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geschrieben am: 16.01.2006 um 14:33 Uhr
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Lucien nickte noch einmal kurz. Er wusste, dass er viel von dem Jungen verlangt, aber er war auch bereit ihm viel zurückzugeben. Auch, wenn Felice das nicht zu schätzen wusste. Nun, wahrscheinlich hätte er es auch nicht getan, wenn ihn ein wildfremder Mensch dazu gezwungen hätte ihn zu begleiten. Die Tatsache, dass er selbst kein Mensch war, machte es für den schönen Italiener sicher nicht einfacher. Nein, ganz gewiss nicht. Doch genug der unsinnigen Gedanken. Er nickte Rasmus noch einmal zu, der sich daraufhin zurück zog, dann straffte Lucien seine Schultern und ging auf die große Flügeltür zu. Er öffnete sie mit einer eleganten Geste und trat langsam ein. Ein vorsichtiger Blick über seine Schulter garantierte ihm, dass Felice ihm folgte.
Sie fanden sich in einem großen, einladenden Herrensalon wieder. Die Wände waren mit dunklem Holz getafelt und ihre Schritte hallten auf dem Parket des Bodens leise nach, bis sie auf einen dicken, dunklen Teppich traten. Einige Bücherregale ließen den Raum wohnlich und gemütlich wirken, ebenso, wie die vielen Sitzgelegenheiten. Hier gab es bestimmt zehn Sessel, die in einer, nicht ganz symetrischen Anordnung einen großen Halbkreis beschrieben, der zu einem Steinkamin offen war. Auf Beistelltischen standen Flaschen und Karaffen mit roten und durchsichtigen Flüssigkeiten neben Kleinigkeiten zu Essen. Es gab sogar Zigarrenboxen und das nötige Utensil für den Genuss der solchen. Die schweren vorhänge vor den hohen Fenstern waren nicht zugezogen, so dass das silberne Mondlicht hübsche Muster auf die Einrichtung warf. Im ersten Moment sah der Salon leer aus. Lucien schluckte. Er mochte diesen Raum nicht gerne. Zuviele, schwere Erinnerungen klebten in jeder Ritze. Wenn er hätte atmen müssen, so hätte er jetzt tief Luft geholt. So unterdrückte er nur ein Räuspern und ging auf die Sessel zu, die mit schwerem, teuren Stoff überzogen waren. Als er nur noch zwei Meter von ihnen entfernt war, sah er ihn. Seine Bewegungen gerieten ins Stocken, als er die schöne Gestalt sah. Ein junger Mann von vielleicht fünfundzwanzig Jahren, mit Haar so hell und blond, dass man kaum glauben konnte, dass es echt war - so schön war es - saß auf dem Möbelstück in der Ecke, die schlanken Beine, die in einer teuren Designeranzughose steckten überschlugen, darauf ein Buch und in der schlanken, weißen Hand ein Weinglas. Sein Gesicht war von solch verführerischer Schönheit, dass es selbst Männer anzog, was zu seiner Zeit, als eine schwere Sünde galt. Die Lippen hatten die Farbe von tiefroten Rubinen und die Augen, die auf die Buchstaben im Text gerichtet waren, waren so braun und unergründlich, dass man dachte, man müsse ertrinken, wenn man nur in sie hineinsah. Allegro. Als er sich nicht bewegte, erhob Lucien seine warme Stimme.
"Vater... hier bin ich. Ihr sagtet, Ihr müsstet mit mir reden und genau so, muss ich mit Euch reden."
Für diese Worte war er stehen geblieben, doch nun ging er weiter und ließ sich vor der schönen Gestalt auf die Knie sinken. Zum ersten Mal geriet Leben in Allegros Gestalt. Er schlug das Buch zu und legte es auf den Beistelltisch. Sein Buch folgte. Dann streckte er seine Hand aus. Lucien ergriff sie und küsste sie. Man merkte deutlich, die Hierarchie in diesem Haushalt, allein die demütige Haltung, die Lucien einnahm, sollte es klar machen. Als der Blonde seine Hand wieder an sich gezogen hatte, bedeutete er Lucien mit einer Geste Platz zu nehmen.
"Du bist also wieder hier." Seine Stimme war männlich und wohlklingend und selbst ein völlig unempathischer Mensch hätte bemerkt, dass sie gewöhnt war, dass man den Anweisungen folge leistete. "Was hat dich davon abgehalten den Auftrag zu erfüllen, der so viel wichtiger ist, als dein eigenes Leben?"
Luciens Gesicht war zu einer blassen, ausdruckslosen Maske geworden und seine Finger klammerten sich um die teuren Lehnen des Sessels.
"Antworte, Lucien!"
"Herr, ich bin mir bewusst, dass ich nicht ohne euer Einverständnis hätte handeln dürfen, wie ich es tat, aber lasst mich zunächst erklären, was mich bewegte. Dies hier..."Er deutete mit seiner filigranen Hand auf Felice.. "ist Felice. Ich traf ihn und seinen Bruder in einer Gaststätte in Florenz."
Allegros dunkle augen lösten sich von Luciens Gestalt und wanderten hinüber zu Felice. Sein Blick huschte über jeden Zentimeter der Haut des Fremden.
"Nehmen Sie doch Platz, Monsieur und entschuldigen Sie die Unhöflichkeit meines Sohnes, gegenüber eines Gastes."
Er wies auf einen Sessel zwischen sich und Lucien. Man wusste, wenn auch nicht warum, dass man diesem Angebot nachkommen sollte, genauso, wie jedem anderen, was dieser Mann einem unterbreitete.
"Nun, Monsieur, es freut mich Sie in unserem Hause begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, Lucien hat Ihnen ein angenehmes Zimmer zugewiesen?" |
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