn im Fernsehen verstand er sowieso kein Wort – genau wie sein Bruder. |
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geschrieben am: 17.10.2005 um 20:56 Uhr
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Ein winziges Seufzen verließ Luciens harte, blasse lippen, die, wie alles andere an ihm, wirkten, als wären sie aus teuerstem Mamor. In einer Geste, die er schon hunderte, wenn nicht tausende Male gemacht hatte, strich er sich das schwarze, glänzende haar zurück und ließ seinen langen, schlanken Finger in seine Hosentaschen gleiten.
"Oh, natürlich hätten ich euch vorher Bescheid gegeben, aber die Umstände, die ein sofortige Abreise erfordern, sind noch nicht allzu lange gegeben. Und jetzt stell keine Fragen mehr. Wenn die Schmerzen zu schlimm werden, schickst du Vico zu mir, hast du verstanden?"
Keine zwei Stunden später saßen die vier Reisenden im ICE Wien - Rom. In einigen Stunden würden sie Italien erreichen und während die Brüder - hoffentlich - in ihrem Abteil saßen, saßen Rasmus und Lucien im Bordcafé des Zuges. Der Italiener musterte seinen blassen Gefährten mit gerunzelter Stirn.
"Wann hast du das letzte Mal was vernünftiges gegessen?"
"Es geht mir gut, Rasmus! Ich mach mir nur Gedanken um die Jungen. Allegro wird sie sicher nicht mit offenen Armen empfangen, wenn er keinen Nutzen aus ihnen ziehen kann. Es wäre schade zwei exquistite Geschöpfe wie sie einfach ihrem Schicksal zu überlasen."
"Du weißt, dass es einen anderen Weg gibt." Stellte Rasmus fest und nahm einen Schluck Kaffee. Der Geruch brannte sich in Luciens Gehirn.
"Ja, wahrscheinlich hast du Recht, aber so, wie ich Felice kenne, wird er sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Und Vico... ich glaube kaum, dass Vater zulassen wird, dass ein kleiner Junge, wie er..."
Erst, als der Zug mit quietschenden bremsen in Rom einrollte, kamen die beiden in das Abteil der Jungen. Lucien, blass, wie immer, lehnte sich an den Rahmen und nickte Felice zu.
"Wir sind da. Seid ihr so weit?" |
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