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geschrieben am: 18.04.2006 um 20:11 Uhr
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War es das, was ihn so an diesem Jungen, diesem Menschen faszinierte? Der unbändige Freiheitsdrang, unbrechbare Wille und die erhabene Art, wie er den einen Fuß vor den anderen setzte? Ja, es musste so sein, anders konnte er es sich nicht erklären. Felice war, was er gerne gewesen wäre: Unabhängig.
Seine blauen Bergseeaugen nahmen die eleganten Bewegungen des Jungen deutlich wahr, saugten sie in sich auf um sie in seinem Hirn abzuspeichern, als Bild ewiger Schönheit. Nein, auch wenn er gewollt hätte, er hätte ihm nicht ernsthaft schaden können. So ließ er den Jungen ziehen, denn mehr konnte er ohnehin nicht machen, ohne ihn seinem Willen zu unterwerfen. Und noch sah er nicht die Notwendigkeit darin. Er folgte Felice in sein Zimmer und verabschiedete sich mit einem ruhigen, gelassenen Nicken. Erst, als er auf den Gang trat, konnte er sich eingestehen, dass er schreckliche Angst vor dem hatte, was auf ihn zu kam. Er wollte nicht daran denken, was sein Vater mit ihm anstellen würde, doch bevor er weitere Gedanken daran verschwendete, zog er sich auf sein Zimmer zurück. Er würde so wie so warten müssen. Die Bücher und das Klavier, das die hier bereit standen, brachten ihm keine Abwechslung mehr. Die weißen Lilien auf der weißen Fensterbank rochen viel zu intensiv. Lucien versuchte es zu ignorieren, aber er schaffte es nicht. Also riss er das Fenster auf und schmiss die Vase mit Inhalt hinaus. Schnaubend lehnte er sich an die kühle Wand neben dem Fenster, als es plötzlich klopfte und ein Diener eintrat. Mit fistelnder Stimme gab er bekannt, dass der Herr seinen Sohn zu sprechen wünsche und zwar unverzüglich. "Richte ihm aus, dass ich sofort komme!" Als der Diener sein Zimmer verlassen hatte, ging er auf einen Tisch zu, auf dem eine Karaffe mit Wasser, ein Waschbecken und Kämme bereit lagen. Er wusch sich das Gesicht, kämmt das schwarze, etwas längere Haar durch, so dass es seine hellen, Dank der hohen Wangenknochen, aristokratischen Züge zärtlich, wie Seide umschmeichelte. Wenn sein Herz noch schlagen würde, dann würde es jetzt wohl rasen. Trotzdem waren seine Schritte ruhig und wohlerzogen und von formvollendeter Eleganz, wie man sie nie bei einem Menschen würde ausmachen können. Sein Weg führte ihn geradewegs in einen Türm und dort hinauf in das höchste Zimmer. Mit seinen blassen Fingern klopfte er an. Als er keine Antwort bekam, trat er ein. Es war niemand da, aber auch so, wirkte das Zimmer furchterregend genug. Die Wände waren mit dunklen Kirschholz vertäfelt, in dem Nischen eingelassen waren, in denen Kerzen brannten. Es gab keine Sitzgelegenheiten in diesem Raum. Er war ausschließlich mit Matratzen und Kissen ausgestattet. Bevor er sich zuviele Gedanken machte, setzte Lucien sich und lehnte seinen schlanken Körper an die holzuvertäfelte Wand. Das Warten war grausam. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren und so wusste er nicht, wie lange er schon im Turm war, als sich die Tür endlich zum zweiten mal öffnete und Allegro eintrat. |
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